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Mr. 112

1873

Marburg, Dienstag, den 13. Mai.

Oterhessische Zeitung

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357,897; 8. Sachsen Weimar — 286,183; 9. Mecklen

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Bauleitung, hat sich ein höchst empfindlicher Mangel an Technikern herausgestellt. Es sind deshalb Unter« suchllngen angestellt worden, doch ist bei der großen Anziehungskraft, welche die Industrie auf die ge­nannten Beamten ausübt, für die nächste Zeit wenig Aussicht vorhanden, den Bedarf zu decken.

— Sieben Berliner Nähmaschinenhändler, welche Maschinen von Moritz Weiler in Frankfurt, Nonsold- Schulz in Magdeburg und Katzenstcin in Wien be zogen, sind heute auf Antrag von EliaS Howe in Ncwyork vom Criminalgericht wegen fälschlich be­zeichneter Waarenführung zu 60 bis 100 Thlr. ver- urtheilt worden. Die Nähmaschinen, welche den Stempel „n Elias Howe“ („n“ bezeichnet „nach") führen, wurden confiscirt.

Königsberg, 10 Mai. Der Kaiser hat gestern um 6 Uhr die Russische Grenze passirt und seine An­kunft in Königsberg erfolgte um 10 Uhr. Die Stadt war erleuchtet und die Bevölkerung massenhaft jubelnd versammelt. Heute 10 Uhr findet Parade der hiesigen Garnison statt; die Weiterreise nach Berlin erfolgt li/2 Uhr.

Deutsches Keich.

Berit«, 10 Mai. Der Bundesrath hat be­schlossen, dem Reichstage keine Vorlage über Aushe­bung der Salzsteuer rc. zu machen. Damit find, so­wohl Tabakssteuer als Börsensteucr aufgegeben weil dieselben nur den Ersatz der Salzsteuer bilden sollten und die Börsensteuer allein nicht beabsichtigt war. Aeußercm Vernehmen nach erklärte gestern der Minister Delbrück in Folge einer Aufforderung des Bundes­raths wegen einer Gesetzvorlage über Papiergeld noch in dieser Session, ein solcher Gesetzentwurf sei in Ausarbeitung begriffen. Man versichert, der deutsche General - Consul in London, Herr Wilcke, soll eine andere Bestimmung erhalten und sein Nachfolger bald genannt werden. — Das kaiserliche statistische Amt hat die Zusammenstellung der Gesammtergebnisse der Volkszählung vom 1. Dezember 1871, soweit es sich hierbei um die Feststellung der für die Vertheilung der Matricularbeiträge und für die Zollabrechnungen in Betracht kommenden BevölkerungSzahlen handelt, gegen wärtig zum Abschluß gebracht. Der Reichskanzler hat diese Ucberstcht dem Bundesrath zur Beschlußnahme und zur thunlichsten Beschleunigung der an die Fest­stellung der gedachten Ziffern zu knüpfenden Maß­nahmen übermittelt. Wir entnehmen derselben, daß das deutsche Reich zu dem gedachten Zeitpunkte eine (vrtsanwesende) Gesammtbevölkerung von 41,009,999 Seelen zählte. Hiervon fielen auf-: 1. Preußen — 24,604,351 (Lauenburg 49,546); 2. Baiern —

4,852,026; 3. Sachsen — 2,556,244; 4. Württem­berg = 1,818,539; 5. Baden ---- 1,461,562; 6.

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Waldemar ließ das vierte Töchterchen seiner Ge­mahlin ..."

„Mein Gott, das war ich ja!" dachte die Gräfin bei sich und horchte näher hin.

burg-Strelitz = 96,982; 10. Oldenburg = 314,777; 11. Braunschweig — 311,764; 12. Sachsen-Meiningen -- 187,957; 13. Sachsen - Altenburg --- 142,122; 14. Sachsen Koburg-Golha — 174,339; 15. Anhalt = 203,437; 16 Schwarzburg Rudolstadt----- 75,523; 17. Schwarzburg - Sondershausen ---- 67,191; 18. Waldeck — 56,224; 19. Reuß ältere Linie — 45,094; 20. Reuß jüngere Linie = 89,032; 21. Schaumburg- »Lippe — 32,059; 22. Lippe — 111,135; 23. Lübeck = 52,158; 24. Bremen — 122,402 ; 25 Hamburg = 338,974; 26. Elsaß - Lothringen — 1,549,587.

— In allen Zweigen des Slaatsbavwesenö, für die Bearbeitung der Bauentwürfe sowohl wie für die

bildungen Besessene, allerlei Gesichter sehende, starr "' " : „Nichts, nichts. Das? Fort

mit dieser Chronik, eine infame Lüge ist sie, fort, fort! ..."

Das Majorat.

Historisches Familiengemälde von M. A. Niendorf.

, .(Fortsetzuns.)

„So ist's richtig," bekräfligte Wolfram launig. »Nun sehen Sie, hochgnädige Frau Muhme," fuhr zu dieser gewendet fort, „diese verlorene Familien- Keschichte enthält etwas äußerst Wichtiges für Ihr gräfliches Haus Sparr —"

„Wenn'S nur etwas Gutes ist," seufzte die Gräfin, dennoch bereits das Ohr stillhaltend.

„Treffliches, Merkwürdiges und doch Erfreuliches."

„Sie machen mich neugierig!" rief die Baronin;

»mein Haus, das ist noch mein einziger Trost!"

Da schlug Wolfram die Stelle auf und reichte St dem Rektor mit den Worten: „Uebersetzen Sie doch diese lateinische Schrift der Frau Baronin."

Der Rektor räusperte sich und begann: „Gnä ^gste Frau Gräfin, hiezuvor möchte ich bemerkt Wen, daß diese Historia Ihres hochgräflichen Hauses! den dem Borsahr des jüngst verstorbenen Pastors in Schortau herrührt —"

„Ich kenne sie Beide," nickte die Baronin, „waren Urbare Leute und unsrem Hause wohlattachiret."

— und daß der Letztere, Namens Ahlemann, stiner Zeit die Merkwürdigkeiten weiter nachge- tragen. Hierbei hat er sich zu bekunden unterfangen •tie folgt: Comes Waldemarus filiam quartam •Ham . , «

Doch Wolfram unterbrach den Lateiner und ries: »Blos deutsch, lieber Herr Rector, bloS deutsch, aber Setreu und wörtlich."

„Zu dienen und nach bestem Gewiffen!" dienerte w Männchen und begann: „Der erlauchte Graf

Dem Rector ward ganz bang in der Seele, er blickte hülfesuchend auf Wolfram, dieser erwiderte der Baronin in seiner lakonischen Manier: „Nun, wir gehen, gräfliche Frau Muhme, wenn Sie uns nicht weiter hören wollen. Kommen Sie, Herr Rector," sagte er zu diesem und nahm ihm die Chronik aus der Hand. „Das alte Buch behalte ich. Die Rechnung mit dem Antiquar lassen Sie mich ab- machen."

Damit schob er, das Buch in der Hand zeigend, den Schulmann zur Thür hinaus, der sehr bereit­willig sich schieben ließ. Allein Wolfram fühlte sich von der hinterherspringenden Muhme am Arm ergriffen.

„Nein, mir dies Buch!" preßte sie mit wuth- trstickter Stimme hervor: „Mir gehört eS, Schänd­licher!"

„Nur Geduld, Madamej," tröstete Wolfram in der Thür feinen Arm loswindend, „einstweilen hab' ich's und damit wissen Sie, befindet es sich in guten Händen."

Die Baronin sah ihm nach; sie war allein. Eine ruhigere Ueberlegung brach sich bei ihr Bahn, allein sie war nicht tröstlicher. „Mein Gott, mein Gott!" wimmerte sie, „soll der Himmel noch über uns ein­fallen? Ist das Wahnsinn? Ist das Traum? Zch, ich, eines Kuhhirten Tochter? ..."

„Ganz recht," bekräftigte der Schulmann und las weiter: „Die Herrschaft ging darauf nach Italien und blieb über ein Jahr aus. Hernach ging die Sage unter den Leuten der Gegend, das gräfliche Kind fei gestorben, die Amme aber habe aus Angst vor den Vorwürfen ihr eigenes gesundes Kind sub- stituiret."

„Puellam sanam propriam substituisset,“ fiel wieder Wolfram ein in das Buch zeigend.

Die Baronin lehnte sich indeß lautlos» rückwärts wechselte die Farbe ihres Gesichls.

Der st^ctor fuhr in seiner Beschäftigung ruhig fort und las: „Das gräfliche Kind ist im Kirchen­buch unterm 8. No». 1776 mit dem Namen Alwine Ottilie ..."

Weiter hörte er sein eigenes Wort nicht, beim mit einem convulsivischen Aufschrei war die Daronin emporgesprungen und fuhr mit den Armen fächelnd wie ein gehetztes Wild durch die Stube.

„Beruhigen Sie sich doch. Madame!" rief ihr Wolfram entgegen. „Der Fall ist menschlich, soll öfter dagewesen fein und Sie — Sie können doch davon nur glücklich betroffen werden!"

„Gnädigste Gräfin!" flüsterte begütigend der

einer kräftigen Amme übergeben, welche die vor sich hinblickende: Frau des Kuhhirten im Dorfe »ar." .....

„Nicht wahr?" rief Wolfram und zeigte mit dem Finger aus die Stelle des Buchs: „uxor vaccarum pastoris erat.“

unten an der entsprechenden Stelle aichen lassen zu dürfen, weil der Gast dann ja über das ihm gewährte Quantum nicht im Zweifel sein könne. Eine Eingabe an Regierung und Bundesrath steht bevor.

Mainz, 8. Mai. Bekanntlich wird hier ein Kriegsbahnhof angelegt, in welchem alle auf den Transport einer Armee und der Armeebedürfnisse be­züglichen Vorkehrungen ihren Mittelpunkt finden sollend Eine erhöhte Bedeutung erhält dieses Projekt durch ein anderes, dessen Ausführung jetzt gleichfalls, und zwar für hiesige Stadt, gesichert ist. Es handelt sich nämlich um eine Konservenfabrik von solchem Um­fange, daß der ganze Bedarf einer Armee an Mann- fchafts- und Pferderationen aus .derselben befriedigt werden kann. Das betreffende Grundstück ist für den Preis von 200,000 fl. in den Besitz des Militär- fiscuS übergegangen; es soll schon in nächster Zeit mit der Errichtung des Etablissements begonnen werden.

München, 10. Mai. In ;ber heute stattge­habten Versammlung der Gantgläubiger der Spitzeder' scheu Concursmasse wurde Seitens des Gerichts der Status vorgelegt; derselbe beziffert die Activa mit 1,974,000 fl , die Passiva mit 10,098,300 fl., ergibt mithin eine Ueberschuldung von 8,089,300 fl. ,

Ausland.

Wien, 10. Mai. In der gemeinschaftlichen Plenarsitzung beider Delegationen ergab die Abstim­mung über die Differenzpunkle Stimmengleichheit; jede Delegation hielt mit Einstimmigkeit ihren Be­schluß aufrecht. Das Resultat der Stimmengleichheit bei der gemeinschaftlichen Abstimmung der beiden Delegationen ist die Nichtbewilligung der (österreichi­scherseits volirten) höheren Summe zur Anschaffung der Werndlgewehre und die Nichtertheilung der (ungarischerseils votirten) Indemnität für die Differenz bei der Militärgrenze. — Das von den Delegationen votirte gemeinsame Budget pro 1874 ergiebt na'ch Abstreichung der Einnahmen aus den Zollgefällen ' im Betrage von 171/2 Millionen ein gemeinsam zu deckendes Erforderniß von 93,049,377 fl., wovon auf Cisleithanicn 63,831,872 fl., auf Ungarn 29,217,503 fl. entfallen. — In das Comite zur Ver­waltung des von der gestrigen Versammlung der Banken und Banquiers beschlossenen AushülfefondS von 20 Millionen, zu welchem bereits von der Ver­sammlung 12 Millionen gezeichnet wurden, sind die furchtsame Schulmann. „Dieselben können doch nicht für die ehrliche Geburt , ihrer Schwester einstehen?"

Allein die Baronin schrie, wie eine von Ein-

Srscheint täglich außer den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal durch die Expedition (Koch'sche Buchdruckerei) bezogen 224 Sar., durch die Postämter 27 Sgr. (excl. Bestellgebühr und mcl. Stempelsteuer), für das Ausland excl. Stempel 22 Sgr. — Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 1 Sgr.

Sämmtliche Annoncen-Büreaus nehmen Inserate an.

Hannover, 8. Mai. Zum Zwecke der Förde­rung des Fortbildungs-Schulwesens in hiesiger Pro­vinz hat der Minister der geistlichen rc. Angelegen­heiten die Bewilligung von Staatsbeihülfeu in Aus sicht gestellt und zu dem Behuse eine eingehende Erörterung der Verhältnisse der vorhandenen städtischen oder ländlichen Fditbildungsschulen angeordnet.

Darmstadt, 8. Mai. Nachdem man Seitens der Behörde vor Kurzem gegen die bisher von den 852,894; 7. Mecklenburg-Schwerin ----- Wirlhen, Restaurateuren u. s. w. mit Unrecht noch fortgebrauchten Flüssigkeitsmaße energisch einzuschreiten begonnen hat, wollen die betroffenen Ausschenker gleich­wohl das bei ihnen beliebt gewordene alte ^-Schoppen-, d. h. 3/g- Liter -Glas, aufrecht erhalten und haben zu diesem Zwecke gestern eine zahlreich besuchte Versamm­lung in Fink's Restauration, sogar unter Zuziehung eines Rechtsanwalls, der die nöthigen Eingaben u. s. w. fertigen soll, abgehalten. Man hofft nach den dort gefaßten Beschlüssen sein Ziel in einem Sinne zu er reichen, der uns doch nicht ganz eiuleuchten will. Weil nämlich das Gesetz nur die äußerste Grenze der Aichung bezeichne, soweit solche nach dem „oberen" Glasrand geschoben sein dürfe, glaubt man die bis­herigen 3/,.Liter- Gläser als 1/4 - Liter - Gläser weiter