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ZNarKurg, Mittwoch, den 9. Sprit.
1873
OdeMsifche Zeit«».,.
Erscheint täglich außer den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal durch die Expedition (Koch'sche Buckdruckerei, beroaen m iZTTiT Postämter «7 Sgr. l-k-l- Bestellgebühr und incl. Stempelsteuer), für das Ausland excl. Stempel 22 Sgr. - Jnsertionsgcbührstrbie aefpaKene ©a “ *
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Deutsches «eich.
•• Berit», 7. April. Das Befinden des Königs hat sich bereits bedeutend gebessert, wenn auch die Heiserkeit noch nicht ganz gehoben ist. Da man die völlige Genesung bestimmt für die nächsten Tage er wartet, so sind bereits die näheren Anordnungen für die Reise Sr. Majestät nach Petersburg getroffen. Ihnen zufolge wird der Monarch Berlin innerhalb der Zeit vom 22. bis 25. April verlassen. In seiner Begleitung werden sich nicht nur die General- und Flügeladjutanten, sowie das Civil- und Militärcabinet, sondern auch Feldmarschall Graf Moltke und andere hohe Militärs befinden. An Fürst Bismarck ist Seitens des Kaisers Alexander ein speciclles Einladungsschreiben ergangen, doch ist es noch ungewiß, ob der Reichskanzler demselben Folge leisten wird, man hält eS indessen für wahrscheinlich. — Das Herrenhaus hat in seiner letzten Sitzung durch die Annahme des Dernuth'schen Antrages dem Lande einen großen Dienst geleistet. Ueber die Verschleppung der kirchenpolitischen Vorlagen durch die Commission ist das Urtheil dadurch vom Hause selber gesprochen, wenn auch die einzelnen Redner ziemlich gelind mit ihr verfuhren, und den größeren Theil ihrer Schuld der unglücklichen Zusammensetzung zuwälzen wollten. Die Abstimmung hat gezeigt, daß die Sache der Opposition vollständig verloren ist, selbst ihre bewährtesten Führer waren schließlich fahnenflüchtig geworden. Es kann nicht ge- läugnet werden, daß die energischen Worte ves Fürsten Bismarck den größten Antheil an der Herbeiführung des günstigen Endresultats haben. Sein Ausruf, daß nöthigenfallS die Regierung eine» andern Weg zur Durchführung ihrer Politik werde finden müssen, konnte des Eindrucks nicht verfehlen. Ueber die eigcnt liche Bedeutung dieser Worte sind die Ansichten ge- thcilt. Von einer Seite erklärt man sie, wie hier bereits mitgetheilt, dahin, der Fürst habe gemeint, die kirchenpolitische Legislative werde an das Reich übertragen werden müssen. Von anderer Seite behauptet man, er habe die Octroyirung der Vorlagen im Auge gehabt. Daß die Regierung zu einer Ortrvyirung berechtigt war, ist freilich keine Frage, da sämmtliche
Vorbedingungen einer solchen vorliegen würden. Die begründete Beschlußunfähigkcit deS Hauses hatte der Fürst selbst vorausgesetzt, damit wäre natürlich auch der faktische Schluß der Session gegeben. Gegen die Verfassung würden die octroyirlen Gesetze ebenfalls nicht verstoßen, nachdem die Verfaffungsänderung auch im Herrenhause in zweiter Lesung angenommen ist. Daß endlich durch dieselben einem wirklichen Rvlhstande abgeholfen wurde, braucht wohl kaum ausgeführt zu werden, da das Gebühren des katholischen Clerus die Eristenz eines solchen fast täglich vor Augen führt. — In derselben Sitzung nahm das Herrenhaus das Gesetz, betreffend die Mielhsentschä- digung der Beamten, definitiv an. In Beamtenkreisen hat man längst diesen Zeitpunkt sehnsüchtigst herbeigewünscht und bedauert, daß nun auch der erste Quartalstermiu verflossen, ohne daß die Beamten von den Vergünstigungen des Gesetzes Gebrauch machen konnten. Man erwartet die königliche Sanction in kürzester Frist, und sind durch die Behördeu bereits Vorbereitungen getroffen, sofort nach Publication die Auszahlung der 9 Miethöentschädigungen für die ersten beiden Quartale deS laufenden Jahres zu bewirken. — Einige Blätter fabeln noch immer von einer Parteinahme der osficiösen Presse für Herrn Wagener. Es kann versichert werden, daß alle Kundgebungen zu seinen Gunsten bisher von ihm nahe stehenden Freunden, niemals aber von amtlicher, halbamtlicher oder auch ojficiöser Stelle »usgegangen sind.
— Fürst Bismarck reist heute 2 Uhr auf einige Tage mit seinem jüngsten Sohne nach Friedrichsruh; er wird am Freitag zum Geburtstage seiner Gemahlin zurückkehren. — Der „Staatöanzeiger" veröffentlicht das vom Könige sanctionirte Gesetz betreffs der Abänderung der Artikel 15 und 18 der Verfassung.
— Ein Artikel der „Post" führt aus: Es würde dem Interesse der preußischen Regierung entsprochen haben, gegen das Unfehlbarkeitsdogma ausschließlich auf Grund politischer Momente von vornherein zu protestiren, und fehle es nicht an genügender Veranlassung, solches nachträglich zu thun. Der Protest wäre dahin zu begründen, daß die Staatsregierung,
welche dem Papste und den deutschen katholischen Bischöfen großes Vertrauen gewidmet habe, und die Interna der katholischen Kirche als Heiligthum zu re- spectiren wünsche, über die Bedenken des Unfehlbar- keitsdogmas und die naturgemäß daraus folgenden staatsgefährlichen Consequcnzen hinweggesehen habe. Damals habe sie die Bedenken unterdrückt, dieselben hätten aber im Laufe der Zeit so große Dimensionen angenommen, daß die Staatsregierung jetzt genöthigt sei, der organischen Verbindung des Papstes mit der deutschen katholischen Kirche so lange entsibiedenst entgegenzutreten, bis der Papst die ausreichendsten Garantien gewähre, daß er die Macht über die katholische Kirche, welcher auf Kosten der weltlichen Obrigkeit eine unberechtigte Ausdehnung gegeben woreen sei, nicht zu Deutschlands Verderben ausbeulen werde
Braunsberg, 6. April. Der zum ersten Male heute abg haltene zahlreich besuchte Gottesdienst der hiesigen altkatholischen Gemeinde ist ohne Störung verlaufen.
Frankfurt a. M, 6. April. In dem Prozeffe wegen Tepeschenverraths verurtheilte das Schwurgericht die Telegraphenbeamten, Klier, Kaiser und Florenz zu je 5 Monaten Gefängniß und wurde zugleich gegen dieselben auf Unfähigkeit, binnen Jahresfrist ein öffentliches Amt zu versehen, erkannt; die Kaufleute Auerbach, Werner und Jourdan sind wegen Beamlenbestechung zu 500, resp 400 und 200 Thlr. Strafe verurtheilt, dagegen der ehemalige Telegraphen- hülfsarbeiter Herrmann und der Sensal Nonne frei- gesprochen worden.
DreSdeu, 7. April. Einem Telegramm deS „Dresv. Journ." zufolge hat das Oberlandesgericht das freisprechende Urtheil gegen Skreischowsky unter Beibehaltung der gravirenden Entscheidungsgründe, auf Grund welcher Skreischowsky an den obersten Gerichtshof recurrirt hatte, bestätigt. Auch gegen Grcgr und Schulz ist vom Landesgerichte die Freisprechung beschlossen worden.
Darmstadt, 5. April. Die Vorstände der größeren Städte des GroßherzogthumS beabsichtigen, eine gemeinsame Feier des fünfundzwanzigjährigen Re-
Sechszchn uni Sechszig.
Original - Novelle von Julius Märker.
(Fortsetzung.)
Der letzte Abendsonnenstrahl flog durch die zer- riffenen Wolken verklärend über die dämmernden fer »en Gebirge und die nahen grünen Wiesen der tiefer gelegenen Gründe, noch ein Mal ermannte sich Johanna zu dem würdigsten Vorsatze und blieb absicht lich an der Seite ihres Mannes, der mit Briefschrei- itn beschäftigt war, aber oft einen beobachtenden Blick aus die Sinnende warf. Es hatte sieben Uhr geschla- gcn; immer unruhiger pochte ihr Herz, als Werner ausstand und ihr sagte, daß ein Geschäft ihn sogleich uach Arnstein rufe.
Dem Kutscher war vorher schon von ihm befoh- kn worden, den Wagen in Bereitschaft zu halten, so baß er auch sofort einen leichten Jagdwagcn besteigen konnte.
Johanna war mit ihm in den Hof hinuntergegangen, und wandelte nach seiner Abfahrt unter den Pappeln vor dem Schlöffe langsam auf und nieder. Plötzlich stand sie an dem Scheidewege, wo links der Kirchwcg nach dem Dorfe, rechts ein schattiger Pfad ix den Lustwalv gerade zu dem Denkmale ihres Va- trrs hinabführte. Noch eistdMal wollte sie sich zur Standhaftigkeit ermuntern, allein das schwache Htt>.< siegte. Durfte sie dem Freunde die letzte Bitte grauj sam verweigern? — Diese Frage stand lebhaft vor ihrer Seele, und — ihr Herz verneinte dieselbe, denn uur noch ein Mal wollte sie ihn sehen, um ihm das letzte Lebewohl zu sagen.
Eilig lenkte sie ihre Schritte in das Wäldchen hinein, und mit unruhig zitternden Herzen sah sie bie weiße Marmorurne durch das Gebüsch schimmern, bald überschritt sie die schwankende Brücke von Baum- Rommen, welche über das felsige Bett deS Baches führte, und endlich trat sie unter die stillen Schatten
der Trauerweiden, wo Braudau feit einer Stunde schon sie erwartete.
Er trat ihr entgegen.
«Ich glaubte, Sie würden mir den letzten Wunsch abschlagen," hob er freundlich an. „Ich danke Ihnen, Johanna."
„Ja, ich komme, um Ihnen bad letzte Lebewohl zu sagen," anwortele sie mit sichtbarer Rührung.
«Vor diesem Schritte, den ich thun will, mußte ich Sie noch einmal sehen," hob er wieder an.
Dor welchem Schritte?" fragte sie unruhig,
«Ich verlasse diese Gegend," erwiderte er. „Der Krieg, der in Italien ausbricht, soll mir eine Laufbahn öffnen, wo ich vielleicht — Ruhe finde."
Johanna sah ihn ernst an. „In fremden Ländern dem Kriege nachziehen?" sprach sie ruhig nach einer Pause. „Brandau, fragen Sie sich selbst, ist der Entschluß Ihrer würdig?"
„Mein trauriges Verhältniß treibt mich, liebe Johanna," antwortete er bewegt. „Von der Zukunft hoffte ich einst Alles. — Doch der Verlust eines mit fühlenden Herzens, mit welchbin ich mich für Zeit und Ewigkeit verbinden zu können wähnte, hat meinen schönen Lebenstraum zerstört und das herrliche Ge baute meiner Glückseligkeit eingeriffen. -- Trüb und 'imwölkl ist Alles um mich her; die Zeit der Ebbe ist zu Ende, und es rauschen die Wogen einer Fluth erdachter Pläne. Wie die Wetterwolke schwillt der Groll auf, bis er sich entladet, wächst, bis er zur That wird! Doch es sei fern von mir, mit dem Ge schick zu hadern und Ihre Ruhe irgendwie stören zu wollen, da ich niemals doch den Himmelsfrieden, nach welchem ich ringe, wieder gewinnen kann. Zerstreuung bedarf meii^ zerrissenes Herz, die ich im wilden Getümmel der Schlacht zu finden hoffe. Und was ist strahlender als Gold und alle Juwelen der Erde, als jener Glanz, der die Stirn des Streiters für die
höchsten und heiligsten Güter der Menschheit umzieht?"
Johanna weinte sanft; doch nach einigen Augenblicken faßte sie sich wieder.
„Nein, lieber Brandau," sprach sie bewegt, „der Menschheit sollen Sie Talent und Kunst weihen, dazu sind Sie berufen; dies aber thun zu wollen, das muffe Sie mir versprechen, wenn Ihr Andenken mir werth bleiben soll, wenn Sie mich je geliebt haben. Dann, nur dann vermag Erinnerung und Freundschaft ein schönes Band zwischen uns zu knüpfen, daS uns, auch wenn wir getrennt sind, vereinen wird."
„Thcure Johanna!" rief er außer sich, „edles, herrliches Weib, Dich sollte ich verlieren, auf immer verlieren I Nein, nein, uns knüpft ein Band, das Niemand zerreißen kann. Du bist mein, und wenn Du Dich mit tausend Eiden von mir losgesagt hättest!"
Bei diesen Worten umfaßte er fix und drückte sie mit wilder Gewalt an feine Brust.
Zohanna suchte sich Braudau's Umarmung sanft zu entwinden, als ihr Gatte aus dem dichten Gebüsche schnell heraustrat.
Mil heftiger Anstrengung riß sie sich aus den Armen des Bestürzten.
Werner trat näher. Beide Männer sahen sich schweigend an, während sich Johanna fast besinnungslos an daS Denkmal ihres VaterS lehnte.
„Komm', Johanna," sprach er sanft mit kaum unterdrückter Bewegung; „Du bedarfst Ruhe. Sie sollen mehr von mir hören," wandte er sich hierauf zu dem Professor Brandau und grüßte ihn schweigend, ludern et den Arm seiner Fran faßte und sich mit ihr entfernte.
Johanna blieb stehen, als sie in den schattigen Gang kamen.
„Werner," sprach sie ruhig, „der Schein ist gegen mich, aber ich bin unschuldig."
„Sei ruhig, Johanna," antwortete er, „Du bist