Marlmrg, Sonntag, den 25. Mai.
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einmal die Vorlesung der Beweggründe, die desti organischen Gesetze vorauSgehen, gestattet wurde; auch Duiaure benahm sich höchst stumpf; Thiers war nicht zugegen. Am 20. wurden bei den Bureauwahlen von der Rechten und dem rechten Centrum 13, vom linken Centrum nur 2 Präsidenten durchgesetzt, sodann ward in der Nationalversamoilung Buffet mit 359 gegen 289 Stimmen, die Märtel erhielt, wieder zum Präsidenten gewählt, und Changarnier's Interpellation, die ein Mißtrauensvotum der Monarchisten gegen die Negierung und deren Sturz bezweckt, auf den Freitag anberaumt. Thiers gedenkt bei dieser Gelegenheit eine große Rede zu halten und die Abstimmung auf den Sonnabend hinauszuspielen.
Um die Pfingstzeit wird die Hauptstadt Spaniens die schönen Früchte im Congreßsaale versammelt sehen, welche die föderalistische Partei in der vorigen Woche über das ganze Land hin von den Bäumen geschüttelt hat. Selbst diejenigen Spanier, die am besten mit den politischen Persönlichkeiten der Nation vertraut sind, werden sich über die Unzahl dunkler Ehrenmänner wundern, welche von dem republicanischen Strudel nach oben gerissen worden sind, ob zu ihrem eigenen und des Landes Heil, muß sich später ausweisen.
In England wie in Irland waren in der vergangenen Woche religiöse Streitigkeiten an der Tagesordnung. Das Unlerhaus-hatte sich mit dem alljährlich angedrohlen Anträge Miall's auf Entstaatlichung der anglikanischen Kirche zu beschäftigen, was dem Premier-Minister die Gelegenheit gab, den von conser- vativer Seite gegen ihn erregten Verdacht zu widerlegen, als wolle er die Staatskirche ebensowohl in England beseitigen, wie er es in Irland gethan. Miall's «Antrag wurde mit sehr großer Majorität verworfen. In Irland zieht sich unterdessen in großer Länge der Verleumdungsproceß des Pfarrers O'Kcsse gegen den Cardinal Cullen hin.
Dänemark und Schweden werden jetzt unter sich allein die Münzconvention in Kraft setzen und Norwegen den Beitritt offen halten. Der dänische Reichstag, dessen Session übrigens gestern geschloffen worden, hat dazu bereits seine Zustimmung gegeben. Das im Folkething mit nicht unwesentlichen Abstrichen
allgemeine Wunsch ist. Der Reichskanzler begleitete diesmal die Festfahrt nicht. — Der König von Baiern hat den Stiflspropst v. Döllinger an v. Liebig'S Stelle zum Präsidenten der Münchener Akademie der Wissenschaften ernannt.
DaS Hauptereigniß in Wien war diese Woche noch die Börsenkrisis in ihren verschiedenen Phasen. Durch die unbeschränkte Notenausgabe, die der Bank gestattet war, ist das Hinübergreifen der Krisis auf rein commercielle und industrielle Kreise verhütet morden; das immer noch fortdauernde Zu jammeubrechen schwindelhafter Unternehmungen beweist andererseits, daß die Bank bei Gewährung ihrer Hülfe zwischen Würdigen und Unwürdigen zu unterscheiden
„Wirklicher Ernst?" fragte Blaubart kurz.
„So wirklich, wie meine Schulden."
„Das Wort genügt, Barbarossa. — Komm, reiche Deinen Arm, wir wollen noch einen Gang durch Prater machen, — ich lasse für Dich mit anfrei auf mein schwarzes Brett."
Er rief den Kellner des Bierhauses, worin sie sich, ihre tägliche Niederlage, soeben befanden und be-
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Politische Wochrn-Ueberficht
Der preußische Landtag ist nach einer anstrengungsvollen, fast siebenmonatlichen Session in der scheitenden Woche geschloffen und eine so lang gefühlte Sehnsucht der ermüdeten Volksvertreter endlich erfüllt.worden. Der Eintritt des Dr. Achenbach als Handelsminister an Stelle des Grafen Ztzenplitz in das Staatsministerium hat die Annahme der großen Eisenbahncredit-Vorlage, durch die ein Fonds von 120 Mill. Thlr. aus dem Preußen zufallenden Theile
Bier für seinen Freund ebenfalls auf sein Conto zu schreiben.
Der Kellner sah ihnen verblüfft nach und murmelte: „Nu wird der Alte wieder einmal loslegen, aber, weiß der Deucksel, man kann diesen Malern nichts anhaben, — denn schau, weil sie nichts in den Taschen haben."
Das war ein großer Trost für das arme Kellnergewissen seinem Herrn gegenüber.
Langsam schritten die beiden Freunde, Paul Raimund und Franz Dornbach durch den herrlichen Prater, welcher sein schönstes Lenzkleid angelegt hatte, denn es war „im wunderschönen Monat Mai, wo alle Knospen sprangen."
Während Paul trotz ewiger Geldnoth doch immer noch seinen äußeren Menschen mit einer Art Noblesse zu umgeben wußte, den schwarzen Sammetrock außerordentlich schonte und besonders fast ängstlich auf feine weiße Wäsche hielt, wogegen der Calabreser schon ein wenig derangirt aussah, — war Franz eine turch und durch nachlässige und unordentliche Künstlernatur, dessen Kleidung von keiner Mode abhängig, in keine zusammende Kategorie zu bringen war; ein schwarzer, abgetragener Sammet-Talar, ungarische Stiefel mit großen Ouästen und ein Barett mit der Hahnenfeder stempelten ihn eher zu einem direct aus der Scene entlaufenen Mimen, als zu einem Künstler, was er doch in des Wortes eigenster Bedeutung war.
Doch kannte ganz Wien den originellen Blaubart und fand nichts Auffälliges mehr an ihm und seiner Kleidung, so lange er sie nicht noch origineller machte.
In den herrlichen Alleen des Praters bewegte sich eine bunte, belebte Menge zu Wagen, zu Roß und zu Fuß. Unsere Freunde suchten einen Seitenweg auf, um ungestörter plaudern zu können.
„Sag' mir doch einmal recht ernsthaft und aufrichtig, Freund Paul," begann Franz nach einer Weile
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Maler und Photographen. ♦)
Humoreske von E- H.
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„Und es bleibt dabei, ich hänge Palette und Staffelei an de» Nagel, schnüre mein Bündel, was mir wenig Umstände macht, und wandere aus, ~ nicht nach Amerika, dort ist die Menschheit zu fortgeschritten, sondern nach der Türkei, oder nach Rußland, oder auch meinetwegeu nach dem Kaukasus, um ein photo graphisches Atelier zu errichten."
So sprach ein junger, sehr schöner Mann mit einem blonden, inS Röthliche schimmernden Vollbart und prächligen blauen Augen, welche in diesem Augenblick ganz außerordentlich energisch einen Freund anschauten, der mit spöttischem Lächeln sein Bierglas euiporhob und genau den quantitativen oder qualitativen Inhalt desselben zu prüfen schien.
Dieser Freund mochte wohl etwas älter sei» als der Andere, mit einem geistreichen, aber sehr häßlichen Gesicht und einem ellenlangen, in allen Farbentönen spielenden Barte, bei welchen indeffen das bläulichgraue die Oberhand behielt, weßhalb seine Freunde ihn „Blaubart" getauft hatten.
„Also Photograph willst Du werden, Barbarossa?" versetzte Blaubart, nachdem er sehr bedächtig und umständlich sein Bier getrunken: „nicht übel, das Ge schäft flonrt, während wir Maler nächstens in die Zunft treten müssen, um das Recht zu Haben, als Lustreicher unser Brod zu verdienen. Wer läßt sich jetzt noch in Oel couserviren, um der Nachwelt eine getreue Copic des erhabenen Originals zu hinterlassen? LüeS läuft zum Photographen bis zur kaiserlichen Majestät hinauf, -- und passtrt einmal das blaue Runder, daß eine fürstliche Galerie durch einige Por- iraits in der Blüthe ihrer Zähre vermehrt werden
*) Nachdruck nicht gestattet-
den Füßen wegscharrte. Am 15. erschienen die feindlichen Brüder des Cabinets, Goulard und Simon, vor dem Präsidenten und stellten den Antrag: der Eine oder der Andere geht. ThierS entließ sie nach einigem Zögern und berief Casimir Perier, der am Morgen des 16. Mai eintraf und die Neubildung des gegenwärtigen Cabinets unter Calrnon's Mitwirkung übernahm. Die Mitglieder der Rechten, die zur Eröffnung der Nationalversammlung hcrbeigeströmt waren, tobten; Gambetta predigte Auflösung und Verwerfung der organischen Gesetze, dagegen verhieß er Thiers seine Unterstützung bei der definitiven Ausrufung der Republik. So kam der 19. heran. Die Rechte setzte unter Buffet's Hülfe eS durch, daß nicht soll, ja prosit, dann giebt's halt in der ganzen Kaiserstadt Wien keinen Maler, der dazu taugt, die Durchlauchten müssen Berliner Blau dazu haben. Schau, Bruderherz! das wurmt mich gewaltig und hat unsere ganze Zunft in Harnisch gebracht, weshalb ich auch nicht weiß, was mich abhält, Buchbinder zu werden, um die Albums für Deine Photographien gleich fertig zu liefern."
Paul Raimund, oder wie er wegen deS röthlichen Barts genannt wurde, Barbaroffa, lachte laut auf und sprach dann plötzlich sehr ernst: „Dein Humor betrügt mich nicht, Granzel! — es grinst daraus nur allzusehr die ganze Bitterkeit Deines Innern. Ein armer Maler ist ein jämmerlich Ding in unserer Zeit, wo Alles fabrikmäßig geschafft werden muß und maul zur echten Kunst gar keine Muße mehr hat, es sei denn, daß ein rechter Mäcen, ich meine einen, der Moneten genug besitzt, und kein Filz ist, so ein armes verhungertes Künstlerdasein unter seine sonnigen Flügel nimmt und es da sich behaglich zur herrlichen Blüthe entfalten läßt. Doch was nützen alle diese Salbadereien, — wir haben nichts, sind folglich Lichts, - das ist deS Pudels Kern; soll ich wie ein Fabrik arbeitet darauf lospinseln, um meine Bilder, wie es jetzt Mode geworden, Dutzendweise gleich unter den Hammer zu geben, meistbietend gegen baare Bezahlung, wie es ja wohl heißt? — Das kann ich nicht, darum werde ich Photograph und dabei bleibt's."
weiß. Die Ungarn haben zum Lohne für ihre Zustimmung zur Suspension des Art. 14 der Bankacte, die übrigens nur mit 8 Stimmen Mehrheit im ungarischen Abgeordnetenhause gebilligt wurde, einen Antheil von 4 Millionen an den Banknoten für die tranSleithanischen Bankfilialen erhalten.
Zn Folge des Ausfalls der GroßrathSwahlen in den Cantonen St. Gallen und Graubündten hat der schweizerische Bundesrath am Montag (19. Mai) einen Bericht deö politischen Departements über die Wiederaufnahme der Revision der Bundesverfassung entgegen genommen und auf Grundlage desselben die Berathuug der der Bundes-Versammlung in der Juli Session zu machenden bezüglichen Vorlage begonnen. Der Solothurner Cantonsrath hat bei der Slraf- gesetzberathung die Todesstrafe mit 70 gegen 11 Stimmen aufgehoben und die Bestimmung über den Kanzcl- mißbrauch angenommen.
In Frankreich schlägt die Lohe der politischen Leidenschaften und deö dynastischen Gründerthums einmal wieder zum Dache hinaus und noch ist kein Verlaß auf die nölhige Löschmannschaft, die von Thiers aufgeboten wurde, ober bis jetzt nicht Ordre pariren wollte. Auf den 19. Mai war die Wieder- eröffnung der Nationalversammlung anberaumt, und die sofortige Vorlage der constitutionellen Gesetze nebst der Einleitung, die auf die definitive Erklärung
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Sämmtliche Annoncen-Büreaus nehmen Inserate an.
ber französische!: Milliarden für Erweiterung des Eisenbahnnetzes und Vermehrung der Eisenbahn-Be- triebSmittel genommen wird, entschieden. Mit großer Befriedigung können die LanbtagSmitzlieder und mit ihnen daS ganze Land auf die reichen Crgebniffe der eben geschloffenen Session: die Kreisordnung als ersten Grundstein der so lange erstrebten Reform der innern Verwaltung, die vier gründlichen Falk'schen Kirchengesetze, die gesunde und noch fortbildende Klassensteuerreform, das Beamten-Servisgesetz, die umfassende Eisenbahn-Anleihe — zurückblicken, wie überhaupt auf die gesammte, mit dieser Session zu Ende nei gmde erste Legislaturperiode der Aera des erneuerten Deutschen Reiches. Der deutsche Bundesrath und Reichstag haben sich am Himmelfahrtstage auf Einladung der Marine-Verwaltung in Fesifahrt über Bremen nach Wilhelmshaven begeben, von wo sie in- deß schon nach Berlin wieder zurückkehrten, weil die Ar- , „ _ | ,______,
denen im Laufe des Juni genügend zu erledigen der rend den Maulwurf, welcher Thiers den Boden unter
Oderhessische ZeituuM