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im Regierungsbezirk Göslin auf 8 Quabratrn. mit 18,000 @inro., in Schlesien auf 3Vs Quabratrn. mit 15,226 Einw., in Posen auf 51/e Quadratm. mit 14,172 Einw., in Sachsen auf 21/a Quadratm. mit 6560 Einw., in Schleswig-Holstein auf 32/s Quadratm mit 10,589 Einw, in Westfalen auf 13/z Quadratm mit 7853 Einw., in Hessen-Nassau auf IV2 Quadratm mit 7102 Einw, in der Rheinprovinz auf 1% Qua­dratmeilen mit 9861 Einw.

— In den Bierbrauereien wird vielfach ein im Handel als Bier- oder Zuckercouleur bezeichneter Stofs verwendet, theilS um aus Gcbräuen von geringem Malzgehalt Bitter- oder Braunbicr herzustellen, haupt­sächlich aber, um nach?,«machte baierische Biere zu be reiten. Bei der Essig-Fabrikation findet der genannte Stoff ebenfalls Anwendung. Ueber die Steuerpflich­tigkeit dieser Bier- oder Zuckercouleur nach Maßgabe dcS Gesetzes wegen Erhebung der Brausteuer vom 31. Mai 1872 sind Zweifel entstanden, zu deren Besei­tigung das Gutachten der königlichen technischen De­putation für Gewerbe eingeholt ist. Rach diesem ent­hält die Bier- oder Zuckercouleur, welche durch Er­hitzen von Stärkezucker bereitet wird, der Regel nach unveränderten Zucker und zwar in um so größerer Menge, je weniger vollständig der Caramelirungs Proceß gediehen ist. Es liegt vollständig in der Hand deö Fabrikanten, durch mehr oder weniger starkes oder länger andauerndes Erhitzen den Zucker mehr oder weniger in Caramel umzuwandeln; auch können der höchst intensiv färbenden Couleurmasie namhafte Mengen Syrup oder Zucker beigemischt werden. Ein einfaches, zur sicheren Erkennung eines GchaitS an unverändertem, d. h. gährungsfähigem Zucker geeig netes Verfahren ist bis jetzt nicht bekannt. Mit Rück sicht hierauf, und da durch die Zucker- oder Bier­couleur dem Biere die gleichen aromatischen Stoffe zugeführt werden, welche auch Bestandtheile des ge brannten Malzes sind, ist dieselbe als ein nicht näher benanntes Malzsurrogat anzusehen und bei der Ver­wendung zur Bier- bezw. Essigbereitung dem Steuer­sätze von 1 Thlr. 10 Sgr. für den Gentner auch dann zu unterwerfen, wenn sie von den Brauern dem fer­tigen Fabrikat, ehe letzteres in den Consum übergeht, zugesetzt wird, möge dieser Zusatz auch erst auf den Lagerfässern oder Flaschen erfolgen.

Bremen, 8. Mai. Ueber die projectirte Fahrt der BundeSraths- und Reichstagsmitglieder über hier nach Wilhelmshaven wird der „A. Ztg." geschrieben, daß Bremen Alles aufbieteit wird, um den Aufenthalt daselbst den Theilnehmern möglichst angenehm zu machen. Den Anfang wird ein Festmahl in der prächtigen großen Halle der Börse machen. Abends folgen eine Festvorstellung im Theater, Concerr im Bürgerpark, Empfang bei dem Comits Präsidenten

Die Lauscher nickte.

Die Umstehenden hatten es leicht, diese Nachricht aufzusaffen, denn Wolfram sprach, wie oben erwähnt, sehr deutlich; Antoniens endliche Verlobung, die in Jedermanns Erwartung lag, war keine Kleinigkeit, die ungehöit verhallte, sie bildete vielmehr eine Bege­benheit, die den Gesellschaftskreis der Provinzialstadt weit lebhafter interessirte, als zum Exempel ein neu entdeckter Planet oder ein Ministerwechsel.

„Ach, welche Neuigkeit!" hieß es von allen Seiten. „Wir gratuliren!" begannen Einige und streckten die Hände daher, während die Nachricht sich weiter ver­breitete, nach Art der Ringbildung auf dem Wasser, wenn ein Stein hineingefallen.

Antonie Wolf stand Anfangs bestürzt, sie wußte nicht, wie ihr geschah. Als aber die Hände sich zu ihr herüberstreckten und die Gratulationen ihr in'S Ohr flöteten, ermannte sie sich. Alles abwehrend, was auf sie eindrang, sagte sie mit höflichem Lächeln:

„Ich nehme Ihre Gratulationen nicht an Hier muß ein Jrrthum vorliegen. Herr Kleinschmidt!" rief sie, und ihre Augen suchten den Disponenten eine tödtliche halbe Minute vergeblich.

Da erschien Kleinschmidt in der Thür, Antonie ttat ihm nahe und zeigte auf ihn, indem sie fortfuhr:

„Herr Kleinschmidt hat sich einen kleine^ Scherz erlaubt!"

Der Disponent stotterte verlegen: „Ich Scherz?"

„Ja, einen Scherz! — Sie werden gehorchen!" flüsterte ihm das Mädchen zu und sandte ihm einen Blick in seine arme Seele dabei, daß sein ganzes stolzes Ich in sich zusammensank

„Ja, ich weiß von nichts, es muß wohl sein, ich kann mich geirrt haben, wenn ich so Etwas gesprochen."

In demselben Augenblick sah sein seitwärts spähender Blick die Hülfe nahen, er wandte sich rückwärts und sagte klagend zu dem eintretenden Bankier Wolf:

„Da sehen Sie's, mein Herr Chef."

Der Bankier erschien mit den Karlen noch in der Hand, da er eben den Spieltisch auf die Alarmnach richten Kleinschmidt'S verlaffen.

Consul H. H. Meier, gemüthliche Unterhaltungen im Rathskeller und im Künstlerverein Am folgenden Morgen ziemlich früh wird ein Extrazng die Gcs.ll schäft nach Bremerhaven führen, wo bann der große Llohddampfcr „Mosel" von der Newyorker Linie be­stiegen wird, um durch die Mündungen der Weser und der Jade und vielleicht ein kleines Stück offener See nach dem Nordsee-Kriegshafen zu gelangen. Dort soll bat Festmahl, welches bie Abmirolität veranstaltet, aus dem „König Wilhelm" eingenommen werden, be­kanntlich dem größten Schiff b<r Flotte.

Straßburg, 8. Mai. Die „Straßb. Ztg." erklärt das von dem Berliner „Börsen Kurier" ana- lysirte Schreiben des Oberpräftdenten v. Möller, worin angeblich die Verlängerung der Diktatur auf ein Jahr beantragt Md die. Ansicht ausgesprochen wäre, daß von einer normalen Entwickelung der Ver­hältnisse im Reichslande dermalen nicht die Rede sein könne, für apokryph. Auch bezeichnet bie „straßb. Ztg." eS als irrig, baß die Nothwenbigkeit, bas Provisorium auszubehnen, bei bet ReichSrezierung längst feststehe. Diese Frage werbe erst nach ber Tagung ber Generalräthe spruchreif werben. .,;

Ausland. -

Paris, 7. Mai. Gestern fand die Zahlung weiterer 250 Millionen an Deutschland statt. Bien Public wiederholt die Erklärung, daß keineswegs Verhandlungen wegen einer Abänderung des RäumungS- VertrageS eingeleitet worden feien. Dieses officiöse Blatt spricht sich nochmals zu Gunsten der Politik Casimir Perier's und seines Vereins aus, indem es die Conservativen aufforvert, sich dieser Politik anzu- schließen, deren erster Akt die Anerkennung der Repu­blik sei, und welche den Conservativen allein Ansehen und Einfluß verleihen könne. Die Angabe, daß ThietS nach Bagneres de Luchon gehen werde, wird in Abrede gestellt; er soll nach der Räumung nur eine Reise in bie Departements des OstenS machen wollen. — Die sieben neuen republikanischen Depu­tieren, Barovet, Lockroy, Dupouy, Latrade, Picart, Turigny und Gagneur haben sich als Mitglieder in den parlamentarischen Verein der „Gauche Republi- cain" einschreiben lassen. Nur drei derselben, nämlich Ba'.odet, Lockroy und Dupouye sind auch Mitglieder der „Union Republicaine", deS rabicalen Vereins, geworden. —• Gestern stand der Soldat Gille vom 79. Regiment unter der Anklage, den Gehorsam ver­weigert zu haben, vor dem 18. Kriegsgericht. Seine Eltern, bei denen er sich zur Wiederherstellung seiner Gesundheit aus Urlaub befand, hatte er in der Art gemißhandelt, daß er auf Befehl der Militärbehörde zuui Regiment zurückgebracht wurde. Während der Rede des Regierungs-Commisfars, Commandanten Lambert, gerieth Grille plötzlich in Wuth und rief

„Meine verehrten Herren und Damen!" begann er gemessen. „Die Sache übereilt sich etwas, aber sie ist trotzdem richtig." Er nahm Kleinschmidt'S Hand. „Hier, ber bewährte Disponent des Hauses Wolf ist wirklich ber Verlobt . . ."

Aber Antonie trat vor ihn dicht hin unb unter­brach ihn. „Halt, Vater!" rief sie heftig, „bem muß ich widersprechen. Sie haben zwar gewählt, aber ich habe mich noch nicht entschieden."

Des kleinen Bankiers Stirne kräuselte sich, sein Auge kreiste unter den gesenkten Augenbrauen.

„Wie? ... Du willst? . . . ." Mehr brachte er nicht heraus. Denn das Murmeln der Ueber raschung in dem Kreis der Umstehenden mit den scheuen Fragen des Schreckens: „Was ist das? Welcher Widerspruch! Was soll das?" bedeuteten selbst bem Bankier, daß hier keine Zeit zur Er­örterung sei.

Er befahl daher Kleinschmibt, seine Tochter zu Hause zu geleiten, währenb er selbst ohne Umftänbe den L'hotnbretisch im Stich ließ unb das heimische Zimmer in keiner rosigen Stimmung aufsuchte

16; Gräfliches Prestige tut* bürgerlicher Stolz.

Die Vorwürfe, Verhöre, Verweise unb Drohungen, die sich noch in ber ersten Konferenz in ber Nacht zwischen Vater unb Tochter ergaben und am andern Morgen endlos wiederholten, könnten ganze Kapitel dieser Er­zählung füllen. Allein wir unterlassen eS weislich, beim wir wissen, baß unser geneigter Leser nur mit angenehmen Dingen unterhalten sein will, während solche Familienscenen durchaus nicht in bie Klasse bet erfreulichen Ereignisse gehören.

Nach ber Lage - ber Umftänbe war es ja auch klar, daß der Banquier nicht von seinen schönen bestcrmesse nen Entwürfen zu lassen geneigt sein konnte, sondern sich von dem Widerstand der Dinge nur noch mehr darin befestigen ließ und daß dagegen andererseits Antonie dämm doch nicht eines Besseren zu überzeugen war. Die wußte sich nur geschickt auf ihre erste Be- bingung zu berufen, unter ter sie bie Vorschläge ihres

demselben zu: „Alles, was Sie sagen, ist falsch; man lügt nicht auf solche Weise." Der Regierung- Gommiffar stellte sofort einen Antrag gegen Gille, der alsdann wegen Beleidigung eines Mitgliedes bei Gerichts zu 10 Jahren öffentlicher Arbeit, unb wegen Ungehorsams zu 2 Jahren Eefängniß verurtheili würbe. — Der Pariser Assisenhos verurlheilte. Heun einen jungen Postbeamten, Namens Chatlos Schwal Unger (er ist 26 Jahre alt unb in bet Haute Marne geboren), wegen Unterschlagung von Briefen unb Geldern zu 3 Jahren Gefängniß. In seiner Woh nung hatte man 9954 Briefe gefunden. Die Summe der Gelder, die er unterschlug, kennt man nicht genau.

Rom, 7. Mai. Die „Opinione" sagt in einem Artikel: Der Papst Hal offenbar in feiner Antwort auf bie vom Vicomte DamaS verlesene Abresse dern- felben wegen ber Italien beleibigenben Sprache eine Mäßigkeitslekrion geben wolle. ES heiße bie edle unb intelligente französische Nation beleidigen, wenn man glaube, baß Vicomte DamaS die Jbee dieser Nation vertrete, welche durch ihr in der Lombardei vergossenes Blut den Beweis gegeben habe, daß sie anders denke.

Perpiguarr, 8. Mai. Aus, Barcelona vom 6. b. wird gemelbet: Cabtinetty ist in einen Hinterhalt gefallen und war in Gefahr, gefangen genommen zu werden unb zwei Kanonen zu verlieren; der Ausgang ist noch unbekannt. Die catlistifchen Steuereinnehmer in ber Umgegenb von Moys treiben die Gelder ein, ohne behindert zu werden. — Der General - Capitän Velarde hat bie Bitte mehrerer Deputationen erfüllt und den Befehl zur Vermauerung ber Landhäuser zurückgenommen, weil ihm versprochen wurde, daß da« Land sich gegen die Garliften erheben würde.

London, 7. Mai. Das Admiralitätsgericht hat entschieden, daß es compelent sei über bie Angelegen­heit beS ägyptischen Kriegsschiffes Charkieh, welches in einem Zusammenstöße auf ber Themse den hollän­dischen Dampfer Batavier in Grund gebohrt, abzu- urtheilen, weil der Khedive sich nicht als Souverain nachgewiesen habe.

Haag, 8. Mai. „Dagblab" erfährt, baß ThierS an den beim hiesigen Hofe accrebitirten französischen Gesanbten, MarquiS v. Gabric, eine Depesche gesandt habe, worin er versichere, daß, gleichviel ob ein Ge­sandter, des Sultans von Atschin nach Frankreich komme oder nicht, letzteres sich immer als Freund Hollands zeigen werde. Thiers habe zugleich jein« persönlichen Wünsche für den Erfolg der zweiten holländischen Expedition ausgedrückt.

Petersburg, 7. Mai. Gestern ließ Kaiser Wil­helm ein Bataillon des Dragoner Regiments „Militär- orben'' auf bem Marsfelde vor sich exerciren und be­suchte am Abend das deutsche Theater. Heute Morgen

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lockten Hartkopf kennen zu lernen, was ihn nur zu ebhast an frühere Scenen seines ehelichen Glückes mit ihrer seligen Mutter erinnerte. Das Resultat all dieser Kämpfe war denn auch nur, daß er das Mäd­chen dahin vermochte, sie wolle seinen Projekten nicht absagen (wobei er aber nicht bemerkte, baß sie bieS einfach nicht konnte), daß sie ober weitere Zeit zur Ueberlegung unb eventuellen Gewöhnung beanspruchte. Gegen Kleinschmibts heftige Klagen über die Behand­lung, bie ihm Seitens des Mädchens widerfuhr, konnte er nichts thun, sie kamen ihm sogar bei der unmännlichen Manier, mit ber sie ber arme Buch­halter vorbrachte, kleinlich und widerwärtig vor. Dessen Hetzereien aber gegen den jungen Baron weckten seinen Verdacht und ließen ihn weidlich auf bie Nie­dertracht ber Menschennatur in solchen Adeligen schimpfen, wenn er dagegen hielt, mit welchem Stolz dieser selbe Baron jeden Gedanken einer solchen Ver­bindung einst von sich gewiesen. Das bestärkte ihn nur in dem Prinzip, Alles gegen diese Sorte von Menschen zu thun, was nur erlaubt war, weil sie sich nicht entblöbeten, dasselbe gegen ihn unb Seinesgleichen zu versuchen. So nahm bie alte sociale Differenz zwischen bem bürgerlichen Gelbmann und bem grund- besitzenden Edelmann feine akuteste Form, bie bei Hasses unb ber Leibenschast an, welche nichts Gutes prophezeihte.

Gegen Kleinschmibt nahm Antonie, wohl ober übel gezwungen, ihre alte Stellung ein, ließ ihn sich lie­benswürdig erzeigen, ging darauf ein, um ihn zuletzt grausam zu quälen, aufzuziehen und die Liebeslust zu verbittern. Allein was halfs? Der Buchhalter tröstete sich immer wieder an ber goldenen Verheißung ihrer reichen Partie. .. ... .,

(Fortsetzung folgt.) «hM

mehr aufregte, als wenn sie geklagt und gemeint hätte. Er wüthele in ber That zuletzt am meisten barüber, eine Tochter mit einem Mal als