Einzelbild herunterladen
 
  

durchgegangene Budget ist vom LandSthing gut ge­heißen worben, weil es bei einer Ablehnung von jenem Hause nochmals hatte b.raihen werden müssen und vielleicht gänzlich hätte scheitern können.

Am russischen Hofe ist jetzt Nassreddin, der Schah von Persien, mit großem Gefolge zum Besuche eingetroffen. Ein russischer KricgSdampfer brachte ihn über das Kaspische Meer am 15. d. nach Astrachan, wo ihm zu Ehren auf feinen besondern Wunsch die Feuerwehr alarmirt und ein russisches Theaterstück aufgeführt wurde. Jetzt ist er in Petersburg. Die Berathungen über die Militärreform sind beendet; die daran betheiligt gewesenen Großfürst Michael und Graf Berg sind auf ihre Stattbalterposten, jener nach Tiflis, dieser nach Warschau, zurückgekehrt. Der Groß fürst Thronfolger hat sich nebst seiner. Familie zu Schiffe nach Kopenhagen begeben und gedenkt später auch nach England zu gehen.

Die griechische Regierung hat unter Vorbehalt der Kammergenehmigung der neuen Laurion-Gesellschafl Syngros-KoronioS die Elboladen, derentwegen sie mit Roux-Serpicri in Streit gerathen war, überlasten, sich aber 44 pCl vvn dem auf 120 Millionen ge schätzten Reingewinne ausbedungen.

Die von der Pforte eingesetzte Commifsion zur Prüfung der Frage, ob Art. 17 der Suezcanal Con- cession in Betreff des Passagezolls einer Erläuterung bedürfe, hat sich noch nicht schlüssig gemacht. Herr von Lesteps, der die ganze Berathung für durchaus überflüssig hält, weil ja kein Kläger aufgetreten sei, ist nach Aegygten gereist, nicht ohne vorher ganz Eu ropa telegraphisch in Kenutniß zu setzen, daß die Sache erledigt sei, was aber noch durchaus nicht der Fall ist. UeberdieS hat er wieder einen neuen groß artigen Plan ersonnen. Um „der Eifersucht Rußlands und Englands um Centralasten ein Ende zu machen", will er eine 3740 Kilometer lange Eisenbahn von Orenburg nach Peschaver in Indien bauen und hat deshalb in Petersburg angefragt, ob die russische Re gierung darauf eingehen wolle. Die^Antworl soll be reit« bejahend ausgefallen fein. Die geometrischen Vorarbeiten sollen bloß drei Millionen kosten.

Die serbische Regierung hat auf Donau und Save alle Hindernisse, welche dem Handelsverkehr von und nach Oesterreich dort bisher noch im Wege ge- standen, beseitigt. Der Anschluß der serbischen Eisen» bahn an die große rumelische soll durch Vermittlung Oesterreichs nun auch gesichert sein.

Deutsches Reich.

•* Berlin, 23. Mai. Die gesummte Presse ver­einigt sich in dem günstigen Urtheile über die letzte Thronrede und die darin ausgesprochenen Wünsche und Hoffnungen. Es verdient hervorgehoben zu wer beit, daß sogar ein so fortschrittliches Blatt, wie die „Breslauer Zeitung" sich demselben anschließt und sür die in der Thronrede bezüglich bet Wahlen kundge gebencn Anschauungen eintiitt. — Inzwischen ist nun­mehr auch das Programm der Altconservativen in in einem Tone, der nur selten bei ihm kam, dann aber auch um desto größeres Gewicht besaß, „eS ist also kein Scherz, das mit dem Photographen?"

„Rein, heiliger Ernst!"

„Gut, besitzest Du die Mittel zur Reise und über­haupt zu diesem Geschäfte?" fuhr Franz fort; „be- denke wohl, mein theurer Paul, daß ein jedes Ge­schäft, auch das des Photographen, Mittel verlangt? Hast Du solche?"

„Ich werde sie bekommen."

„Also ein Vogel auf dem Dache? — armer Bar­barossa 1"

„Du irrst, Blaubart!" versetzte Paul fast heftig; „ich habe ein Bild gemalt, — und glaube, es ist mir gelungen; habe auch schon einen Käufer dazu, er will bezahlen, was ich fordere, kann nach Belieben meinen Preis setzen, — aber dieser soll es nicht haben."

„Warum nicht?"

„Er gefällt mir nichts sprach Paul kurz.

„So haperts wohl mit dem Gelde?"

„Oh, nicht doch, er ist Millionär, — einer unserer reichsten Fürsten."

„Run, mein Junge! daraus werde ein Anderer klug, hast ein Kapital in der Hand und wirfst es von Dir?"

In diesem Augenblick erscholl Pferdegetrappel hinter ihnen, ein Herr und eine Dame sprengten daher; in ihrer Nähe hielt Letztere den prachtvollen Schimmel an und warf einen laschen Blick auf die Freunde, welche Beide den Hut zogen und einen freundlichen Gruß dafür eintauschlen, während der Reiter nur vor nehm nickte und sich dann boshaft lächelnd zu der Dame neigte, welche noch einen Blick zurück warf und ihren Schimmel wieder in Galopp setzte.

Paul war stehen geblieben und hatte — unbewußt, mit krampfhafter Hand in ein Gebüsch gegriffen,

der „Kreuzzeitung" veröffentlicht worden. Wenn wir noch neulich schon von einer äußerlichen Annäherung der beiden früher vereinigten conservativen Fractionen sprachen, so scheint das Wahlprogramm auch aus innerliche zu deuten. Jede Hinweisung auf einen schroffen Gegensatz gegen die Regierungspolitik ist darin vermieden, vielmehr sucht dieselbe aber den Zu­sammenhang mit ihr und den maßgebenden Richtungen unseres Staatslebens zu bewahren. Denselben Cha­rakter trägt auch ein Rückblick auf die nunmehr ab» gelaufene Session, welcher dem Blatte aus conservativen Kreisen beSAbgeordnetenhauses zugegangen, die Redaction indessen selber fügt zum Schluffe beiden Actenstückeneinige Bemerkungen zu, welche nicht nut diese in durchaus unzutreffender Weise compromittircn, sondern sie sogar kritisiren und eine scharfe Opposition gegen die Re­gierung verlangen. ES ist ein wenig sonderbar, daß das Parteiorgan die authentischen Parteiäußerungen in dieser Weise behandeln darf. Ein solcher Umstand beweist, daß die „Kreuzztg." eben ganz in den Händen einzelner Eiferer ist, denen selbst die Altconservativen nicht conservativ genug sind, die jedoch, isolirt, wie sie sind, unmöglich noch als Partei betrachtet werden können. — Es bestätigt sich durchaus, daß das Pro­jekt einer Herbstsession des Reichstages in allen Kreisen auf den lebhaftesten Widerstand gestoßen ist und somit kaum verwirklicht werden dürfte. Es möchte nicht unangemesten sein, darauf aufmerksam zu machen, wie gerade durch eine Hcrbstsession die Mißstände der diesjährigen parlamentarischen Saison, welche nicht wegzuleugnen sind, auch für die nächste herbeigeführt würden, da die Arbeiten des preußischen Landtages wiederum einen bedeutenden Aufschub erleiden werden. Auch ist es sicherlich mehr als zweifelhaft, ob im Herbste leichter das Haus beschlußfähig zu erhalten wäre, als jetzt. — Bon verschiedenen Seiten faßt man den Beschluß des Reichstages über den Bauplatz seines künftigen Hauses als eine Niederlage der Staats regietung auf; diese Ansicht ist durchaus irrthümlich. Die Regierung hat es allerdings vermieden, von vornherein zu den Beschlüssen der Commission Siel lung zu nehmen, ohne indessen irgendwie eine Vor­eingenommenheit für dieselben zu empfinden. Man kommt der Wahrheit näher, wenn man sagt, daß vielmehr die Ablehnung derselben durch den Reichs­tag ihren eigenen Wünschen entspricht.

Bre-lau, 19. Mai Der Fürstbischof von Breslau soll in einer bisher beispiellosen Ueberstür- zung den Domherrn Frhrn. v. Richthofen noch am 15. d. M., also am Tage seiner Lossagung von den vaticanischenDecrelen, mitUebergehung aller-canonischen Form, ohne Admonition, ohne Suspension, ohne pe remptorische Frist rc., nach der „Allgem. Ztg." sofort für Excomunicirt, degradirt und unter Zurückforderung der päpstlichen Bestallung des CanonicateS verlustig erklärt haben.

WilhelmShave», 22. Mai. Bei dem zu Ehren der Reichstags- und BunbesrathSmitglieder an Bord des „König Wilhelm" veranstalteten Festmahl nahmen während sein Gesicht todtenblcich geworden war und ein nervöses Zittern durch seine Glieder zuckte.

Franz blickte ihn forschend an, wie er dastand und selbstvergessen den Reitern nachstarrte, die in diesem Augenblick in eine der Hauptalleen etnbogen.

„Nun?" sagte Blaubart, ihm einen leichten Schlag auf die Schulter gebend, „was hat Dich zur Salz­säule gemacht, der Haß und Neid ober — die Liebe?"

Paul fuhr empor und schaute den Freund grim­mig an.

„Schau, nun soll ich's wohl am End' gor ent­gelten, daß Oer Fürst Karl v. L. ein Millionär ist?" tief Franz lachend.

Paul versuchte zu lächeln.

„ES ist der Käufer meines Bildes," versetzte er leise, des Freundes Arm ergreifend und rasch mit ihm weiterschreitend.

„Sv, der ist'S? — hm, was ist'S denn für ein Bild? — Gewiß ein Porträt, — eine schöne Frau, — andere Kunstwerke verschmäht der Fürst, es müßte sonst ein Pferd oder Hund fein.“

„Ja, das sind so seine Passionen,murmelte Paul; „o, jetzt bekommt er's sicherlich nicht."

„Darf ich das Bild sehen, Paul?"

Dieser schwieg eine Weile, — dann nickte er und sagte: „Komm' mit mir nach HauS, Du sollst es sehen, Franzel!"

Eiliger schritten sie jetzt weiter, während Franz, dem jedes Schweigen lästig war, in seiner humoristi­schen Weise fortplauderte.

„Der Fürst ist ein rechter Bocativus," sagte er; „sollte mich dauern, wenn er die kleine Gräfin weg­kaperte. Beim heiligen Rubens und Kompagnie, Irma von Hohenheim ist ein liebliches Kind und allemal kommt mir das Heine'jche Lied: »Tu bist wie eine

im Ganzen 600 Personen Theil. Dasselbe verlief höchst glänzend. Graf Moltke brachte ein Hoch aus den Kaiser, den „Mehrer deS Reichs und den Schirm­herrn des Friedens durcb Heer und Flotte" ans. Minister von Stosch toastete auf den Bundesralh, den Reichstag und die Gäste. Bennigsen erwiderte mit einem Hoch auf die Marine. Der Bundesraths­bevollmächtigte für Lübeck, Dr. Krüger, trank auf die Deutschen, im Auslande. Nach mehreren andern Toasten überreichte der Reichstagsabgeordnete MoSle (Bremen) Namens des Reichstags an Minister von Stosch eine prachtvolle schwarz-weißrothe Flagge mit bqt Inschrift „Der Reichstag Sr. Majestät Schiff König Wilhelm".

Bremen, 23. Mai. Der Exttazug der Festfahrt von Wilhelmshaven langte hier nach Mitternacht an. Mehr als die Hälfte der Festcheilnehmer war in Wilhelmshaven zurückgeblieben. Die Mehrzahl der Mitglieder des Bundestathes, unter ihnen Delbrück, Stosch, Fäustle, setzten alsbald die Reise nach Berlin fort.

Ausland.

Wie«, 21. Mai. Die tiefe Stille in der Politik wird höchstens durch die eine oder andere beunruhigende Nachricht über das Befinden des Papstes unterbrochen. ES scheint in der Thal, daß der Moment der Aus­lösung Pius IX. nahe bevorstcht. Als ein besonder» beunruhigendes Symptom wird aus Rom gemeldet, daß die frühere Heiterkeit seines Wesens und die Neigung zu ungezwungenen und scherzenden Verkehrs­formen jetzt trübsinnigeren Stimmungen und dem wachsenden Bedürfnisse des Alleinseins Platz gemacht hat. Ohne Zweifel sind derartige Erscheinungen aus die Steigerung deS schweren Körperleidens zurückzu- führen, von welchem der heilige Vater, wie es scheint unheilbar, ergriffen. Im heiligen Collegium herrscht große Aufregung, alle Einleitungen für das Conclave sind getroffen. Dennoch verlautet weniger als je et­was Positives über eine Candidatur. Daß PiuS IX. den Cardinal Panebianco immer unzweifelhafter als seinen persönlichen Vertrauensmann bezeichnet und ibn damit zur künftigen Wahl geradezu zu designiren die Absicht hat, ist allerdings selbst durch die schweigsamen Mauern deS Vaticans gedrungen, allein die Erfahrung zeigt, daß derartige halbtestamentarische Weisungen selten eine bleibende Wirkung auf das heilige Collegium auszuüben pflegen. Als bet gefährlichste Bewerber um die dreifache Krone wird Cardinal Bilio zu gelten haben. Im Jahre 1826 geboren, gehört er den jüngsten Mitgliedern des Collegiums an, was bei der Wahl jedenfalls sehr in Betracht kommen wird, und behauptet als Verfasser deS Syllabus wohl den ersten Rang in bft Partei ber Zelanti. Carbinal Bilio wäre bähet den katholischen Mächten als biejenige Persönlichkeit zu empfehlen, welcher gegenüber wohl zunächst das Veto zur Anwendung gebracht werden könnte. Freilich ist es in der Frage be« Veto jetzt recht still geworden. Allein nach ber bünbigen Erklärung, bie Graf Andrassy in ber Dele­gation abgegeben, daß er dem Kaiser niemals rathen

Blume- bei ihrem Anblick in beit Sinn. Kennst Du Sie persönlich?"

„Sie hat einige Stunben im Malen bei mir gehabt."

„So? —" sagte Franz gedehnt und begann bann die Melodie des Liedes: »Ach, wie ist'S möglich, baß ich dich lassen tarnt«, zu pfeifen.

Sie hatten Paul's Wohnung, welche in einem be­scheidenen Etketstübchen bestand, erreicht, wo ihm die Tochter seiner Wirthin, ein junges, hübsches Mädchen, einen Brief überreichte.

„Portosatz einen Kuß, schöne Minna von Barn- Helm !" tief der unverwüstliche Franz, indem er Miene machte, das junge Mädchen nolens volens zu um­armen.

Diese flüchtete sich lachend, ein echtes Wiener Kind.

„Haben Sie Porto ausgelegt, Fräulein Minna?* fragte Paul.

„Nein, Herr v. Raimund 1 — ein Diener brachte ihn, er wollte heul' noch wiederkommen, um Bescheid zu holen."

„Ich danke Ihnen!"

Fräulein Minna Vogler schlüpfte hinan», noch draußen über den schnurrigen Menschen, den Herrn v. Dornbach lachend.

Die guten Wiener adeln nun einmal jeden halb­wegs passirbaren ©entfernen.

„Vorn Fürsten L.", sagte Paul, verächtlich befl Brief, nachdem er ihn rasch überflogen, von sich wer- send; „er verlangt bas Bild, der Diener soll es heut' noch holen. ES soll zum morgenden Geburtstage! Ah, ihm das abschlagen zu können, ist eine Wonne, welche mir nicht abzukaufen ist. Lieber würde ich eS vernichten."

„<so zeige mir doch da« Wunderwerk, Herr Pho­tograph I"

(Fortsetzung folgt.)