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Sechs Minuten später kam der Herzog de Laroche- fcucaule, um derselben beizuwohnen, es war aber schon zu spät, denn die Mitglieder der Commission verließen die bereits geschlossene Sitzung schon wieder. Der Bericht über die Verhandlungen ist demgemäß bald erstattet. Als die Herren de Goulard und de Fourtou, die Vertreter der Regierung, eingetreten waren, fragte Herr Buffet, ob Jemand unter den Mitgliedern der Commission eine Frage an sie zu stellen habe. Allgemeines Stillschweigen. Seinerseits erklärte der Minister des Innern, daß er der Com­mission keine Mittheilung von Seiten der Regierung zu machen habe. Dann erklärte Herr Buffet die Sitzung für geschloffen. Im letzten Augenblicke noch erhebt sich Herr Tailhaud, um eine Frage an den Präsi­denten zu stellen. Darauf fragt Herr Nioche, ob die Sitzung wieder ausgenommen werde, aber Herr Ba- ragnon nähert sich dem Herrn Tailhaud, sagt ihm einige Worte ins Ohr und dieser erklärt, daß er seine Frage nicht stellen werde. Alle Mitglieder der Corn Mission waren zugegen, außer den Herren de Scgur und de Cazenoves de Pradines; der Eine ist schon länger unwohl und der andere hatte sich mit Familien­angelegenheit entschuldigt.

Rom, 19. April. Nach Ansicht der Aerzte ist der Papst fast vollständig geheilt. Die rheumatischen Schmerzen und der starke Schweiß ließen nach. — Herr von Krupp ist in Rom cingetroffen und von, Kriegsminister empfangen worden. — Eine russische Corvette von dem in das mittelländische Meer beor derten Geschwader ist in Neapel cingetroffen.

Madrid, 16. April. Das Schwurgericht ist nun auch thatsächlich, nicht allein auf dem Papier der Gesetzsammlung ins Leben getreten. Die erste Sitzung sand in Madrid bereits gestern statt. Die 48 Bürger, aus welchen die 12 Geschworenen zu wählen waren, erschienen pünktlich zur Stelle. Die Sache, welche dem Gerichte unterbreitet wurde, war eine Anklage des Mordes gegen Andres Fernandez Melcndez, der in Folge eines Wortwechsels einen gewissen Alvaro Alba erstochen hatte. Nachdem die Zeugen verhört worben, hielt der Staatsanwalt die Anklagerede. Hiermit schloß die erste Sitzung. Der 15. April ist in der Geschichte des spanischen Gerichtswesens also ein bedeutsamer Tag geworden. — Der vor längerer Zeit schon aus Berlin abgereiste spanische Gesandte Patricio de la Escosura ist nach einigem Aufenthalte in Paris am Dienstag in Madrid angekommen, wo er wahrscheinlich den ihm gewährten zweimonatlichen Urlaub zubringen wird.

Perpignan, 19. April. Aus Barcelona trafen folgende Nachrichten ein: Auf Ansuchen der spanischen Behörden ist französischerseits der Transport von 300,000 Cartouchen und Flinten, welche für Puig- cerda bestimmt sind, durch französisches Gebiet ge­staltet worden. — Der Carlisten-General Saballs passirte Nipoll, hart bedrängt durch Colvnnen der Regierungstruppcn. Eine Abtheilung der Letzteren, in der Stärke von 1000 Mann Infanterie, einer Schwadron Cavallerie und 2 Geschützen, erreichte die Bande Saballs in den Thälern Graudellas und sprengte dieselbe völlig auseinander.

Haag, 15. April. Das amtliche Organ der holländischen Regierung, der „Staatscourant" bringt in einer außerordentlichen Beilage einen Bericht über die kriegerischen Begebenheiten auf Sumatra: Nach einem heute Morgen (15. April) bei dem Departement der Colonieen eingegangenen Telegramm aus Buiten- zorg vom 12. April hat der General-Gouverneur durch ein am 9. d. M. von dem Regierungs-Com- missar aus Atchin abgesandtcs Telegramm (vermuth. «ch am 11. d. M. zu Penang aufgegcben) folgenden Bericht empfangen: Nach der Kriegserklärung Hal Atchin versucht, nochmals eine Frist zu erlangen. Neue Unterhandlungen wurden eröffnet, aber wieder abgebrochen, weil Atchin keine bestimmten Erklärungen geben wollte. Darauf sind durch unsere Kriegsschiffe, die den RegierungS-Commissar nach Atchin begleitet die Feindselichkeiten begonnen und mit Kraft fortge­setzt worden. Am 5. d. M. kamen die Truppen an. Durch den Commandanten der Expedition ward mit vier Compagnien eine RecognoScirung am Lande ausgesührt, welche befriedigend ausficl. Am 8. d. M. landeten die Truppen, mit Ausnahme der Ca- vallerie und eines TheileS der Artillerie, die am 9. d. folgten. Die ganze Landung ist gut gelungen. Sofort wurden die Operationen vorgenommeu. Man stieß aus einen hartnäckigen Widerstand mit, großer Todesverachtung. Bisher haben unsere Waffen gesiegt. Das Geschütz der Schiffe lhat aus­nehmenden Dienst. Bei dem Departement der Colonien tft somit nichts über Forderungen von Verstärkungen bekannt geworden, von welchen das in den Blättern verbreitete Reuter'sche Telegramm berichtet. Wahr­scheinlich hatte Reuler's Büreau keine Nachrichten über spätere Vorfälle, von welchen der Regicrungs |

Commissar an den General-Gouverneur Mittheilung gemacht hat. Nach einem gestern Abend in dem Co­lonial-Departement eingelaufenen Telegramm aus Luitenzorg vom 13. April hatte der General-Gou­verneur folgende nähere Nachrichten aus Atchin em- fangen: Bei dem Angriff auf eine Befestigung am 8. April ließ der Feind 80 Todte zurück. Von unserer Seile wurden 5 Offiziere und 41 Gemeine getödtet. Am 9. wurde eine Verschanzung, in welche durch das Schiff de Marnix Bresche geschossen war, ohne Wie­derstand genommen. Bei offensiven RecognoScirungen ward bisher kein Widerstand gefunden. Am 10. wird das Hauptcorps nachrücken. Man hegt günstige Er­wartungen."

Rewyork, 19. April. Die Offensivbewegung gegen die Medoc-Jndianer hat am Montag begonnen. Nach dreitägigem Kampfe sind die Stellungen derselben bei Lavabed genommen worden. Die völlig zerspreng­ten Indianer werden durch Cavallerie verfolgt und erhalten keine Schonung des Lebens. Die Truppen haben 5 Todte und 10 Verwundete verloren. Der Verlust der Indianer ist unbekannt, doch ist ein Häupt- ling gefallen. — In dem Dorfe Colfax in Louisiana hat ein schrecklicher Kampf zwischen Weißen und Negern stattgefunden. Der Kampf hatte seinen Ursprung in einem Streit zwischen zwei Reihen Candidaten, die beide zu den Grafschafts - Aemtern gewählt zu sein wünschten. 400 Neger hatten das Amtöhaus besetzt und von Baumwoll-Ballen Brustwehren errichtet. Die Weißen, 150 Mann stark, erstürmten diese, und die Neger zogen sich in das Innere des Hauses zurück und verbarrikadirten die Thüren. Darauf zogen sie eine Friedensflagge auf, schossen jedoch auf die heran- nahende Deputation der Weißen. Diese brannten das Haus darauf nieder, tödteten etwa 100 Schwarze und verwundeten viele. Ueber 200 Neger sollen verbrannt sein. Ein anderer Krawall fand zu Knighstown in Indiana statt. Die strikenden Bergleute machten einen Angriff auf die Neger, welche sie ersetzt hatten. Die ganze Stadt betheiligte sich an dem Kampfe. Militär wurde herbeigeholt. Die Ruhe ist wiederhergestelll worden.

Halifax, 18. April. Nach dem Resultat der Unterjuchung über den Schiffbruch der „Atlantic" hätte der Capitän abgesetzt werden können; angesichts seiner Anstrengungen für die Rettung der Passagiere wurde indeß nur eine Suspension für zwei Jahre verfügt.

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Fulda, 18. April. Wir Haden leider abermals von einem Criminalfalle, der sich vorgestern im be­nachbarten Dorfe Pilgerzell zugetragen hat, zu be richten. Der Bauer Clemens Müller daselbst, der bereits seit geraumer Zeit in ehelichem Unfrieden mit seiner Ehefrau lebte, hat nämlich dieselbe durch Schläge auf den Kopf getödlet Heute Morgen erfolgte die Verhaftung des Thälers, des Leichenbeschauers und einer Dienstmagd, welche sich bei dem Familiendrama ebenfalls verdächtig gemacht haben. — Bei dem vor­gestern stattgehabteir Brande der Domäne Nonnenrod sind 8 Stück Riirdvieh mitverbrannt. Man muthmaßi allgemein, daß daß Feuer vorsätzlicher Weise angelegt worden sei. Der Thäter ist bis jetzt noch nicht er­mittelt worden. (H. M.)

Hauau, 15. April. Gestern wurde hier Rechts­anwalt Gottfried Flohr zur Erde bestattet, den ein Herzschlag in einem Alter von 46 Jahren den Seinen entrissen hat. Der so früh Hingeschiedene ist eine in weiteren Kreisen bekannte literarische Kraft, besonders war neben novellistischen und politischen Arbeiten das humoristische Fach fein Vergnügen, und es hat wohl wenige Witzblätter gegeben, denen er nicht naher ge­treten wäre. Seine hiesigen Freunde haben ihm ein ehrenvolles Leichenbegänzniß bereitet und ein Schul- tamerad unter den hiesigen Predigern ihm die Grab­rede gehalten. Er hinterläßt eine Witlwe mit noch zwei unerzogenen Kindern.

Bermischles.

— Domänenpächter Böckler schreibt aus Treuen bei Loitz, daß das in Livland gefundene Mädchen nicht seine Tochter Anna sei. Ebenso wird die Nachricht widerlegt, daß das Kind auf dem Heuboden als Leiche gefunden sei.

Ernennungen, Verleihungen re.

Der bisherige Privatdocent an der Universität zu Berlin Lie. theol. und Dr. phil. Georg Heinrici ist zum außer­ordentlichen Profeffor in der theologischen Facuttät der Uni­versität zu Marburg ernannt worden. Die Referendarien Fürer und Schenk tm Bezirk des Appelationsgerichtes zu Raffel sind zu Affefforen ernannt worden.

Kirchliche Nachrichten der Stadt Kirchham

vom 8. bis 15. April 1873.

Geborene.

= Henrich, des Uhrmachers Johann

Wilhelm Hause S-

Gestorbene.

- • EA°lnth- Gem.: t) Der Metzzermeister undKirchen- lemor Johann Heinrich Daube, 70 I. 7 M. u. 26. T- alt. 2) Georg, des verstorbenen Mühlenbesitzers Heinrich Prediaer S-, 2 I. 3 M. u. 13 T. alt (im Mühlgraben verunglückt).

Telegraphische Depesche» -er Ober« hessischen Zeitung.

Breslau, 20. April. Bei einer gestern stattge­fundenen Versammlung angesehener Mitglieder bet Fortschritts-, Nationalliberalen-, Alttiberalen-, Frci- conservativen- und Nationalconservativen Partei, da­runter zahlreiche Abgeordnete, hat beschlossen, bei den Wahlen in Schlesien gemeinsam Front zu machen gegen uhramontane und verwandte Candidaturen und entsprechende öffentliche Kundgebungen zu erlassen.

Bromberg, 20. April. Der Regierungspräsi­dent Mäurach ist heute Morgen Hierselbst am Schlag­fluß gestorben.

Darmstadt, 20. April. Gemäß einem Wunsche des Verstorbenen soll die Beerdigung des Professor Liebig in seiner Vaterstadt Darmstadt stattfinden. Näheres über den Tag der Beisetzung ist nicht be­kannt.

Mannheim, 20. April. In Folge der jüngsten Excesse, deren Heerd die social-demokratischen Wühle­reien, wurden sämmttiche Volksversammlungen auf die Dauer von vier Wochen verboten.

Paris, 20. April. Gestern Hal sich das conser- vative Wahlcomito zu Rsmusat begeben, welcher er­klärte, daß seine Candidatur vor Allem eine Candidatur der Ordnung, der Freiheit und der Versöhnung sei. — Die Blätter veröffentlichen ein Schreiben Valeittin's, des früheren Präfecten zu Straßburg und Lyon, worin derselbe die Candidatur Rsmusat's befürwortet. — 'Mehrere Journale betrachten die gestern im Herz'schen Saale stattgehabte Versammlung als Beweis einer Allianz zwischen Bonapartisten und Legitimisten.

Rom, 20. April. Der Papst ist heule Morgen 71/? Uhr aufgestanden. Derselbe wird eine Messe edebriren und zwei Personen, welche eine Opfergabe von PeterSpfennigen überbringen, empfangen.

Petersburg, 20. April. Für den Empfang des deutschen Kaisers sind folgende Anordnungen getroffen: In Wirballen wird eine Ehrenwache mit Fahne und Muflkcorps von den Petersburger Grenadieren Königs Friedrich Wilhelms III., in Gatschina eine Stan­dartenwache und das Trompetercorps vom Dragoner- Regiment des Militärordeils, in dem Bahnhose zu Petersburg eine Ehrenwache von dem dem deutschen Kaiser gehörenden Kalugaregiment, im Winterpalais eilte solche ans dem Preobraschenskoi Regiment, beide mit Fahnen und Musikchören, aufgestellt. Von dem Warschauer Bahnhof bis znrn Winterpalais bildet das Militär Spalier in einer Länge von 2V2 Werst. Von der Petersburger Citadelle werden 21 Salut­schüsse abgefeuert. — Anläßlich des Osterfestes verlieh der Kaiser dem Gesandten Orloff zu Paris den weißen Aolerorden, dem Legationsrath Okonneff ebendaselbst den Annenorden erster Klasse, dem Legationsrath Wassitschikoff zu Wien den Stanislausorden erster Klasse, dem Ministerresidenten am großh. Hess. Hofe, v. Osten-Sacken, sowie dem Bevollmächtigten am ba­dischen Hofe, Koloschin, die Geheimrathswürde, dem Ministerresidenten in Hamburg, v. Vegesack, dem Ge­sandten in Kopenhagen, Morenheim, sowie dem Lega­tionsrath Bartholomäi in London die Würde eines wirklichen Slaatsralhcs. — Der „Russische Invalide" theilt mit: Den neuesten Nachrichten zufolge war die zu Krasnowodz zusammengezogene Truppenabtheilnng Ende März ausgerückt. Am 12. März (neuen Styles) hatte die Tschikischler Abtheilung mit den Turkoinanen zwischen dem Alrekfluß und dem Gnerganfluß ein Scharmützel. Die Truppen kehrten am 18. März auf. oas rechte Atreknfer zurück, nachdem sie den ganzen Rayon von den räuberischen Turkomannen gesäubert hatten, wobei der Commandant der Persischen-Festung Achkala den russischen Truppen die Uebcrschreitung des Guerganflusses über die FestnngSbrücke gestattete.

Stockholm, 19. April. Die scaudinavische Münzconvention ist heute von beiden Kammern mit bedeutender Majorität angenommen worden.

Penang, 20. April. Alle holländischen Truppen haben sich nach der Küste zurückgezogen und hinter Pallisaden verschanzt, die Position erscheint aber un­haltbar, weil die gegenüber stehenden Truppen der At chinesen sehr bedeutend sind, und die Regenzeit begonnen hat. Die Verluste der Holländer an Tobten und Ver­wundeten werden auf 500 geschätzt, die Verluste der Atchinescu sind unbekannt, aber sehr bedeutend.

Telegraphische Cours- und Marktberichte.

Frankfurt a. M.. 12 April. (SLluß -Course). Staatsbahn-Actien 365, Elisabeth 264Z, Galizier 243j, Lombarden 2>4z. Nordwestbahn 232, Srebitactien 355J, Silberrente 67s,, Papierrente 65, 1860r Loose 95, National­bank 1007, Spanier 20), 1882r Amerikaner—, Darmstädter Bank —, Effectenbank —, Kurheffen 97$

Berlin, 21 April. (Anfangscourse). Creditactien 2034, Staatsbahn 206Z, Lombarden 117, Ämerik. 97|.

Wien, 21. April. (Anfangscourse). Creditactien 332.00, Lombarden 191.50, Napoleons 8.71.