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Marburg, 17. Mai. Nachdem heute Morgen zum dritten Male hintereinander her die Berliner Abendzeitungen ausgeblieben sind, hat sich die Redaction unseres Blattes um schleunige Abstellung dieses Mißstandes telegraphisch an Herrn General-Postdirector Stephan in Berlin gewandt-

einer Anrede die Verdienste Forckenbeck's um die ge­rechte und unparteiische Geschäftsleitung hervor. Scumecki schloß sich Namens der polnischen Fraction an. Forckenbeck dankte ergriffen mit der Versicherung, daß die Führung des Präsidiums seinen schönsten LebenSerinnerungcn angehöre.

Der Verkauf der Photographieen Wilhelm Bauer's hat im Ganzen 27j Thaler eingebracht, die demselben über-

Berlin, 15. Mai.

Zn der heutigen Sitzung des Reichstages wurde die Genehmigung zu einer strafrechtlichen Ver­folgung deö Reducteurö Sigl und der sächsischen Zeil- fchriften wegen Beleidigung des Reichstages dem An­träge der Commission entsprechend, versagt. Die Ge­setzvorlage über die Gründung und Verwaltung des Reichs - JnvalidenfondS wurde in dritter Lesung im Wesentlichen nach den Beschlüssen der zweiten Lesung genehmigt. Ein vom Abg. Meyer gestelltes und vom StaatWinister Delbrück befürwortetes Amende­ment zu §. 9, welches den früher beschloffenen Aus­schluß der Kommunalpapiere anS der Reihe der Effec- len, in denen die Anlage des JnvalidenfondS erfolgen kann, beseitigt, wird in namentlicher Abstimmung mit 128 gegen 115 Stimmen angenommen. Bei der darau folgenden Berathung des Jahresberichts über die Ver­waltung Elsaß - Lothringens erklärt der Reichskanzler Fürst Bismarck dem Abg W indthorst gegenüber: Die Dictatur endigt am 1. Januar 1874, wenn der Reichstag nichts anderes beschließ. Ueber die künftigen Verhältnisse wird dem Reichstage eine besondere Vor­lage zugchen. Ich verspreche mir von dem Zusammen- sitzen der Elsässer mit uns im Reichslage ein gutes Berhältniß, zur Enttäuschung derjenigen Paneien, welche das Gegentheil hoffen. Die Niederhaltung der französischen Sympathien ist in dem Lande, welches wir zur Sicherung unserer 200 Jahre bedrohten Grenzen erworben haben, norhwendig Die Maßregeln gegen die katholischen Elemente sind durch ultramontane Agitationen herbeigeführt. Die Wirkung der Schulbrüder ist nach Ansicht der Re­gierung viel schlimmer, als der Lehrermangel selbst. Jedes LoSreißen von Altem und Verbinden mit Neuem hat Bitterkeiten. Wir Norddeutschen sind auch im Gewinnen von Sympathien nicht sehr geschickt, aber wir «ollen Elsaß-Lothringen möglichst wenig wehe lhun. Zweifeln Sie nicht an unserem Geschicke, an unserer Ausdauer, an unserem Muihe und unserem Bestreben allen Angriffen zu widerstehen. (Stürmi­scher Beifall.) Daö Haus vertagte sich auf morgen nachdem im Laufe der Berathung Fürst Bismarck noch milgctheilt hatte, daß über die von einem Vorredner gewünschte Competenzbeschränlung der Kriegsgerichte bezüglich aller nichtpolitischen Vergehen eine Vorlage vorbereitet werde.

Das Herrenhaus erledigte in seiner heutigen Sitzung in der Schlußberathung seine ganze Tages­ordnung durch unveränderte Annahme der Gesetzent­würfe über die Erhöhung der Gebühren der Advoka­ten und der Reise- und Tagegelder der Gerichtöbeam- ien im Kölner Appellbezirk, über die Verwerthung von Forstnutzungen in Kurhe/sen, sowie über die Berech­nung deö Kostenpauschquantums bei Armenverbänden. Bezüglich der allgemeinen Rechnungen pro 1869 und 1870 wurde Decharge ertheilt. Nächste Sitzung un­bestimmt.

Kirchliche Nachrichten -er Stadt Marbnra

vom 10. bis 16. Mai 1873.

Verehelichte.

Gem.: Der Junggeselle und Amtsrichter Wilhelm Hernnch Julius Willius zu Witzenhausen und Jungfrau Bertha Amalie Marie Schmidt von hier.

St. Elisab.»Gem.: Der Junggeselle, Dr. med. und praktische Arzt Friedrich Ludwig Wilhelm Rückert und Jungfrau Louise Georgine Eucker.

Geborene.

Ev.-luth. Gem.: 1) Anna Margaretha, des Stein- Hauers Jacob Haupt zu Ockershausen T. 2) Wilhelmine Sophie Martha, des hiesigen Bürgers und Buchbindermeisters Adam Purgold T. 3) Johann Friedrich August, des ver­storbenen Schaffners bei der Main-Weser-Bahn Johannes Weber nachgeborener S.

Gestorbene. *

®Der hiesige Bürger und Goldarbeiter August Falck, 54 I. 11 M. u. 11 T. alt.

Ev.-luth. Gern: 1) Der emeritirtePfarrer zu Geis­mar Johannes Karl Ludwig Gotthelf Koch, 90 I. 5 M. u- 14 T- alt- 2) Elisabeth Orthwein zu Ockershausen, 63 I. u 6 M. alt

St. Elisab.-Gem.: 1) Frau Anna Katharina Unkel, des verstorbenen hiesigen Bürgers und Schuhmachermeisters Johannes Unkel hinterlassene Witwe, 66 I. alt. 2) Frau Maria Katharina geb. Mathäi, des verstorbenen hiesigen Burgers und Töpfers Heinrich Ritter hinterlassene Witwe,

2, ^r" u‘ ö alt- 3- Ernst Weimar aus Roth, 47 I. alt (starb rn der medic. Klinik).

Kat hol. Gem.: Der Realschüler Christian Friedrich Wurzeraus Neustadt, Kr. Kirchhain, 15I 8M. u. IST. alt.

! ,ls ein Bruch mit der „französischen Vergangenheit! Straßburgs". Unlängst schrieb der hiesige „Siscle"-

Jn der heutigen ersten Sitzung des Ab geord­net enh au ss sprach bei der dritten Lesung der Eisen- bahnanleihe Meyer (Aruöwalde) für die Vorlage als glänzendstes Zeugniß für die Verwaltung des früheren als ehrlicher Mann geschiedenen Handels- Ministers und wirft LaSker Selbstberäucherung vor weßhalb der Präsident den Redner zur Ordnung ruft. Reichensperger (Coblenz) spricht gegen die Vorlage, welche das Staalsbahnsystem monopclifirt. Redner bekämpft lediglich die Bahn Berlin-Wetzlar Graf Wuizingerode für die Vorlage; Rickert dagegen aus den von Rcichensperger angeführten Gründen. Die Minister Achenbach und Camp- Hausen befürworten nochmals die Annahme der Vor­lage; letzterer betont, die strategische Wichtigkeit der Bahn Berlin Wetzlar sei von der größten jetzt leben dm strategischen Autorität anerkannt. D,e Bahnen Berlin Wetzlar, Sierk-Oberlahustein mit bezüglichen Resolutionen werden nun angenommen. Ebenso wird die weitere Vorlage wegen Verwendung des preußischen Anthcils anö der Kriegseontribution debatletos in dritter Lesung angenommen. Auch die Uebersicht der Staats-Einnahmen und Ausgaben für 1871 werden genehmigt. Der letztere Gegenstand wurde in dritter Lesung in einer zweiten heutigen Sitzung erledigt. Der Präsident erklärte, er erbitte unter den obwal- l enbcn Umstand-n die Ermächtigung, die nächste Sitzung beliebig anzuberaumen. Das Haus stimmte dem bei

Nach dem Schluffe der Sitzung überreichte der Senioren Convent des Abgeordnetenhauses dem schei­denden Präsidenten v. Forckenbeck eine Ehrengabe, be 'tehend aus einem aut einem Gestell von Ebenbolr 'Uhe"d-n Tafelaufsatz in Vasenform. Denzin hob inl&S

Korrespondent, „schon die Erstehung einer Partei, die weder französisch noch deutsch (?), sondern nur elsässisch wäre, würde für Frankreich gleichbedeutend sein mit »em unwiderbringlichen Verluste Elsaß «Lothringens". Daß daö Blatt zweisprachig erscheinen wird, hat eö mit dem „Niederrh. Kurier" gemeinsam und ist nach den hiesigen Verhältnissen nicht wunderbar. — Die Universität wird im laufenden Semester von 485 Studenten besucht, darunter 147 neu immatrikulirten. Ein neues Corps „Palatia" hat sich „aufgethan". Die „Burschenschaften" fehlen noch gänzlich, während ein „Wingolf", und zwar mit deutschen Gesinnungen, bekanntlich noch aus der französischen Zeit her existirt

Ausland.

Wie«, 14. Mai. An der heutigen Börse ver­suchten einige erste Häuser eine Reprise iu's Werk zu setzen. Allein daö Geschäft stockte und die Coulisse tarn überein, das für -heute fällige Arrangement auf morgen zu vertagen. So kann morgen Sie Entschei­dung auf zwei Gebieten zugleich fallen, da der Medio auch für die Handelswelt Zahltag ist. Einige un­lautere Sp-kulanten mögen wohl darauf rechnen, sich die eventuellen Insolvenzen der einzelnen Geschäfts­firmen zu Nutze zu machen, um sich "gleichfalls insol vent zu erklären. Das ßomiie der Banken arbeitet seit gestern unermüdlich, um durch auögiebige Beleh nungen solchen Eventualitäten vorzubeugen; die Zahl der bei demselben angemeldeten Gesuche war viel geringer, als man erwarten durfte. Charakteristisch ist, daß sich unter den am härtesten Mitgenommenen verschiedene Journalisten befinden. Und eben so cha­rakteristisch in anderer Beziehung allerdings ein kolpor tirtee Wort des Kaisers. Als diesem während der Hof-Soiive, am jüngsten Sonntag der als dänischer Cvnsnl sungirende Banquier Königswarter vorgestellt wurde, richtete der Kaiser an ihn die Worte: „Es freut mich, daß Ihr Haus sich an dem Gründungö schwindel nie beiheiligte." Andere Banquiers, darunter iiameiitlich Einer, dessen Manövern die Börse eine Hauptschuld an der eingetretenen Katastrophe zuschreibt, sollen es vorgezogen haben, ihre Consularwürde bei diesem Anlaffe gar nicht geltend zu machen und daheim zu bleiben.

Paris, 16. Mai. Mehrere eonservative Depu­tate, die keiner parlamentarischen Verbindung ange- hören und nur um die Erhaltung der socialen Zu­stände besorgt sind, haben gestern eine Versammlung gehalten und an alle Deputirten ihrer Farbe eine Ausforderung gerichtet, ihre Rückkehr nach Paris zu beschleunigen, um am Montag einer Conferenz beizu­wohnen, in welcher ihnen Mittheilungen gemacht und diese diScutirt werden sollen.

Rom, 15. Mai. In der heutigen Sitzung der Deputirtenkammer wurde die Generaldebatte über das Klostergesetz zu Ende geführt. Der Justizminister wies nochmals die Vortheile des Gesetzentwurfs nach und zeigte die Gefahren, welche eine Aenderung des bisherigen politischen Svstems bringen würde.

Madrid, 16. Mai. Daö Schlußergebniß der Wahlen berechnet man jetzt auf 310 ministerielle und 30 extreme Föderalisten, 8 Internationalisten, 10 un­abhängige Republikaner und 30 Monarchisten.

Brüssel, 15. Mai. Die Deputirtenkammer hat heute mit 69 gegen 19 Stimmen das Kriegsbubget genehmigt, morgen steht bet Etat des Ministeriums des Auswärtigen zur Berathung.

Konstantinopel, 16. Mai. Der Minister de» Auswärtigen Savfet Pascha ist zur Disposition gestellt worden, der. bisherige Minister der öffentlichen Arbeiten an seine Stelle getreten und der bisherige Hali von Demen, Mouktar Pascha, zum Arbeits Vinister ernannt worben.

Sdew-Nork, 15. Mai. Den Moboc-Jnbianern ist es gelungen, eine neue starke Position, etwa 30 Kilometer von ben Lavalagern entfernt, zu besetzen. Tie Truppen vermögen nicht, sich derselben zu bemäch iigeu und verlangen Verstärkungen und Möriet.

Marburg, 17. Mai. Sicherem Vernehmen nach beabsichtigen die älteren Mediziner der hiesigen Hoch­schule, in Verbindung mit den Commilitonen der übrigen I Hochschulen, eine Jmmediat Eingabe an den Kaiser zu eichten, worin dieselben darum bitten, daß die neue Eabinetsordre, welche von den Medizinern sechsmonat llchen Dienst mit der Waffe verlangt, aus »sie noch keine Anwendung finden möge. Dieselben haben da burch, daß sie sich früher verpflichten mußten, ihre einjährige Dienstzeit nach vollendetem Examen als Akrzte abzudienen, die gewöhnliche Zeit zum Dienst Ait der Waffe versäumt und glauben sich jetzt in ihren Interessen schwer geschädigt, weil sie zum Dienst ®it der Waffe herangezogen werden, wenn Alter und erworbene Lebensstellung sie dazu am wenigsten ge­eignet machen. Die erste deßhalbige Besprechung wird Montag Abend 8 Uhr im Dörr'schen Local ftattfinden.

Telegraphisch- Depesche« -er Ober« , Hessische« Zeitung.

Berlin, 16. Mai. Der „Reichsanzeiger" pu- blicirt das Wohnungsservisgesetz.

Berlin, 16. Mai. Das „Deutsche Wochenblatt" widerspricht der Mittheilung des „Wiener Tageblattes", wonach der Kaiser Wilhelm mit dem Kaiser Alexander in Wien zusammentreffen sollte. Das „Deutsche Wo­chenblatt" schreibt: Vorerst scheint der 16. Juni als der Tag der Abreise des Kaisers in Aussicht genom­men; dem Vernehmen nach werde der Kaiser nicht vor Mitte Juni Berlin verlassen.

München, 16. Mai. Stiftsprobst Döllinger wurde an Liebig's Stelle zum Vorstand der königl. Akademie der Wissenschaften ernannt.

Vöien, 16. Mai. Für tatsächlich insolvent er­klärten sich die Wiener Commissionsbank und die Börsen- und Kreditbank. Die BörsenverkchrSbank beschloß die Liquidation; die Anstalt soll vollkommen solvent fein und sich in keinerlei Zahlungsverlegenheit befinden. — Börse geschäftslos, da heute Arrangement der letzten Schlüffe. — Die Anmeldungen bei dem Belehnungöcomitöe haben täglich abgenommen. Am ersten Tage teuren 7 Millionen liquidier, gestern sind 5 Millionen angemeldet worden, wovon 3 Millionen angewiesen wurden. Der Gedanke der Liquidirung und Fusioniruiig der kleineren Banken macht sichtlich Fortschritte. Eine eigentliche Handelskrise ist auS der Börsenkrise bis jetzt nicht hervorgegangen.

Pest, 16. Mai. Der „Lloyd" meldet: Graf Paar geht als Botschafter bei dem päpstlichen Stuhle an Stelle des verstorbenen Baron v. Kübeck nach Rom. Die Zustimmuiig der Curie ist dazu bereits eingetroffen.

Paris, 16. Mai. Casimir Perrier wurde, der „Agence HavaS" zufolge, zu Thiers berufen. — Die Paneiblätter der Rechten erklären, alle Schattirungen der Rechten stimmten in der einzunehmenden Haltung überein, namentlich in dem Punkte, daß der parla­mentarische Kampf sich nicht um Republik oder Mo­narchie drehe, sondern um die Nothwendigkeit, aufs entschiedenste eine eonservative Politik einzuschlagen. Eine Interpellation der Rechten soll die Ernennung eines homogenen verantwortlichen CabinetS fordern.

Rom, 16. Mai. Die Besserung in dem Be­rnden des Papstes ist anhaltend. Der Papst laS heute eine Messe in seinen Gemächern. Dissidenten der Kammermehrheit haben sich dem Regierungsent- wurfe des Klostergesetzes angeschlossen, andere ver- ahren opponirend. Die Unterhandlungen dauern ort. Die Kammer begann die Specialberalhuna des ersten Artikels,__________________________________________

Frankfurt a. M-, 17. Mai. (Schluß -Course). Staatsbahn-Actie» 344z, Elisabetb 243, Galizier 240, Lombarden 194, Nordwestbahn 223, Creditactien 306j, Sllberrente 64$, Papierrente —, 1860r Loose 92 J, National, bant 1005, Spanier 19, 1882r Amerikaner—, Darmstädter Bank —, Effectcnbank —, Kurheffen —. (Stimmung fest.) Berlin, 17 Mai. (AnfangScourse. Crediractien 174.

Staatsbahn 194j, Lombarden 1121, Amerik. 95$.

Wien, 17. Mai. Kein Geschäft.