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eine Petition an die im Herbst zusammentretende 2. Kammer um Aufhebung der Kesselsteuer und Ein­führung der deutschen Malzsteuer zu richten. Ebenso wurde ein gemeinsames Vorgehen zur Erhöhung der Bierpreise verabredet.

München, 31. März. Die angeblich von einem preußischen General der Cavallerie hier geführten Unterhandlungen über einen näheren Anschluß der baierischen Armee an das Reichsheer werden heute officiös in Abrede gestellt. — Man versichert, daß der General Maillinger, Commandant der baierischen Occupationstrnppen, an Stelle des Generals Hartmann heute zum Commandanten des zweiten Armeecorps er­nannt worden ist.

Straßburg, 30. März. Ueber die Zahl der Optionserklärungen sind jetzt folgende Ziffern festge stellt: Es haben optirt: 1) in Lothringen 28,639, 2) im Unterelsaß 39,190, 3) im Oberelsaß 91,962, zusammen 159,791 Personen. Durch Nichtauswan dcrung sind unwirksam geworden: 1) in Lothringen 6900 oder etwa i/t, 2) im Unterelsaß 27,483 oder etwa 3/4, 3) im Oberelsaß 75,260 oder etwa 7/g der Optionen. Die Ungültigkeitserklärungen sind noch nicht abgeschlossen; im Oberelsaß schweben z. B. noch 7645 Fälle. In Frankreich haben 378,777 Personen optirt, jedoch sind anch hier die Ungültigkeits- oder Gültig­keitserklärungen noch nicht abgeschlossen.

Ausland.

Wien, 29. März. Das österreichische Herren­haus dürfte unter allen Umständen eine der glän­zendsten parlamentarischen Körperschaften sein und speziell das Abgeordnetenhaus reicht ihm nicht bis zur halben Höhe des Leibes. Wenn aber vollends alle die großen Ideen, welche die Zeit bewegen, dort ein treues und warmes Echo finden, wenn die Lö- sung der schwierigsten Probleme mit eben so viel Verständniß als Offenheit, mit eben so viel Energie als Maß versucht oder wenigstens angeregt wird, wenn die Erben der größten historischen Namen der Welt es nicht verschmähen, den bürgerlichen Interessen bis hinab in die bescheidenen Kreise des einfachen Arbeiters nachzugehen, dann in der Thal begreift es sich, daß das österreichische Volk mit stolzester Gc- nugthuung zu der langen Reihe glorreicher Namen aufblickt, welche auch ihrerseits redlich bemüht sind, sowohl den österreichischen Staatsgevanken zur leben­digen Geltung zu bringen, als auch das öffentliche Leben vor Verknöcherung oder Rückschritt zu bewahren und die constitutivnellen Formen mit einem reichen realen Inhalt zn füllen. Der übereinstimmende Be­schluß der beiden Reichsrathshäuser in der Wahl reform dürfte in diesem Augenblick zur Erwirkung der kaiserlichen Sanction bereits an die Kabinets- kanzlei geleitet sein, und man scheint zur Hoffnung zu haben, daß die Verkündigung des mit der Namcns- unterschrift des Monarchen versehenen Gesetzes der Bevölkerung als Ostergeschenk werde bescheert werben.

Die Thronrede, welche die Session des- Reichsraths, die letzte Session deS aus den Landtagen hervor gegangenen Reichsraths, am 24. April zu schließen bestimmt ist, wird jedenfalls in der Lage sein, den entscheidenden Abschnitt in der constituftonellen Ent Wickelung Oesterreichs weithin leuchtend zu markiren Welche Hoffnungen sich übrigens auch die staatsrecht­liche Opposition lange Zeit hindurch zu bewahren verstand, heute hat sie der letzten dieser Hoffnungen ensagt, nachdem sie sich heute (in dem feudalen Organ) zu constatiren gezwungen gesehen, daß auch das Herrenhaus konsequent eine Richtung eingeschlagen, die seinen Widerstand gegen die „destructiven Stö­rungen der herrschenden Partei nicht mehr als denkbar" erscheinen lasse.

Bern, 31. März. Die katholische Schulgemeinde St. Gallen hat den Antrag des Schulraths auf Ver bot der Lehre des Dogmas der Unfehlbarkeit und des Syllabus im Schul- und Religionsunterricht mit 582 gegen 177 Stimmen angenommen.

Paris, 30. März. Seit der berühmten Sitzung vom 29. November hatten die neuen Royalisten deö „Prinzipmcnschen" mit den Orleanisten vom „rechten Centrum und den Imperialisten keinen so einmüthigen und so heftigen Angriff aus die Regierung der Re­publik und speziell auf Thiers gemacht, als bei Ge­legenheit der Petition des Prinzen Napoleon. Die

' »ehemaligen Beamten und Anhänger des Kaiserthums unterstützten eifrig den Protest gegen die Ausweisungs- maßreget; auch fehlte eS nicht an Demi-Monde auf der Tribüne, die sich durch auffallende Toiletten und noch auffallendere Parteinahme, fiy die Vertheidiger des ausgewiesenen Prinzen bemerklich machte. FreS neau von der Rechten, ein Mensch, der wie trunken sich aus der Tribüne benahm, schleuderte dem Präsi deuten der ätepublit so starke Beleidigungen ins Ge­sicht, daß Dusaure, der nach ihm kam, leichtes Spiel hatte, obgleich er nicht so geschickt und nachdrücklich sprach wie sonst. Besonders widerwärtig war in oiesem Falle seine alte Taktik, daß er, um der Rechten zu schmeicheln, die Republikaner ironisirte, um an­zudeuten : Arbeitet doch den Republikanern nicht in die Hände, indem ihr gegen uns losgeht, denn bei Lichte bejehen sind wir ja doch von gleichem Stoffe wie ihr, während jene unö gemeinschaftlich zuwider sind! Die Linke ließ sich indeß nicht verstimmen, sie ist bei Dusaure dergleichen gewohnt und rief ihm zum Schluß doch Beifall, weil sie weiß, daß Dufaure's Herz ihr zwar nicht gehört, wohl aber sein Kopf, der schließlich doch das Uebergewicht behält. Und eben deshalb kann Thiers diesen Dusaure so gut zu seinen Wendungen und Ueberraschnngen gebrauchen. Die Schlacht um den Prinzen Napoleon, welche von den Royalisten verloren wurde, veranlaßt Le Siecle, einmal wieder von den großen Verschwörungen zu reden, die jetzt in Frankreich im Werke seien: die eine im Namen Napoleon's IV., die andere, „welche

als sie sich so plötzlich aus süßen Träumen in die fatale Wirklichkeit versetzt sah, und ich wartete nicht erst ihre Aufforderung ab, sondern begab mich frei­willig in mein Versteck, wo ich mir eigenhändig das Tuch vor die Augen band, bis mein Mädchen ange kleidet war; auch wurde, obwohl ich bis zehn Uhr verborgen bleiben mußte — der Stunde, wo Papa Hagen auszugehen pflegte — sehr wenig zwischen uns gesprochen, — ich erfuhr nicht einmal den Grund von Ella's nächtlichem Weinen; erst ein langer trost­loser Brief, den ich am nächsten Tag erhielt, gab mir darüber Aufschluß. Es war nichts anderes, als die fatale Idee, mit der sich Ella ohne Unterlaß quälte, — sie habe sich dadurch, daß sie eine Nacht unter den geschilderten Verhältnissen mit mir zugebracht, zu viel vergeben. Es hafte nun ein Fleck aus ihrer Ehre, der nur durch die Legalisirung unserer Verlo­bung und unsere endliche Vermählung getilgt werden könne. Alle meine schriftlichen und auch mündlichen Versuche, sie von dieser Idee abzubringen, waren ver­geblich. Allen meinen Vernunftsgründen stellte sie das eine entgegen, ich sei ein Mann und als solcher ver­stehe ich ihr Gefühl nicht, könne also auch nicht da rüber urtheilcn. Und da hatte sie Recht. Ist es eine ausgemachte Thatsache, daß ein Mann nie so schamlos, so frech werden kann, wie ein Weib, so ist es ander feitä auch gewiß, daß das Schamgefühl eines echten und unverdorbenen Weibes so fein, so zart ist, wie nichts anderes in der Natur, und ein geistig noch so vollkommener Mann wird in diesem Punkte nicht die Fähigkeit haben, den Joeengang, die Gefühle eines Weibes völlig zu verstehen. Er kann sie nur ahnen, und dieser Ahnung gemäß fein Gebaren dem Weibe gegenüber einrichten.

„So that auch ich. Nachdem ich eingesehen, daß all' mein Reden und Trösten nichts half, mein Mäd chen aber immer bleicher und trauriger wurde, blieb mir nichts anderes übrig, als unverzüglich den Schritt

zu thnn, der unsere Verlobung rechtskräftig machen sollte. Ich war dazu zwar schon längst entschlossen, doch wollte ich noch ein Zahr warten, damit der Baron nicht die Jugend Ella's als Ausflucht benütze, um eine Antwort zu verweigern. Ich schrieb also an den Baron mit der Bitte, mir eine vertrauliche Unterredung in seinem Hause zu gestatten. Ella möge er immerhin fort­schicken; es sei mir dies sogar lieber. Die Bitte wurde gewährt und so trat ich denn ungefähr vier­zehn Tage nach der verhängnißvollen Nacht beim Baron ein. Er empfing mich sehr freundlich und bot mir ungemein liebenswürdig seine Dienste an, falls ich irgend etwas benöthigen sollte. Ella war mit der Alten fort und ich konnte ohne Scheu den Sturm heraufbeschwören. Nachdem ich ihn gebeten, mich un­gehindert aussprechen zu lassen, entwickelte ich ihm einen kurzen Abriß unserer Liebesgeschichte bis zu Ella's Geburtstag und unserer Verlobung. Von der Nacht sprach ich natürlich noch nicht. — Der Mann wollte vor Wuth bersten. Er schimpfte und fluchte über die Weiber im Allgemeinen, dann über feine Tochter, die undankbar und schlecht sei und endlich ging's in vollen Accorden über die Alte los. Mich jelbft hatte er ganz vergessen.

„Ich liefe ihn austoben, bewies ihm hierauf, dafe er bei seinem Absperrungssysteme seine Tochter geradezu zu Heimlichkeiten zwinge, und bat bann ganz ent schieden um Ella's Hand. Darauf war er offenbar nicht gefaßt gewesen. Endlich fragte er mich, ob ich verrückt sei. Ich versicherte ihn des Gegentheils. „Dann muß ich Ihnen sagen, daß Sie meine Tochter nicht bekommen. Ich empfehle mich Ihnen;" Mit diesen Worten glaubte er sich meiner entledigt zu haben, doch ganz im Gegentheil; er zwang mich da­mit zum Aeußersten, die Nacht meiner Gefangenschaft zu erwähnen. Dieß mußte aber so geschehen, daß er, durch meine Worte auf das Aergfte corbcreitei, nach vollständiger Darlegung der Verhältniffe milder

das Frankreich vor 1789 wieder auSscharren und einen Thron für das Wunderkind Heinrich V. er= richten will". Zu diese» anch von Dusaure er­wähnten kommt dann laut dem Siecle noch die, welche er kürzlich mit Stillschweigen überging, die der Orleanisten. Auch das Journal des Debais be.- zeichnet die gestrige Sitzung als „eine der wichtigste» und entscheidendsten, die wir seit geraumer Zeit ge habt haben." Auch dieses Blatt bezeichnet das Be­streben der Royalisten als eine Finte: man wollte die National - Versammlung über das wahre Zstt täuschen, das darin bestand, die Regierung zu ent wurzeln und Rache für die vielen Schlappen d« letzten Zeit zu nehmen. Der Sieg der Regierung war vollständig, obwohl die Majorität nur 56 Stimmen betrug. Das Univers freut sich trotzdem, daß sich bei dieser Gelegenheit wieder herausgestebi habe, wie sehr Broglie's Bemühungen, das recht- Centrum als Stütze der Regierung zu verwenden, vergebens gewesen, und wie wenig Thiers auf diese Leute rechnen könne. UniverS fordert die Rechte auf, sich durch diese Schlappe nicht einschüchtern zu lasten, sondern in ihrem Streben fortzufahren, das Mi­nisterium zu stürzen.

Rom, 26. März. Deutsche und Italiener feier ten vergangenen Sonnabend im Theater Goldoni in Livorno den Geburtstag des deutschen Kaisers und Königs von Preußen. Der Saal war mit den Büsten Kaiser Wilhelms und König Victor Emanuels und den deutschen und italienischen Farben geschmückt und auf der in ein Wäldchen -verwandelten Bühne spielte die Musik des 70. Infanterieregiments. Der deutsche Konsul Apelius brachte in italienischer Sprache die Gesundheit des Königs von Italien und das Wohl des italienischen Volkes und Heeres ans, worauf bei Oberst Angioli in deutscher Sprache mit der Gesund­heit des Kaisers von Deutschland und dem Wohl bei deutschen Volks und seiner Armee antwortete. Am meisten aber zündete die Rede des Obersten Borghcst, in welcher er ausführte, daß Italien und Deutschland berufen sind, gemeinsam den Weg des Fortschritts zn wandeln und die Fahne der Ordnung und Freiheit hoch zu halten. Er sprach die Hoffnung aus, das der Friede nicht gestört werde. Sollte aber, schloß er, fremder Uebermuth uns zum Kriege nöthigen, s« werden Deutschlands und Italiens Heere den Feind der Wahrheit und des Fortschritts niederwerfen. Um 11 Uhr schloß das Bankett und fing der Ball an. Diese« von Deutschen und Italienern zusammen ge­feierte Fest ist ein sprechender Beweis der Gesinnun gen beider Völker.

Madrid, 28. März. Im Ministerrathe iß der Gedanke angeregt worden, den General ©errat» mit dem Oberbefehl der Armee zu betrauen, weil man von ihm die Herstellung der Mannszucht et- warten könne. In so weit mag diese Erwartung be­gründet sein, als Serrano durch keine republikanische —--------- ---------- . _ u- — - -

gestimmt wurde. Ich erwiderte also ruhig: „Darin irren Sie /ich, Herr Baron! Ich werde Ihre Lochtet heirathen und ich wäre gar nicht gewissenhaft, wenn ich eS unterließe!" — „Was wollen Sie damit sagen?" brauste der Baron auf. — „Nichts anderes, als daß Ella sich durch verschiedene Umstände so an mich gebunden fühlt, daß sie keinem anderen Mann ihre Hand reichen will. Und in's Kloster dieses Mädchen zu schicken oder gehen zu lassen, das wärt doch Sünde." Der Baron war bleich geworden- „Sie haben doch nicht. . . ." „Allerdings! 34 habe mit Ihrer Tochter eine Nacht in deren Schlaf zimmer zugebracht!" — „Entsetzlich! Schmachvoll!' jammerte der nervöse Papa außer Fassung. „Durch- aus nicht so arg wie Sie glauben, aber immerhin ein zwingendes Motiv für Sie!" erwiderte ich ent­schieden. — Nun wollte er gegen mich wüthen, be­stritt dazwischen die Möglichkeit meiner Behaupte und bestürmte mich mit Fragen.

„Vorerst bat ich ihn, ein wenig ruhiger zu sein, dann erzählte ich ihm das letzte Capitel unserer schichte kurz und bündig, — natürlich mit Scheint»- meiner Person, — und bewies ihm, daß das zack Gefühl seiner Tochter, deren Glück er ja gewiß wolle, für den Moment wenigstens eine Zusage von fein^1 Seite gebieterisch fordere; er möge dieselbe immerhin verclausuliren, so viel er wolle. Im übrigen neh^ ich, wie er wisse, in der Gesellschaft eine ehrenh»^ Stellung ein, — sei also im schlimmsten Falle kein ganz zu verwerfender Schwiegersohn. Auch fei jeden Augenblick bereit, zurückzutreten, wenn die ©** finnungeii Ella's gegen mich sich ändern sollten. j Der Baron war beruhigt. Malheur war keins F schehen, wie er sah, und die Möglichkeit einer mählnng Ella'S nach seinem Sinne immer noch vor­handen. Er gab also klein zu: unsere VerlobtH ward acceptirt, die Dauer der Brautzeit auf i*6 Jahre festgesetzt, während welcher Zeit ich Ella ns