rück, ohne sich im Uebrigen für das rcpublika-
wirklich zum Minister des Innern designirt, sollen
Männer, wie Larcy und Ernoul in der Thai in daS Cabinet eintreten, so würde jedes derartige Engage ment eben auch von vornherein als blanke Lüge er scheinen. Im Uebrigen ist das Programm des Marschalls ein ziemlich vages. Unter der Erhaltung des inner» Friedens nach den Principien, auf welche die Gesell fchaft basirt ist, kann man sich alles Mögliche denken. Der Hauptaccent ruht eben auf der Armee. Daß die republikanische Partei jetzt alles daran setzen wird, die äußere Ruhe zu jerhalten, mag bereitwillig vorausgesetzt werden, die Frage ist nur eine Frage des Gelingens. Die Reminiscenzen au den Besieger der Commune können ebensowohl zum Nachtheile als zum Vorlheile deS gegenwärtigen Präsidenten der Republik ausfallen. Jedenfalls besitzt die republikanische Partei eine gewisse Stärke darin, daß alle Versuche, die concrete Monarchie hervorzuführen, sich von selbst aufheben. Die Frage der definitiven Regierungsform wird eben offiziell zurückgezogen werden müssen. Die ganze KrisiS liefert demnach für ein Einziges den Beweis, daß aus Situationen, wie die gegenwärtige in Frankreich, nicht parlamentarische Entscheidungen herauszuführen vermögen. Der Sturz Thiers, die Wahl Mac Mahons, die grenzenlosen Berwirrungen des Augenblicks sind eben so viele Apotheosen des Staatsstreichs. Frankreich braucht das persönliche Regiment, sei es in parlamentarischen, sei es in absolutistischen Formen. Darin war Thiers der Mann der Lage und gerade in seiner Prinziplosigkeit ruhte sein lieber gewicht. Mac Mahon erscheint von vornherein als der gewissermaßen unpersönliche Repräsentant künstlich geeiuigter Parteien. Will er seine Persönlichkeit geltend machen, so kann er den offenen Bruch mit der einen oder andern, oder vielleicht mit allen außer einer nicht vermeiden. Nicht das Staatswesen entscheidet eben mehr in Frankreich, sondern das Partei- wesen Solche Verhältnisse kann man eine Zeit lang hinschleppen und ihre gewaltlhätige Lösung vertagen, aber früher oder später ist ihr nothwendiges Ergebniß der Bürgerkrieg.
Bern, 28. Mai. Der Berner große Rath hat bei der Berathung des Kirchengesetzes die Civilche mit großer Mehrheit angenommen. 42 Mitglieder bean traglen die neue Vorlage des vom Volke verworfenen Gesetzes über die Erhöhung der Besoldungen. — Die Minderheit des Großen RatheS des Cantons
Mahon in seiner Ansprache so großes Gewicht gelegt hat, nimmt sie gern den Hinweis auf die religiösen Interessen in den Kauf. Auch daß die neue Anleihe gestern auf dem Boulevard gut gehandelt wurde, in- fluencirt die Auffaffung. Heute scheint es bereits, als ob der Berliner Ultimo die Bedeutung eines wichtigeren Ereignisses für die Börse in Anspruch nimmt, als der Regierungswechsel in Frankreich. Das Schreiben Mac Mahon's wird als ein äußerst vorsichtiges angesehen. Laß der Marschall die Wahl zum Präsidenten der Republik annimmt, führt er aus die Souveränität der Nationalversammlung zu
Neuenburg legte bei dem Bundesrath Berufung ein gegen den Beschluß des Großen Rathsj, das neue Kirchengesetz nicht zur VolkSabstimniung zu bringen.
Paris, 27. Mai. Die neuconservalive Republik ist drei Tage alt, und heute liegen auf dem Ministerium des Innern Tausende — die Zahl ist wörtlich zu nehmen — Tausende von Briefen, in denen der Bürger -k., I., Z. als Republikaner, Atheist oder Demokrat denuncirt wird. Dies als beiläufiger Beitrag zur Charakteristik deS französischen VolkSgeistcs! Im Uebrigen wird die geschehene Umwälzung weniger widerwillig angenommen, als man es im Auslaude
Ausland.
Wien, 26. Mai. Die ersten Eindrücke der Ereignisse vom 24. Mai erhalten sich; in allen politischen Kreisen ist man mit reger Besorgniß für die Gestaltung der nächsten Zukunft Frankreichs erfüllt. Nur oie Börse scheint sich der optimistischen Auffassung hinneigen zu wollen. Für sie ist die Betonung der konservativen Interessen in erster Linie maßgebend und für die Armee, aus deren Mitwirkung Mac
schönste Gräfin der Welt schneidet ihn mit ab, — unerhörtes Glück, das so einem Haderlump nur passtren kann! Sie läßt ihn Küchenjunge werden und protegirt ihn bis zum serbischen Mundkoch hinauf. Das ist horribel! — aber zeigt uns auch die Entschloffenheit des Gehenkten. Er sieht eine Photographie, verliebt stch und ich steh' dafür ein, innerhalb vier Wochen ist die Hochzeit schon vorbei. DaS ist praktisch und nachahmungswerth; wäre ich der berühmte Maler Paul Raimund, ich wüßte schon, was ich thäte."
„Nun, weiser Sokrates?"
„Hm, bei der Ueberzeugung, von dem schönsten Kind der Welt geliebt zu sein, hinge ich die Photo grophie an den Nagel, schüttelte den Staub von den Füßen und pilgerte heim gen Wien, — brächte die meisterhafte Copie an den Markt und eroberte mir trotz aller Fürsten und Oheime das Original."
„Du bist ein Narr, Blaubart!" rief Paul stirn runzelnd, „vergleiche mich nicht mit dem Mundkoch, — ich bin in diesem Punkte nicht zum Scherze gc neigt."
„Dem Muthigen gehört die Welt, Barbarossa! — Schäme Dich Deines Namens, doch wie Du willst, ich löse nächsten« die Firma auf und stifte ein photographisches Heiraths Bureau, — die Welt will betrogen sei», warum soll man ihr dieses Himmelreich verkümmern? O, Irma! warum bin ich Blau- batt anstatt Barbarossa? — Du wärst schon mein!"
„Gute Nacht!" rief Paul ärgerlich und ging in die gemeinschaftliche Schlaskammer.
„Gute Nacht, Träumer! — hättest Dein Bild nur getrost dem Fürsten L. verschachern können; in Deiner Hand ist eS ein todter Götze, während der rechte Pygmalion eS schon verstehen würde ihm Leben
die andere Kammerjungfer hatte Mucheleien gemacht nach des allen Grafen Tod, der vorm Vierteljahr oder darüber starb, das wissen'S doch noch Herr Handl?"
„Freilich, das weiß ja ganz Wien; wie sollt'« der Briefträger nicht wiffen, Frau Vogler?"
„3a, wissen'S, Herr Handl, die schöne Gräfin Znna sollt' partout den Fürsten L. heirathcn, der Onkel wollt'S haben, man hat sogar davon gesagt, daß er sie hat enterben wollen, der Barbar, wenn sie's nicht thät'! Da rührt ihn der Schlag, das war Gottes Finger, da mußt er'S halt bleiben lassen und der Fürst kriegt'n Korb, so groß wie mein Marklkorb da. Die Kammerjungfer aber tuschelt und muschelt mit dem Fürsten noch immer herum, und Gott weiß, was da für Unglück herauskommen wär', wenn die gnädige Gräfin es nicht gemerkt hätte und da« Weibsbild weg'schickt, nun kann sie sich ihren Lohn halt beim Fürsten holen. Schaun'S, Herr Handl, meiner Minna ihre Freundin ist die Braut von dem Bruder deS Kammerdieners, der beim alten gestorbenen Grafen von Hohenheim gewesen ist, und dadurch ist'« gemacht worben, daß meine Minna den schönen Platz hat bekommen. Jetzt ist sie mit ihrer gnädigen Herrschaft auf den Gütern in Böhmen."
„Na, da gratulire ich, Frau Vogler!" sagte der Briefträger, „so ein Glück fallt öfter« vom Himmel herunter, man weiß Halter nicht wie. Und den Bries besorgen Sie an Ihre Tochter?"
„Das versteht sich, Herr Handl! — B'hüt Gott alleweil, Herr Handl!"
Dieser ging und Frau Bogel trank erst wieder gemüthlich ihren Kaffee aus
(Fortsetzung folgt.)
rung der directen Steuer» für die sächsischen Steuer- pflichtigen möglichst zu vermindern. Das Journal bezeichnet das Verfahren der oppositionellen Partei als ein wohlbedachtes Wahlmanöver, um entschiedene Feinde der Regierung in die Kammer zu bringen ES schließt mit der Versicherung, daß in der Politik der sächsischen Regierung, wie solche auf dem letzten Landtage klar und offen dargelegt worden, eine Aen- derung in keiner Beziehung und nach keiner Richtung hin eingetreten sei.
München, 26. Mai. Das „baierische Vater land" ist über die Wendung vom 24. Mai in Frank reich äußerst glücklich. Es sieht bereits „das Stein chen ins Rollen kommen" und den Untergang der „Revolution" unmittelbar bevorstehend, indem es schreibt: Der populärste General Frankreichs, der „Ultramontane" Mac Mahon, dessen Frau erst vor wenigen Monaten eine Prozession von 100,000 Theil nehmern »ach Lourdes geführt, um die Hilfe der heiligen Jungftau für Frankreich und dem heiligen Vater zu erbitten, Präsident der französischen Republik — fürwahr: welch wunderbare Wendung durch Gottes Fügung! Und Bismarck? Nun wir begreifen, daß der bereits „wieder seine Nerven" Hal und sein Varzin aufsucht, um sich zu erhole» von diesem Schlage, der auch ihn und seine Pläne getroffen hat. Die Partei der Ordnung, die Verlheidiger des Rechtes, die Freunde des heiligen Vaters, die getreuen Söhne der Kirche können mit Befriedigung und Dank gegen Gott aus die „wunderbare Wendung" blicken, die sich soeben in Frankreich vollzogen hat, nachdem das ka lholische Frankreich, ernteten in der Nationalversammlung, endlich zu einer erlösenden That sich ermannt und den entscheidensten Schritt auf dem Wege zum Siege des katholisch-monarchischen Princips ge- lhan hat. Wir werden nun bald die Kanone sprechen hören. Die ins Herz getroffene Partei der Revolution wird alsbald in Frankreich sich erheben wollen, um definitiv »iedergeworfen zu werden und dem legitimen Königthum Platz zu machen. In Italien wird sie jenen traurigen König Victor Emanuel Hinwegsegen, um dann von Frankreich gebändigt und aufs Haupt geschlagen zu werde» und einer neuen Ordnung die Bahn frei zu machen. Die Revolution wird sich nicht aus Frankreich und Italien allein beschränken. Die Pforlen der Hölle werden sich überall öffnen, aber de» Fels, der da ist die katholische Kirche, werden sic nicht überwältigen. Wir stehe» am Vorabend großer gewaltiger Ereignisse, am Ufer eines Meeres vo» Thräne» und Blut. Aber jenseits erwartet uns ein Eiland des Friedens, der Triumph der Kirche und Gerechtigkeit." ,
zeugung leben, ist in Frankreich geringer als irgendwo anders. Die besitzenden Classen lassen sich vorwiegend von ihrem materiellen Interesse leiten, und das ist augenscheinlich durch Mac Mahon für den Moment gesichert; die Börse ist mit der Wahl Magne's ganz besonders zufrieden, die Industrie zieht den Freihandel der Republik des Herrn ThicrS vor. Die große Zahl der politisirenden Philister aber, in Frankreich die lenksamste aller Heerdeii, läßt stch von der prompten Ausführung der konservativen Palastrevolution irnpo- niren, und man mag darauf rechnen, daß mehr als eine Million von Zeitungslesern, die vor acht Tagen noch der Weisheit dcs Herrn Thiers und der wahlenbeherrschenden Macht Gambetta's andachtsvolle Bewunderung zollten, sich jetzt ernstlich fragen, ob nicht doch der Erfolg des Herzogs von Broglie ein Beweis für seine „staatsmännische Tüchtigkeit" sei. Auch der LonapartiSmus ist auf dem Lande noch mächtig genug, um für die Aufnahme des Geschehenen in die Wage zu fallen. So zr gt denn Land und Stadt weniger eine finstere Stimmung, als man hätte erwarten sollen. Der Gedanke an Steuerverweigerung, der nie ernstlich gehegt, aber doch mit andere» geflügelte» Worte» hier und da ausgesprochen worden ist, brauchte nur laut zu werden, um als unausführbar erkannt zu sein. Unter diesen Umständen bleibt den jämmtlichen Republikanern in der Nationalversammlung nichts übrig, als sich zu einer festen Liga gegen die Majorität zu vereinigen; alle Fractioum kommen dem entgegen, und so gilt cs als beschlossen, baß die ganze Linke wie ein Mann zusammen stehen wird, bereit, jeden schwachen Punct, den die Rechte ihrer Erwartung bietet, zu wuchtigem Angriff zu benutzen. Trotzdem scheint mir, daß auch dieser Plan seine Lücken haben wird; nach näherer Ueberlegung hat die Regierung beschlossen, das Wahlgesetz, vielleicht auch die anderen organischen Vorlage» nicht, wie Anfangs beabsichtigt war, zurückzuziehe», sondern in der von Thiers übernommenen Form vorzulegen; das linke Gentrum, Thiers selbst, würde dann nicht umhin können, für die von ihm vorgeschlagenen Beschränkungen des Wahlrechtes zu stimmen, und die (Koalition der Linken müßte somit von vorn herein auf Ansnahmefälle rechnen.
— „Bien Public", das seitherige Organ deS Herrn Thiers, bringt folgenden Artikel: „Unsere Kinder werden in der Geschichte Folgendes lesen: Am 17. Fc-
einzuhauchen. O, wie klug ist mein Mundkoch gegen diesen stolzen und berühmten Barbarossa!"
4.
„Aber, Frau Vogler! sagen's mir doch, was ha- ben's denn für Freund' da ganz weit unten nach der Türkei hin, ober vielmehr noch das Wettermadel, die Minna?" so rief der Briefbote eines Morgens durch die geöffnete Thür der Frau Vogler in Wien, als sie eben recht behaglich ihren Morgenkaffee trank. „Ja, schaun'S mich nur verwundert an," setzte er lächelnd hinzu, indem er in die Stube trat und einen Brief auf ben Tisch legte, „er kommt halt dicht von der Türkei her, und die Adress' ist an Fräulein Minna Vogler, — franco ist er auch, was noch daS Aller best' daran ist."
Frau Vogler setzte ihre Brille auf und kaS kopfschüttelnd die Adreffe.
Plötzlich rief sie erfreut: „Ich hab's, Herr Handl! — der Brief kommt von dem Herrn von Raimund, wiffen'S doch, der die schönen Bilder auf der Ausstellung immer gemalt hat und in meiner großen Stube wohnte. Ein prächtiger Herr, gar nicht so ein Windbeutel wie der Herr von Dornbach —"
„Der närrische Blaubart!" lachte der Briefträger, „ja, wo der wohl geblieben ist, es fehlt halt was in Wien, seitdem man ihn nicht mehr auf Der Straßen steht. — Na, b'hüt Gott, Frau Vogler, die Minna ist wohl halt nicht heim?"
„Ach, wiffen'S denn nicht, Herr Handl, daß meine Minna alleweil schon seit vier Wochen bei der Fran Gräfin von Hohenheim als Karnmerjiingfer placirt ist? ach, heilige Mutter GotteS l kam daS unverhofft, 'ich bin überglücklich darüber, Herr Handl! Wissen'S
>». gedacht haben mag. Die Zahl der bewußten Liberale»,
»jsche Princip irgendwie zu engagircn. 'Ist Broglie l diejenigen, die überhaupt für eine selbstständige lieber-