Mücken stächen. Seine Tochter hielt er eingeschlossen, und dem alten Wolfram ließ er durch den Inspektor sagen, er verböte ihm, seinen Neffen bei sich zu beherbergen. Der aber soll ihm schön geantwortet haben. Seit der Zeit gehen sich Wolfram und der Bankier immer aus dem Wege, wo sie sich treffen."
„Wenn dieser Baron Alfred das Mädchen heirathen thät, so wär's doch gar hübsch, dann bliebe das Gut in der Familie", meditirte der Lehrling.
„Za, wenn .. lachte Jener, „das ist eben der Casus consus. Das Vermögen ist zu ungleich, und der Wolf sieht aus'S Geld."
„Die BaronS hatten doch das Gut. .
„Ja, als tobten Mann und weiter nichts. Siehst Du, wie ich hier Zweig auf Zweig abbreche, fo ist ein Tausend nach dem anderen vom Gut abgebroien worben. Der alte Baron Adam war eine Seele vor Mann, aber — na, die Zeiten und da- gewohnte herrschaftliche Wesen, man weiß nicht, waS Schuld hat; kurzum, der alte Jude hat all die Tausende fleißiz gesammelt, und wie er die Tasche von Schuldscheines voll hatte, da ist er gekommen und hat gesagt . . /
„Ich denke, er ist kein Jude", unterbrach ihn der Lehrling.
„Ach, Jude hin, Jude her; mau nennt die Geld leute so!" berichtigte sich der Gärtner ärgerlich und fuhr fort: „hat gesagt, nun, her mit dem Gut und, er hat's richtig gekriegt".
„Aber, man erzählte sich doch immer, da» Gs wär' eisern gemacht..."
„Hab'S auch vom Herrn Wolfram gehört, bah das Gut nicht aus der Familie kommen könnte, und wenn'S dreimal verschuldet wäre, aber man sieht doch, der pfiffige Gelbmann hat's trotz alledem fertig gekriegt.'
„Ist er denn wirklich Herr?"
„Nach Allem, waS man sieht, muß er'» wohl sein ... Guten Tag, EverSmann", nickte er freund' lich von der Leiter herab.
(Fortsetzung folgt.)
dem Reichskanzler zur Erwägung und Berücksichtigung zu überweisen.
Siel, 8. Mai. Die schon seit einigen Jahren projeclirte Marine - Kirche wird, falls der Reichstag die betreffenden Summen genehmigt, noch in diesem Jahre begonnen und soll möglichst rasch vollendet werden. Die Bausumme, einschließlich der Summe für das noch zu erwerbende Grundstück, ist aus 100,000 Thlr. veranschlagt, die in einer Rate von 40,000 Thlrn. für 1873 und einer zweiten von 60,000 Thlrn. für 1874 beantragt werden.
Darmstadt, 13. Mai. Eine Anzahl oberhesst- scher, auf dem Lande wirkender Volksschullehrer ist bei der zweiten Kammer dahin vorstellig geworden, zu veranlassen, daß ihre Bezüge mit den Lehrerbesoldungen der Städte in größeren Einklang gebracht werden. In der Motivirung wird geltend gemacht, daß die Preise der Lebensbedürfnisse auf dem Lande dieselbe Höhe, wie in den Siädten, wo die Ausbildung der Kinder aber nicht soviel koste, erreicht haben, auch der Beruf deS seine Schuldigkeit erfüllenden ländlichen Lehrers andererseits mehr Kraftanstrengung als der des städtischen erfordere. — Die Berichte des Finanzausschusses zweiter Kammer über das Staatsbudget werden nunmehr in rascher Reihenfolge im Druck erscheinen. An der Spitze der Einleitung, steht der Satz: „in der Anstellung möglichst weniger, aber dann auch gut besoldeter Staatsbeamten das Endziel deS Strebens sehen zu muffen, welches nicht ausschließt, vielmehr gerade ermöglicht, für, dem Gesammt- wohl wahrhaft segensreiche Zwecke die nöthigen Mittel reichlich zu beschaffen".
Mainz, 12. Mai. lieber die Arbeiter-Unruhen in Gonsenheim bringt der „M. Anz." folgenden ein gehenden Bericht. Am Samstag Nachmittag versuchte ein Theil, etwa 30 Mann, der am Bahnhof bei Gonsenheim beschäftigten Arbeiter, nachdem sie bereits Morgens die Arbeit eingestellt, weil ihnen von Seiten deS Uebernehmers nur 1 st. 50 kr. und nicht, wie sie eS verlangten, 2 fl. Lohn per Tag bewilligt wurden, die übrigen noch fortarbeitcnden ebenfalls gewaltsam zur Arbeitseinstellung zu zwingen, indem sie dieselben in der rohesten Weise mißhandelten und zwei junge Leute aus Gonsenheim erheblich verletzten. Auch das Zugpersonal mußte vor den Steinwürfen von Seiten der sinkenden Arbeiter stüchten. BloS der Loevmotiven- schirm rettete den Loeomotivsührer, der sich, während die Maschine ebenfalls mit Steinen bombardirt ward, hinter denselben flüchtete. Der Stationsverwalter, welcher die Arbeiter zur Ruhe ermahnte, mußte vor der Wuth der Excedenten, welche im Lause deS Vormittags 2 Faß Bier getrunken, wie daS übrige Bahnpersonal flüchten. Auf telegraphischem Wege wurde Gendarmerie requirirt. Der Untersuchungsrichter und
StaatSprocurator waren gestern bereits an Ort und Stelle und die Untersuchung ist eingeleitet.
Ausland.
Wie», 14. Mai. Der Finanzminister hat an den Gouverneur der Bank ein Schreiben gerichtet, worin er diesem die Suspendirung der Bankakte bekannt gibt, betonend, daß die Absicht der Regierung lediglich dahin gerichtet sei, durch diese außerordent liche, selbstverständlich auf die Dauer der äußersten Nothwendizkeit beschränkte Maßregel der Erschütterung deS Vertrauens in zahlungS- und creditsähigen Kreisen vorzubeugen und größere Calamitäten abzuwenden. Der Finanzminister erwartet, die Nationalbank werde von dem eingeräumten Rechte nur insoweit Gebrauch machen, als nothwendig sei, um ernsteren Berwicke hingen vorzubeugen. — Die Börsenfrage ist nunmehr eine politische Fvage geworden. In einem gestern abgehaltenen Ministerrath, dem eine unter dem Vorsitze deS FiiianzminifterS abgehaltene Conferenz von Sach verständigen vorausging, wurde beschlossen, den Art. 17 der Bankakte zu suspendiren, d. h. der Nationalbank zu gestatten, Werthe von statutenmäßiger Sicherheit auch über den Betrag von 200 Millionen hinaus mit unbedeckten Noten zu belehnen. Es scheint, daß sich sämmtliche Finanzeapacitäten für dieses Mittel ausgesprochen haben, bas den exorbitanten Executiover- käufen ein Ende zu machen und der Börse neue Cre- dite zuzuführen bestimmt ist. Dagegen hat es nicht an Stimmen gefehlt, welche davor warnten, Effecten, welche die gegenwärtige Krisis auf ihren eigentlichen Werth, ober vielmehr ihre Werthlosigkeit rebucirt hatte, einen künstlichen Schutz augebeihen zu lassen. Trägt bie furchtbare Katastrophe, welche Über die Börse hereingebrochen ist, bazu bei, wahre Arbeit, die Thätigkeit deS Kaufmannes und deS Industriellen wieder zu Ehren kommen zu lassen, prägt sie den Mißbräuchen und der Schwindelwirthschast, wie sie leider an der Wiener Börse großgezogen wurden, das Brandmal öffentlicher Verachtung auf, so sind die Ereignisse der letzten Woche-, so weit sie auch greifen mögen, nicht zu bedauern. Der Reinigungsprozeß muß gründlich und erbarmungslos durchgeführt werden. Ob die vom Ministerrathe angenommene Maß regel anSreichen wird, den Schwierigkeiten der Lage zu begegnen und den Uebergang der Gelvkrisis in eine Handelskrisis zu verhindern, steht dahin. Bedauerlich wäre jedenfalls, wenn sie auf die Erhöhung deS Agios zurückwirken und so gleichsam den Staat als solchen compromittiren würde. Social wird die Krisis wenigstens dem kleinen Rentner zu Gute kommen, den Herr v. Schmerling in seiner vielbesprochenen Herren Hausrede in Schutz nahm. Die furchtbare Steigerung der Miethspreise und alles dessen, was nur im Geringsten an das Luxusbedürfniß anstreift, hing wesentlich mit dem maßlos leichten Verdienst an der Börse und dem
Uebermuthe zusammen, der im Gefolge derartiger Er- werbsverhältniffe zu schreiten pflegt. Heute bereits sind Equipagen, um mit Falstaff zu sprechen, so billig zu haben, wie Garneelen im Sommer, und bie Mieths- preise ber Landwohnungen sinb einer seit Jahren nicht mehr vorgekommenen Baisse anheimgefallen Freilich ist bas SpeculationSfieber nur ein intermittirenbe«, unb eine kurze Panse wirb genügen, eS auf'S Neue zu entfachen. Allein ein so gewaltsamer Appell an das Princip eigentlicher Volksarbeit und an die öffentliche Moral kann hoffentlich doch nicht völlig spurlos vorübergehen. — Der vorige Sonntag, der sonnenhell und warm gegen die kalten Regentage des ganzen Mai abstach, lockte eine ungeheuere Menschenmenge in den Prater. Zum ersten Male feit ber Eröffnung passtrten etwa 50,000 Personen die Tonmiquets. — Der Prinz von WaleS hat sich gestern nach Pest begeben, der deutsche Kronprinz sollte ihm heute nachfolgen, wenn nicht etwa das wieder eingetretene schlechte Wetter eine Aenderung des ReiseprogrammS herbei- gcsührt hat. Auch für den Besuch des deutschen Kaisers wird das bei Pest gelegene Sommerschloß Gödölli vorbereitet, obwohl eö gerade jetzt, wo das Jagd- vergnügen feiert, kaum allzu große Anziehungskraft darzubieten vermag. Graf Karolyi wird während der Anwesenheit deö Kaisers Wilhelm gleichfalls in Wien verweilen und ebenso Kaiser Alexander vom österreichischen Gesandten in Petersburg, Baron Langenau, unb dem Militärattachs, Oberstlieutenant Baron Bechtolsheim, begleitet sein.
Paris, 13. Mai. Das amtliche Blatt melbet: „Das Schatzamt zahlte der deutschen Regierung 250 Millionen, welche Summe die vierte Milliarde der Kriegsentschädigung vervollständigt." — Laut National sind die Hauptbestimmungen des neuen Wahlgesetze» folgende: „Die National-Versammlung umfaßt 500 Mitglieder, welche in den ArondiffementS, für jeder eines, gewählt werden; Alter der Wähler 21 Jahre, Domicil 2 Jahre. Der Senat besteht aus 250 Mitgliedern ; jedes Departement wählt drei Mitglieder auf 10 Jahre, bie alle 2 Jahre zu einem Fünftel erneuert werden. Die Senatoren dürfen nur unter ehemaligen Depntirlen, Präsidenten von Generalräthen und Handelskammern, Academikern unb Bischöfen gewählt werben. Der Senat erhält bas Recht, bie National-Versammlung aufzulösen". — Bien Public enthält folgenbe Note: „Ein Journal künbigt an, daß General Le Flo an die Regierung eine Depesche gesandt habe, worin er von der Unruhe spreche, welche die Politik der französischen Regierung seit dem 27. April den beiden Kaisern verursacht habe. Ungeachtet der Unwahrscheinlichkeit dieser Nachricht müssen wir unsere Leser gegen die Mittheilungen warnen, welche nicht ernsthaft sind". Richtig ist es ober doch daß vor zwei Tagen ein Courier mit Depeschen des russischen Bot-
eS nicht nöthig war. Jetzt ist's Zeit. Heirathen Sie Ihn, wenn er Ihnen gefällt, ich thu eS nicht."
„Das sagst Du, nachdem wieder Alles publik ist? Wieder soll ich den Skandal erleben ? Du sollst ihn wollen! In den nächsten Tagen setze ich die Hochzeit an. Kleinschmidt ist ein Mann für Dich, er paßt in mein Geschäft, damit Basta!"
Er rief den hinter ihm stehenden Gerichtsbiener und sagte, auf de» Jüngling deutend: „Dies ist der Baron Alfred, mein Schuldner, führt ihn ins Ge sängniß."
„Vater!" weinte das Mädchen, doch er hört nicht. Alfred sah auf seinen Vetter mit schmerzlichem Blick.
„Geh nur, mein Junge," sagte dieser, „ich verlasse Dich nicht!"
Und dieser folgte dem Gerichtsbiener. Der Bankier griff seine Tochter am Arm: „Jetzt verfüge Dich nach Haus" rief er und er ließ feinem Unmuth zu Kleinschmidt freien Lauf, indem er fortfuhr: „Nein, nein, ist daS erhört? Wahrlich Hunderttausend Thaler sind leichter durch Armeeliferungen zu berbtenen, «18 so ein Mädchen unter die Haube zu bringen."
Kleinschmidt empfand lebhaft diefelbe Schwierigkeit und gab durch seine wiederholten Bemerkungen: „Sehr wahr, sehr richtig, mein Herr Chef!" seinen Beifall zu erkennen.
Die Baronin plagte ihren Vetter noch gar heftig mit Vorwürfen, allein dieser antwortete nicht, dachte an ganz etwas Anderes und pfiff ein lustiges Jäger- lieb bobei.
11. Der neue Herr.
ES war im Anfang des August, fünf volle Wochen nach den Begebenheiten, die wir in den früheren Kapiteln erzählt.
Ter Gärtner deS Edelhofs zu Walsleben saß mit seinem Lehrling auf der Leiter in einem Weinspalier. daS sich an der langen Südseite deS Kuhstalls befand, welcher an den Park stieß unb über und übet mit
Ranken bezogen war. Sie vollzogen die Arbeit deö Verbrechens, die darin bestand, den Johannistrieb der jungen Zweige zu verstutzen, damit die Kraft des Stocks sich umsomehr den Trauben zuwende.
Da ging sinnend unb gebankenvoll bie schöne Antonie Wolf vorüber unb verschwand in der Tiefe deS Parks.
„Es will mir immer noch nicht in den Sinn, daß eS nun diese da ist!" sagte der Lehrling, auf Antonim zeigend, zum Gärtner.
„Dank Du doch Gott mit UNS, daß die Andere nicht die rechte war!" entgegnete der Gärtner. „Wenn die Lange von damals jetzt das Heft in Händen hätte, bei meiner Seele, was würde da auS mir, armen Gärtner, ber immer unter breierlei Regiment steht unb es Jedem recht machen soll? Da ist bet Gutsherr, der dies und das in ber Anlage wünscht, ba ist der Inspektor, ber immer brummt, wenn er Dünger ober Fuhrwerk ober Arbeiter für ben Garten hergeben soll, und ba ist bann noch die gnädige Frau oder Tochter, welche Blumen und Sträuße ober Myrthen unb Rosen haben will. Die Große bamals verlangte flugS mal einen Veilchenstrauß unb es war boch AuSgang Mai ober Anfang Juni. Darum aber stampfte sie boch mit dem Fuß und schalt über den faulen Gärtner, der womöglich hätte die Jahreszeit ändern mögen."
„Na, dafür ist diese desto bescheidener; die thut keinem Menschen mehr weh;" plauderte der Lehrling weiter. „Sie dankt mir jeden Morgen so artig für den Strauß, den ich ihr bringe; nur ein Bischen mehr ansehen könnte sie ihn sich und darüber freuen. Aber sie sieht immer still und traurig aus, wie Gottes Opferlamm."
„Wer weiß, was dahinter stecken mag I" murmelte der Gärtner. „Ihr Vater, der neue Herr, ist sehr unwirsch gegen sie. Die Mamsell und die Mädchen haben schon erzählt, als er erfuhr, ber junge Baron Alfred wäre hier, da trippelte er ben ganzen Tag im Hof unb im Park herum, als wenn ihn die
schäfte. Kaiser MBei diese 2 Thiers nimlic treff« beiden ben je Begut, Vorsici erregte Herrn die M nicht. - D blick | nach s. mehrer 130 < Znbuf parlan 19. zi find a sich in Rede mäßig — bei sich
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