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sind, um ferneren Ruhestörungen vorzubeug-n, die umfassendsten Vorkehrungen getroffen. Eine heute früh um 7 Uhr an den Ecken angeschlagene Bekanntmachung des Hrn. Oberbürgermeisters und des Hrn Polizei Präsidenten beklagt das Vorgefallene, warnt vor Zu fammenrottungen und publicirt die Gefetzeeparagraphe über Aufläufe rc. Der «»gerichtete Schaden wird auf 4550,000 Thlr. taxirt. Aus Besürchlung, daß sich die gestrigen Cxcesse heute wiederholen kennten, ist der größte Theil der Läden geschlossen. Um 3 Uhr rückte ein Bataillon 80er von Homburg ein; um 4 und 5 Uhr kamen no< zwei Bataillone von Mainz und Wiesbaden Die Börse, das Telegraphen-Amt, die Brücke, Sachsendaujen rc. sind militärisch besetzt; an den wichtigsten Punkten der Stadt sind Truppen ausgestellt. Im Hainer - Hof ist ein Bivouak, der Schillerplatz ein militärisches Lager. Die Dragoner, welche wegen des bevorstehenden Pferdemarktes in der Umgegend cantonniren, zogen schon um 1 Uhr Nach­mittags mit gezogenem Säbel und gespanntem Cara- biner ein und fingen sofort an, die Straßen zu durch­reiten. Ein Theil derselben ritt nach den denachbarten Waldungen, um dieselben abzustreisen. Wie es heißt, sollen sich dort einige der gestrigen Plünderer auf­halten. Den Besitzern von Waffenlagern gingen amt­liche Warnungen zu, und das Lager des Anliquitäten- Häudlers Benack wurde unter amtliche Aussicht ge­nommen. Die Truppen bewahren eine entschiedene, aber ruhige Haltung. Wie man hört, hält der Magistrat die Stadt nicht für verpflichtet, für die Verwüstungen Entschädigung zu leisten, weil das Gesetz von 1850, welches die Entschädigungspflicht bei Auf­ständen feslsetzt, hier nicht publicirt sei. Zu den gestrigen Excessen ist noch nachzulragen, daß eine Au zahl der Einbrecher mit krummgebogenen eisernen Stangen in die Läden der zum Opfer auserseheuen Localitäten einhieb. Unter den Verwundeten befinden sich, wie wir höre», auch ein Offizier, ein Soldat und der Polizeicommissär Bergmann. Unter den etwa 200 Verhafteten befinden sich Viele, welche bei der Demolirung auf frischer That ertappt wurden. Mancle haben sich eine Anzahl Ausschreiter ins 3lu.;e gefaßt und werden im Stande sein, namentlich diejenigen von der Fahrgasse wieder zu erkennen. Von den Schwer- verwundeten, die sich im h. Geist-Hospital befinden, find heute Mittag wieder zwei gestorben.

Wiesbaden, 22. April. Die hiesigen Truppen Infanterie und Artillerie sind vermnthlich wegen deo Frankfurter Biercrawalls seit Mitternacht mobil und erwarten weitere Ordre.

Hamburg, 18. April. Mit dem heutigen Dampfer via London trafen für die Reichs Haupt casse 31/? Millionen Thaler Goldbarren ein, welche sofort nach Berlin weiter gingen. Die Reichöbehördc steht bereits wegen schwimmender Ladungen aus Au­stralien und Amerika mit der Londoner Stockbank in Verhandlung.

München, 20. April. Für den Reichs-Jn- valideufond werden u. A. auch zehn Millionen Thlr. unseres 44/2 proc. Eisenbahn-Anlehens übernommen werden und zwar in Stücken, deren jedes auf 100,000 Thlr. 175,000 Gulden lautet. Diese 100 Obligationen find besonders angefertigt und von

den beiden Schulden -TilgungS-Commissionen der Kammer des Landes auch bereits unterzeichnet worden

Fulda, 21. April. Es unterliegt wohl keinem I Zweifel, daß bei der Anfangs nächster Woche dahier stattfindenden Bischofsconferenz auch die nächste Papst­wahl G'gcnstaud der geheimen Verhandlungen fein wird. Diese Frage tritt jetzt immer näher an den Episkopat heran und ist bereits, wie man positiv Höri, im brieflichen Verkehre der Bischöfe erörtert worden. Das Resultat der Berathnngen über die kirchenpolitischen Gesetze wird, wie bereits rnitgetheilt, jedenfalls in einem an die StaatSregierung gerichteten gemeinfamen Proteste veröffentlicht werden. Die Conserenz beginnt übrigens nicht am 28. d. M., wie dieGermania" meldet, sondern am 30. und dürfte höchstens drei Tage in Anspruch nehmen. Am 28. (Montag) werden die näher wohnenden Jnfuliten, die wie die übrigen bekanntlich an Sonntagen gar nicht reifen, in unserer Stadl erwartet und pon De­lirien des hiesigen Bischofs am Bahnhofe empfangen. Die meisten derselben wohnen auch diesmal im SeminariumSgebäude, woselbst die Bcrathungen statt finden. Angemeldet sind bis zur Stunde die sämmt lichen preußischen Bischöie außer denen von Osnabrück und Hildesheim, desgleichen der Bischof Namczanowski von Agathopolis i. p. f. und der Weihbischof Kübel von Freiburg als Oberhirt der Katholiken in den Hohenzvllern'schen Landen.

Ausland.

Wien, 22 April. Wie sicher verlautet, wurde der Lemberger Bürgermeister Dr. Ziemialkowski zum Minister ernannt. Die Vermählungsfeste, die in den letzten Tagen so ziemlich alles Interesse absor- buten, sind zu Ende, soweit wenigstens weitere Kreise daran sich zu bethciligen veranlaßt und in der Lage sahen, und der Dank, welchen heute der Kaiser, gleich­zeitig hier und in Pest,Allen und Jedem" für die bei diesem Anlaß betätigteLiebe und Treue" aus­spricht, kommt sicher aus warmem Herzen; dennA)ohl selten hat eine Bevölkerung so einmüthig und meist in Werken thatkräftiger Barmherzigkeit sich zu dem Freudentage ihres Herrschers hinzugedrängt, und wenn vor dieser rein menschlichen Theilnahme alle politischen und nationalen Spaltungen und selbst der lang ge­nährte Groll zurücktraten, so mag mit Recht behauptet werden, daß das monarchische Gefühl noch immer ein mächtiger Factor in Oesterreich ist, und daß es sich wohl der Mühe lohnt, an dessen Befestigung und Kräftigung zu arbeiten, statt gleichgültig ober gar geriiigschätzend zuzuschauen, wie es systematisch unter­wühlt und erschüttert wird.

Paris, 21 April. Durch Verwechslung mit einem Namensvetter kam der Name des Obersten Stoffel vorgestern in das bonapartistifch legitimistische Wahlcomüo, als er aber einmal genannt war, zeigte er sich der monarchischen Menge so sympatisch, daß derGaulois" ihn heute als den einstimmig vorge- schlagencn Candidaten für die Wahl proclamirt. Gestern noch war man geneigt, zu Libeman zurück- zukchreu und auch die auf Stoffel gefallene Ent­scheidung ist noch nicht als ganz endgültig anzusehen; aber der Oberst ist in der That so populär, daß man wohl bei ihm stehen bleiben wird. Wäre er nicht von den Royalisten ausgestellt, so könnte er sogar

abzusehen. Unterdessen liege ich längst in der Erde, und mein Sohn ist ein alter Knabe geworden."

Seine Frau Gemahlin war dabei in's Zimmer getreten. Sie war, wie erwähnt, die zweite Frau des Barons, doch darum keine blühende Schönheit mehr. Als ihre Rosen der Jugend sich bereits stark zu ent­blättern begannen, und keiner ihrer sonstigen Liebes- wünsche sich erfüllt hatte, sic, eine Gräfin, aus einer Majvratsfamilie, welche leer ausging, weil ihre väter­liche Wirtschaft eS ebenfalls kaum zur mühsamen Behauptung der Güter, geschweige denn zum Baar geldsammeln für fünf Töchter gebracht: da hatte sie noch das Glück gehabt, den verwitweten Baron zu angeln, obwohl die gute Situation des Herrn Barons sehr stark bezweifelt wurde, weshalb sie dies Glück später durchaus nicht anerkennen wollte.

Sie zählte hohe Dreißig, Kinder hatte sie zwar mehrere geboren, doch keines war am Leben geblieben. Darnach hatte sich eine übertriebene Magerkeit ihres Körpers eingestellt, weshalb sie sich nonnenhaft züchtig trug und jede freie,e Kleidung bei andern ihres Ge­schlechtes gern mißbilligte. Sonst war ihr Gesicht immer noch wohlbehalten bis auf die unvermeidlichen Spuren, die die Reife der Jahre gezeichnet, worunter namentlich ein gewisser vergrämter Zug um die Mund winkel zu rechnen war. Sie trat in bescheidenster Haustoilette ein und beugte sich zu dem reebnenbeu Baron, indem sie ironisch sagte:

Nun, mein Herr Gemahl, rechnen Sie wieder mit Ihren verlorenen Posten? Heut ist wieder der Erste, wo bleibt mein Wochengeld?"

Gedulde Dich, liebe Frau, Du weißt, ich besitze keinen Pfennig," entgegnete der Baron.Ich wußte keinen andern Rath, als daß ich noch einmal an den Bankier Wolf schrieb."

Also wieder an diesen Juden, der uns so tief in's Unglück gebracht hat . .

Weißt Du einen bessern Geldmann, so nenn ihn mir, ich will sogleich an ihn schreiben." Und er griff bereitwillig zur Feder, ein Zeichen, wie gern er mit diesem Stab an den Felsen zu klopfen ge­neigt war, wenn sich nur irgend einer zum Goldfluß öffnen wollte.

Was weiß ich?" schmollte die Ehehälfte.Ich weiß nur, daß mein Haushalt, so erbärmlich er auch ist, Geld verlangt. Ach, ach, ich eine geborne Gräfin Sparr! Wenn mir das Alles an der Wiege ge Jungen wäre!" klagte sie, die Schürze vorS Gesicht haltend.

Der Baron stand dabei auf und fiel entschuldigend ein:Klage nur nicht immer, wer kann für diese schlechten Zeiten!"

Kann ich etwa dafür! O, ich bin allein die Bedauernswerthe. Hättest Du die guten Zeiten wahr- genommen und da gespart, so wären heut nicht unsere Güter total verschuldet!"

Da sollte doch wenigstens in den guten Zeiten oie Frau Baronin brav geholfen haben, und doch konnte die Gräfin Sparr den Luxus nicht hoch genug spannen!" repheirte der Baron 'ruhig.

O, ich stieg schon hoch genug herab, indem ich einem Baron und Wittwer und sonst tief brouQirten

ein sehr gefährlicher Nebenbuhler Remusat's und Barodet's sein. Sowohl bei den Bonapartisten wie bei bett Legitimisten herrscht große Freude über ihre vollzogene Vereinigung und man weiß in der That noch nicht, wer ven Beiden sich eigentlich in das Netz des anderen gestürzt hat; ostensibel sind die Boimpartisten freilich die Führer, in der Stille aber rechnen die Legitimisten darauf, daß ihnen der etwaige Gewinnst an Macht doch zu Gute kommen müffe. Jedenfalls hat die Wahlversammlung am Samstag mit ihren lobenden Urtheilen gegen die Republik dazu beigetragen, Remusat's Aussichten zu vermehren und der letztere ist dem Erfolg in diesem Augenblick um Vieles näher als vor drei Tagen. Eine Hauptfrage bildet dabei natürlich die Haltung der Orleanisten. Die Wähler vom Samstag rühmen sich die monarchi­stischen Parteien alle drei zur Stühe zu haben. Das ist aber nicht richtig; abgesehen davon, daß viele Re- actioriäre und Pessimisten für Barodet arbeiten, abge- sehen davon, daß hervorragende Parteimäniier, wie Raoul Duval, die Betheiligung an den Arbeiten des Wahlcomitss ablehnen, erklärt Paris-Journal, daß es nicht in diesem (Semite vertreten sein wolle und btr Soleil", daö Leiborgan der Prinzen von Orleans, schließt sich Remusat an. Denn die erwartete Schwen­kung der Regierung ist, wenn auch nicht mit viel Ge­räusch, so doch deutlich eingetreten: Remusat hat bei einer vor dem Wahlcomits Allou gehaltenen kurzen Wahlrede einige ziemlich allgemeine Erklärungen ge­geben, welche den Wünschen der Conservativen hin­reichend entsprechen.Ich bin," hat er gesagt,bot Allem und über Alles der Kandidat der Ordnung, im Gegensätze zu Barodet, dem Candidaten der Re­volution." Die republikanischen Staatseinrichtungen, sührt er fort, seinenaugenblicklich" nöthig und tat augenblicklich / betont derSoleil," um zu zeigen, oafj die Zukunft nicht präjudicirt sei u. s. w. Die hiesigen Nachrichten über den englischen Botschafter posten lauten heute mit großer Bestimmtheit dahin, baß auf den Tausch zwischen Arnim und Manteuffel Verzicht geleistet und Graf Münster ernannt sei.I Von Charleville-MeziercS ist bereits das ganze Kriegs- geräth nach Deutschland abgegangen; die Stadt soll schon am 5. Juni geräumt werden.

Perpigua«, 22. April. Nach Meldungen am FigucraS vom 21. d. M. hat der dortige Alcalde an der Spitze der Freiwilligen nebst Regierungstrnppen einen Angriff aus die 400 Mann starke (Sarliftenbanbe unter Baramot gemacht. Die Carlisten flohen nachi zweistündigem Kampfe bei Annäherung der Regierung«- truppen und ließen Tobte und Verwundete zurück. Nachrichten aus Barcelona zufolge sind 70 carlistifchi Gefangene, darunter der Vicomte Bonold, nach Ceuta eingeschifft. Die Carlistenbande unter Malo wurde, nachdem sie dem Flecken Monistro! de Montserrat zur Abwendung einer Plünderung eine Geldcontri- bution auferlegt hatte, geschlagen und ihr die Beute und Waffen abgenommen.

London, 22. April. In der gestrigen Sitzung des Unterhauses begründete Fawcett die Bill betreffs Abschaffung des Festliebes ber Universität Dublin. Das Amendement Henrysches, welches dahin zielt, oie Frage einer königlichen Commission zu unterbreiten, wird von Gladstone bekämpft und zurückgezogen, wo-

Mann meine Hand reichte;" rief die stolze Gräfin. Ich verlangte auch niemals mehr, als das äußerst Nöthige, was der gute Ton, der Anstand und bk: Ehre des Hauses gebieterisch forderten. Aber bie NebenauSgaben, die der Herr Baron immer fid Pferde, Hunde und leichte Geschöpfe hatte, bas waren die Abgründe, in die das Meiste fiel."

Mochte der Baron alte Sünden fühlen obet nicht; die schwerste stand sicherlich vor ihm und et suchte auf der glatten Bahn, die in die endlose« Streitgefilde führten, innezuhalten, indem er sprach-

Sage mir nur, wozu es noch helfen soll, bei Du mich alten geplagten Männ mit solchen Vorwürfe« peinigst! Ach wie bin ich doch unglücklich!"

Durch eigene Schuld!" warf sie ein

Ich kann keinen Schlaf mehr finden, leide 8« Rheumatismus in allen Gliedern, an Beklemmungen auf der Brust"

Das sind die Folgen der Jugendsünden, das ist die billige Strafe!" eiferte die unerbittliche Logik bet Frau Gemahlin.Und wie Du auch klagst, da« Essen und Trinken schmeckt Dir ja vorzüglich, rocR« nur nicht immer am Besten fehlte, nämlich an de« Fasanen, Austern und Champagner."

Ach," seufzte der Baron in lebhafter Erinnerung, welche diese Worte hervorzauberten,die schöne« Zeiten, wo sind sie, in denen man dies noch habe« konnte!"

Du könntest es noch haben, wärst Du nur klug und wirthschaftlich gewesen, vor zwanzig Jahren ' (Fortsetzung folgt.)

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