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JUatßurg, Sonnabend, den 19. AM.
1873.
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soll bei diesem Beschlüsse auch u. A. davon ausge- gaugen sein, daß dem Gesetze die Garantie dcS Kaisers gesichert sei, eine Annahme, welche zur Zeit jede Bestätigung entbehrt.
— Zur Reise Sr. Majestät des Kaisers nach Petersburg am 24. d. M. sind die Personen des Ge folges bestimmt, und wird der Kaiser im ganzen Glanze seiner Macht in Petersburg erscheinen. In den Ateliers mehrerer Juweliere wird eifrigst an den brillantenen Ordensdccorationen und den Geschenken gearbeitet,. die der Kaiser mit nach Petersburg nehmen wird. Für die nächsten Tage ist der Hof mit den Zurüstungen zur Hochzeit des Prinzen Albrecht be schäftigt. Freitag oen 18. kommt die Braut von Altenburg aus auf dem Anhalter Bahnhof an, wird nach Schloß Bellevue geleitet, wo die ganze königliche Familie versammelt ist und sie empfängt, und wo sie bei ihrer Schwägerin, der Herzogin Wilhelm übernachten Samstag Mittags 12 Uhr die Einholung nach Berlin durch die Kronprinzessin, wo ebenfalls die königliche Familie im Schloß versammelt ist und sie empfangt. Abends 7 Uhr Trauung. Der Bräutigam wird nach seiner Ankunft aus Hannover die Gemächer im königlichen Schlosse beziehen, welche nach üb licher Hofsitte von den Neuvermählten nach der Hochzeit
daß der deutsche Gesandte in Konstantinopel, v. Keu- dcll, den Gesandtschaftsposten in Rom erhalten und in Konstantinopel durch den Gesandten in Dresden, v. Eichmann, ersetzt werden wird. Den Gesandtschaftsposten in Dresden erhält Gras Solms-Sonnenwalde.
Posen, 16. April. Am katholischen Gymnasium zu Ostrowo haben auf Anfrage seitens des DireclorS vier Klassen-Ocdinarien, von denen drei polnischer, einer deutscher Nationalität, sich bereit erklärt, in drei Klassen den Religionsunterricht zu ertheilen und zwar gemäß den Anordnungen der Regierung über die Unterrichtssprache beim Religionsunterrichte in den höheren Lehranstalten der Provinz.
Wiesbaden, 16. April. Seit dem Uebergangc des ehemaligen Herzogthums Nassau an Preußen ist die Regierung unausgesetzt bemüht, die landwirthschaft- lichen Verhältnisse auf dem hohen Westerwalde einem besseren Zustande entgegenzuführen, und ist die Förderung der FlachSkultur als eins derjenigen Mittel erkannt worden, die diesem Zwecke zu dienen geeignet sind. Ein von der betreffenden Behörde in dieser Beziehung abgefaßter Bericht verzeichnet recht erfreuliche Fortschritte. Im Auftrage der Regierung war der Flachsbau-Instruktor Baudach von Anfang August bis Ende September auf dem hohen Westerwalde anwesend, um seine Erfahrungen in der Kultur und Behandlung des Flachs den dortigen Flachsbauern mitzutheilen und praktisch einzuführen. Die Regie, ru^'g . hat ferner wiederholt gute Flachskulturen prämiirt und wird hiermit fortfahren. Um dem erzeugten Produkte einen guten Absatz zu verschaffen, lst zu Herborn ein Flachsmarkt eingerichtet worden, der schon daS erste Mal mit 4500 Pfund Flachs be- fchickt wurde. — Es läßt sich aus den Mitiheilungen ersehen, daß die gepflegte Flachskultur im hohe» Westerwalde die Hoffnung zu einer bedeutenden Einnahmequelle in dieser Gegend geben wird. Auch wird von der Staatsverwaltung versucht, auf anderen Wegen einen größeren Wohlstand daselbst Hervorzurusen.
AuS dem Waldeck'schen, 9. April, wird der „Hdls.- und Börsen-Zig. für Rheinland-Wests.-
„DaS lassen Sie meine Sache sein," fiel ihm hier der Bankier in's Wort." Antonie ist vernünftig und folgt stets meinen Rathschlägen. Den mißglückte» Bräutigam hatte ich ihr ja auch ausgesucht und mein Wille und meine Ueberzeugung thun schon daS Uebrige. Sie können nun übersehen was ich mit meinem Geschäft vorhabe. Ich will mich nachher auf's Land zurückziehen, thun doch alle großen Leute und Minister daS Gleiche. Sie werden mein Compagnon in der Stadt und der Tod nur soll uns scheiden."
„Welch ein Glück, welche Ehre!" rief der CommiS in Exstase. „Ich muß gestehen, mir schwindelt« vor den Augen. Wenn ich nicht träume, wenn daS Alle- wahr wäre, oh! Sie können versichert sein, daß ich mich all dieser Auszeichnungen werth machen werde —"
Ra, keine Umstände lieber Kleinschmidt. Hier ist meine Hand, schlagen Sie ein."
Der glückliche Disponent faßte natürlich mit seinen beiden Händen nach dem dargestrecklen Bundeszeichen uild schüttelte sie kräftig.
„Nun kommen Sie zum Wagen, wir müssen nach Walslcbcn hinüber, dort werden Sie erst den Baron dieser Güter sehen. Zugleich helfen Sie mir den alten Wolfram von Röbell, den einzigen Seiten- verwaudten, sondiren, was er von dem Berkaus denkt." —
„O ich eile, ich fliege, wo ich Ihnen dienen kann!" rief Kleinschmidt. „Erst daS Gut, Herr Principal und dann gelegentlich auch den Titel, Baron von Wolf, Majoratsherr von Walslcben und Zubehör." Der Bankier wehrte mit den Händen diese HoffuungS- leiter von sich, allein sein treuer Paladin rief voll Eifer: „Sind die Rothschild'S nicht auch Barone geworden? Mil Geld erwirkt man Alles."
Er aber selbst schwamm in dem seligen Entzücken all dieser Aussichten, er fühlte sich als der Schwieger-
eingenommen zu werden pflegen, bis alle die Hoffestlichkeilen absolvirt sind. Unter diesen wird nach der Trauung auch der althergebrachte Fackeltanz wieder zuin Vorschein kommen, bei dem unsere Minister nochmals ihre Füße nach dem Tact der Musik auf dem Parket in Bewegung setzen müssen. Am sog Lendemain, also nächsten Sonntag, erfolgt die Vorstellung und Be- glückwünschung der ganzen Hofgesellschaft für Neuvermählten, und zwar in einer Sprechcour.
Hofstaat des jungen Paares ist nun durch Ernennung des Premicrlcutenants im Regiment ... Garde du Corps, v. Minnigerode, zum dienstlhuendeu Kammerherrn der Prinzessin Albrecht vervollständigt. Die Trauung wird der Hofprediger Dr. Kögel vollziehen, da der Generalsuperintendent, Dr. Hoffmann, nicht unbedenklich erkrankt ist.
Das Majorat.
Historisches Familiengemälde von M. A. Niendorf.
(Fortsetzung.)
Der Disponent nickte und ahnte immer noch nichts; k blickte mit seinen grauen Augen auf die Nase seines Prinzipals, als horchte er auf einen Geschäftsauftrag
Bankier fing daher in Anbetracht der wichtigen dache, die er vorhatte, noch einmal feierlich mit einer 8tt Einleitung an.
„Alle die neidischen Jugendfreundinnen Antoniens Sachen und spotten über sie. Sie hatte den Hochzeitö- tonj im Haar, und der Bräutigam blieb aus. Ich ®ug sie nun so bald als möglich verheirathen; dies Hkschäft soll mcinetwegen und ihretwegen rasch ab- Ahan werden. Nun habe ich überlegt — viel über- i At: Ich finde keinen Besseren und Passenderen, den
mir zum Schwiegersohn wünschte. . . Der Kauf ®»nn hielt inne, blickte seinen staunenden Disponenten Island auf und brach dann plötzlich heraus: „mit
Wort, Kleinschmidt, wollen Sic Antonien Mathen?"
Der ehrsame Disponent zuckte zusammen, wie vom Schlag getroffen, der Athem blieb ihm aus, so stark ■tirltt diese Ucberraschung, endlich stotterte er heraus:
„Ei, ei, mein hochverehrter Herr Prinzipal, bedien Sie Ihren Scherz mit mir zu treiben?"
„Behüte! wie werde ich in solchen Dingcn scherzen!" ^Skgnete Jener.
„Aber," stammelte in schwankender Fassung der *®»mi8, „Sie sprechen so ... . in einer Laune, sie manchmal Einem kommt ..."
^„Nein, nein, lieber Kleinschmidt; ich habe reiflich ksr meine ausgesprochene Absicht erwogen, denn ich ™te sie für das Glück meines Kindes."
Jetzt wurde Kleinschmidt mit einem Male wie ^gewandelt; wenn er vorher gleichgültig den Ehe ^ulationen seines Herrn zugchört, weil er bis zu *ssm letztem Wort sich nicht träumen ließ, daß Er
ber. öu öftere Sinken der Bauhandwerker lähmend ein, — so daß der Wohnungsmangel, namentlich für kleine Beute, in Berlin noch stark fühlbar ist. —. Nach Nach kj($ lichten aus Braunschweig wird ziemlich bestimmt consta
irt, daß der bekannte Beschluß der Landcsversammlung durch Ueberrumpelung der Abgeordneten und durch Verletzung der Geschäftsordnung herbeigeführt ist, man
— Von bestunterrichteter ©eite wird bestätigt, der Gegenstand derselben sein könnte, so leuchtete jetzt ein förmliches Entzücken von seinem röthlichcn Angesicht. Seine grauen Augen sprühtet, Blitze, gleichsam im Widerschein der Tausend und abertausend Goldstücke, die vor seiner Einbileungskraft umhertanzten, ©o stand er dem kleinen gebeugten Wechsler gegenüber, der ihn mit seiner Freundlichkeit, wie ein leibhaftiges Fragezeichen anblickte. Endlich ermannte sich der Disponent und dienerte in fieberhafter Freundlichkeit :
„Gehorsamster Diener, gehorsamster Diener! . . . Sie überraschen mich vollkommen. Ich, ach, ich armer Mann und solche Partie! .... O ja, Herr Prinzipal, Einiges bringe ich Ihnen auch entgegen, so etwa eine zwölftausend Thaler, im Vertrauen, habe ich mir bereits erspart."
„Das ist aller Ehre werth und birgt mir für die Trefflichkeit meiner Wahl, obwohl ich daraus nicht sehe. Ich kann Ihren Kopf und Ihre Grundsätze wie zwei Capitalien als Ihr bestes Saldo verrechnen. Was wäre ein Bräutigam mit 100,000 Thalern, ®enn er unrichtig spcculirte, um das Seinige käme und vollends meine Locher um das ihrige brächte durch falsche Anlage oder Verschwendung, Luxus und dergleichen?"
„Verschwendung, LuxuS! ganz recht, Herr Chef. Das ist durchaus nicht meine Passion, aber, 6e- dachten Sie, den Unterschied der Jahre anlangcnd ..."
„Ei was, Sie sichen noch in den Dreißigern, im besten Alter, sind gesund und rüstig . . . ."
„Ganz gewiß, srijch und gesund, kein Arzt löste von mir noch einen Groschen, aber . . . aber . . ."
„Nun, was gäb es noch sür ein Aber?"
„Wenn auch der Herr Prinzipal so überaus wohlwollend von mir denken, wird das vornehme Fräulein Tochter ebenso zufrieden sein? Ich gestehe, sie war stets gütig und zuvorkommend gegen mich allein — "
un? Aiertagen. Preis für das Quartal durch die Expedition (Äoch'sche Buchdruckerei) bezogen 22z Sgr., durch die
Postämter 27 Sflt. (excl. Bestellgebühr und tncL Stempelsteuer), für das Ausland cxcl. Stempel 22 Sgr. — Jnscrtionsgebühr für die gespaltene Zeile 1 Sar Sämmtliche Ännoncen-Büreaus nehmen Inserate an.
Deutsches Reich.
•• Berlin, 17. April. Nach der „Corresp. St." soll Se. Majestät bereits dem Gesetz, den Woh : mmgszuschuß der Beamten betreffend, die Sanction ercheill haben, jedoch wurde diese Correspondenz veranlaßt, diese Nachricht zu demenliren und dieses konnte mit Recht geschehen, da nach zuverlässiger Angabe daS Gesetz Allerhöchst noch nicht genehmigt ist. — Die Prügelstrafe ist sowohl im Ressortbereich des Ministeriums des Innern, als auch deS Justizministeriums aufgehoben, in einzelnen Arbeitshäusern hat jedoch diese Strafe noch Anwendung gefunden. Durch Verfügung des Ministers deS Innern soll künftighin auch in diesen Fällen die körperliche Züchtigung fortfallen. — Die „Kreuzztg." bringt die Nachricht, daß durch das Ausscheiden des Geh. Rath Greiff aus dem land mrthschaftlichen Ministerium die frühere Absicht in Ausführung kommen werde, einen Director in diesem Ministerium zu ernennen. Diese Nachricht leidet schon deshalb an Unglaubwürdigkeit, weil in dem Etat ein solcher Posten nicht in Ansatz gebracht ist, überhaupt aber war die Absicht, eine solche Stelle zu creiren, nur für den Fall, wenn das Ressort des landwirth- schafllichen Ministeriums erweitert werden würde. — Die Zahlenstatistik über die Bauthätigkeit in Berlin weift einen erheblichen Aufschwung in dieser Branche nach, welcher am besten constatirt wird durch die 33er mehrung der ertheilten Bau-Conseuse, die im Jahre 1871 2497 und im Jahre 1872 3820 betrug. In diesem Jahre ist die Bauthätigkeit noch in weiterem Wachsen begriffen, denn nicht nur zahlreiche Privat- iautcn, sondern auch die große Zahl von Actien Gesellschaften für Bauzwecke bekunde» gerade auf diesem Felde eine erhöhte Wirksamkeit, und wirken die hohen Preise der Materialien, die hohe» Arbeitslöhne und