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JRarßlltg, Sonnabend, den 3. Mai.

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1873.

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deutung. Die Anerkennung des deutschen Reiches seitens deS russischen kam zwar niemals in Frage; aber von Bedeutung ist die Herzlichkeit, mit welcher der regie­rende Czar seinem mächtigen Nachbar entgegenkommt. Die Deutschen sind ganz besonders empfänglich in dieser Beziehung, da sie an Jntriguen glauben, welche die Macht Rußlands gegen sie ausstachcln wollen. Sie scheinen ein intensives Bewußtsein daran zu haben, daß sie als neue protestantische Macht mit besonderem Argwohn und Mißbehagen von dem ganzen Tbeile Europas betrachtet werden, der unter katholischem französischem Einfluß steht; in den Augen unpar­teiischer Zuschauer hat es das Ansehen, als ob sie fast krankhaft darauf bedacht seien, ihren Gegnern zuvorzukoinmen. Thiers' Reise zur Zeit der franzö­sischen Krisis ist unvergessen, und nach unserem Ber­liner Correspondenten spricht man von Jntriguen, die ganz kürzlich gesponnen, um die Freundschaft der beiden Kaiser zu trüben. Der Papst soll an der Her­stellung einer katholischen Liga gearbeitet und für sie die Unterstützung der großen nordischen Macht nach­gesucht haben. Unzweifelhaft kam, Rußland in jedem Conflict zwischen den übrigen europäischen Nationen ein entscheidendes Gewicht in die Wage werfen, ist auch im Stande, seine Wahl nach eigenen Gründen zu treffen. Es hat von jeder anbcnr Nation wenig zu verlieren und viel zu gewinnen, und alle sind geneigt, es durch Versprechungen zu gewinnen, daß seine östlichen Pläne begünstigt oder jedenfalls nicht gestört werden sollen. Frankreich schmeichelt sich mit der Vorstellung, daß Rußland seine besondern Gründe habe, das Wachsen des deutsche» Einflusses eifersüchtig zu betrachten. Der untere Lauf der Donau ist wahr­scheinlich der Preis der künftigen Kämpfe im östlichen Europa, und zwei große Nationalitäten die deutsche und die slavische werden sich um seinen Erwerb streiten. Man hat es ausgesprochen, daß in der Lage der Deutschen in den Ostseeprovinzen der Keim einer zweiten schleswig holsteinischen Frage liege, und nicht ohne Absicht soll Kaiser Wilhelm es abgclehnt haben, die Adresse der Rigaer Deutschen per­sönlich entgegenzunehmen. Aber, Rußland hat -auch keinen Grund, den Deutschen in jenen Provinzen

läge, und zwar durch Annahme en bloc; es ist somit die erste Vorlage mit einigen Amendirungen, die jedoch im Princip deS Gesetzes nichts ändern, angenommen; die zweite Vorlage hat nur eine formelle Aenderung erfahren; die dritte und vierte Vorlage haben keine Aenderung erhalten. DaS Abgeordnetenhaus wird demnach nur eine kurze Zeit gebrauchen, um die Durch- berathung zu erledigen, der Antrag, bei Gesetzen, die bereits im Abgeordnetenhause berochen sind, nur einer einmaligen Lesung, nachdem die Entwürfe von dem Herrenhause gelangt sind, zu unterwerfen, wird jeden­falls angenommen werden. Der Reichstag ist heute in die Berathung deS Gesetzes über Jnvalidenfonds eingetreten; als ein erfreuliches Zeichen für diese Be- rathuiig kann jedenfalls gelten, daß der Referent Stephani im Namen der Commission erklärte, daß in der Commission die Ansichten der Regierung in den Grundprincipien volle Zustimmung fänden; eine Oppo­sition für dieses Gesetz dürfte nicht zu erwarten sein, da auch Hr. Richter erklärte, kritische Bedenken gegen den Entwurf nicht entgegensetzen zu können.

Der Empfang Kaiser Wilhelms in Petersburg veranlaßt dieTimeS" zu folgendem bereits telegraphisch avistrten Artikel: Die Kaiser von Rußland und Oesterreich wurden im vergangenen Jahre m't glänzenden Ehren em­pfangen, Rußland scheint entschlossen, den damaligen Glanz noch zu überbieten. In Deutschland wird man fühlen, daß eine so ungewöhnliche Ehre dem Kaiser Wilhelm nicht nur als einem verbündeten Monarchen, sondern auch als Haupt der deutschen Nation erwiesen wird. Die vom Kaiser im letzten Kriege erlangte Würde ist allerdings von der Anerkennung irgend einer fremden Macht unabhängig, sie beruht auf dem starken Arm Deutschlands, und das Volk des neuen Reiches hat die Beweise für die Entschlossenheit ge­geben, sich nur auf sich selbst in allen Macht- und Einheitsfragen zu verlassen. Aber nichtsdestoweniger ist der sichtbare Ausdruck der Herzlichkeit, mit welcher Die großen Nachbar-Kaiserreiche die neue Ordnung anerkennen, erfreulich. In diesem Sinne wurden beim auch bie Besuche beS österreichischen unb russischen Kaisers in Berlin ausgelegt, unb bie geringfügigsten Punkte beS Ceremoniells hatten demgemäß ihre Be­

, .Endlich!" schalt Jene,waS soll?« _

Deutsches Reich.

Berlin, 1. Mai. Aus einer amtlichen Zu smmenstellung über die Einfuhr in baS deutsche Zoll gebiet während 1872 ist zu entnehmen, daß fast alle Einfuhr Artikel in ihrer Menge sehr bedeutend zuge- nommen haben und daß es meistentheils solche sind, »eiche als Rohmaterial für die Fabrikation der ver­schiedenen Jndustrie-Producle dienen; woraus sich der Schluß ziehen läßt, daß die industrielle Thätigkeit und mit ihr der kaufmännische Verkehr im vergangenen Zähre gegen daö Vorjahr erheblich zugenommen hat. ES wurde z. L. eingeführt rohe Baumwolle 2,982,000 Centner, Weizen 6,160,000 Gentner, Steinkohlen und CoakS 50,677,000 Ctr., Zink unb Zinkerze 11,012 000 Clr. Vor einiger Zeit sinb vom Cultusminister die Vorbereitungen getroffen worden, um eine Revision der Schulen in den Provinzen Preußen, Schlesien ; unb Posen vornehmen zu können. Von Seiten der : Provinzialbehörden sind inzwischen die einleitenden Vorschläge gemacht worden, und ist hierdurch der Cultus Minister in die Lage gebracht worden, die Oberpräsi- tenten der drei genannten Provinzen mit der Aus­führung der Revision der Schulen zu betrauen, diese sollen alsdann in nächster Zell unter Berücksichtigung der verschiedenen Verhältnisse der einzelnen LondeS- theile erfolgen. ES handelt sich bekanntlich bei diesen Schulrevisionen in erster Reihe darum, zu prüfen, ob unb in wie weit die gesetzlichen Vorschriften über die deutsche Sprache beobachtet sind, wobei allerdings der Gesammtzustand der Volksschulen in diesen Provinzen geprüft werden soll. Im Herrenhaufe ist heute der Gesetzentwurf über den Gebrauch der deutschen Sprache im amtlichen Verkehr eingebracht worden. Dieser Entwurf ist umfassender, als ursprünglich geglaubt »urbe, derselbe geht in die Details über den G.brauch der deutschen Sprache ein. Das Herrenhaus erledigte heute durch Schlußberathung die vierte kirchliche Bor­

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Cum grano salis . , . nickte der Vater.

Dann ist es wohl die Hauptsache, daß ich ihn Sie verweise."

Ganz recht, mein Kindchen; die Hauptsache bin

traulich das Wort klingt! . . . Aber ich kann doch meine Gefühle ein wenig durchschimmern lassen . . . Nicht wahr?"

ouf aic Oberhessische Zer- ÖCfltUUIlIj VU tung für die Monate Mat ,ud Juni werde» von allen Postanstalten, sowie von »er Expedition in Marburg entgegengenommen.

Auf dem Laude nehme» die Landpostboten Be- ßellungeu entgegen.

DaS Majorat.

Historisches Familiengemälde von M- A. Niendorf.

t Fortsetzung.)

Sie las weiter.Der Himmel der mir aus Ihren treuen blauen Augen lächelte .... Hm, «eine Augen sind ja schwarz?" mußte sie Unwillkür lich fragen.

»Sie spielen ins Grünliche, Töchterchen, rrün und blau kann Mancher nicht unterscheiden, übrigens hat schon Ovid angemerkt, daß die Liebe blind mache."

Der sonnige Glanz Ihrer braunen Locken . . ." Sie hielt wieder inne.Haha! mein Haar ist ja blond ..."

fVielmehr etwas rothbräunlich," eommentirte der Scholar,man kann das wohl sonnenhaft nennen, Solaris luminis. . ."

schlugen mich in unauflösliche Fesseln . . Das ist ja reizend!" rief das Mädchen und sprang b«ll seltsame» JugendmuthS im Zimmer herum,da ium Schluß wartet er auf Antwort. Ha! Was W ich?" Unb sie jagte wieberholt durch bas oünmer.

Der Rektor studirte indeß noch einmal in dem «riefe nnb sagte:Ich muß gestehen, daß die Schmeicheleien ziemlich stark sind; allein das ist so bsk verliebte Zunflsprache. Im Ehestand da fällt «e Schmeichelei hernach weg."

Nun, was sagen Sie zu dem Antrag, Väterchen?"

Ich werde Pir kein Hinderniß in den Weg den, will vielmehr erfreut sein, wenn Du endlich swen Mann bekömmst."

Meine Liebe wird ihn lehren, solche zu über- winden I" betonte baS Fräulein. Uebrigens über daS abgeschmackte AdelSvorurtheil schwang sich der Zeitgeist längst hinaus."

Hast Du denn zunächst Deine Neigung geprüft?" fragte wieder daS bedenkliche Männchen.

Dieser Brief hatte sie auS dem Schlummer ge­weckt?"

Ich kenne diesen jungen Baron nicht persönlich reich wirb er freilich nicht fein . .

Er ist nicht gerade schön, aber auch nicht häß­lich, steht so auf der Mittellinie."

Wie Du also. Das wäre Gleich und Gleich."

Aber Verstand, daS sehen Sie hieraus, hat er wie ein Engel."

Da wird er bald steigen, wird RechnungSrath werden, Finanzrath, Staatsrath . . ."

O, er kann eS ja bis zum Minister bringen!" rief kühnen Flugs die Mädchenphantasie.Hilf, Himmel, wenn, ich mich gar noch einmal Excel!enz nennen hörte."

Ja, daS geht oft so bei den Baronen und Gräf- Irin", seufzte der edle Scholar.Da regnete oft ein- uägliche Ehrenämter. Ach, wir Schulmänner behalten die Arbeit. Rektor, Sudrektor will keiner von den Herren Baronen und Grafen fein."

Nun, Väterchen, zur Hauptsache. Ich antworte ihm doch, nicht wahr?"

Auf. die wilde Liebeserklärung, die in dem Bries steckt, dürftest Du's nicht. Allein, daS Gold eines ehrbaren HeirathsantrageS ist darin eingewickelt, darauf hin kannst Du eS in allen Ehren thun."

Ach, ich weiß schon," begann bie jugendlich Schöne. Meiner ganzen Zärtlichkeit darf ich nicht freien Lauf lassen . . ."

Gott bewahre Dich, da warte bis zur Trauung."

Trauung!" fang ihre zärtliche Stimme,wie

Na, wenn nur seine Familie keine £uiivitutr jritat macht, man kennt ball'. . ." mebitirte der

ich zwar in diesem Falle nicht: allein eS muß so sein..." Ich will ihm einen Wink geben, daß wir erwar­ten, er werde vor Ihnen erscheinen?" rieth daS Mäbchen.

Bene, bekräftigte ber Vater,fetz' Dich nur und schreibe."

Antonie Lauscher nahm Platz an ihres Vaters Pult unb zirkelte rasch ben zierlichen Brief, denn in Schrift unb Rebe war sie gewanbt.

Der kleine Rektor aber steckte sich wieder die Pfeife an, welche ausgegangen war, ging durch bie Stube mit lächelnb schlauer Miene, rieb sich zuweilen bie Hänbe und murmelte in seinen G-danken:Hm, hm! wunderlich, das Mädcben macht doch ein seltsames Glück. Ich' hätte sie jedem bescheidenen Handwerker gegeben, wenn nur einer gekommen wäre. . . Aber, Ovid in seiner arte amandi sagt schon, bie Liebe fei eine Art Wahnsinn . . . Ein Barönchen, haha! wie will ich froh auf meine alten Tage sein, wenn ein solides Heirathchen daraus wird . . ."

Die Briefschreiberin war inbeffen fertig geworden und stürzte zur Thür hinaus, bie Treppe hinunter auf den Hof, dort wohnte ein bescheidener Schuhflicker, dessen Sohn die Familie Lauscher oft zu den urchigen Gangen gebrauchte. Er bekam seinen Botengroschen im Voraus, was den schmutzigen Lehrjungen so in Exstase versetzte, daß er ungewaschen, mit dem Schurz­fell vor der Brust sich auf den beschriebenen Gang zur nahe» Wohnung des Barons von Röbell auf» machte.

Als sie nach glücklich vollbrachter That wieder die

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