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und Akademikers Dr. L. Rockinger einen vorzüglich besähigten Vertreter der historischen Hilfswissenschaften zu gewinnen.

— Der eigenthümliche Standpunkt, welchen die baierische Staatsregierung i» Bezug auf die Entschei­dung über die Competenzerweiterung der Reichsgesetz­gebung auf das gesammte bürgerliche Recht einge­nommen haben soll, indem sie sich vorbehielt, den baierischen Landtag über den Vorschlag zu höre», erregt, je mehr man darüber nachdenkt, desto mehr Bedenken. Er würde ohne Conscquenz auch nicht bei der Frage der Civilehe als Reichs-Rechtsinstitution verlassen werden können. Man steht daraus, daß jener Ausweg, wenn er wirklich beabsichtigt sein sollte, nur neue Schwierigkeiten schafft, und daß es bester sein würde, mit einem resoluten Ja oder Nein und der Verantwortlichkeit für den selbständigen Schritt die allgemeine Zuständigkeitsfrage zu erledigen. Wie dringend nothwendig gerade sür Baiern die Verall- gem.einerung des in der Pfalz geltenden Civileherechts ist, haben die durch die altkatholische Bewegung ent staudenen schreienden Unzuträglichkeiten des gegen­wärtigen Rechtszustandes genugsam gezeigt. Die Er uennung ves Professors Berchtold dahier für die ordentliche Professur des Kirchenrcchts beweist wenig­stens soviel, daß bei entsprechender Tüchtigkeit die Eigenschaft als eifriger Altkatholik kein Hinderniß der Beförderung ist, und der Zufall hat gewollt, daß im Laufe des letzten halben Jahres eine Anzahl von Männern im Richter- und Verwaltungsstande beför dert worden ist, welche da und dort an der Spitze der altkatholischen Sache stehen. Uebrigens kann man auch daraus entnehmen, wie stark im gebildeten katho­lischen Laienstande die Abwendung von der modernen Romanisirung des katholischen Kirchenwesens ist.

Ttraßburg, 10. Mai. Der Kaiser hat durch Erlaß an den Kriegsministcr die unentgeltliche Ueber- lassung von Geschützbronze zur Herstellung von Kirchen­glocken folgenden elsässischen Gemeinden auf deren Gesuch bewilligt, und zwar: 12 Centner der Gemeinde Fürdenheim, Kreis Straßburg; 30 Centner der Ge­meinde Reichweiler, Kreis Mülhausen; 20 Centner der Gemeinde Ueberrach bei Schaffenhofen, Kreis Hagenau; letzteres Geschenk in Folge eines von der Gemeinde Ueberrach an de» Kronprinzen gerichteten Gesuchs.

Ausland.

Wie», 15. Mai. Das „Tageblatt" erfährt, daß der deutsche Kaiser und der Kaiser von Rußland i» Wien Zusammentreffen würden und die Vertreter Oesterreichs in Berlin und Petersburg, Graf Karolyi und Baron Langenau, nach Wien berufen seien.

— 14. Mai. Die amtliche „Wiener Zeitung" publicirt heute die von gestern datirte und von sämmt- lichen ciöleithanischen Ministern unterzeichnete kaiser­liche Verordnung, durch welche die österreichische Natio-

ich behalte meine Gedanken für mich . . . Also AverSmann, die jungen Füchse haben sie heute ange­spannt und der Inspektor hat sie ihm auch gegeben?" fragte er aufmerksam.

„3a, Herr Baron; der Herr klagte über den langsamen Trott der alten Braunen und wollte schneller fortlommen."

„Sind aber nicht ordentlich eingefahren und das Handpserd, der mit der Stirn, das ist Einer . . . . ES müßte als Reitpferd verkauft werden, hab' ich immer gesagt, und dürfte gar nicht in den Wagen kommen. Ich kenne den Racker!" brummle er noch­mals und schlenderte in den Park hinein.

Der Vogt ging ebenfalls seiner Wege und die Gärtner begannen wieder ihre Arbeit.

Wir folgen dem Wolfram in die Tiefe des Parks. Er äugte auf den Wegen, durch die Büsche, wie ein Jäger, der den Blick überall hat; bald fand er sein Wito. Antonie kam, wie ein Kind, liebreizend und lächelnd ihm entgegengehüpft.

„Gewiß, Wolfram," rief sie, „ein Brief?"

„Ja, Kind, eben ist er angekommen," sagte er und überreichte ihn dem Mädchen; denn der alte Wolfram ließ sich wahrlich nichls gegen die neuen Verhältnisse zu schulden kommen, als daß er Amors Botenstelle zwischen den beiden Liebenden vertrat.

Sie setzte sich auf die Bank und verschlang die Zeilen. Wolfram stand einige Schritte davon, beugte den Oberkörper etwas vor, seine klugen Augen ruhten aufmerksam auf der Leserin und seine ernsten Mienen studirten den Eindruck: endlich fragte er: „Neues drin?"

„Nichts, als daß er wohlangesehen bei seinem Chef ist, fleißig arbeitet, sehnsüchtig in seiner Liebe und doch glücklich über den Anschein ist, daß ihm die böse Haftgeschichte keinen Schaden weiter an seinem Ruf gethan Hal."

„Die Haft, die Haft," seufzte Wolfram, „ja, ja und das schwere Opfer! ..."

nalbank ermächtigt wird, „Wechsel zu eScomptiren oder Effecten statutengemäß zu belehnen, ohne hinsicht­lich der dafür ausgegebenen Notensumme an den im §. 14 der Bankstatuten festgesetzten Betrag gebunden zu sein." Ein Maximalbetrag für die nunmehr ohne Deckung durch Gold oder Silber oder durch Silber- wcchsel neu zu emittirende Notensumme ist nicht an­gegeben. Der bereits circulirendc Betrag könnte also nöthigenfalls um mehr als hundert Millionen erhöht werden. Da jedoch die in der kaiserlichen Verordnung vom 13. d. ausdrücklich hervorgehobene „statutenge­mäße" Belehnung sich nur bis zu 70 Procent des jeweiligen CourSwerthes erstreckt und die Censoren der Nationalbank auch in Bezug auf den Credit, der von hiesigen Banken beansprucht werden wird, die größte Vorsicht obwalten lassen werden, so dürfte ein Mißbrauch der Suspension der Bankakte nicht zu be­fürchten sein. Die „W. Ztg " veröffentlicht heute zugleich ein von gestern datirtes Schreiben des Finanz- ministerS de Pretis an den Bankgouverneur, worin der erstere bemerkt, er müsse „ausdrücklich betonen, daß die Absicht der Regierung dahin gerichtet sei, durch diese außerordentliche und selbstverständlich nur auf die Dauer der äußersten Nöthwendigkeit beschränkte Maßregel (die SuSpendirung des §. 14 der Bankakte) der Erschütterung des Vertrauens in den zahlungS- und creditfähigen Kreisen vorzubeugen und große Cala- mitäten abzuwenden, in der sicheren Erwartung, daß die Nationalbank von dem ihr eingeräumten Rechte nur insoweit Gebrauch machen werde, als cs noth­wendig ist, um ernsteren Verwickelungen vorzubeugen." Die Regierung, sagt der Finanzminister, habe die Suspension der Bankakte nur dcßhalb beschlossen, da­mit die hcrschende KristS, welche bisher ausschließlich auf die Kreise der Börse beschränkt geblieben sei, sich nicht zu einer nachhaltigen Gefährdung des Handels und der Industrie steigere. Der ungarische Minister­präsident v. Szlavy ist gestern in Wien eingetroffen, um in Betreff der neuen Banknoten - Emmission die ungarischen Interessen zu wahren. Die Pester Börse gerielh gestern abermals in panischen Schrecken, da neuerdings zahlreiche Insolvenzen vorkamen, und es mußte deshalb das Geschäft gänzlich sistirt werden. An der Wiener Börse setzt man jetzt die Hoffnung weniger auf die „allzu rigorose" Nationalbank, als auf das neue Lankenconsortium, welches mit einem Operationsfond von 50 Millionen die Course heben soll. Das Organ der Wechslerbank versichert heute, das Reltungsconsortium habe schon 17 Millionen beisammen. Der alte Leichtsinn treibt wieder neue Blüthen. Kaum ist die Seifenblase der „großen Welt­ausstellungshausse" geplatzt, so wird ein „kolossaler Getreideexport" für den nächsten Herbst als unzweifel­haft angekündigt. Das Getreide muß freilich erst wachsen und andere Länder müssen die von den Wiener und Pester Börsianern gewünschte Mißernte haben,

„Geben Sie sich zufrieden, Wolfram, ich verstehe Sie!" sagte das Mädchen. „Niemals werde ich vcr- gesten, was ich für Verpflichtungen auf mich genom­men habe."

„Und der Alfred hat wie ein kleines Kind ge­handelt, damit er frei würde", fuhr Jener kopfschüt­telnd fort.

„Er sollte frei sein, er mußte es. Die Freiheit ist theuer erkauft, doch der Preis ist — gar nichts, wenn ich standhaft bleibe. Und das will ich, heut, wie gestern und immer, Wolfram 1" rief das Mädchen lebhaft.

„Du bist ein liebes Kind", rief Wolfram traurig und doch unendlich zärtlich. „Wir sind in Deine Hand gegeben . . . Weißt Du, was das heißt! Auf Deinen zwei Mädchenaugen ist das Glück und Unglück meiner ganzen Familie gestellt. Ich begrcif's selbst nicht, waS mich darüber ruhig macht. Ja, und ich traue Dir; aber beim besten Willen, bist Du's im Stande? Dein Vater ist und bleibt ein harter Kopf und Du bist ein ohnmächtiges Mädchen . . . Wer weiß, wer weiß! . . „O!" brach der Alte kla gend aus, „mir ist oft so trüb und so unsicher!"

„Sehn Sie her Wolfram! auf diese Bank setzte mich mein Alfred, als er mir Ohnmächtigen das Leben rettete. Hier rief mich sein erster Kuß ins Bewußt­sein zurück, und dieses Leben habe ich ihm gelobt. Eher sterbe ich, als daß ich von ihm lasse, was auch kommen mag!"

»Ja, ja, wenn Du stirbst, Kind, daS würde mich elend schmerzen, denn ich mag Dich wohl leiden. Doch mit mir wär eS auch aus, erst recht aus, eine Kugel durch den Kopf von diesem Rohr würde mein Erlöser sein, die Güter wären für immer fort . . ., fort . . ., die Güter! ..." So murmelte er und beugte sich tiefer und tiefer, das harte Gesicht trug einen schmerzlichen Zug der Ermüdung. Er sah in diesem Moment zehn Jahr älter aus und Antonie erschrak vor dem Anblick.

aber diese kleinen Vorbedingungen hindern die Prophe­ten vom Schottenring nicht, schon jetzt die Besorgniffc in Betreff der Balutaverschlechterung rc. für ganz grundlos zu erklären. Der künftige Getreidrtratiöpon muß Allts gut machen. Gestern gab man an der Wiener Börse der Freude über die Suspension>er Bankakte dadurch Ausdruck, daß man jedes Geschäft in Napoleons gewaltsam verhinderte. Diese Methode wird freilich nicht lange vorhalten. Gegenwärtig eit culiren schon ca. 700 Mill. fl. in Staats und Bank­noten. Die Suspension der Bankakte wird die Um­laufssumme beträchtlich vermehren und auf diesem papiernen Fundament ruht die Volks- und Staats, wirthschaft Oesterreichs. — Gestern machte der ruinirte Börsenagent Exner, früher Professor an der Militär­akademie, seinem Leben durch Gift ein Ende. Ein Victualienhändler, der durch ein Börsencomptoir sein ganzes Vermögen verloren, erhängte sich. — Die Szegediner Credit- und Leihanstalt stellte ihre Zahlungen ein, da ihr Director die Kassenbestände an der Börse verspielt hat. Der entflohene Director wurde in Wien verhaftet.

Parts, 14. Mai. Die „Patrie" enthält folgende Mittheilung: „Es erscheint als beinahe sicher, daß die Deutschen in Französisch-Cochinchina die für den Fortschritt unserer Colonie nachtheiligsten Gerüchte in Umlauf gesetzt haben. „Die Franzosen", so sagten sie zu den Eingeborenen, „werden ihre Besitzungen nicht behalten können; der Bürgerkrieg, der bei ihnen ein­gebürgert ist, wird sie später oder früher nöthigen, ihre Schiffe zurückzurufen." Viele unserer Herrschaft unterworfene Anamiten, welche die furchtbaren Repres­salien des Hofes von Hue befürchten, wenn" unsere Fahne verschwindet, haben wieder begonnen, die Steuern an die Regierung von Tu-Duc zu bezahlen; sie wollen sich kluger Weise gegen jede Eventualität schützen. So conspirirt die geschickt ausgebeutete Kunde von unseren Unordnungen sogar in Hinter Asien gegen du Zukunft unserer Colonieen." Daß die Anamiten, wie die „Patrie" behauptet, der Ansicht sind, daß die fran­zösische Herrschaft in Cochinchina von keiner langen Dauer sein werde, klingt jedenfalls ganz glaublich. Lächerlich ist es jedoch, wenn dieses Blatt behauptet, daß die Deutschen dieses den Eingeborenen in Fran­zösisch-Cochinchina weis gemacht haben sollen. Deutsch­land hat nicht das geringste Jntereffe, daß die Fran­zosen aus Cochinchina vertrieben werden. — Unter dem Titel »üne reparation« schreibt das bonapar- tistische „Pays": „Das „Siede" versucht zwischen den Imperialisten und Legitimisten Zwietracht zu er­regen, und es erinnert deshalb an die harten und gewaltsamen Worte eines imperialistischen Schriftstellers gegen Herrn Berryer. Diese harten und gewaltsame» Worte waren durch eine herausfordernde Haltung des Herrn Berryer hervorgerufen worden; aber der Schrift­steller, welcher ihm antwortete, will sich nicht hinter

„Sagen Sie mir, was soll ich thun?" rief sie und ergriff feine Hand. „Kann ich einstweilen mehr als widerstehn?"

„Ach, Antonie, gutes Kind!" erwiderte Jener. „Ich will Dir keine Vorwürfe machen. Noch weiß ich auch nichts, als daß Du festhältst. Gott mag weiter helfen!"

Damit nahm er sein Gewehr und ging sinnende» Hauptes der Ausgangspforte des Parks zu., Antonie folgte unwillkürlich an seiner Seite, sie konnte sich noch nicht trennen und vergaß sich soweit, daß sie ihn begleiten wollte. Da war eS, als ob aus Wolf­ram plötzlich ein anderer Mensch blickte. Düster und grollend blickte er sich um, andere wildere Gedanken­reihen stürmten durch sein Gehirn und er fuhr rauh heraus:

„Bleib, Mädchen, sei kein Kind, und gieb dem alten Hund, der das Gnadenbrod seines Herrn frißt, ein Zeichen Deines Wohlwollens! Spei ihn an, wie die Andern; ich bin zufrieden, wenn's von Dir nicht auS Lust, sondern nur aus der Noch der Umstände geschieht."

„Wolfram, mein einziger Freund!" rief Antonie mit schmerzlich zitternder Stimme und sandte ihm einen Blick zu, in welchem all ihr eignes Leib, ihre Liebe, ihre Aufopferung mit der schmerzlichen Trauer über ihre Ohnmacht vermählt war; dann wandte sie sich und barg ihr Haupt in ihre schönen Hände.

Da war Wolframs Unmuth verpflegen, er eilte zurück, umarmte sie und weinte mit ihr, alle liebende» und tröstentenden Worte seines rauhen Sprachschatzes hervorsuchend, und dabei mußte er doch Lugend wie ein Verbrecher, um sich blicken und wachen, daß ih» Niemand belauschte.

' Du klang's wie fernes Geräusch und flugs mit letztem Druck der Hand eilte er zum Park hinaus.

Freilich lag das Alles schwer auf Wolfram. Das Gesängniß war von verheerender Wirkung gewesen. Wolframs Pläne hatte ein infamer RechtSlniff der

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