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in seiner gestrigen Sitzung den Antrag Hamilton'S jül Ankauf der irländischen Bahnen durch die Negie- ming mit 197 gegen 65 Stimmen ab, nachdem Glad- stone denselben bekämpft hatte. — Das Testamenl Dpolcon'S ist vom 24. April 1865 datirt. Es em Hehlt Frau unb Sohn ben großen Staatskörpern, dem Volke und der Armee, läßt der Kaiserin Eugenie Me Privatdomainen und sein Privatvermögen, geschätzt zu 220,000 Pfund Sterling. — Der König unb die Königin von Belgien sind in London angekommen
Haag. 30. April. Die Deputirtenkammer setzte zestern die Debatte über die Atschin-Angelegenheit fort. Ter Colonialminister erklärte, er trage die Verantwortlichkeit der Kriegs Erklärung an Aischin; dieselbe sei nach so vielen Unbilden ein Aet der Nothwenbigkeit gewesen. Die augenblickliche Schlappe sei zwar bedauerlich, er sei aber daburch nicht entmulhigl, die Expedition sei sehr vorsorglich vorbereitet, das End- mlheil barüber aber noch unzulässig. Der Rücktritt des Ministeriums hänge vom Urlheile der Kammer über bie Angelegenheit ab. Der Depntirte Deroo solle das Votum der Kammer gegen das Ministerium herbeiführen, wenn er glaube, daß das Ministerium siine Pflichten versäumt habe. Deroo forderte barauf den Minister zu bem Versuche auf, von seinen Parteigenossen ein Vertrauensvotum zu erhalten. Der De- putirte Heemskerk fragte an, ob bas Ministerium 10,000 Mann und genügende See - Slreitkräst nach holländisch Indien schicken wolle, wenn nicht so müsse das Ministerium aus Patriotismus zurücktreten Darauf wird bie Debatte auf morgen vertagt.
Petersburg, 30. April. Gestern war der Geburtstag des Kaisers Alexander. Schon am Morgen begab sich Kaiser Wilhelm in bie Gemächer seines Neffen, um demselben seinen Glückwunsch darzubringen. Um 11 Uhr sand in der Capelle des Winterpalais die gottesdienstliche Feier des TageS statt. Beide Kaiser, die Großfürsten und die Großfürstinnen, bas preußische Gefolge und der Hofstaat in Gala waren dvlt versammelt. Kaiser Wilhelm trug die Uniform seines Petersburger Grenabier-Regiments und bas Band bes St. Georgs-Ordens. Nachdem der Czar die Beglückwünschungen des diplomatischen Corps entgegengenommen, begaben beide Monarchen sich um 11/2 Uhr auf den Platz vor dem Winterpalais', wo das Grenadier-Regiment Friedrich Wilhelm zur Wacht- parabe ausmarschirt und die Repräsentanten der vcr- schiebenen Truppenarten aufgestellt waren. Der Parademarsch ging glänzend von Statten. Um 2 Uhr empfing der Kaiser Wilhelm bas biplomaiische Corps, dessen einzelne Mitglieber ihm im Beisein des Fürsten HiSinarck vom Prinzen Reuß vorgestellt wurden. Um 6 Uhr war Familiendiner in den Gemächern des Gastes, worauf eine Spazirfahrt durch die festlich er leuchtete Stadt unternommen wurde Abends 10 Uhr sühnen vor dem Winterpalais 2400 Mann aller MusikeorpS von Petersburg einen große» Zapfenstreich aus, wobei der kolossale Platz durch electrisches Licht taghell erleuchtet war. Es war ein granbiöses Schauspiel. Die ganze kaiserliche Familie war aus dem Balcon des Palais versammelt; als Kaiser Wilhelm erschien, brach die Volksmenge in enthusiastischen Zubel aus.
Konstantinopel, 29. April. Wegen eines kirchenburchgangs in Betlehem, worauf die Lateiner GigenthumSrechte erheben und welcher von der Regierung als Eigenihum der Griechen erklärt wurde, drangen abwechselnd Lateiner und Griechen in die Kirche und zerstörten gegenseitig ihre Symbole. Fünf Lateiner und fünf Griechen sind gefährlich verwundet »orden.
Newyork, 29. April Eine Compagnie Jn- sänierie mit zwei Kanonen wurden bei einer Recog «oscirung durch das Kreuzfeuer der Modoc Indianer Vollkommen überrascht. Die Truppen flüchteten sich in die Schluchten, wurden aber geiiölhigt, sie wieder zu verlassen. Vier Compagnien kamen zu Hülfe, aber »hne Erfolg. Getödlet wurden 19, 23 verwundet, fiele wurden vermißt. Tie Soldaten sind entschlossen, seruerhin keinem Indianer mehr Pardon zu geben — Die Indianer in Oregon werden immer feindseliger; »an fürchtet einen allgemeinen Aufstand und Gemetzel.
Berlin, 30. April.
' Der Reichstag beschäftigte sich heute mit der bitten Berathung des von dem Abg. Schulze borge legten Gesetzentwurfs wegen Gewährung von Diäten in die Reichstags - Abgeordneten. Die Abgeordneten Windthorst (Berlin), Hölder und Windthorst (Meppen) reeapitulirten noch einmal die für den An-, bog wiederholt geltend gemachten Gründe. Der letztere lichtete speciell an den Vertreter des Bundeskanzler »mteS die Frage, ob seit der letzten Verhandlung über bn vorliegenden Gegenstand seitens deS Reichökanzler- uuttes Schritte gethan feien, — um ebenso wie dies ** Baiern und Würtemberg längst geschehen, — für
die Abgeordneten freie Eisenbahnfahrt bis nach Berlin zu erwirken. Präsivetn Delbrück bemerkte, daß allerdings Schritte in der bezeichneten Richtung ge schehen seien, jedoch zu einem definitiven Resultat noch nicht geführt hätten. Abg. Herz bedauerte, daß der Bundesrath, dessen Mitglieder als solche selbst bebeu tende Diäten beziehen, seinerseits nicht die Pflicht fühle, wenigstens dasttr zu sorge», daß die Mitglieder des Reichstages nicht länger, als unumgänglich nöthig, ohne Diäten in Berlin festgehalten würden. Schon sei der Reichstag 7 Wochen versammelt, und noch sei nicht einmal der Etat vorgelegt. Auf diese Weise werde — allen Rechtsgrundsätzen zum Trotz — der unschuldige Theil von dem schuldigen zu einer Geldbuße verurtheilt. Die Nichtgewährung von Diäten schließe mehr und mehr die Süddeutschen von der Theilnahme an den Verhandlungen des Reichstages aus, und bald werde man diesen wieder zu einem ausschließlich Norddeutschen gemacht haben. — Nach einigen persönlichen Bemerkungen der Abgg. v. Kus- serow und Friedenthal und der Erk-ärung des Antragstellers Schulze, daß das Haus die von dem Präsidenten Delbrück in Aussicht gestellte Abschlagszahlung nicht acceptiren dürfe, wurde der Gesetzentwurf in namentlicher Abstimmung mit 145 gegen 85 Stimmen angenommen. DaS Haus ging dann zur Berathung des Vereinsgesetzes über, welches einer Commission von 14 Mitgliedern überwiesen wurde. Hieraus folgte noch die Berathung von Petitionen.
DaS Herrenhaus beschäftigte sich in seiner heutigen 30. Plenarsitzung mit dem Gesetzentwürfe über die Grenzen des Rechtes zum Gebrauche kirchlicher Straf- und Zuchtmittel. In der Generaldebatte sprach Graf Krassow seinen Wunsch nach einer Milderung der Strafbestimmungen auö. Graf Lippe beleuchtete die vom Bischof Kremenz über Dr. Wollmann und Prof-ssor Michaelis ausgesprochene ex- communicatio major, die Veranlassung des vor liegenden Gesetzentwurfes und sand, daß der Bischof nur seine Pflicht erfüllt habe. Gegen die über die Deutschkatholiken 1841 verhängte große Excommuni kalion sei nie von Seiten des Staates Einspruch erhoben. Nach dem Grafen Brühl setzt auch dieses Gesetz fest, daß dem Staate mehr zu gehorchen sei als Gott. v. Kleist-Retzow hielt eine Zucht der jetzt lebenden Menschheit für durchaus nolhwendig und beklagte deshalb die Schwächung der kirchlichen Zucht, lieber den glaubenstreuen evangelischen Dienern des Herrn hänge in Folge dieses Gesetzes beständig das Damoklesschwert. Für den Fall der Einsühruilg der obligatorischen Civilehe beanspruchte er für die Kirche völlige Freiheit in der Anwendung der Kirchenstrafen und bestritt vor allem das Bedürfniß dieser Gesetzvorlage. Das letztere wies Gobbin aus betreffenden Artikeln des Syllabus nach und zeigte, daß der Kirche auch nach diesem Gesetz genug Strafmittel blieben, v. S e n s f t-P i l s a ch wollte die Gelegenheit benutzen, über die beabsichtigte Umgestaltung des Herren- hauies zu reden, wurde ober vom Präsidenten ersucht, bei der Sache zu bleiben, v. Voß betonte, daß diese« Gesetz mit den übrigen eng zusammenhänge und eine gefährliche Lücke entstehen würde, wenn es fiele. Uebrigens sei auch von strenggläubiger Seite anerkannt, daß dies Gesetz kein göttliches Gebot aufhebe. Ho brecht protestirle gegen den Ausspruch, daß die liberale Partei auf die Worte der Regierung wie auf Engelöworte horche; sie stimme trotz der Mängel der einzelnen Bestimmungen für die Kirchengesetze, weil diese geeignet seien, schweren Gefahten des Vaterlandes vorzubeugen und vor Allem den deutschen Katholiken, denen nicht ohne Mitschuld deö Staates die Knechtschaft unter eine unpatriotische einseitige Partei drohe und die doch zum größten Theil nicht mit den Tendenzen der Centrumspartei übereinstimmten, die 'Diöglidftit der Befreiung zu gewähren. Nachdem noch Frhr. v. Landsberg-Velen für den Patriotismus der CentrumSpartei gesprochen, ging das Haus zur Specialdebatte Über. Die einzelnen Paragraphen des Gesetzes wurden sodann ohne bedeutende Debatte unverändert angenommen. — In der Generaldebatte über den Gesetzentwurf, betreffend de» Austritt aus der Kirche sprach nur Frhr. v. Manteuffel Crossen. Derselbe behauptete, daß auf dem Prnde sich Leute fänden, die mit gewissem Stolz sich ihres Atheismus rühmten; die Kirche habe kein Interesse, diese Leute in ihrem Schooße zu behalten, aber wohl habe der Staat zu bedenken, was zu beginnen, wenn diese Sorte sich vermehre. Zm Allgemeinen stimme übrigens Redner der Vorlage bei. Die einzelnen Paragraphen wurden unverändert angenommen. Auf die morgige Tagesordnung ist die Schlußberathung der vier Kirchenvorlagen gesetzt.
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Vermischtes.
jUniv.-Nachr.s Professor Lauth in München der renommirte Aegyptologe, welcher bekanntlich auf Kosten des
Königs von Baiern eine wissenschaftliche Reise nach Aegypten unternommen hat, ist nach einer sechsmonatlichen Abwesenheit wieder heimgekehrt. — Zum provisorischen Curator des Liebig'schen Laboratoriums in München wurde Professor I)r. Voll Hardt, der lanajährige erste Assistent Liebig's, bestellt-
— Von Königsberg ays hat sich, schreibt die „Sperr. Ztg." das wobl mit Vorsicht aufzunebmeude Gerücht verbreitet, dem Generalfeldmarschall Grafen Moltke sei auf seiner R.ise nach Petersburg ein großer Theil seiner Uni» sormstücke, vor Allem aber die Brillanten seiner Orden im Werthe von 70* KJ Thlr. abhanden gekommen. Es sei ungewiß, ob der Diebstahl in Berlin oder in Königsberg, wo er bemerkt worden sei, ausgefübrt wurde. Ter Fcldmar- schall fei in Folge dessen genötbigt gewesen, in Königsberg bei der Tafel int einfachen Oberrock zu erscheinen. Wir geben, fügt das Blatt hinzu, die Nachricht unter alle Re'erve.
— Das „Univers" in Paris erzählt in seiner Nummer vom letzten Freitag: „Im Elsaß ist ein Lehrer ausDeutschlaud, der den Gebrauch des Schnupftuchs nicht kennt und früher ein Bärenfüdrer gewesen war." Dazu macht die „Straßb. Ztg." die Bemerkung: »Wie es scheint, bat dieser sonderbare Emporkömmling, bevor er den neuen Beruf antrat, feine früheren Zöglinge Herrn Veuillot — „aufgebunben", und dieser sucht sie nun wieder an das leichtgläubige französische Publikum los zu werden!"
London. Der größte Kupferne Kessel befindet sich in der Brauerei von Pontifex und Wood in in London. Dort ist wie das „B--J-" berichtet, ein Braukessel aufgestellt, dessen Boden das größte einfache Kupserstllck darstellt, das je erzeugt wurde. Nicht die Größe an sich ist das Auffällige, londern der Umstand, daß es ein Stück aus dem ganzen ist, bloß durch Walzen und Hämmer erzeugt, also ohne alle Lölhungen und Nieten, welche so viel zur raschen Zerstörung beitragen das Stück wog nach dem Guß nahezu 90 Ctr. und wurde zwischen einem Walzenpaar von 67 Ctm Durchmesser und Über 4 Mettr Länge ausgewalzt. Jede der Walzen wiegt 42<i Ctr. Nachdem das Stück durch die Walzen so weit als möglich ausgedehnt war, wurde es einem dafür conftruirten Dampfhammer übergeben und hier in die verlangte Form gebracht. Das Aushämmern allein beschäftigte 25 Mann durch eben so viel Tage. Dieser Kessel wird, wenn fertig, 50 Barrels fassen und die zugehörige Pfanne 80 Barrels- Das dazu verwandte Kupfer wiegt etwa 380 Gentner.
Ernennungen, Verleihungen re.
Bei der diesjährigen Cadetten Vertheilung sind zugetheilt worden: dem hessischen Füsilier-Regiment Nr. 80: als char. Portepee - Fähnriche Gefreiter Nowina von Axt, Gäbet Freiherr v. Verschuer. 1. Hess. Inf. - Regt. Nr. 81: als Portepee-Fähnrich Gefr v. Bieberstein, als char Portepee- Fähnrich Gäbet Schinkel. 2. Hess. Infanterie - Regiment Nr 82: als char. Portepee-Fähnrich Gäbet Rothe. 3. Hess. Jnf.-Regiement Nr. 83: als char. Portepee-Fähnriche Gefr. Trützschler von Falkenstein kl., Cabet Brenhansen. I. Hess. Hus.-Regt. Nr. 13: als char. Portepee-Fähnrich Gefr. Simon. Hess. Felb - Art.-Regt. Nr. 11 Corps-Art.: als char. Portepee - Fähnrich Gefr. Matthias 1 Hess. Felb- Artillerie-Regt. Nr. 11 Divisions-. rt.: als char Portepee- Fähnrich Schumann II. — DemJntendantur-Secrelariats» Assistenten Dietz von ber Intendantur des XL Armeekorps ist die Erlaubniß zur Anlegung des ihm verliehenen groß- herzogl. Hess. Militär-Sauitäts-Kreuzes ertheilt worden. —
Telegraphische Depeschen -er Ober- hessischen Zeitung.
Berlin, 1. Mai. In der heutigen Sitzung nahm das Herrenhaus in der Schlußberathung die vier Kirchengesetze nach kurzer Debatte mit erheblicher Majorität an. Nächste Sitzung unbestimmt.
Magdeburg, 30. April. Dem „Magdb. Gon." zufolge sind in der Neustadt zwei Cholerafälle con- statirt worden.
Paris, 30. April. Wie die „Agence HavaS" erfährt, ist ThierS entfchloffen, sich durchaus auf dem Boden der conservativcn Republik zu halten, hoffend, dieselbe gegen die Umtriebe der Monarchisten einer- — wie der Radikalen andererseits auch ferner zur Geltung zu bringen. — Der Ministerrath ist eifrig mit der Vorbereitung der constitutioncllcn Gesetze beschäftigt, welche der Nationalversammlung in den ersten Tagen nach deren Zusammentritt vorgelegt werden sollen.
Bayonne, 30. April. Gerüchtweise verlautet, daß Santa Cruz von andern Bandenchefs erschoffen worden sei.
relegraphische Cours- unb Marktberichte.
Frankfurt a. M., 1. Mai. (Schluß-Courfe). Staatsbahn - Äctien 3561, Elisabeth 260. Galizier 239, Lombarden 2O3|. Norowestbabn 229J, Grebitactien 343 J, Silberrente 66j, Papierrente —, 1860r Loose 94, «Rational» bant 1000, Spanier 20H, 1882r Amerikaner—, Darmstädter Bank —Effectenbank —, Kurbessen —.
Berlin, 1. Mai. (Anfangscourse). Grebitactien 196, Staatsbahn 204, Lombarden 1 5£ Amerik. 96|.
Wien, 1. Mai. (Anfangscourse).Grebitactien 335.50, Lombarden 192 25, Napoleons 8.75z
London, 30. April. Die gestrige Wollauction war belebt. Australische Wollen unverändert. Capwollen matt.
Hamburg, 28. April. Das Hamburg-New Uorker Post- Dampfschiff „Silesia", Capitain Hebich. am 18 d. M von Newyork abgegangen, ist nach einer Reise von 9 Tagen 3 Stunden am 28. d. M. 7J Uhr Morgens in Plymouth angekommen und hat, nachdem es bafelbft die Verein. (Staaten- Post, sowie die für England bestimmten Paffagiere gelandet, um 8 Uhr bie Reise via Cherbourg nach Hamburg fortgesetzt. Dasselbe überbringt: 286 Passagiere, 107 Briefsäcke, 1250 Tons Labung, 84,715 Dollar Contanten.