ffr. 98
Marburg, Sonnabend, den 26. April.
1873
ir«u, „vor zwanzig Jahren —' zuwurf in's Nebenzimmer.
Aber der alte Herr unterbrach fie mit ungewohnter Wolfram schickte ihr ein hellcS Gelächter nach «nergie, indem er rief: „Ich bitte Dich, laß mich und sagte zu seinem Vetter: „Gut, daß sie ging, Wolfram ruhig anhören. Es klingt so ange- nun kann ich erst frei von der Leber reden. Du «hm, was er sagt. Hernach stehe ich Dir zu siehst, wir müssen unter allen Umständen 50.000
daS rill,
er.
au- ■int sen INN ben zen der 199
58
41
54
35
36
-49
12
i7i
re« iaif 177
ng, r»
>in-
hn r.
den LcbenSodem einzublasen. — Ueber den Rücktritt de« Grafen Jtzenplitz, dessen nähere Einzelheiten von der Spenerjchen und Kreuzzeitung verschieden, wenn auch nicht gerade widersprechend berichtet werden, erfährt man alS authentisch Folgendes: Schon vor längerer Zeit hatte Graf Jtzenplitz sein Entlassungs- gesuch eingereicht und selbst den Uebertritt des Herrn Dr. Achenbach in sein Ministerium gewünscht, damit dieser ihn vertreten und ersetzen könne. Da nun derselbe noch nicht terminell entschieden ist, und die Be raihung der 120 Millionenforderung bevorsteht, bei
welchen Debatten, wie man sich nicht verhehlen kann, die Vertretung der Vorlage auch dem Grafen Jtzen- plitz vielleicht Schwierigkeilen bereiten werde, so Hal er jetzt um einen sofortigen längeren Urlaub nachge sucht. — Es bestätigt sich, daß Graf Roon nach Ab schluß der Voruiilersuchung gegen Geh. Rath Wagener die Einleitung des Disciplinarverfahrens angeordnet und durch Requisition des Justizministers den Ober- StaatSanwalt von Liects mit der Abfassung der An- flagejat beauftragen lassen. — Die neue Ausgabe des Staatshandbuches wird bereits in den nächsten Tagen zur Versendung gelangen, nachdem daö erste Exemplar, wie üblich, dem Könige überreicht worden ist. Dieses wichtige und nützliche Luch war seit 1866
„Die Du selbst verschuldet," commeMirte die Frei «rau, „vor zwanzig Jahren —"
Stande kommen werde. Der Abgeordnete WiggerS sprach Namens der Commission seine Freude über die Mitibeilunc, aus.
siehst, wir müssen unter allen Umständen 50,000 Thaler haben."
lokalitäten in der Fahrgasse re. das Signal mit einem Horn gab. Der junge Mensch, welcher an der Leiche auf dem Domplatz eine die Menge aufreizende Rede hielt, ist aus Isenburg. — Die hiesigen Brauer haben nun noch folgende Erklärung in den Zeitungen veröffentlicht: „Zu den Ereignissen der letzten Tage soll der Bierpreis die Ursache abgeben. Wenn jemals eine Erhöhung des Bierpreises gerechtfertigt war, so ist derselbe durch die Verhältnisse, unter denen wir •n_ neuerer und insbesondere in "neuester Zeit arbeiten müssen jetzt. Trotz unserer wohlbegründeten Ansprüche sind wir bereit und haben uns entschlossen, zu den früheren Verkaufspreisen zurückzukehren. Wir und unsere Sache sollen nicht zum Vorwande dienen, daß in unserer Stadt Leben und Eigenthnm bedroht erscheinen."
„Willst Du sie in der Lotterie gewinnen?" scherzte Jener. „Ich wette fünfzig Louisdor, Du hast nicht einmal den Einsatz."
„Pah, das wäre zu weit aussehend und viel zu unsicher. Ich weiß daS Geld näher, der Bankier Wolf hat's"
„Mein Gott, das weiß ich allein, aber was hilft mir das?"
Wolfram ließ sich nicht stören, sondern fuhr fort: „Solch Volk kann'ö mit Scheffeln messen; Alles, Alles haben sie dem eingeborenen Adel abgenominrn, weil sie der Regierung immer brcv mit hohen Prozenten vorschießen, während daS ganze Land die
Ausland.
Wien, 24. April. Der Kaiser schloß heute Mittag die Session des ReichSratheS mit einer Thronrede, worin er feine Befriedigung darüber ausspricht, daß der Reichsrath die Mehrzahl feiner Aufgaben durch einträchtiges Zufammenwirken mit der Regierung glücklich gelöst, insbesondere durch unmittelbare Bildung der Reichsvertretung in einer den gegebenen
„Gnädige Frau Muhme," entgegnete Wolfram heiler und ironisch. „Ich rede da mit meinem Vetter von Gutssachen und wenn Ihnen das nicht gefällt, so lassen Sie und doch allein plaudern."
Das war starker Tabak, allein die Frau Baronin wußte aus den früheren Erfahrungen, daß mit diesem Vetter Wolfram nicht zu spaßen war, sie sagte daher: „Jawohl, mit Ihren verkehrten Ansichten sich herumzustreiten, wäre auch noch lohnend. Ich will davon nichts hören." Und sie schob mit donnerndem Thür-
Am, was er sagt. Hernach stehe ich Dir zu «fehl!"
DaS Majorat.
Historisches Familiengemälde von M- A. Niendorf.
(Fortsetzung.)
Die Baronin, welche zuhörend strickte, während im Hintergrund des Zimmers Alfred gedankenvoll seine Cigarre rauchte und sich seinen Träumen über- ükß, konnte wieder nicht unterlassen, ihre Pille einzustreuen.
„DaS wär' auch nur gescheut," sagte sie zu ihrem Manne, „denn Du hast nichts weiter, von der Wirthschaft verstanden, als das Auögeben der Einkünfte . .
„Und die Frau Baronin hat brav dabei geholfen," entgegnete wieder Jener.
„Ich bitte Euch, laßt doch daS Streiten," fiel Wolfram ein, „das gehört der Vergangenheit an. — nähmst Deinen Wohnsitz aus Reichenau und hättest ein sorgenfreies Alter 1"
. »Ich tauschte eS gern ein gegen die jetzige Be- «ängniß," träumte der Baron.
Deutsches Reich.
•• Berlin, 24..April. Die „Germania" bringt heute über die Vorgänge im Elsaß einen mehr als naiven Leitartikel. So gern sie es möchte, kann sie das gegenwärtige strenge Auftreten der Regierung nicht »ngreifen, dafür macht sie ihr wenigstens den Vorwurf, bisher nichts gethan zu haben, um sich die Zuneigung deS Elsasses zu gewinnen, daS wäre nämlich — so räsonnirt daS ultramontane Blatt — sehr leicht gewesen : sie hätte sich nur mit der katholischen Partei zu verbinden gehabt. Aber die Regierung stoße sie zurück, weil sie wohl wisse, daß die Katholiken doch niemals Revolution machen würden, das sei die Sache der Heiden, aber nicht katholischer Christen. Schade, daß die „Germania" nicht sagt, was die Regierung weiter hätte thun müssen, um sich die Protection der Mtramontauen zu erkaufen! Nach ihrem anmaßlichen Gebühren dürfte der Preis ziemlich hoch gestellt worden sein. Was übrigens die Friedfertigkeit der Katholiken betrifft, so ist es richtig, daß die Jesuiten nicht selber auf die Straße gehen um Revolution zu machen. Bekanntlich vergießt auch die Kirche kein Blut, die Scheiterhaufen der Inquisition ließ sie vom Staate »nzünden; so macht auch der loyale Ultramontanismus I
Frankfurt, 24. April. Aus dem Frankfurter Wald wurde gestern eine Anzahl wahrscheinlich bei den Montagö-Excessen bctheiligt gewesener Individuen eiugeliefert, welche sich daselbst in verdächtiger Weise umhergetrieben hatten. Auch aus dem Röderwäldchen wurden einige Bursche herausgeholt. Einer rief auf dem Transport zur Konstablerwache unaufhörlich: „Es lebe die Commune I" Einige hiesige Bürger, welche am Tage der Excesse unziemliche Aeußerungen gemacht, wurden verhaftet und erst gestern, nackbem sie verhört,'wieder freigelassen. Wie wir vernehmen
end and zur :fes an trch ilch nd- gr„
Zeit rns die and den end gr, i21
t Schuld mit sammt den vielen Prozenten bezahlen muß. Daraus folgt, daß man'S ihnen wieder ab«
i nehmen muß."
„Willst Du etwa als Räuber Wolfs Schränke erbrechen?" lachte der alte Baron.
„@ott, wie wäre das dumm!" argumentirte Wolfram. „Nein, ich wünsche cS auf eine ebenso feine, erlaubte Weise zu nehmen, wie sie es unS genommen haben. Höre mich: Dein Sohn Alfred muß der Bankierstochter den Hof machen, muß sie gewinnen, sie heirathen. Damit siehst Du, haben wir daS schöne. Geld wieder. Ich habe den ganzen Weg her das überlegt. So geht'« und anders nicht, frisch Geld muß in's Majorat, daS ist die Losung."
I„Aber, Vetter, ein Baron von Röbell und eine Mamsell Wolf, das wäre ja eine Mesalliance in bester gorm!“ sagte der Baron kopfschüttelnd. „Du weißt, daß wir uns noch niemals in unserer Familie dazu verstanden haben, so alt sie auch ist." . «3° sie ist eben so alt, daß sie absterben will," tronisirte Wolfram. „Bedenk, 50,000 Thaler Mitgift bekommt sie wenigstens schleich, die Güter wären ge- rettet I"
»3a, ja, ich verstehe, ein fetter Bissen ist diese Tochter, wenn sie nur aus gutem Hause wäre."
„Unb die einzige Tochter, wenn bet' alte Bankier einmal stirbt I DaS meinst Du, soll ein schlechtes §au8 sein, bas über 200,000 Thaler zu comman- biren hat?"
Dem alten Baron Adam fielen aber alle jene trefflichen Argumente - feiner gräflichen Gemahlin von reinem Blute ein unb er sagte vorwurfsvoll: „Aber Wolfram, lässt st Du Dich noch auf Deine alten Tage »on bem heillosen Zeitgeist anstecken?" Er horchte unb sah zur Thür, in bie seine Frau veislwunben war. „Doch still, sprich leise, Wolfram, baß meine Frau es nicht hört. Siehst Du," lispelte er vertraulich, »mich, glaub' ich, schlägst Du mit den 200,000 Tha- lern breit, aber —"
„Also, Du wärst geneigt, einzuwilligen?"
6 „Was quält Ihr Euch auch da mit nichtigen «rwürfen," beschwichtigte Wolfram, „bas bringt *u<h keinen Schritt von bet Stelle."
„Siehst Du, ba bin ich ganz Deiner Meinung!" *Wirte beifällig ber Baron. „Nun sage mir nur, Wc willst Du bie 50,000 Thaler nehmen?" .. -Na, ich habe fie nicht, baö wißt Ihr!" lautete 6le lakonische Antwort.
. „Was wollen Sie denn damit, Herr Vetter?" dagegen bie Baronin auf, bie bereits empfinb- über Wolframs Dreinreben in ihre Sachen war ^vju bie golbenen Träume unb wesenlosen Hirn- *H>innfte? Bringen uns biefe etwa von der Stelle?
— 3n der Preßgesetz-Commission beS Reichstages erklärte der Regierungs Cvmmissär: Seit der früheren Eiklärung, daß vor Erlaß eines Gesetzes über den Criminalproceß ein Preßgesetz-Entwurf nicht vorgelegt werden könne, habe sich die Lage wesentlich geändert. Jetzt glaube namentlich die preußische Regierung, daß unter gewissen Voraussetzungen auf bie Vorlage eines Preßgesetzes einzugehen fei. Der Bunbesrath habe bie Berathnng wegen bes PreßgesetzeS wieber ausge- nommeit. Dieser osficiellen Erklärung fügte ber Ne gierungS - Commissär hinzu, baß er ber Commission nicht ansinne, die Verhandlungen zu unterbrechen oder zu vertagen, weil er keine feste Zusage machen könne, daß bie Vorlage eines Preßgesetzes noch in ber gegenwärtigen Session seitens ber BunbeSregierung zu So etwas mag ich erst recht nicht hören, baS macht nur schlimmeres Herz- unb Kopfweh."
„Mein Gott!" rief Wolfram, man muß ja doch erst wissen, waS man will unb barüber muß gesprochen werden."
„Ra, ba faseln Sie von 50,000 Thaler, währenb mir nicht einmal Eier in unser HauS bekommen können?" Unb nun bekam Wolfram auch seinen Schlag. „Dabei fangen Sie gar noch an, sich in unsere häuslichen Verhältnisse zu mischen unb stehen meinem Manne bei?"
nicht erschienen, unb umfaßte seine letzte Ausgabe nur I würbe ein' Oberräder Portefeuille-Arbeiter als Der- b.te alten Provinzen, so daß die neuen Provinzen injjenige ermittelt, welcher beim Angriff auf bie Bi.r- einem besonderen Hefte nachgeliefert werben mußten. ~ -
Die veränberte Aufstellung ber Materien hat zu vielen Bebingungen Anlaß gegeben, welche bie Vollenbung des Werkes mit verzögert haben bürsten. Uebrigens rüjjrt bas Slaatshanbbuch diesmal nicht, wie in früheren Jahren, vorn Büreauches des Staatsministeriums, Geheimen Rechnungsrath Finder, sondern vom
nicht selbst die Revolutionen, sieht es aber sehr gern,Irath Metzel^h^r?^ Herrenhauses, Geh. Regierungs wenn die sog. Heiden sich dazu hergeben. Auch bei ~ - - - -
den letzten bedauerlichen Vorgängen in Frankfurt will man auS gewissen Anzeichen schließen, daß ultramon taue Inspirationen mitgeholfen haben, ben Erneuten
Oberhessische Zeitung.
Sämmtliche Annoncen-Büreaus nehmen Inserate an. H ° le 1 ®9r-