Einzelbild herunterladen
 

Sir. 114. , Marburg, Donnerstag, den 15. Mai. / 1873.

mr ri 'i

M *>

l .-ä'-i - <fnu

45® v -

«ijä- r-j. M -5! P

-5#d

Oberhessische Zeikng.

Erscheint tSglich außer den Werttagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal durch die Expedition (Koch'sche Buchdruckerei, Postämter 87 Sgr. (rxcl. Bestellgebühr und ,ncl- Stempelsteuer), für das Ausland excl. Stempel 88 Sgr. - Jnsertionsgebühr für die Sämmtliche Ännoncen-Büreaus nehmen Inserate an.

bezogen 82j Sgr., durch die gespaltene Zeile 1 Sgr.

Deutsches Reich.

# Berlin, 13. Mai. Die bereits gestern an­gekündigte günstige Lage der zur Entscheidung stehenden Regierungsangelegenheilen hat sich nun vollständig geklärt, indem der Finanzminister im Abgeordneten­haufe heute erklärte, baß daS Gesetz in Betreff des Servises für Beamte Allerhöchst vollzogen ist, gleich­zeitig bat der Minister, die 120 Millionen-Anleihe- Berathung von der Tagesordnung abzusetzen, da der Wechsel im Handelsministerium dies wohl bedinge. Das Entlassungsgesuch des Handelsministers Grafen Jtzenplitz ist, wie bereits gemeldet, vom Könige genehmigt und erwartet man noch heute die Ernennung des Dr. Achenbach zum Handelsminister, nachdem Se. Majestät denselben empfangen hat. Camphausen schien heute besonder- auöersehen zu sein, dem Abge- ordnetenhause und in weiterer Reihe dem Lande an­genehme Nachrichten zu präsentiren; denn das dürste keinem Zweifel unterliegen, daß die Vorlegung des Gesetzentwurfes, betreffend die Verwendung der aus der französischen KriegScontribution an Preußen ge­langenden Geldmittel, allgemeine Befriedigung Hervor­rufen wird. Hiernach soll die 4^/rproct. (mit Aus nähme der von 1856) consolidirte Anleihe gekündigt «erden und zwar 20,284,100 Thlr. Ferner sollen die Eisenbahn-Anleihen, welche bereits bewilligt sind, aus den ContributionSgeldern bestritten werden, resp. diese Anleihen sollen nicht realisirt werden. Der Ueberschuß, welcher der Regierung verbleibt, soll in Wechseln und Lom- iardanlchen angelegt und zum Rückkauf einzelner preu­ßischer Schuldobligationen verwendet werden. Das Abgeordnetenhaus wird das rasche Tempo, in welchem eS in den letzten Tagen die Arbeiten erledigt hat, wohl nicht aufgeben können, da durch diese "Vorlagen wiederum neues Material zur Berachung steht. In den Wünschen des Abgeordnetenhauses liegt eS gewiß, die Thäligkeit desselben recht bald zu Ende zu führen und dürfte die Annahme, welche in Abgeordnetrn- kreisen in Bezug auf den Schluß der Session ge macht wird, an Wahrscheinlichkeit gewinnen, d. h. der Landtag würde bis zum Himmelfahrtstage seinem Schluß entgegensetzen können. Wenn von einzelnen Seiten die Mittheilung derProv. Cvrresp", daß der Landtag bis Pfingsten zusammenbleiben werde, dahin gedeutet, wird, daß die Regierung einen früheren Schluß nicht wünscht, so ist das selbstverständlich unrichtig; der Staalsregierung kann es nur will-

weiterhin beizubehalten und sich nicht durch die täg­lich weiter fallenden Course dazu verleiten zu lassen, seinen Besitz an guten Anlagewerthen zu verschleudern. Der Privatmann möge nicht vergessen, daß es sich weder um eine politische, noch, um eine Geldkrisis, sondern nur um eine Spekulationskrisis handelt, die vorübergehcn und schließlich nur zum Heile der Effecten, die auf reeller Basis beruhen, ausschlagcn wird. Daß auch diese Papiere im Augenblick fallen, kommt ein­lach daher, weil es diejenigen sind, mit denen man sich noch am Ersten und mit den geringsten Opfern Geld machen kann, daS viele Spekulanten jetzt auf Medio brauchen. Denn wenn auch Geld im Allge­meinen durchaus nicht fehlend ist, so ist doch das Mißtrauen im Augenblick so stark, daß die Prolon­gation für schwache Hände sehr erschwert ist. Die heutige abermals intensivere Baisse ist einfach dem Umstande zuzuschreiben, daß Wien immer noch seinen ganzen Papierbesitz zu jedem Preis ins Ausland wirft, wofür momentan natürlich der entsprechend große Appetit nicht da ist, wodurch die Course stets weiter geworfen werden. Auch Berlin ist seit gestern nicht mehr so zuversichtlich, wie seither. Am hiesigen Platze war im Abendverkehr die Stimmung besser und haben die Spekulations-Effecten ihre heutige Einbuße wieder eingeholt. .....

Wiesbaden, 12. Mai. Heute sind die Mit­glieder des communalständischen Ausschusses zu einer Sitzung zusammengetreten. Da der Vorsitzende des Communallandtags als Abgeordneter in Berlin zurück­gehalten ist, so wird auf seinen Wunsch die Berathung über den Wegebau abermals vertagt. Den Haupt­gegenstand der Berathungcn dürfte die Effectuirung ves Anlehens der Stadl Wiesbaden durch die nassauische Landesbank bilden.

Niünchkn, 10. Mai. Herr Staatsminister v. Lutz hat unrerm 4. d. M. ein für die Folge jeden­falls richtiges Rescript erlassen. Nach demselben be­absichtigt das Unterrichtsministerium demnächst das Verzeichniß der für den Unterricht von den Gymna- ien und Lateinschulen genehmigten Lehrbücher einet Revision zu unterwerfen und soll hierbei besonders darauf zu achten sein,daß bei dem für die Schüler beider Confessionen gemeinsam ertheilten Geschichts­unterricht nicht ferner Lehrbücher in Anwendung kommen, welche durch Einmischung kirchlicher Lehr- "ätze und Streitfragen bei den Schülern der einen

kommen sein, wenn die Arbeiten des Landtags ge­fördert werden. Im Cultusministerium werden die Vorarbeiten zur Ausführung der nunmehr Aller­höchst fanclionirten Kirchengesetze derartig betrieben, daß an diese wohl recht bald wird gegangen werden können, namentlich wird die Einsetzung einer Com­mission für die Staatsprüfungen der Geistlichen in nahe Aussicht gestellt.

Dem Reichstage ist jetzt eine statistische Mit­theilung über die im April dieses Jahres im Umlaufe befindlichen Noten deutscher Zettelbanken zugegangen. Danach betrug damals der Gesammtbetrag der um­laufenden Privatbanknoten ungefähr 146.026,450 Thlr. der preußischen Bank 335 Millionen Thaler und der Leipzig-Dresdener Eisenbahn Compagnie 500,000 Thlr. Nach der Höhe der Appoints liefen von den Privat banknoten 49,786,270 Thlr. in Stücken über 100 Mark, 95,240,180 Thlr. in solchen unter 100 Mar? und 70,388,750 Thlr. in solchen unter 50 Mark um. SBon der preußischen Bank circulirte weitaus der größte Theil in Appoints von über 100 Mark, näm- llch 265 Millionen Thlr. von obigen 335 Millionen der Rest ist in Banknoten unter 100 Mark mit 70 Millionen Thlr., wovon wieder 10 Millionen Thlr. in Stücken unter 50 Mark sind, im Umlauf. Von Instituten, welche Noten auf die kleinsten Werthbelräge in Umlauf haben, macht die Ueberstcht fünf süddeutsche Notenbanken mit Zehnguldennoten im Betrage von 21 Millionen Thlr., die anhalt-dessauische Landesbank mit Fünf- und Einthalernoten, bez. 350,000 Thlr., die Chemnitzer Stadtbank und die Leipzig-Dresdener Eisenbahn-Compagnie mit Einthalernoten (300,000 Thlr., bez. 500,000 Thlr ) namhaft.

13. Mai. Die Börse setzte sehr matt ein und wurde immer flauer: um 13/t Uhr griff eine förmliche Panik Platz; die Course der internationalen Specu- lations-Sachen sind nur nominell; in Banken herrscht Deroute, die Course fallen sprungweise.

Frankfurt, 13. Mai. Die Börse zeigte heute m Hinwerfen und Heruntcrsetzen aller Werthe eine : Kopflosigkeit und einen Mangel an UnterscheidungS- vermöge», die aufs Unbegreiflichste mit ihrer früheren Vertrauensseligkeit eontrastirt. Angesichts dieses ent­fesselten Sturmes, der jetzt auch an den bestfundirten und solidesten Anlagepapieren rütttelt, kann dem Pri- vatpublikum nicht dringend genug gerathcn werden, eie Besonnenheit, die es bisher bewahrt hat, auch

DaS Majorat.

Historischo- Fmalliengemälde von M. A. Niendorf.

iz -- V-<$ T.s (Fortsetzung.) :

Führe« Sie ihn fort. Sic sehen, wie er leugnet ; er wurde entfliehen/ spottete Antonie:

Der GerichtSdiener sah zweifelnd in die Scene, er wandte- sich an Wolfram, der ihm ernst und ehr- würdig genug aussah, um sein , Vertrauen zu er- »ecken. : v;,.v. ;;:!/. ')

Mein Herr, was sagen Sie dazu?"- r-

Wolfram zuckte mit den Achseln und sogte mit dhrlomatischem Blick auf Antonie zu Kleinschmidt hin gewandt:Weigern Sie sich nicht mehr, Herr Baron Alfred; nun hilft'S weit«, nichrs; was Werten Sie s» lange! Die konnten längst über alle Berge fein."

Der Buchhalter fuhr bei diesen Worten wie ein Bilder auf.WoS treibt man hier für ein Spiel 6tt mir ?"o y -< T" ; -

Der Gerichtsdimer war aber seiner Sache gewiß Mvordeu und schloß aus KleiuschmiVt'S vollständigem Anzug mit Hut und Stock in der Hand, daß er schert ich hatte-entweichen wollen und machte Mime, $n zur Thür zu bringen.

Stühren Sie mich nicht an!" drohte er dem Bann des Gesetzes. .-1. /.

Ab«, lieber Herr," ermahnte Jener.Sie sind ein Gefangener. Wollen Sie sich widersetzen, so ^gen Sie die Folgen. Drunten stehen übrigens zwei Sergeanten, die brauchen Gewalt!"

Herr Baron I" rief Antonie ihm triumphirmd zu, »Eie find Gefangener, gehorchen Sie!"

WaS blieb dem Disponenten übrig? Wollte er Mh gegen den Gerichtsdiener wehrm und sich der

lege ich Eure Hände vor Gott ineinander. Der Augen­blick ist heilig; die Gefahr führte Euch hier "zusammen, sie webt festere Bande -al- die leichtsinnige Luft. O, eine heitere Zukunft liegt im Geiste vor mir! Ich seh daS Geschlecht meiner Ahnen wieder aufblühett und grünen. Seid Eins und einig von nun an und immerdar! Haltet nur?,treulich zusammen, was auch da kommen mag, seid stark im Willen und fest im Widerstand, so wird Euch weder Himmel noch Hölle scheiden!" - ; . *

So sprach er, das weiße, kahle Haupt über den Beiden erhoben, klar nach oben blickend, wie in gött- licher Verzückung, bis tr schloß und nach dem Auge gnff, als drücke ihn dort etwas. no<:,6

So standen die Beiden in ber ärmlichen Stube des herabgekommenen BaronSl Still sich verwundernd sahen der auSgestopfte Fuchs vom Schrank und der bunte Eisvogel mit der gelbgeschnäbelten Schneegans vom Kaminsims auf die Scene. Ein schmaler Strahl der Sonne stahl sich durch das enge Fenster und ver­warte das schimmernde Angesicht'des Mädchens, das im Ausdruck seligen Genügens das Auge zuM Gelieb­ten erhob. Derselbe Strahl warf aus das gedanklich geneigte Haupt Alfred's seine malerischen Schlagschatten und vermählte auf seinem Antlitz das Bild der männ­lichen Entschlossenheit mit der sanften Melancholie des Lebcnsernstes . . .

Als Wolfram geendet, schlang zuerst Antonie die weißen Arme um den Hals des Geliebten, indem sie in den Ruf:Alfred, Retter meines Lebens!" aus­brach. Alfred drückte sie an seine Brust und bedeckte unter den Ausrufen der Liebe ihren Mund mit heißen Küssen. -Jj- .- * p

Gefahr von Widersetzlichkeit gegen einen Mann im Ämte aus setzen? Das war seiner zahmen bürgerlichen Natur zuwider. Er ließ sich am Arme sortsühren Und rief nur: .Ich gehorche, aber die Sache soll sich bald aufklären, ich werde sogleich meinem Chef schreiben."

»Laß Dir den Liebesdienst wohl bekommen!" rief ihm spottend Antonie nach. Dann wandte sic sich hastig zu Wolfram:Nun aberflehe ich Sie instän­digst an, sorgen Sie dafür, daß Ihr Vetter Alfred dem Gericht entflieht. Er mag sich in Berlin ver­bergen. Hier ist meine Börse, wenn er kein Geld hat." Sie zog sie aus ihrer Tasche und sagte, wie sich entschuldigend, daß Re fo leicht schien,es ist lauter Gold bariri1 Er soll fort," drang sie heftig in ben zögernden Wolfram.Ich käme um vor Schmerz, wenn ich ihn in schmachvoller Gefangenschaft wüßte!"

DaS soll geschehen, mein Fräulein,' doch denk' ich, soll er sich mit Ihnen erst auSemandersetzen, die Gelegenheit ist so günstig." Er ging zur Thür und rief mit seiner starken Stimme den Namen Alfreds zum Boden hinaus. ' / -----

Alfred kam.

Ohne eine Erklärung abznwarten, noch solche zu geben, nahm Wolfram Alfreds Hand in die eine, llntvnieris in die andere seiner Hände, führte die beiden Liebenden zusammen und legte- ihre Hände schweigend ineinander. Der Macht seiner Bewegung folgten Beide, ohne ein Wort zu sprechen oder einen Laut des Ausrufs von sich zu geben.

Denkt einmal," hob er feierlich an,ich sei Euer Baier, leider war mir's durch die Verhältnisse nicht vergönnt, solche Kinder mein zu nennen, hier Küssen