Pera eine Feuersbrunst aus, durch welche etwa 20
dann am 18. Juli statt.
und in einem Jahr verausgabt wissen wollte. In vielen Punkten erhielt Hr. Richter auch durch Hrn. Lasker eine Abfertigung, namentlich in Bezug auf die vermeintlich schlechte Finanzlage des Reiches und der Marine. Hrn. Laskers Rede nahm aber wieder etwas weite Dimensionen an, daher eS nicht zu verwundern ist, daß auch ihm einige Jrrthümer mit unterliefen: sie bezogen sich auf die Stellung deS Fürsten Bismarck zur Fortschrittspartei, auf das Pro« ekt des Ersatzes der Salzsteuer durch Erhöhung der Tabacksteuer, auf das Pauschquantum und auf den Stand der Unteroffiziere. Auf diese Punkte antworteten der Reihe nach Fürst Bismarck, Staatsminister Delbrück, Staatsminister v. Kameke und Graf v. R o o n. An dieser Stelle möchten wir nur darauf aufmerksam machen, daß Fürst Bismarck es von der Hand wies, die Verfassung — wie ihm imputirt wurde — im Sinne der Fortschrittspartei j,u entwickeln, und daß Graf R o o n Worte ehrendster Anerkennung dem Stand der Unteroffiziere zu Theil werden ließ, Worte, die sicher nicht verfehlen werden, die unter Laien verbreitete irrthümliche Auffassung über die Stellung und den Werth der Unteroffiziere gänzlich zu zerstreuen. Damit schloß die erste Be« ralhung. Der Marine- und Militär - Etat nebst ämmtlichen darauf bezüglichen finanziellen Vorlagen wurde der Budgetkommission überwiesen, die übrigen Theile deö Etats werden im Plenum weiter berathen werden.
bruar 1871 wurde Herr Thiers zum Präsidenten der Republik,,! gewählt. Nachdem er Frankreich von der Anarchie errettet, aus der Hand des Fremden befreit, . 5 Milliarden bezahlt, die Finanzen wieder gekräftigt ' unb seinem Vaterlande die Achtung und Hochschätzung , des Auslandes wieder erworben hatte, wurde er am 24. Mai 1873 gestürzt, weil er in Uebereinstimmung mit den frei ausgesprochenen Wünschen des Landes ‘ erklärt hatte, daß die Republik eine gesetzliche Orga- , nisation erhalten solle, und weil er bewiesen hatte, daß die Unbeständigkeit der Regierung die alleinige Ursache der Bedrängniß des Handels und der In- dustrie sei. Er wurde gestürzt unter dem Beifallsgeschrei einer Coalition von 362 Deputirten, notori schen Feinden der Republik, ausgesprochenen Orleanisten, Legitimisten und Bonapartisten. Unsere Kinder werdcu, indem sie Dieses lesen. auSrufen: Armes Frankreich! Arme Franzosen von 18731 Sie hatten den jammer- vollsten aller Kriege erlebt; sie waren Augenzeugen der schmerzensreichsten aller Insurrektionen; es war ihnen vorbehalten, den grausamften und beklagens- werthesten Undank mit anzusehen."
Versailles, 27. Mai. In der Sitzung der Nationalversammlung werden die Wahlen der radicalen Deputirten Lcsguillon, Dupuy und Barodet ohne Diskussion für gültig erklärt. Die Versammlung be- räth darauf den Gesetzentwurf, betreffend die neuen Eisenbahnlinien im Osten, der von Clapier bekämpft wild. Während der Rede deö letzteren tritt Thiers in den Saal nnd wird von der Linken mit drei maligen lauten Kundgebungen begrüßt. Thiers nimmt seinen Platz uuter dem linken Centrum. (Neue Bei- fallsäußerungen auf der Linken.)
Rom, 27. Mai. Die Kaiserin von Rußland hat dem Papst ihren Besuch angemeldet und wird demnächst von ihm empfangen werden. — Die De putirtenkammer hat in ihrer heutigen Sitzung den Gesetzentwurf über die religiösen Körperschaften im Ganzen mit 196 gegen 46 Stimmen angenommen.
London, 27. Mai. Nachstehend einige Urtheile der leitenden englischen Blätter über die neuesten Vorgänge in Versailles. Einen dauernden Bestand kann die „Times" der neuen Regierung nicht zuerkennen. Sie hält Thiers und die Linke für stark genug, die Verwirklichung der reactionären Träume, welche die jetzt siegreiche Rechte vielleicht beabsichtigt, zu Nichte zu machen. Thiers selbst wird von der „Times" sehr belobt. „Er hat den Ruhm sich errungen, das französische Gebiet befreit, Ordnung in der Verwaltung und in den Finanzen geschaffen, 4 Milliarden der Kriegsentschädigung abbezahlt und die Mittel zur Tilgung der fünften Milliarde angeschafft zu haben." Alles dies hat er, wie Jules Simon richtig hervorgehoben, tretz der Eifersüchteleien und ohne Unterstützung der Rechten bewirkt. Die „Daily News", das Organ der unabhängigen Liberalen, bezeichnet die conftitutionelle Krisis als eine Revolution, mit welcher der ungeduldige Fanatismus einer Partei Frankreich bedrohe. „Nicht hart genug kann die Selbstsucht der Rechten verurtheilt werden. Alle Interessen Frankreichs setze sie aufs Spiel, um es für das Königthum zu gewinnen, ehe die Republik, die von Frankreich erwählte Regierungsiorm, sich friedlich befestigt hat. Tie Katastrophe hätte wohl so lange verschoben werden können, bis Frankreich von den Deutschen geräumt und der letzte Theil der Kriegsschuld bezahlt worden wäre." Der „Daily Telegraph", welcher zu dem Ministerium Gladstone in naher Beziehung steht, ist äußerst vorsichtig in seinem Urtheil. Die Proclamation Mac Mahons bezeichnet er als nichtssagend. Das neue Ministerium werde nach seinen Thaten beurtheilt werden müssen. Es wäre nicht zu verwundern, wenn unter der royalistischen Regierung die monarchistischen Ideen neue Macht gewinnen würden, gerade wie unter Thiers die Republikaner stärker geworden wären.
Haag, 27. Mai. Der Minister für die Colonien machte heule in der Sitzung der zweiten Kammer die Mittheilung, daß nach einer telegraphischen Meldung des General.Gouverneur von Indien vom gestrigen Abend in Deli vollständige Ruhe herrsche. In Edi (einer vom Sultanat Atchin abhängigen Stadt) seien 8 Compagnien Regierungstruppen eingerückt unk die holländische Fahne aufgepflanzt worden.
Stockholm, 25. Mai. König Oskar wird am 15„ Juni Stockholm verlassen und sich nach Dront- hcim begeben. Dort geht er mit mehreren schwedischen und norwegischen Ministern an Bord der Fregatte „St. Olaf", um den nördlichsten Punct seiner Staaten, das Nordcap, zu besuchen, wohin seit 250 Jahren kein norwegischer Herrscher mehr (zuletzt Christian IV. von Dänemark) gekommen ist. Von Lappland zurück gekehrt, wird der König in Drontheim die Königin antreffen und beider Krönung für Norwegen findet
unterzogen sich denn auch fast alle Redner des zweiten Tages, soweit sic die von Hrn. Richter erwähnten Punkte berührte». Hr. Baron v. Minnigerode u ui» 4.w. nahm besonders die Marine und das Heer in Schutz,
Ao»sta«1i»opel, 27. Mai. In der Nähe der jHr Mosle bekundete feine Fürsorge für die Marine
Wohnungen der Derwische brach heute Morgen in i dadurch, daß er das für dieselbe auf mehrere Jahre "" “■— r* —° -*• - <jr- n/) von der Regierung beantragte Geld sofort bewilligt
Telegraphische Depesche« der Oder« hessische« Zeitung.
Wien, 28. iDiai. Vielfach wurde die Idee der Gründung eines Syndikats besprochen, welches die Durchführung der Liquidation der sich auflösenden Institute übernehmen würde. Die Idee ist jedoch erst im Stadium der Vorbesprechung. Inzwischen fanden Executionen von und gegen Banken statt, was die Courfe der Bankpapiere drückte. Eisenbahnactien, Rente und 1860r Loose wurden dagegen in Posten für inländische Rechnung gekauft. — Bis zur Stunde ist die Regierungsveränderung in Frankreich auch hier nicht notificirt worden. Der Kaiser von Rußland wird nächsten Sonntag hier ankommen.
Pest, 28. Mai. „Pester Lloyd" meldet, daß die Nationalbank morgen über Bewilligung einer weiteren Lotalionserdöhung für Ungarn entscheiden wild und versichert, daß nach den stattgesundenen Besprechungen zwischeil den Finanzministern von Ungarn und Oesterreich sowie maßgebenden Persönlichkeiten der Bank die volle Berücksichtigung Ungarns zuversichtlich schon vor Ultimo zu erwarten sei. Der Pester Platz würde längstens übermorgen weitere zwei Millionen erhalten.
Genf, 28. Mai. Das „Journal de Gensve" veröffentlicht einen Gesetzentwurf betreffend die Organisation des katholischen CultuS. Hiernach wird der (Santon in Parrochieen eingetheilt. Die Parrochie ernennt den Pfarrer und eine Commission mit administrativen Befugnissen. Der von dem Pfarrer zu leistende Eid ist analog dem bisherigen. Der Ge- sammtcultus wird durch eine besondere Oberbehörde — „conseil superieure“ — geleitet. Dieselbe besteht aus 20 Laien und 5 Geistlichen, welche sämmtlich gewählt werden. Eine Suspension der Geistlichen kann der StaatSrath wegen Amtsverletzung, die Diöcesan- behörde wegen eines Discipltnarvergehens verhängen.
Paris, 28. Mai, AbdS. Wie man versichert, hätte die Majorität der Nationalversammlung, um der Wiederkehr der Regierungskrisen vorzubeugen, beschlossen, die Unverantwortlichkeit deS Präsidenten der Republik zu sichern und die Dauer seiner Vollmachten auf 5 Jahre festzusetzen. Morgen findet eine Confe- renz der, Minister der Finanzen und des Handels mit dem Präsidenten der Tarifcommijsion statt, um die Mittel zu suchen, welche gestatteten, die Gesetze, betr. die Besteuerung der Rohstoffe aufzuhebcn oder die Tarife zu ermäßigen.
Paris, 28. Mai, IOV2 Uhr Abends. Neue Anleihe auf dem Boulevard zu 90. 95 gehandelt.
Loudon, 28. Mai. Wie „Reuter's Office" meldet, machen die Republikaner in Spanien große Anstrengungen, Espartero zu bestimmen, daß er die Präsidentschaft der Republik annehme.
Telegraphische Cours- und Marktberichte.
Frankfurt a. M-, 29 Mai. (Schluß-Course). Staatsbahn - Aktien 346, Elisabeth 249, Galizier 225, Lombarden 195, Nordwestbahn 221, Creditactien 303, Silberrente 64$, Papierrente —, 1860t Loose 91$, Nationalbank 1000, Spanier 20, 1882r Amerikaner—, Darmstädter Bank -, Effectenbank —, Kurhefsen—.
Berlin, 29 Mai. (Anfangscourse). Creditactien 173, Staatsbahn 198$, Lombarden IHV Amerik. 96$.
Wien, 29 Mai. (Anfangscourse). Creditactien 287.00, Lombarden 184 50, Napoleons —.
Häuser und Magazine zerstört wurden.
Marburg, 29. Mai. Am 10. und 11. Juli d. I. findet dahier die Generalversammlung des hessi- chen landwirthschaftlichen Centralvereins statt; mit derselben wird ein landwirthschaftliches Fest verbunden werden, dessen Programm demnächst veröffentlicht werden soll. In der gestrigen Versammlung des Landwirth chaftsvereins wurde als Festplatz der Kämpfrasen de- initiv in Aussicht genommen, nachdem die Militärbe- sörde denselben für diese Tage bereitwilligst zur Ver- ügung gestellt hatte. — Seitens des hiesigen Stadt- rathes ist der Betrag von 100 Thlrn. zu Zwecken des Festes verwilligt worden.
Kaffel, 28. Mai. Am vorgestrigen Tage waren I es fünfzig Jahre, als der Rechtsanwalt Justizralh Henkel dahier zum Anwalt bestellt wurde. In Veranlassung dieses Ereignisses wurde dem Jubilar der rothe Adlerorden vierter Klasse verliehen, Seitens der iädtischen Behörden das Ghrenbürgerrecht ertheilt unb von den Kasseler Anwälten ein Ehrenpokal überreicht Nachdem schon vom frühen Morgen1 an Seitens des Ersten Präsidenten des AppellationSge- richts, des KreisgerichtSdircctorS, der Kasseler Rechtsanwälte, einer Deputation des hiesigen Stadtraths und vieler Anderer dem Jubilar die besten Glückwünsche bargebracht waren, fand bie Feier Nachmittags durch ein Festessen im Kunsthaussaale ihren Abschluß. Während desselben liefen zahlreiche Glückwunschtelegramme von allen Enden, unter ihnen auch eines von den kurhessischen Mitgliedern des OberappelationSge- richts zu Berlin, ein. (H. M.)
Berlin, 28. Mai.
Der Reichstag genehmigte heute nach kurzer Debatte in dritter Lesung den Postvertrag mit Italien und ging bann zur Berathung bes von den Abgeordnete» Dr. Elben und Genossen vorgelegten Gesetzentwurfs, betreffend Errichtung eines Reichseisenbahnamts, über. Der Abg. Mohl erkannte das Bedürf- niß einer Centralbehörde zur Ausübung der dem Deutschen Reiche in Bezug auf das Eisenbahnwesen zustehenden Befugnisse an, glaubt jedoch, daß man eines großartigen Apparates zu diesem Zwecke nicht bedürfen werde. Jedenfalls müsse sich das Reich darauf beschränken, nur solche Normen für die einheitliche Regelung des Eisenbahnbetriebes aufzustellen, die dem praktischen Bedürfnisse entsprächen. Diese Grenze werde durch die Vorlage weit überschritten, welche offenbar aus der echt französischen Lust an straffer Cemralisation hervorgegangen fei. Abg. Eckhard (Baden) trat mit Entschiedenheit dem Partiku- laristischen Widerstande gegen die zu schaffende Centralbehörde entgegen unb befürwortete bie Aufnahme folgenben Zusatzes: „Bis zu Erlassung eines Reichseisenbahn - Gesetzes steht den einzelnen Bundesstaaten Namens der Staats - Eisenbahnen unb Namens ber Privat-Elsenbahnen, bie in dem betreffenden Staatsgebiete belegen sind, ein Beschwerderecht gegen die Entscheidungen des Reichs-Eisenbahn Amtes an den BundcSrath zu." Abg. Reichensperger (Krefeld): er halte das Gesetz für durchaus nicht dringlich, zumal dergleichen wichtige organisatorische Gesetze sonst aus der Initiative des Bundeoraths hervorzugehcn pflegten, und beklagte sich darüber, daß das Cenlrum gar nicht zur Unterstützung des Anträge« ausgefordert worden sei. Der Reichskanzler Fürst Bismarck hebt hervor, daß die Nolhwendigkeil und das Bedürf- niß des gegenwärtigen Gesetzentwurfs schon durch die Verfassung gegeben sei und wäre^es eine Pflicht den betreffenden Artikel der Verfassung auszuführen. Der moralische Einfluß einer bloßen Commission genüge nicht zur Regelung des ConcessionSwesens namentlich aber nicht des Betriebswesen. Eine, wenn auch in die engsten Grenzen eingeengte Execution mit Staats- autorität sei nothwendig. Rach weiterer Debatte wird
1 mit einem Amendent Eckhardt Dernburg, wonach eine Stellung in der Reichseisenbahnverwaltung mit einer solchen im ReichSeijendahnarnle unvereinbar ist und in dem Gesetze statt „Reichseisenbahnen", „deutsche Eisenbahnen" gesetzt werden soll, angenommen. §. 2 wirb unverändert angenommen unb bie Debatte über §. 3 auf morgen vertagt.
Die erste Berathung deS Reichshaushaltsetat für 1874 ist nach zweitägiger Debatte zu Ende gekom men. Wir erwähnten schon, daß Herr Miquel es bereits unternahm, Hrn. Richter mehrere Jrrthümer nachzuweisen und seine Ueberlreibungen in vas rechte Licht zu stellen Dieser dankenswerthen Aufgabe