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-Vr. IIS. Markurg, Freitag, den 16. Mai. » . » 1873.

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Deutsches Reich.

Berlin, 14. Mai. Die heutige „Prov.-Corresp." sagt in einem Artikel „Die OifizierSgehälter": Den preußischen Beamten ist bekanntlich durch ein von der Regierung vorgelegtcs und mm dem Landtage genehmigtes Gesetz mit Rücksicht auf die steigende Theuerung aller Lebensbedürfnisse, insbesondere der Wohnungspreise, eine erneute Verbesserung ihre« Ein- koinmens durch beträchtliche Wohnungsgeld Zuschüsse in Aussicht gestellt. Nachdem das Gesetz liunmehr die endgültige Allerhöchste Bestätigung erhallen hat, werden die Zuschüsse unverweilt für den Zeitraum vom 1. Januar d. I. ab zur Zahlung gelangen. Auf Grund derselben Erwägungen, welche diese Bewilligung zn Gunsten der preußischen Beamten herbeigeführt haben, ist Seitens des Kanzlers des deutschen Reiche» die Gewährung von Wohnungsgelb-Zuschüssen für die Rcichsbeamten, so wie für die Offiziere des Reichs Heeres und der Marine in Antrag gebracht und zu- nächst Gegenstand der Beschlußnahme im Bundes- rathr. Die Offiziersstellen vom Hauptmann 1. Klasse aufwärts sind seit-dem Jahre 1825 ohne eine andere Einkommensverbesserung als eine unbedeutende im Jahre 1868 gewährte Serviserhöhung geblieben. Während die Gehälter der Civilbeamten ohne die jetzt bewilligten Wohnungsgelder seit 1825 um 15 bis 60 pCt., mit Einschluß deS jetzigen Zuschusses um 25 bis 80 pCt. erhöht worden sind, während z. B. dir Räthe bei den Prvvinzialbehörden im Ganzen um 47 pCt., die Richter bei den Stadt- und Kreis­gerichten um 81 pEt. verbessert worden sind, ist da­gegen das Dienftrinkommen eines Bataillons-Corn - mandeurs in dem ganzen Zeitraum von 50 Jahren nur um 2 pCt., das eines Hauptmanns 1. Klasse um 3, das eines RegimentS-Commandeurs und das eines Divi- stvnS-Commandeurs etwa um 5 pCt. erhöht worden. Bei den Erörterungen über die Gehaltsverhältnisse der Otfiziere richtet sich die Erwägung natürlicherweise auch auf die Aussichten, welche die militärische Lauf bahn im Vergleich mit der Beamtenlausbahn bietet,

auf die Wahrscheinlichkeit rascheren AufrückenS in die höheren Stellen. In dieser Beziehung wird in einer näheren sachkundigen Darlegung der- einschlagenden Verhältnisse zunächst hervorgchoben, daß die äugen blicklichen Avaneementsverhältnisse der Armee nicht als durchschnittlicher Maßstab für die militärische Lauf- Lahn dienen können. Dann aber wird Behufs des Vergleichs der Militär - und der Civillausbahn noch auf einen anderen wichtigen Punkt hingewiesen,' näm lich darauf, daß die Civilbeamten in der Regel bis in ihr hohes Lebensalter im Dienst und daher auch im Genuß deS Tiensteinkommens ihrer Stellen bleiben, während von denen, welche sich der Offiziercarriäre widmen, auch im Frieden verhältnißmäßig nur Wenige im Dienst ein höheres Lebensalter erreichen. — Im Civildienst dagegen können, namentlich bei kolle- gialischen Behörden, erfahrene Männer durch ihren Rath mit Vortheil für den Dienst wirken, wenn sie durch vorgeschritteneres Alter in ihrer körperlichen Leistungsfähigkeit beeinträchtigt sind. Die Möglichkeit frühzeitiger Psnsionirung ist deshalb für denjenigen, der sich der Offizier Saniere widmet, sehr viel größer als für den Civilbeamten. Wenn diese Verhältnisse gebührend in Betracht gezogen werden, so wird man es um so mehr als eine Forderung der Gerechtigkeit erkennen, daß den höheren Offizieren in Bezug auf ihr Einkommen diejenige Berücksichtigung nicht versagt werde, welche für die Beamten unter bereitwilliger Zustimmung und Mitwirkung der Reichs und Landes­vertretung seit einer Reihe von Jahren gewaltet hat. Der hervorragende Antheil, welchen unsere Armee und in derselben unser Offizier-CorpS an der glorreichen Entwickelung Preußens und Deutschlands gehabt hat, wird in dem Bewußtsein unseres Volkes so sehr ge­würdigt, daß die Regierung unseres Kaisers und Königs das Interesse der Reichsvertretung in jener Richtung gewiß nicht vergeblich anruft. — Die „Prov. Corresp." bestätigt ferner die königliche Sanctionirung der Kirchengesetze und meldet, der Kaiser werde in Wien, wohin er am 29. d. M. abreift, etwa 8 Tage verweilen.

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— Die gewerblichen Zustände werden, in den nächsten Tagen den Reichstag beschäftigen. Zahlreiche Petitionen mit zusammen beinahe 6000 Unterschriften, unter denselben Petitionen der sammllichen Gewerbe­vereine in Sachsen, des allgemeinen Handwerkervereins in Dresden und der Innungen daselbst verlangen, die Abänderung der Gewerbeordnung in der RichUuig, daß die Prüfungspflicht der Lehrlinge nach beendeter Lehrzeit wieder eingesührt, obligatorische Fortbildungs­schulen für dieselben zu errichten, die Gesetzgebung über die Kranken-, Invaliden- und Sterbecassen unter Abschaffung der theilweise noch bestehenden Beitrags- Pflicht der Arbeitgeber geregelt, Arbeitsbücher und ge­werbliche Schiedsgerichte mit exeeutiver Gewalt ein­geführt und Gewerbe- und Handwerkerkammern er­richtet werden. Die Petitionscommission des Reichs­tages (Referent Abg. Dr. Birnbaum) beantragt Heber« gang zur Tagesordnung, weil zu einer allgemeinen Revision der Gewerbeordnung noch nicht genug Ma­terial vorliege und die bevorstehenden Desiberien, zum Theil wenigstens, Gegenstand specieller, sehr woyl worzubereitender Anträge werden müßten. Dem gegen« ■über beantragt Abg. Ackermann, die Petitionen dem ■Reichskanzler mit dem Ersuchen zu überweisen, die zur Beurtheilung der Frage, ob und inwieweit zur Beseitigung vorliegender Mißstände Veranlassung zur Abänderung der einschlagenden gesetzlichen Bestim­mungen geboten sei, erforderlichen Erhebungen zu veranlassen und deren Ergebnisse dem Reichstage mitt' zutheilen. Die konservativen Äbgg. v. Below, v. Dcnzin v. Gerlach, Grimm, m Seydewitz und Wilmann'S- hinwiederum schlagen vor, die Wünsche bezüglich der Prüfungspflicht der Lehrlinge-und der obligatorischen Fortbildungsschulen dem Reichskanzler zur Erwägung, den Antrag, betreffend die Einführung von ArbeitS- controlbüchern zur Berücksichtigung zu überweisen, und Abg. Ackermann fügt diesem Vorschläge eventuell noch den Antrag hinzu, auch die Anträge der Pe­tenten auf die obligatorische Einführung gewerblicher Schiedsgerichte und Errichtung von Gewerbekammern

Das Majorat.

Historisches Familiengemälde von M. A- Niendorf. (Fortsetzung.)

Der Bankier war zuerst keines Wortes mächtig. Er sprang vor diesem entsetzlichen Tete-ä-tete rück wärt8, wie von Nadeln gestochen. Sein granses Haar sträubte sich, seine Braunen zitterten mit sammt dm Falten seiner Stirn, seine Augen sprühten grün- lich leuchtende Gififiammen aus; feine scharfgeschnittene Nase wurde noch weit spitzer und nahm die Gestalt eines drohend gezückten Dolches an. Jedes Menschen Busen birgt seinen Dämon, — jene ihm angeborene Eharakterspecies, jenes Fallkind, das er stets verhätschelt und doch vor den Leuten zu verbergen bestrebt ist. Freilich, Mancher hat mehr davon zu verbergen, Mancher weniger; Jedem aber bricht zuweilen dieser Dämon durch und offenbart sich dabei in seiner Nackten ungeschminkten Wildheit der Leidenschaft. So War die ausgesuchte Schmiegsamkeit des Bankiers nur Schminke, die ein starkes Vollbewußtsein von seinem eigenen Selbst verdeckte, sein leidenschaftlicher Wille eher kannte keine Grenzen, seitdem ihm der Erfolg im Erwerbe lächelt, seine Eitelkeit ihm selbst Loblieder gesungen und das Leden ihn mit der verhängnißvollen Macht des Reich,Hurns ausgestattet hatte.

„Ha, Du Entartete Deines Geschlechts," brach er endlich auf Antonien loS, „Deinen Verlobten schickst Du ins Gefängniß, um einem bankerotten Wcchsler- jchuldner zur Flucht zu verhelfen?" Dann schleuderte er Alsred die feindlichen Worte zu: „Und Sie, mit Ihrem freiherrlichen Willen, der die Hand meiner Tochter nicht annehmen wollte, wenn ich sie ihm auch ^ndöte? Haha, Stolzester aller Stolzen, der die Aige Ehre in Verrath und Verführung Hinterm Zücken sucht!"

Alfred erbleichte. Allein zuerst brachte sich die ^hgenfertige Baronin zum Wort: „Was infultiren die mein HauS, Herr Wolf? DaS ist mein Stiefsohn, t*n anständiger junger Mann !"

x »Ja, ein Baron!" höhnte Jener, „der die Hand

nach meiner Tochter auszustrecken wagt, weil sie Geld hat. Sind diese Barone nur geboren um Mädchen- versührer zu spielen?"

„Nein, Herr Wolf," replicirte die Unermüdliche, „mein Sohn ist aus einem alten und vorzüglichen Hause. Dies könnte für Sie und Ihr Fräulein Tochter nur eine Ehre, sein, wenn er reelle Ab­sichten hat." ■■’.

„Schöne Ehre, reelle Absichten"auf mein Geld!" lachte Wolf vor Aerger und Zorn.

Wolfram, der indeß an den Bankier herangetreten war, legte die Hand auf dessen Schulter.

„Beruhigen Sie sich, Herr Wolf," sagte er. „Sie fihen wie die Sache liegt. Ich stecke nun auch einen Pflock zurück. Ich bin jetzt mit mir eins, Ihnen meinen Konsens zu geben, d. h. wenn Sie sich be­lehren und den beiden Kindern da ihren Willen ge­währen lassen."

Aber dies Niederschlagpulver wirkte nicht, es schlug ins Gegentheil um. Unwillig wandte er sich, um von der beleidigenden Hand auf seiner Schulter loS- zukommen.

„Gehn Sie mit Ihrem Konsens. Glauben Sie einem Spatzen Salz auf den Schwanz streuen zu wollen?" rief er. „Sie verstehn's Geschäft, mir die Güter zu geben, um sie mir in demselben Augenblick wieder hinterrücks wegzufischen, indem sie diese da, meine Tochter . . . Haha! das ist naiv!" l

„Sehn Sie es an, wie Sie wollen," erwiderte Wolfram. „Sie haben damit meine Meinung; ich schenke Ihnen obendrein die 5000 Thlr., damit Sie sehn, wie uneigennützig ich bin."

„Ich will Ihre armselige Großmuth nicht, ich will Ihre Güter nicht, meine ungehorsame Tochter will ich . . .

Sie aber hielt sich fest an Alfreds Arm und blickte bittend auf ihn, als der Bankier nicht üble Miene machte, sie von ihm zu reißen.

„Ich liebe Ihre Tochter," trat Alfred muthig ein „und Sie sehen, daß sie auch mir ihre Neigung ge­

schenkt hat. Warum ich Ihnen einst so stolz ant- »ortete, mag sie Ihnen selbst erklären. Behalten Sie ihr Geld, Herr Wolf,' nehmen Sie die Güter, ich wünsche nur diese Hand mein nennen zu können, die ich schon erstrebte, ehe ich wußte, daß sie die Tochter eines reichen Hauses war." "

„Schöne Phrasen, wie sie einst der schöne Ritt­meister drechselte und mich ums Geld und die Tochter ums Leben brachte. Gehen Sie, bethören Sie einen andern gutmüthigen Vater, hier sind Sie an der falschen Adresse!"

„Unglücklicher, grausamer Vater!" rief Antonie. „Lassen Sie Ihren Argwohn fahren! Er hat mich für die Rektorstochter gehalten, und mir seine Liebe erklärt. Ja, wissen Sie noch mehr: dieser ist es, der mir das Leben gerettet vor jenem wüthenden Stier, indem er sein eigenes Leben für mich einsetzte. Sie hätten keine Tochter mehr und könnten kinderlos dem Alter entgegen sehen. Und dies that Er und kannte mich nicht."

„Da mag er mir seine edlen Thaten barlegen und ich will sie ihm belohnen; wir haben's dazu; aber soll mir nicht hinterrücks die Tochter.<-kntführen die freilich nicht besser ist, weil sie sich entführen läßt."

„O Vater,. Wenn Sie wüßten! —* klagte das Mädchen. „Ich will nicht von Alfreds Tugenden reden, allein ich flehe Sie an, hören Sie auf die Stimme Ihres Kindes, Sie können mein offenes klares Unglück nicht, wollen. Niemand hegt hier un­lautere Absichten auf Ihr Geld, behalten Sie eS, nur machen Sie Ihre Tochter glücklich —"

„Ihr bläst Alle wie aus einem Horn, das klingt allerliebst. Ihr stellt Euch Alle wie ganz kindliche Engel aus dem Himmel dar, denkt Ihr, daß ich Euch glaube?" höhnte der Bankier.

„Dann glauben Sie uns nicht," entgegnete Antonie heftig; „doch hoffen Sie nie und nimmer, daß Sie mir mit Ihrem uneigennützigen Kleinschmidt kommen wollen. Ich habe mich bisher nicht offen erklärt, weil