— Marburg. Dem Vernehmen nach beabsichtigen benv nächst Herr und Frau Pulkowski unter Mitwirkung der gejammten Musikkapelle des hiesigen Jäger-Bataillons eine Salon-Lustspiel-Vorstellung zu veranstalten. Tas Programm verspricht einen genußreichen Abend. Herr und Frau Pulkowski sind einige Male auf der hiesigen Bühne aufgetreten, das Repertoir bot ihnen indessen wenig Gelegenheit, ihre Talente hier zu entfalten. Frau Pulkowski erzielte bekannt- lrch in dem Lustspiel »Lieschen Wildermuth" einen recht guten Erfolg.
stellung, welche Zcugniß ablege von der steigenden Macht und dem wachsenden Ansehen Oesterreichs, das eigenste Werk des Kaisers sei, es sei die Verkörperung des Wahlspruches des Kaisers, daß in der Vereinigung der Kräfte die Macht und Bedeutung des Ganzen ruhe. Schließlich drückt Fürst Auersperg die Gefühle des tiefsten und ehrerbietigsten Dankes aller Völker Oesterreichs aus. Es ergreift darauf der Bürgen meister Felder das Wort zu einer Danksagung Namens der Stadt Wien. Er hebt hervor, daß unter der Regierung des Kaisers Wien in raschem, nie geahntem Aufschwünge Weltstadt geworden sei, daß durch kaiserliche Entschließung die Stadtwällc gefallen, durch kaiserliche hochherzige Fürsorge Werke geschaffen worden seien, welche für kommende Jahrhunderte Denkmale des segensreichen Wirkens des Kaisers bleiben würden. Dann weist er auf die edle Bestimmung des Welt- AuSstellungs - Unternehmens hin, welche als eine Schöpfung des Kaisers die Culturgeschichte Oesterreichs verewigen werde, und schließt mit- einem dreimaligen Hoch auf den Kaiser. Hieran schloß sich der Vortrag des von Weilen gedichteten Festgesange« durch den Männer-Gesangverein.
Pest 29. April. Der „Pester Lloyd" weist aus die Schwerfälligkeit der Delegationsverhandlungen hin; die eigentliche Discussion finde in den Ausschüssen statt. Vor dem Plenum werden die Angelegenheiten einfach durch Ja und Nein entschieden. Der Schwerpunkt der Berathungen müsse in die Plenarsitzungen verlegt werden. Der „Pester Lloyd" verlangt eint Reform der Delegationen, auch sei eö an der Zeit, den oppositionellen Elementen den Eintritt in die Delegationen zu ermöglichen.
Luzern, 1. Mai. Der hiesige RegierungSrath hat Lachst Abschrift des Protestes des Solothurner RegierungsratheS gegen feine Fortamtirung auf dem Gebiete der ihn als Bischof nicht mehr anerkennenden fünf Diöeesanstäiide mit der Aufforderung zugestelll, sich danach zu. richten.
PariS, 30. April. „Avenir National" gibt die Grundzüge des Vertrages wegen früherer Räumung Verdun's folgendermaßen an: „Tie Räumung erfolgt um einen Monat früher als festgesetzt war. Die letzten 250 Millionen werden auch vor der festgesetzten Zeit bezahlt. Verluste, welche für Deutschland aus beschleunigter Räumung entstehen, werden entschädigt." Dasselbe Blatt bemerkt dazu, Graf Aruim sei heute im Elysee gewesen, die Unterhandlungen seien beendet, der neue Vertrag werde am Sonnabend dem ständigen Ausschüsse vorgelegt werden. Thiers wird am 15. Mai nach^Versailles zurückkehren. Der Fi- nanzminifter Leon Say wohnte, obgleich noch leidend, dem heutigen Ministerrath bei. „Bien Publie" stellt auch in Abrede, daß der ständige Ausschuß die Na tionalverjammlung einzuberufen beabsichtige. Die Pe- rieristen hielten heute bei Perier Versammlung und besprachen die Vereinigung mit dem rechten Centrum; es ward aber noch nichts beschlossen. Die radiealen Blätter bringen heute ein in sehr gemäßigten Ausdrücken abgesaßteS Schreiben von Barodet, der darin sagt, es habe sich am Sonntag nicht um den Kamps gegen die Regierung, sondern um deren Aufklärung gehandelt. — Die Wahlsiege, welche die Republikaner in Paris, Bordeaux, Marseille wie in den Departements der Corrsze und Niedre davontrugen, beweise» — so demonstrirt jetzt die „Republique Franyaise" — zur Genüge, daß das Land wie die Städte einig darüber sind: es sei nun höchste Zeit, daß die Republik eine Wahrheit werbe und die Regierung in der Nationalversammlung auf den Ausfall der Wahlen mit dem Bemerken Hinweise, sie habe ihre Wahl zwischen Republik und Reacliou getroffen und werde aus dem Wege, den Frankreich ihr angewiesen, vorangehen. Daß Thiers gar nicht abgeneigt ist, so zu handeln, ■ lehrt ein manifestartiger Artikel des „Bien Public", wonach die liberalen Conservativen zugeben, daß nach den republikanisch ausgefallenen Wahlen nur aus republikanischem Grunde etwas Dauerndes ausgebaui werden könne. Wenn Thiers in dieser Richtung gegen die Reaction vorgeht, so haben die letzten Wahlen allerdings zur Befestigung der Republik und folglich auch zur Befestigung einer liberalen republikanischen Regierung beigetragen, und es steht zu erwarten, daß, sobald es mit den Royalisten zu Auftritten kommt, Goulard sich zurückzieht und einem wirklichen Republikaner Platz macht. Die Aengstlichen werden dann wieder Muth fasse», und jene Stimmen, die Barodet erhielt, weil sie ThierS zu einer festeren Haltung treiben wollten, werden dann erst recht für die besser unterrichtete nnb fester geworbene Regierung einstehen-
Rom, 30. April. Die Deputirtenkammer genehmigte mit großer Majorität einen Antrag auf Aushebung der Comileberathung und Wiedereinführung
ihre Freiheiten zu verkümmern und von den Donau- fürstenthümern wird der Strom seiner östlichen Unternehmungen seine Augen ablenken. Es kann nicht Khanat nach Khanat im Osten annectircn, ohne ver- hältnißwäßig sowohl seine Interessen alö auch seinen Einfluß im Westen zu schwächen. Seine Thätigkeit wird von der großen Aufgabe absorbirt, der Civilisa tion beS Westens zum Siege über östliche Barbarei zu verhelfen. Um diese seine Bestimmung zu erfüllen, muß es wünschen, im Westen seines ausgedehnten Gebiets durch keine Verwickelungen gestört zu werden. Friede ist Rußlands erstes Bedürfniß und den Frieden kann keine Macht besser verbürgen als Deutschland. So lange das deutsche Reich so stark wie jetzt dasteht, findet das alte prahlerische Wort Frankreichs, daß ohne seine Zustimmung keine Kanone in Europa abgefeuert werden dürfe, bessere Anwendung auf Deutschland. In jedem Fall kann, so lange volles Ein- verständniß zwischen Rußland und Deutschland herrscht, nur eine ganz ungewöhnliche Combination Rußland schädigen oder Deutschland beunruhigen. Eö ist deshalb erklärlich, daß aus der offenbaren Wärme der Beziehungen zwischen den beiden Kaisern die Welt eine gewisse Ermulhigung für die Zukunft schöpft."
Weimar, 28. April. Die Synodal-Verordnung ist pubiicirt. Eine Vorsynode wird nicht berufen, da die Synodal-Verordnung den sämmtlichen Presbyterien vorher zur gutachtlichen Erklärung vorgelegen und darauf hin ihre dermalige Fassung erhalten Hal, die nur noch auf dem verfassungsmäßigen Wege abge- änbert werden kann. Die Wahlen für die erste Synode stehen in Kürze bevor; dieselben erfolgen indireci und zwar so, daß die Presbyterien so viele weltliche Wahlmänner wählen, als die Parochie Geistliche be sitzt; aus beiden zusammen bildet sich das Wahlkollegium jedes Bezirks. Das Land zerfällt in 15 Wahlbezirke, von denen jeder einen Laien und einen Geistlichen wählt; außerdem ernennt der Großherzog nach Vernehmung des Kirchenrathö vier Abgeordnete, zwei Geistliche und zwei Laien, und einen Vertreter entsendet noch tue theologische Fakultät zu Jena, so daß die Synode im Ganzen aus 35 Mitgliedern besteht. — Mit der Synodalverordnung ist gleichzeitig das Gesetz pubiicirt worden, daß die Umlagen für Kirchen- und Schulzwecke, sowie die Gebühren für Geistliche und Lehrer durch die Gerichte execulivisch beigelrieben werden können.
Metz, 25. April. Die vor dem 1. Okt. v. I.. für Frankreich stattgehabte Option scheint den Be- theiliglen die erwarteten Früchte nicht getragen zu haben. Seit einiger Zeit sieht man mit Möbeln beladene Frachtwagen, wie man solche im vergangenen Spätjahre aus Metz hinausfahren sah, nach Metz hereinkommen und vor größeren, bis jetzt unbewohnt gewesenen Häusern ablaben. Bei näherer Nachfrage werden die Gegenstände als Eigenthum von Optanten angegeben. Mit bitter getäuschten Hoffnungen kommen dieselben zurück, und wohl noch denen, welche im ersten Optionstaumel und im Vertrauen aus die ihnen
Treppe hinauf zu ihrem Vater wollte, traf sie ihre reiche Freundin, Antonie Wolf, anwesend.
Da die Rektorstochter seit jenen Tagen das Haus deS Bankiers gemieden, so war's natürlich, daß die Dankierstochtcr daS Haus des Rektors aufsuchte, denn die Gewöhnung läßt schwer von einander, und wenn die Verhältnisse der beiden Freundinnen durch die Heiralhs-Candidatur des berühmten Disponenten Kleinschmidt auch etwas unklarer Natur geworden waren, so dachte am allerwenigsten Antonie Wolf daran, baß sich baraus ein Krieg entzünden solle, wie weiland der französische um den spanischen Thron.
Sie kam indessen doch mit einigen diplomatischen Winkelzügen an. Eine Häkelarbeit zum heimlichen G-schenk für ihren Vater trieb sie von Hause weg zu ihrer Freundin. Sie war indeß nicht wenig verwundert, ihre Freundin in so freudiger Exaltation zu treffen, und ihrer theilnehmenden Forschung wurde es nicht schwer, das Geschehene zu ersahren, ba der won nige Triumph in Antonie Larischer'S Gemüth doch von selbst bald alle Schranken des Geheimnisses gebrochen hätte, um in Worte der Mittheilung hinauszuströmen, zumal baS gekränkte Frauenherz nun, ja nun vollends den leidigen Kleinschmidt weit hinter sich lassen konnte.
Als Antonie Wolf die große Begebenheit fernem men, daß ein Baron um Herz und Hand ihrer Freundin angehalten habe, fragte sie sinnend:
„Ein Baron? darf man seinen Namen wissen?" „Ach, Freundin, noch ist's zwar mein Herzens gcheimniß, doch muß es ja bald der Wett offenbar werden — Baron von Röbell, der junge, bildschöne Mann, der uns auf dem Gute begegnete . . "
Jetzt war die Rühe au Antonie Wolf, zu er- 1 staunen. „ Baron v. Röbell," wiederholte sie langsam ! und schlug in wunderlicher Verwirrung das Auge । nieder, „sollt' es der sein, der mich rettete?" j
der Bureaux. Dieselbe setzte sodann die Berathunz über die Vorlage wegen Errichtung eines Militär« I Arsenals in Tarent fort. Jinanzminister Sella de
in Frankreich geboten werdende Hülfe nicht Alles, sogar Gegenstände als Silber-, Leinen- und Bettzeug, deren man sich bei einem Umzuge nicht emschlägt, veräußerten und mit mehr Überlegung ihrer alten Heimaih den Rücken wendeten. Die Klagen der Heimkehrenden über die Verhältnisse in Frankreich sind groß; die auSgewanderten Geschäftsleute beschweren sich wegen Uebervortheilungön, welche ihnen bei llebernahme von Geschälten zugefügt wurden, Andere über die ihnen zu Theik gewordene kühle Behandlung von Seiten ihrer früheren Landsangehörigen und so ziehen es Diejenigen, welche in der Lage sich befinden, Frankreich wieder verlassen zu können, vor ihren Wohnsitz wieder hier zu nehmen. Der aus diese Weise sich vollziehende Umschwung kann für Metz nicht genug begrüßt werden. Metz, einst durch seinen Handel und die Eleganz seiner Bewohner in Lothringen bedeutend und berühmt, litt unter dem Einflüsse der neuen Verhältnisse schwer, da döe Auswanderung durchaus in keinem Verhältnisse zur Einwanderung stand, erstere große Wohlhabenheit entfernte, an deren Deckung durch letztere kaum gedacht werden konnte. Die Mißstimmung hierüber war hauptsächlich unter dem Handelsstande groß, viele große Häuser, welche ihre Geschäfte mit bedeutendem Verluste verkauft haben würden, wenn Liebhaber aus Deutschland vorhanden gewesen wären, betrieben dieselben mit großen Opfern wie früher, da sie zu stolz waren, eine Reduction eintreten zu lassen. Wen» die Zurückwanderung in dem Maße, wie bis jetzt, noch eine zeitlang vor sich geht, so kann wieder Alles gut werden und wäre zu dem Ende nur zu wünschen daß das Gerücht in Betreff der Garnisonirung zweier Rheinischen Regimenter nach dem Aufhören der Occu- pation in hiesiger Stadt in Erfüllung ginge.
Ausland.
Wie», 1. Mai. Bei der heutigen feierlichen Eröffnung der Weltausstellung hielt der Proteetor derselbe», Erzherzog Earl Ludwig, eine Ansprache, worin er den Kaiser in den dem friedlichen Fortschritte geweihten Räumen begrüßte und auf die erhabene Initiative des Kaisers, auf das opferwillige Zusammenwirken der eigenen und fremden Volkskraft und auf die sittliche und staatliche Macht der Arbeit und der Cnllur, welche alle die Weltausstellung geschaffen hätten, hinwies, und den Kaiser bittet, die Weltausstellung zu eröffnen. Der Kaiser erwiderte: Er sehe mit lebhafter Befriedigung die Vollendung des Unternehmens, dessen Wichtigkeit und Bedeutung er in vollstem Maße würdige. Sein Vertrauen in den Patriotismus und die Leistungsfähigkeit seiner Völker und in die Sympathien und die Unterstützung be freundeter Nationen habe die Entwickelung des großen Unternehmens begleitet, sein kaiserliches Wohlwollen und dankbare Anerkennung seien seinem Abschluß ge widmet. Der Kaiser erklärte hierauf die Weitaus stellung von 1873 für eröffnet. Der Ministerpräsident Fürst Auersperg begrüßte darauf den Kaiser im Namen der Regierung und betonte, daß die Wcttaus-
„Dich rettete?" fragte die Andere. „Also das war der Geist jenes Hauses? — Doch das schadet nichts, Antonie, desto lieber will ich diesen Baron haben, der mit seinem Muth dem Leben meiner Freundin beisprang."
„DaS wird hier ein Anderer sein!" entgegnete die Wolf ungläubig, „oder Antonie, Du irrst Dich!"
„Ich irren?" rief Jene und nahm de» Brief her, „da sieh' und lies."
Antonie Wolf nahm den Brief, las ihn, sah de» Name» Alfred v. Röbell darunter stehen und das Herz erzitterte ihr. Sie ahnte den Zusammenhang, allein sie zweifelte auch wieder. Sie warf nur die schüchterne Frage ihn: „Sollte das am Ende ein Miß verständniß sein? —"
Allein die freudig erregte Freundin war nicht von ihrer Fährte abzubringen: „Was für ein Mißver- stänkniß?" rief sie. „Ich sehe keines und habe ihm sogleich geschrieben, daß er kommen kann, zu meinem Vater, versteht sich!"
„Da ist eö wohl Zeit, daß ich wieder gehe, "sagte die Bankierstochter, die natürlich bei einer so delikaten Verhandlung nicht Zuhörerin sein zu wollen vorgab.
Allein Antonie Lauscher bat sie inständig zu bleiben, „denn," sagte sie, „wer weiß, ob er sogleich kommt, und überdies ist ja die Sache im Grunde genommen sehr einfach, denn ich nehme keinen An stand, ihm mein Jawort zu geben und mein Vater auch nicht."
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