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Mr. 82.

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Marburg, Sonntag, den 6. April.

1873.

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ObeMsische Zeitung.

Erscheint "glichauß-r den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal durch die Expedition (Koch'sche Buchdruckerei, bezogen 22i Sgr., durch die Postämter 27 Sgk. (excl. Bestellgebühr und ,ncl. Stempelsteuer), für das Ausland excl. Stempel 22 Sgr. - Jnscrtionsgrbühr für die gespaltene HeilelSor Sämmtliche Ännoncen-Büreaus nehmen Inserate an.

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von beiden Seiten eifrig bemüht war. Die Herren Magyaren verstehen sich auf ihren Vortheil so gut wie die cisleithanischen Staatsmänner. Es steht zu fürchten, daß in den Delegationen, die am 2. April in Wien eröffnet wurden, dieser verschluckte Aerger »och eine Rolle spielen wird, obwohl der zum Präsi deuten gewählte Schmerling ausdrücklich in der Er­öffnungsrede den gesicherten Frieden betonte. Der Later der Wahlreform, Minister v. Lasser, hat seinen

Bericht über die nunmehr von beiden Häusern des Neichsraihs beschlossenen Reformgesetze unverzüglich rem Kaiser vorgelegt und Franz Jos,pH, der allen Anfechtungen, die gegen das Zustandekommen der Wahlgesetze von Feudalen und Ullramontanen gewagt wurden, tapfer widerstanden, hat am 4. April bereits die Sanclion criheilt.

Der große Rath in Bern hat beschlossen, im katholischen Jura, wo die Geistlichen den Diöcesan Beschlüsse» den Gehorsam verweigern und am Bischof Lachat festhalten, nach Bedarf provisorisch die Civilehe einzuführen. Die Civilstands-Register sind von den Geistlichen eingcfordert und meistens bereits abgegeben.

Das Ereigniß der Woche ist für Frankreich der Rücktritt des Präsidenten Grevy und seine Ab lchnung nach erfolgter Wiederwahl, so unerheblich die direkte Ursache zu diesem Schrill des Präsidenten der Nationalversammlung war, so zeigt sie aber eben wie wenig Anstand und Selbstbeherrschung die conserva tiven Elemente deö HauscS haben. Thiers hat in Folge dessen seine liebe, siedelung von Versailles nach Paris vertagt. Die Commission für die Reorganisi- rung der Armee hat in Chasseloup-Laubat ihren Be­richterstatter verloren. Derselbe ward plötzlich am 30. März seiner rastlosen Thätigkeit durch den Tod entrissen, nachdem erst am 28. die Commission den von ihm ausgearbeiteten Entwurf angenommen hatte. Der langjährige Marine-Minister des Kaijerthums und Präsident der Geographischen Gesellschaft gehörte zünden wenigen tüchtigen Fachmännern und ge­schätzten Mitgliedern der National-Versammlung.

Während sich der ehrwürdige italienische Sena! noch immer mit den neuen Gesetzen beschäftigt, welche die öffentliche Gesundheitspflege regeln, ist die Kammer in die Beralhung über die Mühlenstcuer eingelreten. Der Finanzminister selbst, steht allein da mit der Ueberzeugung, daß die Zählmaschine, (Contatore) als Grundlage der Berechnung des Steuerobjccts beide- halten werden muß. Ter Commijsionsbericht verwirft dieselbe, ohne etwas besseres voischlagen zu können., und in der Kammer ist man eben so wohl mit den Schlußsolgernngen der Commission wie mit der Hart näckigkeit Sella's unzufrieden. Der ministerielle Ent­wurf der Klostergesttze ist von der Commission voll ständig umgeändert worden. Dieselbe schlägt vor, daß

Als der Pfarrer diese Worte sprach, ward die Gemeinde durch den Eintritt zweier Herren gestört, die bis unter die Kanzel vordrangen. Johanna sah eben­falls auf und ward hefiig bewegt, als sie ihren Freund erblickte. Brandau erkannte sie in demselben Augen­blicke. Sie wagte es nicht, ihr Auge zu erheben, um seinen Blicken, die fest auf sie gerichtet waren, nicht zu begegnen; allein sie war zu sehr erschüttert, als daß sie ihre Verwirrung hätte verbergen können, und eS dau-

»Es ist doch wahrhaftig bewunderungswürdig, weit Talent und Fleiß eS in so kurzer Zeit Gingen kann. Höre einmal!" sprach er überrascht, aber plötzlich hielt er inne und sah sie an.

Eine glühende Röthe bedeckte Johanna's Gesicht.

Er erzählte ihr hierauf die Nachricht mit wenigen «orten.

»Nun, es kann doch Niemand anders sein, als ehemaliger Frmnd, nicht wahr? fragte er dann '«helnd.

. »Aber wie muß Dich das erfreuen, meine theure Manna!" hob Werner wieder an und reichte ihr liebevoll die Hand, „so wie cs mich freut, daß der

Politische Wochen-Ueberficht.

Die abgelaufene Woche hat dem deutschen Reiche einen weiteren Fortschritt in seiner einheitlichen Ent Wickelung gebracht. Bei Berathung deS wiederholt im Reichstage eingebrachten Antrages des Abg. LaSker, die Ausdehnung der GesetzgebungS-Competenz des ' Reiches auf daS gesammte Civilrecht und die Gerichts Verfassung, gab der Präsident des Reichskanzleramtes die erfreuliche Mittheilung ab, daß die vielen Schwie­rigkeiten, welchen der Antrag bisher im BundcSralhe begegnete, bereits meistens überwunden seien, und daß nicht allein nunmehr die in einer so wichtigen Frage wünjchcnSwerthe Einstimmigkeit gehofft werden dürfe, sondern dann mit der Verfassungsänderung gleichzeitig eine Commission solle niedergesetzt werben zur „Aus arbeitung eines allgemeinen bürgerlichen Gesetzbuches " Die Berathungen der wichtigen Vorlagen deö Reichs­tages zur Stärkung der Verlheidigungsfähigkeit und die Errichtung eines Reichs-Jnvalidenfonds ließen in der ersten Berathung die Bereitwilligkeit des Hauses erkennen. Die für die einheitlichen Verkehrsverhält- nisse höchst wichtige Novelle zuup Posttaxgesctze hat die zweite Lesung passirt. -t- JA Herrenhaus hat die zweite Lesung des VerfasstmgSänderungsgesetzeS statt gesunden und das Gesetz Annahme gesunden, die Be ralhungen der Commission für die kirchenpolitischen Gesetze schreiten indessen nur langsam vor.

In Oesterreich halte die zwischen beiden Reichs- Hälften gepflegte Gemüthlichkeit durch die Weiterungen

Sechszrhn und Sechszig.

Original-Novelle von Julius Märker. (Fortsetzung.)

Diese Worte machten den tiefsten Eindruck auf ihre Seele und ehe sie sich wieder fassen konnte, kehrte Werner zurück.

Johanna hatte daS Blatt schnell auf den gewöhn­lichen Platz gelegt, alS er hereintrat. Die Ueberrestc

vor welchem sie ihrem Gatten die Hand zum ehelichen Bunde gereicht hatte, erweckte in diesem Augenblicke lebhafter, als je, die Erinnerung an Alles, waS jenem Entschlüsse vorhergegangen war. Sie saß, in tiefes Nachdenken versunken, in ihrem Betstübchen und hörte nur mit Zerstreuung aus die Worte deS ehrwürdigen Predigers, bis eine Wendung seiner Rede plötzlich ihre Aufmerksamkeit fesselte. Er sprach von Standhaftigkeit im Kampfe zwischen Pflicht und Nei­gung^ „Wo ist," sprach er, „ein Menschenherz, dem die Stimme der Pflicht nie geboten hätte, von einem Wunsche, der gleichsam mit ihm ausgewachsen war, sich loözureißen, wie tief auch die Wunde sein mochte' die der gewaltsame R,ß zurückließ? Ach und wie oft fordert die strenge Pflicht selbst die schwerste Ent­sagung, auch zu vergessen sogar, waS wir aufgeopfert haben. Durch Prüfungen aber sollen wir reisen zur Vollendung in einem höheren Leben, versucht und ge­läutert werden, wie das Silber geläutert wird. Da­rum murre nicht, wenn die Vorsehung Schweres Dir auserlegt hat, und will der Muth Dich verlassen, so wende D-in Auge vertrauungövoll zu Dem empor der aller Menschen Schicksale lenkt."

die Generalshäuser selbst aufgehoben, aber ein Theil des Vermögens dem Papst übelgeben werden soll zur Aufrechthaltung seiner Beziehungen zu den Orden.

Als eine Frucht der verhälinißmäßigen Muße, welcher sich die spanische Regierung nach der Ver­tagung der Nationalversammlung erfreut, hat die amtliche Zeitung einen von sämmtliche,, Ministern unterzeichneten Aufruf an das Volk veröffentlicht, wo­rin der Heldenmulh — leider aber nicht die Manns- zucht — der Armee im Kampfe gegen die Ca,listen gepriesen, aber zugleich die ganze Nation aufgefvtdert wird, in dem Kriege gegen die unversöhnlichen Feinde der Republik mitzuwirken. Hoffentlich gelingt es der Regierung, recht bald ihre 80 Bataillone Freiwilliger auf die Beine zu bringen, um die von den Carlislen beunruhigten Gegenden zu besetzen und den Truppen die energische Verfolgung der Banden anheim zu geben.

In England gefällt besser dem Parlament daS Budget des Schatzkanzlers, als die Taktik des Pre- miei-MiiiifterS Gladstone, welches die weitgehendsten Erwartungen übertroffen und eine Einnahme von mehr als 76V2 Millionen L, einen Uebe,schuß von mehr als 5 Millionen L., ergeben hat. Der größere Theil deS Zuwachses sällt freilich auf die Accise, ist also hauptsächlich dem gestiegenen Verbrauch von Bier und Branntwein zu verdanken. Der Tod deS deutschen Botschafters, Grafen Bernstorff, hat in Eng­land große Theilnahme hervorgerufen.

Im dänischen Folkething hat die vereinigte Linke mit ihren 55 Stimmen es gegen die Minorirät von 34 Stimmen durchgesetzt, daß an de» König eine Adresse gerichtet wurde, welche das entschiedendste Mißtrauen gegen das Ministerium Holstein ausspricht und behauptet, die derzeitige Regierung handle nach ganz anderen Gesichtspunkten als dem auS der freien Wahl des Volkes hervorgegangenen Thinge für die gesunde Entwickelung des inneren Siaatslebens und somit für das Verhältniß Tänemaiks zu den durch die jetzige Staatsgrenze abgetrennten Sübjüten (Nord- schlesniger) ersprießlich und nolhwendig erscheine. Die Lähmung der wichtigsten Zweige der Gesetz­gebung soll lediglich daS Ministerium verschuldet haben, und das Thing verlangt andere Staatsmänner nach seinem Sinne.

Die Session des norwegischen Storthings ist

________ Wolke, die ein hitziger Streit über Etaatshändel um seine Stirn gezogen hatte, waren »vch sichtbar, verschwanden aber völlig in dem Augen­blicke, wo er sich seiner Gattin gcgenübersetzte.

Johanna war wenig dazu gestimmt, ein Gespräch D unterhalten, und als Werner das neue Zeitungs blatt erblickte, konnte er, mit dem Gegenstände des Streites noch immer beschäftigt, sich nicht überwinden, bie Durchsicht bis nach dem Essen aufzuschieben. Er mit Eifer und manche ihm besonders wichiige Nachricht laut. Johanna war in der unruhigsten Le­sung, und ihr Herz klopfte heftig, als er die Blatt täte umwandte, wo gleich obenan die verhängmß bsLcn Worte standen.

Mann, der Deine erste Achtung und Neigung erwarb, sich einen solchen Ruhm schon erworben hat. — Nun möge ihn das Glück ferner schützen," fuhr er nach einer Pause fort, „ich wünschte aber wohl, die Be­kanntschaft des Herrn Professors von Brandau zu machen, vielleicht könnte ich noch einen Freund in ihm gewinnen." —

Dieser Vorfall war sehr nachtheilig für die Ruhe der jungen Frau; denn daS geliebte Bild stand vor ihrer Seele, schöner als je, und der Kampf gegen das unbezwingliche Gefühl wurde schwerer, so daß die Mitternachlsstunde sie oft auf ihren Knieen fand, wie sie im frommen Gebete das unruhige Herz zu stillen suchte.

Wiederum war die Frühlingszeit zurückgekehrt, und Johanna hatte mit ihrem Gatten das Landhaus bezogen, das am Eingänge des Dorfes lag, welches mit seinen herrlichen Wiesen, die von zahlreichen Bä­chen des klarsien Wassers bewässert wurden, so wie mit seinen fruchtbaren, weiten Aeckern, «mit seinen prächtigen Obstgärten, die zur Frühlingszeit mit einem prangenden Blüthenschmelz bedeckt waren, einen im­posanten Anblick darbot.

Johanna, obschon sie daS achtzehnte Lebensjahr noch ntcht vollendet hatte, war ein liebenswürdiges, ideales Bild schöner Weiblichkeit, die in allen ihren Handlungen, Bewegungen und Reden eine ungefuchie Anmnlh hatte, ohne daß sie eS wußte. Die innige Verbindung zwischen beioen Gemüthern bewirkte, dag sich Ein's ins Andere hineingelebt hatte, aber dennoch gitterte sie vor dem Gedanken, wenn sie den Ge I lieble» ein Mal wieder erblicken könnte. —

auf die Oberhessische Zei- SOCfll UliniJVll tuiig für das zweite Quar­tal 1873 werden noch fortwährend von allen Post- aasialte«, sowie von der Expedition in Marburg «ngruommea.__

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Werner besuchte mit seiner jungen Frau fleißig erte lange, ehe sie so viel Fassung gewann un bte Kirche, allein tines sonntags wohnte Jobanna Die nächsten Folgen deS Wiedersehens ru denken dem Gottesdienste allein bei. Der Anblick des Altars, r" ' ~ "

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