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Vergangenheit gebunden ist, die in Willkür und Zucht­losigkeit auSgeartete „Freiheit" der militärischen Bür- ger zn respectiren; doch hat Serrano selbst in ent­scheidenden Augenblicken manchmal Mangel an Energie blicken lassen. Der Kriegs-Minister Acosta wäre mit Serrano's Ernennung wohl einverstanden; ein Theil der Minister aber wird Angesichts der Haltung, welche die Unversöhnlicheren an den Tag legen, seine Be­denken geltend machen. Die hitzigeren Föderalisten wollen von der Anstellung conservativer Heerführer nichts hören, selbst die weiland radicalen sind ihnen nicht zuverlässig genug. Es ist begreiflich, daß keine Disciplin in die Armee zu bringen ist, wenn die an­zustellenden Generale nach ihren Leistungen in re- publicanischer Politik statt nach ihren militärischen Fähigkeiten beurtheilt werden. — Tie Unabhängig- keiisgclüste, welche sich in mehreren größeren Städten kundgeben, sind mit besonderer Schärfe auch in Malaga ausgeprägt. Der Gouverneur har nicht die geringste Macht; gegen den Einfluß einiger „Häuptlinge" in der Stadt kann er nichts ausrichtcn. Die bewaffneten Freiwilligen, ungefähr 10,000 Mann, theils aus der Stadt selbst, theils aus den umliegenden Ortschaften, halten allerdings die äußere Ordnung aufrecht und verhindern Raub und andere gemeine Verbrechen nach Kräften; dafür dulden sie aber auch nicht, daß die Regierung Gendarmerie oder Zollsoldatcn schickt. Um die Weisungen der madrider Regierung kümmert sich Niemand. Dem Schatz fließt kein Pfennig aus den Staatssteuern zu; die städtische Verwaltung nimmt Alles an sich und reicht damit noch nicht aus, da die Bewaffnung und der Unterhalt der Freiwilligen ihr große Kosten verursacht. So ist denn den wohl­habenden Bürgern noch eine besondere Steuer aufer­legt worden. Zum Freihafen ist Malaga nun freilich nicht erklärt worden; aber dieser Förmlichkeit bedarf es kaum noch, denn der Schmuggel wird so eifrig betrieben, daß Tabak und alle Arten Baumwolle schon für den Bedarf von Jahren dort aufgespeichert liegen. Von Zeit zu Zeit wird ein Gerücht von dem An­märsche einer Carlistenschaar ausgefprengt; eine Frei- willigen-Abthcilung rückt aus um sie zu schlagen, und wenn sie ohne einen Feind gefunden zu haben zurück kehrte, sind inzwischen durch das verlassene Thor einige Ladungen Schmugglerwaare eingebracht worden. Die Föderalisten in Malaga sind in zwei Parteien gespalten, von denen einstweilen die gemäßigtere das Uebergewicht Hal; die andere, der Internationale zu- neigende, rüstet sich für die Dinge, die da kommen sollen.

Barcelona, 30. März. Der Vicomte Conald vom Gencralstabe Saballö ist bei seiner Rückkehr von den Balearischen Inseln verhaftet worden. Der fran zösische Consul verlangt seine Freilassung.

London, 29. März. Die Königin wird am 1. April einen Damenempfang, und auf den Wunsch der Königin der Prinz von Wales am 22. April einen Herrenempfang abhaltcn. — Der außerordent-

einmal wöchentlich und zwar in Papa's Gegenwart sehen durfte. Alle Heimlichkeiten mit Ausnahme des Briefwechsels wurden verboten, wofür ich mit meinem Ehrenworte cinstehen mußte. Ich dagegen stellte die Bedingung, daß der Baron Ella gar keine Vorwürfe machen dürfe, worin er auch endlich willigte.

Ella kam nach Hause und vernahm zu ihrer Ueberraschung den ganzen Vorgang. Glückselig um­armte sie mich und ihren Papa und war von nun an wieder lustig und gesund wie früher; nur daß Lene auS dem Hause mußte, that ihr ein wenig leid. Doch wurde diese von mir unterstützt, bis sich für sie ein passender Platz bei einer alten Dame fand woselbst sie noch ist. Nach zwei Jahren verwählten wir unS endlich zur Verzweiflung des BarouS, der die Beständigkeit seiner Tochter verwünschte und gern noch gewartet hätte.

„Ich bin zu Ende, und Sic sehen, daß meine Frau durchaus keinen Grund hatte, gegen die Er­zählung dieser Geschichte zu protestiren, denn wenn Heirathen oft befördert werden durch die zu frühe Hingebung deS Weibes, so ist es in diesem Falle ganz im Gegentheil die zu große Feinfühligkeit, das zu leicht verletzte Schamgefühl eines Weibes, das die Schließung der Ehe befördert und zu Stande ge bracht hat. —"

R.....schwieg und die Gesellschaft, besonders

die Damen besprachen diese Liebesgeschichte noch längere Zeit, wobei es nicht an verschiedenen „wenn" fehlte, die einen höchst angenehmen Nervenreiz hervorriefen, da sie durch das „aber" des fait accompli ihre Gefährlichkeit verloren hatten; endlich wurde das Zeichen zum Aufbruch gegeben, und man trennte sich sichtlich befriedigt.

»Im Herbst des nächsten Jahres soll ein Storch auf seiner Reise nach dem Süden bei R.....

einen Besuch abgestattet haben.

liche Botschafter des Schahs von Persien, Mirza Malcom Khan, ist in London angekommen und hatte eine Audienz bei dem Earl Granville. — Der Leich nam des Grafen Bernstorff wurde Donnerstag Nachts einbalsamirt und soll nach dem ausdrücklichen Wunsche des Verstorbenen ohne alles Gepränge auf dem Bern- storff'schen Landsitze Stinteitburg in Lauenburg beige­setzt werden. - Die Königin hat auf die Kunde von dem Verscheiden des Botschafters hin sofort ein Bei­leidsschreiben an die Gräfin geschickt und der Prinz sowie die Prinzessin von Wales thaten das nämliche. Die Gräfin hat vom Festlande eine große Anzahl Beileidstelegramme erhalten, so vom Kaiser, der Kaiserin, dem Kronprinzen und der Kronprinzessin von Deutsch­land, dem Großherzog von Baben, dem König von Belgien, dem Fürsten Bismarck u. A. in.

Washington, 30. März. Der Schatzsecretär Richardson hat den Verkauf von 6 Millionen Gold und den Aickauf von einer Million Bonds für den Monat April angeordnet.

Kassel, 31. März. Der Vorstand des landwirth- schastlichen Centralvereins für Hessen, Herr Regie- rungSrath Wendelstadt, macht bekannt, daß, nachdem der Minister für die landwirthschaftlichen Angelegen heilen auch in diesem Jahre dem Verein einen Carton japanesischer Original - Seidenraupeneier (bombyx mori) überlassen habe. Diejenigen, welche von diesen Eiern zu erhalten wünschen, sich baldigst an den Herrn Cantor Schäffer dahier, alte Leipziger Straße Nr. 19, wenden mögen, welcher die Vertheilung der Eier übernommen habe.

Ziegenhain, 27. März. Am heutigen Tage fand unter dem Vorsitz des Herrn Landrath Günther eine sehr zahlreich besuchte Versammlung des landwirth- schastlichen Kreisvereins dahier statt, welcher auch der Generalsecretär des Centralvereins, Herr Oekonomie- rath Vogeley aus Kassel beiwohnte. Nach Erledigung verschiedener geschäftlicher Angelegenheiten wurden zu nächst die Mittel und Wege berathen, die zur Ver­tilgung der so schädlichen Mäuse einzuschlagen seien. Unter Besprechung der verschiedenen gebräuchlichen Methoden: Gistpillen, Mausefallen, glasirie Töpfe rc., wurde insbesondere der Gülich'sche Dampfofen und dessen Verwendung eingehend geschildert. Allseitig wurde anerkannt, daß die Monate März und April diejenigen seien, in denen man unter Beobachtung bestimmte? Maßregeln, die gemeinsam auszusühren seien, mit genannten Oefen im Stande sei, gegen die riesige Vermehrungsfähigkeit der Mäuse, welche im März beginnt und Ende Oktober abschließt, mit Er­folg ankämpfen könne. — Der Hauptgegenstand der Tagesordnung war die Gründung einer Versicherungs- gesellfchast innerhalb des Kreises gegen einzelne be­stimmte Seuchen, ansteckende Krankheiten und Unglücks­fälle bei Hauslhieren. Eine Commission hatte Sta­tuten vorberathen, die Herren Sunlheim und Schmidt erstatteten das Referat, und wurden jene nach längerer Debatte mit einigen Abänderungen angenommen. Die Gesellschaft constituirte sich, erwählte einen Verwal­tungsausschuß von 6 Personen und dieser ernannte Herrn Suntheim (Schaafhof) zum Vorsitzenden — Ein weiterer Gegenstand, eie HagelversicherungSfrage, führte zu lebhafter Diskussion; im Allgemeinen entschied man sich für Gegenseitigkeitsgesellschaftcn und beschloß, mit der Hannover-Braunschweigischen und der Leipziger Hagelversicherungsgesellschaft in geschäftliche Beziehung zu treten. (H. M.)

Vom Reichstage.

Berlin, 31. März.

Im Reichstage fand heute üb<r das Kriegs leistungsgesetz die erste Berathung statt, die der Bun descommiffar Geh. Rath Starke durch einige erläu­ternde Bemerkungen einleitete. An der Debatte bethei- ligte sich zunächst der Abg. v. Oheimb. Derselbe erkannte die Nothwendigkeit einer Abänderung der bestehenden gesetzlichen Bestimmungen über die Kriegs­leistungen an, und hoffte, daß die Vorlage diesem Bedürfniß zu entsprechen geeignet sei, gleichzeitig hob er aber eine Reihe von Bedenken gegen das Maß der in dem Gesetzentwürfe von den (Gemeinden ge­forderten Leistungen und der dafür gewährten Ent­schädigungen hervor und beantragte,. die Vorlage einer Commission von 14 Mitgliedern zur Vorberathung zu überweisen. Es wurde indeffen die zweite Lesung im Plenum beschlossen. Nächste Sitzung Mittwoch.

Vermischtes.

— sUniv.-Nachr.s Für den durch das Ableben des Kirchenraths vr.Thomsen erledigten Lehrstuhl derKirchen- aeschichte an der Kieler Universität ist nunmehr sicherem Vernehmen nach der bisherige Pfarrer in Oppin (bei Halle) pr. theol. Wilhelm Möller berufen worden. Derselbe ist Verfasser einer „Geschichte dec Kosmologie in der griechi­schen Kirche bis auf Origenes" (Halle 1860;, sowie einer Monographie über Andreas Osiander (Elberfeld 1870).

Marburg, 1. April. Nachdem die letzten Tage des März uns schon vollständig gezeigt hatten, daß Früh­lings-Anfang nicht nur im Kalender stand, sondern auch in der Natur wirklich stattgefunden hat, beginnt auch der wankelmüthige April mit dem herrlichsten Frühlingswetter, dem wir indeß für diesesmal soviel Beständigkeit zutrauen, daß er das Sprichwort

„'s ist kein April zu gut

Er beschneit des Landmanns Hut" vollstäudig Lügen strafen wird. Bei so bewandten Umständen geht denn das Ueberspringen von der Winter- zur Sommer­saison auch sehr rasch, und so kann Ihnen Ihr Correspon- dent aus dem „untern nawrwiffenschaftlichen Stadttheil" dann noch mittheilen, daß alle die großartigen Vorrichtungen, die Lotz'schen Wellenbäder während der Wintersaison dem verehrten Publikum auch zugänglich zu machen beseitigt sind, oder vielmehr den natürlichen der Sommersaison haben weichen müssen. In Folge dessen hat denn der sanitätliche Oberchef der weltberühmten Anstalt, Herr Dr. H., nicht nur zu Sanitätszwecken, sondern auch zur wahrhaften Körper- stärkung seit dem 28. v. Mon. täglich die Wellenbäder be­nutzt, ein Beispiel, dem hoffentlich bald recht viele nach Er­frischung Lechzende folgen werden.

Berloosungen.

Karlsruhe, 31. März. Bei der heutigen Gewinn­ziehung der badischen 3> fl.-Loose von 1845 fielen: der Hauptgewinn von 35,000 ft. auf Nr. 293797, 10,000 fl. auf Nr. 223443, 5000 fl. auf Nr. 256071, 2000 fl. auf Nr. 260902 1816 322360 326608 336879, 1000 fl. auf Nr. 200068 326626 1588 155198 282779 282019 293791 297183 153515 5224 1808 93105.

Telegraphische Depesche« der Ober» hessische« Zeitung.

Wie», 31. März. Das Abgeordnetenhaus ge nehmigte in dritter Lesung den Gesetzent-vurf, belr. die Herstellung einer Eisenbahn von Falkenau nach der sächsischen Grenze bei Graßlitz und nach Rakonitz an der Pilsen-Prisener Bahn.

Versailles, 31. März. Die Nationalver­sammlung begann heute die Berathung des Gesetzent­wurfs über die Munieipalverfassung von Lyon Die Sitzung verlief ohne besondere Zwischenfälle. Morgen wird die DiScussion fortgesetzt.

Rom, 31. März. Die „Opinione" meldet: Herr Ozenne reist morgen nach Frankreich ab, nachdem die Vorconferenzen mit den Delegirten der italienischen Regierung geschlossen sind. Zweck der Abreise sei die Theilnahme an den Berathungen der Commission zur Prüfung der mit England und Belgien abgeschlossenen Handelsverträge. — Der Papst empfing in besonderer Audienz den Prinzen Ludwig von Hessen-Darmstadt und dessen Gemahlin Prinzessin Alice.

Madrid, 31. März. Der bisherige General- capitän von Valencia, Velarde, ist, der amtlichen Zeitung zufolge, an Stelle des abgetretenen Contreras nach Barcelona versetzt worden. Wie verlautet, liegt es in der Absicht, Barcelona in Belagerungszustand zu er­klären. In Barcelona herrscht eine große Erbitterung gegen die Carlisten. Vorsichtsmaßregeln gegen die Anzündung der Kirchen und Gewaltthaten gegen die Priester werden getroffen.

Kopenhagen, 31. März. Im Folkethiug prolestinc der Couseilpräsident bei Berathung der Mißtrauensadresse gegen das Ministerium auf das entschiedenste gegen die Voraussetzung des Adreßent- wurfs, daß die parlamentarische Regierungsform auf die Majorität des FolkethiugS basire und verfassungs­mäßig sei; soweit sich übersehen lasse, werde die An­nahme der Adresse weder die Auflösung des FolkethiugS noch eine Ministerkrisis herbeiführte.

Telegraphische Cours- und Marktberichte.

Frankfurt a. M., 1 April. (Schluß -Courfei. Staatsbahn - Acrien 355), Etisabetv 256, Galizier 240, Lombarden 203, Nordwestbahn 229, Credita tiea 358|, Silberrente 67, Papierrente —, 1860r Loose 95), National- bank 1029, Spanier 21), 1882r Amerikaner—, Darmstädter Bank—, Effectenbank —, Oregon —.

Berlin. 1 April. lAnfangscourse). Creditactien 2054, Staatsbahn 203|. Lombarden 116), Amerik. 96|.

Wien, 1 April. (Anfangscourse). Creditactien335.25, Lombarden 190.00, Napoleons 8.74

Frankfurt, 31. März. (Fruchtbericht.) Heutige Preise: Mehl Nr 1 26-, fl., Nr. 2 25-, fl., Nr. 3 21| fl., Nr. 4 18) fl., Nr. 5 16) fl. Roggenmehl (Berliner Marke) 16) fl., do. II. (Berliner Marke> 10) fl., Weizen effectiv hiesiger 16 bis 16t fl., bayer —, Ungar. —.Roggen 10; fl., Gerste 12$ fl., Hafer 8111,, fl., steigend, Kohlsamen — fl., Erbsen 10—12 fl Wicken 9J fl., Linsen 10—14 fl., Rüböl 43 fl. Stimmung abwartend Weizen auf dem Lande abzunehmen 16—j fl., fremder schwach off tritt, 16 fl. Cours, geringe nach Be­schaffenheit abwärts 13) fl. Am Mehlmarkte etwas stiller, in Folge prachtvolles Wetter Käufer zurückhaltend. (Die Preise verstehen sich sämmtlich per 200 Pfd. Zollgewicht — 100 Kilo.)

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