im Werthe von 164,972 Fr. und versorgte die Am- putirlen mit künstliche» Glieder»; es beherbergte in seinen Zufluchtsstätten über 1000 Personen, beschäf tigte über ein Jahr lang Hunderte verdienstloser Arbeiterinnen, unterstützte die Volksküchen und mildthä tigen Anstalten der Stadl, lieferte den Ackergärtncrn die Mittel, ihre Felder anzusähen, den Handwerkern und Industriellen diejenigen, ihre Arbeiten wieder auf- * zunehmen, und dehnte endlich seinen Wirkungskreis auf andere Gemeinden des Elsaß und Lothringen aus.
Ausland.
Wien, 7. April. DaS Herrenhaus hat seine letzte Sitzung vor den Ostern abgehalten und in derselben die Vorlage über die Regelung der Beamten gehalte entsprechend den Vorschlägen der Regierung genehmigt. — An die Mitglieder der Delegationen wurde heute das Rothbuch vertheilt. Auf 104 Seiten sind in demselben 64, mitunter sehr umfangreiche Aktenstücke abgedruckt, die ihrem Inhalte nach wesent lich in drei Partien zerfallen. Die weitaus umfangreichste, 43 Aktenstücke umfassende, betrifft die Laurion Frage. Tie zweite Partie enthält 11 Aktenstücke über die Mission nach Persien und die letzten acht Depeschen die Korrespondenz, die Ausführung des Handelsvertrages mit Frankreich betreffend. In betreff der Lourionfrage wird in einem Briefe Andrastys an v. Pottenburg in Athen zunächst erklärt, daß das Wiener Kabinet nicht daran gedacht, sich mit seiner Vermittelung in den Angelegenheiten zu belasten, sondern daß es sich beschränkt habe, seine guten Dienste anzubieten. Die Aktenstücke über die persische Mission beziehen sich auf die Akkreditirung und die Reise des Grafen Dubsky und enthalten die Mittheilungen, daß Mirza Malcom Khan in außerordentlicher Mission von Teheran nach Wien abgehcn werde. Interessant von dieser Partie ist eine Beschreibung der Antritts- Audienz deS Grafen Dubsky aus der offiziellen Teheraner Zeitung „Iran". Die Correspondcnz über die AuSsührung deS Handelsvertrags bezieht sich auf die Differenzen, die wegen der neuen französischen Zollgesetzgebung zwischen der österreichischen und der französischen Regierung entstanden sind und werden wir auf diesen Theil des Rothbuchs wohl noch ausführlicher zurückkommen. — Die direkten Wahlen für den Reichsrath sollen wie Wiener Journale hören, im Monat Oktober stattfinden. Vor Ausschreibung der direkten Reichsrathswahlen werden die Landtage einberufen werden, deren Session für September in Aussicht genommen ist. — DaS ungarische Budget für 1874 ist, wie „Pesti Naplo" mittheilt, bereits zusammcngestellt. Im Ordinarium werde das Budget ein Defizit von kaum zwei Millionen, im Extra-Ordinarium ein Defizit von 10 Millionen auf- weisen. In dem Voranschlag sind auch die Kosten für die Honved Kavallerie eingestellt.
Bern, 9. April. Einer Nachricht des „ProzröS" zufolge haben die Geistlichen des Jura von der Kanzel aus erklärt, daß sie sich den Suspensions-Beschlüssen des Regicrungsrathes fügen werden.
Paris, 8. April. Endlich hat die National-
Versammlung ihre Osterferien angetreten. Man athmet auf, und wie Tobten, von denen man nur Gutes fiedet, wünscht man den Abgeordneten alles mögliche Angenehme, vorzüglich aber Gemüthsruhe bei der auf den 19. Mai anberaumten Rückkehr nach Versailles. Aber die Stimme der Vernunft findet bei den Royalisten wenig Gehör; taub und blind gehen sie ihren Ideen nach wie echte Romantiker, die von der Welt nichts wissen wollen, wenn sie nicht mit Lilien besäet, und glauben, der Himmel falle ein, wenn er nicht in den Farben der päpstlichen Fahne schimmere. Die heutigen Blätter predigen den heimkehrenden Landboten sammt und sonders Vernunft und an Warnungen hat cs alleidings nicht gefehlt, aber wenn noch etwas helfen kann, so wird es vielleicht die Erfahrung 'sein, daß die souveraine Versammlung überall in Stadt und Land im Mißcredite steht und ohne allen nutzbaren Anhang ist. Auch das Journal des Debats weist heute diese sbraven Leute und schlechten Musicanten aufs Ausland hin, besonders auf den Speclator. Aber wenn die Abgeordneten Deutsch verständen, würden sie noch ganz andere Dinge hören. Das Journal des Debats will aber diese deutschen und italienischen Stimmen nicht ansühren, „um seine Leser nicht zu ermüden," — eine Wendung, die der französischen Artigkeit mehr Ehre macht als der französischen Aufrichtigkeit. Das Siecle macht den feinen Witz: „Tie National-Versammlung ist zur Ruhe gegangen, gestern Abend halb 12 .Uhr." Dieses Blatt betont wieder, daß „die Frechheit der Reactionäre nicht so groß wäre, wenn die Regierung mehr Festigkeit zeigte und den Feinden der Republik begreiflich machte, daß sie dieselbe ihnen nicht aus liefern könne." Das Univers wirft heute der Demokratie vor, sie könne nur unterwühlen, aber nicht ausbauen; aber könnet» denn die guten Freunde des Univers mehr? Seit 1789 wühlen und wirthschaiten sie im schönen Frankreich unter den günstigsten Ver- hältnissen und immer, wenn sie den Bau unter Dach zu haben glauben, stürzt er ein. Weil» Frankreich mit politischen Trümmern bedeckt ist, so haben die Schwarzen sicherlich nicht weniger dazu beigetragen, als die Rothen, und cö steht den Ultramontanen übel an, sich ihrer Bauverständigkeit besonders zu rühmen. Eher sollten sie über den schlechten Boden klagen, aber dos ganze moderne Europa ist nun einmal peträijch sür die Politik des Nachfolgers Petri geworden; und dieser würbe sich sicherlich besser stehen, wenn er niemals eine Politik gehabt, sondern dem Spruche treu geblieben wäre: „Mein Reich ist nicht von dieser Welt!" So lange diese Thatsachen den ultramon- taneu Organen als Ketzereien erscheinen, ist freilich an keine Besserung der Verhältnisse zwischen den politischen „Baumeistern" von der rechten und denen von der linken Seite zu hoffen.
Versailles, 9. April. Die Permanenz - Corn Mission hielt gestern unter dem Vorsitze Buffet's die erste Sitzung. Sie beschloß, jeden Sonnabend eine Sitzung abzuhalten, und sprach die Erwartung aus, ,daß die Negierung in jeder Sitzung das auf die all
gemeine Lage des Landes Bezügliche mittheilen werde. Nächste Sitzung am 19. d. M.
Rom, 8. April. Die Nachrichten über das in der Provinz Salerna seit Ankunft der Kaiserin von Rußland angeblich wieder hervortretende Briganten- thum werden von der „Italic" als reine Erfindungen bezeichnet, die im Auölande in böswilliger Absicht verbreitet würden. In einem an daffclbe Blatt ge- richteten Telegramme des schweizerischen Consuls in Neapel wird die Meldung von der Gefangennahme eines schweizer Bankiers durch Briganten für völlig unwahr erklärt.
Madrid, 6. April. Der Sonntag sollte auch heute wieder dazu benutzt werden, um eine Kundgebung gegen den Gcmeinderath, der den Hitzköpfen nicht roth genug ist, vom Stapel zu lasten; aber der Negierung und einigen angesehenen Häuptern der re- publieanischeii Partei gelang es, den Anstiftern ihren Plan auszureden. In Granada ist ein großer Aufzug nebst öffentlichem RedeaktuS veranstaltet worden, um die Abschaffung der Todesstrafe zu verlangen; die Menge wollte alle Todeswerkzeuge verbrennen. Dann müßte zuerst die Reihe an die zur Bewaffnung deS Volkes ausZetheilten Gewehre kommen, denn jeden Tag treffen Nachrichten ein — so ganz kürzlich auch auS Granada — , daß Freiwillige sich selbst, oder, was noch schlimmer ist, irgend einen Gefährten durch ihr Ungeschick im Prüfe» der Schußwaffen vom Leben zum Tode bringen.
Lissabon, -8. April. I» der heutige» Sitzung der Depulirtenkammer erwiderte der Miuister Avelino auf seitens der Opposition gestellte Anfrage, daß die Regierung von der Ankunft mit Geldmitteln versehener revolutionären Agenten aus den Journalen Kennlniß gewonnen und die erforderlichen Vorsichtsmaßregeln getroffen habe. Der Deputirte Santos Silva machte darauf aufmerksam, daß die größte Gefahr in der Solidarität gewisser einheimischer Parteien mit Fraktionen im Auslande liege; er fei jedoch überzeugt, daß im Augenblicke der Gefahr alle in der Kammer vertretenen Parteien zusammenhalten würden. Der Minister des Auswärtigen de Fonteö-Pereira de Mello gab die Erklärung ab, daß die Regierung die guten Beziehungen zu Spanien aufrecht zu erhalten bestrebt sei. — Wie verlautet sollen revolutionäre Agenten in Oporto und in Lissabon eingetroffen sein; die Oppo» sitionsjournale behaupten indessen, daß diese Nachricht nur von der Regierung verbreitet werde in der Absicht, sich auf ihrem Posten zu erhalten.
London, 7. April. Das auf Antrag Plimsoll's vom Parlament eingesetzte Comils, welches Maßregeln zum Schutze der Seeleute vorschlagen soll, ist unter dem Vorsitz seines Präsidenten, des Earl of Shastes- bury, zusammengetreten. Es wurde beschlossen, von den Verhandlungen nur die Beschlüsse, nicht die Discussion zu veröffentlichen. — Sobald als thunlich gedenkt die Regierung nach den Osterferien dem Parlament den längst entworfenen Gesetzentwurf zur Reform des GemeindesteuerwescnS vorzulegen. Es ist nunmehr beschlossen worden, in der neuen ©teuer»
vier Dörfern waren bald an zehntausend Thaler genommen , andere zehntausend mußten wieder aufgewendet werden, um das geraubte Vieh, das fehlende Saatgetreide, die Gartenzäune, die Thüren, die Fenster, das Stroh auf den Dächern, u. dergl. zu ersetzen, denn der Feind hatte zufällig wochenlang in der Gegend bivouakirt und dabei genommen, wo er's fand.
Nach wenigen Jahren der Ruhe, in denen Überbein das Getreide im Preise fiel und damit die Pachtsummen herabgingen, wozu die trüben unsicheren Zeiten nicht wenig beitrugen, kam gar die neue KriegSzeit von 1812 — 15 und traf den Baron wieder als Selbstwirthschafter, da ihm das Verpachte» nicht mehr gefiel; — damit hatte er den Grund zu seinem sicheren Ruin gelegt; denn auf die Hoffnung hin, in eigener Direction das zu verdienen, was seine Pächter schluckten; hatte er sich bis auf 50,000 Thlr. verschuldet, um die Pächter mit ihren Jnventarforde- rungen zu befriedigen. Statt hiervon abzuzahlen, ge- rieth er immer tiefer in Schulden.
Während der unruhigen Zeiten waren die vielen Gläubiger, die natürlich nur gegen Wechsel auf kurze Zeit dem großen Gutsherrn geborgt hatten, noch still, allein mit dem Ende des Krieges begann das Drängen, Laufen, Verklagen, Exequiren und alle dergleichen widrige Umstände, die obendrein immer wieder Geld kosteten.
Endlich mußte sich der Herr Baron wohl ober- übel mit seinen Drängern setzen. Die Güter wurden adrninistrirt, die Revenüen deS Majorats sollten so lange den Gläubigern zusaüen, bis die Schulden bezahlt waren. Er selbst mußte sich mit einer schmalen jährlichen Rente von 500 Thalern zufrieden geben.
So war es gekommen, daß bet ehrbare Majoratsherr von Röbell im Jahre 1816 nicht einmal mehr
auf seinen Güter» wohnte, sondern in der Provinzialstadt M....., in einem engen Gäßchen ein be
scheidenes Häuschen hatte beziehe» müssen. Er mußte der Equipage entsagen, die schönen Reitpferde auf dem Gute lassen, Kutscher und Bedienten, selbst den Koch abschaffen; und seine adlige Fra», eine ge- borne Gräfin von Sparr, war wohl oder übel gezwungen, den kleinen bürgerlichen Haushalt selbst zu führen. Diesen jedoch nun in die engen Grenzen der 500 Thaler jährlichen Einkommens Hineinzupasten war gewiß ein Riesenwerk der Tugend und Entsagung von Seiten der Gräfin, wie des Barons, die als Guthsherrn sonst immer aus dem Vollen gegriffen hatten. Ja, eS war kein Wunder, wenn eine Haushaltseinrichtung mit 500 Thalern ihnen schier unmöglich schien und auch richtig unmöglich wurde.
Tabei war es noch ein Glück daß ihre Ehe keine Kinder hatte. Die elegante geborne Gräfin Sparr war die zweite Frau des Barons; aus erster Ehe nur besaß er einen erwachsenen Sohn, der nach Ab- Mjvirung der Schulen in Göttingen studirte. Er hatte Neigung zur Wissenschaft und sei» alter Vater wat stolz auf seinen Geist und seine Kenntnisse, der Stiefmutter aber war er ein Dorn im Auge, die Kosten dieser academischen Laufbahn waren es gerade »ach ihrer Meinung, die sie ganz und gar in letzter Zeit ruinirt hätten. Allerdings kosten erwachsene Söhne Geld; doch der junge Baron, der überbem als Freiwilliger in dem Freiheitskriege mitgesochten, hatte nach Vollendung seiner Studien entschieden Aussicht, (saniere zu machen, und dazu konnten ihm doch unmöglich vom Vater die Mittel verweigert werde». Vielmehr setzte dieser seine Hoffnung darauf, daß, wenn alles schief ging, sein Sohn ihm im Alter Unterstützung angedeihen lassen könnte.
Wenn solch ein stets rückwärts gehender Hausstand seine schweren Schattenseilen zeigt, die nur durch Ergebung ins Unvermeidliche gemildert werden können, so war das Temperament der edlen Hausfrau ganz dazu angethan, die unglückliche Lage zu verschlimmern. Hatte die geborene Gräfin keine Dienerschaft mehr, die — daS liegt nun einmal im Temperament mancher Frauen — sie beherrschen konnte, so war doch ihr Herr Gemahl noch dazu da und das Beherrschen verstand sie auf das Beste. Sie verstand es, auf ein Haar zu wissen, was man gestern hätte thun sollen und noch viel bester, was vor zehn Jahren rathfa« gewesen wäre. Sie bewies ihrem Gemahl hundertmal sonnenklar, daß er nur ein so guter Landwirth hätte sein dürfen, wie sein Vater, um heute trotz der Kriege und billigen Getreidepreise noch ein gut» situirter Mann fein zu können. Ihr eigner Aufwand, ihre angeborenen und anerzogenen kostspieligen Neigungen schienen ihr dabei ganz entfalle» zu fein. Daß also hier die interessante Hin- und Herschiebung te< verhängnißvollcn Wörtchens „Schuld" ein unerschöpfliches Thema der täglichen Controversen bildete, ist leicht zu begreifen.
So sah sich der arme alte Baron, obendrein von Rheuma und Husten geplagt, eingeengt von allen Seiten. So schön und herrlich der Morgen seines Lebens gewesen und er lebenslustig und leichtsinnig genug ihn zu genießen, so übel und traurig war der Nachmittag desselben in dem engen spießbürgerlichen Stübchen der Stadt, ohne Lebensstellung, ohne Vermögen, von nichts als Sorgen und Widerwärtigkeiten, drängenden Gläubigern und täglichen Vorwürfen heimgefucht.
(Fortsetzung folgt.)
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