Marburg, Mittwoch, den 2. April.
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1873
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von dem einen Arme auf der rothen Decke reizend abhob, — ein
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Deutsches Reich.
•* Berlin, 31. März. Nach dem Deutschen Wochenblatt hat der Bischof von Limburg an den teuischen EpiScepat die Aufforderung gerichtet, den Katholiken den Eid aus die Verfassung zu verbieten. Es muß dahingestellt bleiben, ob diese Nachricht auf Wahrheit beruht, oder ob man es nur wieder mit einer jener Drohungen zu thun hat, wie sie im Laufe des Consliktes schon so oft von den Ullramontanen ausgestoßen sind, ohne doch sie zu erfüllen. Der Ausführung der angekündigten Maaßnahme kann man um so gleichmüthiger entgegen sehen, als dieselbe weniger das Interesse des Staates, als das der Kirche selber schädigen würde. Es zeigt sich schon wieder, wie dringend nothwendig die in Aussicht genommene Gesetzgebung ist, welche 'nicht nur die Rechte der Bürger auf Gewissensfreiheit und die Souveränität des Staates wahren, sondern schließlich die Kirche selbst auch vor etwaigen aus ihrem Schooße hervor gehenden Excesse Seitens allzuhitziger Fanatiker schützen wird. Dasselbe obengenannte Blatt erzählt der Aufhebung der katholischen Feldprobstei sei ein Briefwechsel zwischen dem Fürsten Bismarck und dem Kardinal Antonelli voraufgegangen. Ohne diese Behauptung widersprechen zu wollen, kann doch soviel mit Bestimmtheit versichert werden, daß eine derartige Korrespondenz keineswegs den erwähnten Maßregeln voraufgegangen ist. Es heißt, daß allerdings vom Kardinal Antonelli die Anregung zu einer Corrcspon. denz ausging, diese aber erst hier eintraf, als die KSnigl. Cabinetsordre bereits unterzeichnet war. — Während ein Theil der Presse die Diätenbewilligung an die Reichstagsmitglieder fast wie die brennendste Frage der Gegenwart und aiS die Grundlage und den Eckstein des liberalen Programms behandelt, sprechen sich andere ebenfalls freigesinnte Organe dahin aus, daß der in Frage stehende Antrag durchaus unzeitgemäß war. ES sei nicht der geringste Grund vorhanden, das angefochtene Prinzip ohne Weiteres preiszugeben, zu mal man nicht immer auf eine den nationalen Interessen so ergebene Majorität, wie die jetzige rechnen könne. Gewiß sei es richtig, daß die
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und Wellenlinien das süße Gehcimniß der ganzen jungfräulichen Gestalt herauslesen, — endlich aber zog ich leise die rothe Decke darüber, beugte mich über das schlafende Mädchen, und hauchte einen sanften Kuß auf ihre Lippen. Sie aber schlug die Augen auf, und schien sich gar nicht zu wundern, als sie mich erblickte; — war's ja doch ein Traum! — Doch nein! es war kein Traum, es war Wirklichkeit! Jetzt besann sie sich erst! Er hatte ja gestern dableiben müssen, und hatte die ganze Nacht auf^em Stuhle dort . . . Glühend^ Röche färbte jäh die Wangen, den Hals und den Nacken des jungen Mädchens, und ängstlich flog ihr Blick über die Decke hin — Gott sei Dank! alles in der Ordnung I und nun ... . doch . . . ."
Der Erzähler stockte. Sein Auge, da- eine zeit- lang so traumverloren geblickt hatte, bekam plötzlich wieder einen völlig freien Ausdruck, und seine Stimme, die eine zeitlang so eigenthümlich leise und doch vernehmlich geklungen Halle, hob sich bedeutend, als er, mit einem verbindlichen Lächeln zur Gesellschaft gewendet, sprach: „Verzeihen Sie, wenn ich vielleicht etwas zu delaillirt erzählt habe, was, wie ich zugeben muß, sich mit wenigen Worten hätte sagen lassen. Doch ich that es halb unbewußt. Meine lebhafte Phantasie hat mir einen Streich gespielt, dir Erinnerung an jene Nacht ward so lebendig in mir, und führte mir die einzelnen Momente so gewisten- haft vor, daß ich darüber meine Umgebung vergaß." Und die Gesellschaft verzieh ihm gerne, denn sie war selbst nicht ganz unbeeinflußt geblieben von der Stimmung des Erzählers. Hatte ja sogar die Dame des Hauses augenscheinlich vergessen, daß von ihr die Rede war, sonst hätte sie gewiß gegen das entblößte Knie protestirt.
Nach einer Pause, die dem Punsch gewidmet war und dem Anzünden der verlöschten Cigarre, nahm R. wieder das Wort: „Ella war recht niedergeschlagen,
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mit Schweden und Norwegen und eine Mittheilung über den Zusammentritt der bereits mehrfach erwähnten Strafprozeßordnungscommission. Der Pauschsummen- etat für Elsaß-Lothringen wurde nach den Anträgen der Ausschüsie für Zoll- und Steuerwesen und für Rechnungswesen festgestellt. Der Ausschuß für Handel und Verkehr berichtete über eine Petition wegen Zulassung des weiblichen Geschlechts zur Beschäftigung im Apothekergewerbe.
— Der „Reichs-Anzeiger" publicirt folgende Ernennungen: Sydow zum Unterstaats - Secretär im Kultusministerium, Greiff zum Ministcrialdirector und wirklichen geheimen Oberregierungsrath. Seminar- director Schneider und Professor Schöne (Halle) zu vortragenden Räthen im Cultusministerium.
Dresden, 31. März. Das Gesuch Bebel's, ihn während der Sitzungen des Reichstages aus der Haft zu entlassen, ist, wie die „Dresdener Nachrichten" melden , vom Justiz - Ministerium einfach abgelehnt worden.
Aus Thüringen, 28. März. Der SonderS- häuser Landtag hat das Gesetz über die Erhöhung der Minimalbesoldungen der Geistlichen bis auf 500 Thaler mit einigen Modificationen angenommen; eS trat aber bei dieser Gelegenheit das Bedürfniß einer Revision der Kirchengemeinde Ordnung und eines organischen »Schulgesetzes sehr zu Tage und wurde dem- felben auch entschieden Ausdruck gegeben. — Die Weimarschen „Grundzüge eines Volksschulgesetzes" werden in der dortigen Lehrerwelt jetzt sehr eifrig berathen. In einigen DiScesen hat man sich vornehmlich für höhere Alterszulagen, besondere Vergütung der Küchendienste ohne deren Anrechnung auf die Besoldung und für den Wegfall der Localschulaufstcht erklärt.
Darmstadt, 31. März. Die „Darmst. Ztg." meldet, daß Minister Kempf nach Berlin abgereift sei, um an den Konferenzen über die Gerichts-Organisation theilzunehmen.
Lahr i. Br., 27 März. Die heutige Bierbrauer-Versammlung war von nahezu 300 der bedeutendsten Brauer Badens besucht. Man beschloß
„Ein Heller Lichtstrahl blendete meine Augen, die weitausgerissen zum Plafond emporstarrten, — schwer keuchend hob sich meine Brust, und kalter Angstschweiß stand mir auf der Stirn. Im nächsten Augenblick war ich wieder orientirt. Ich hatte wirklich geschlafen und war dabei allmählich von der Stuhllehne, die fchles gegen das Bett gerichtet war, herabgesunken, und lag nun mit dem Kopfe und einem Theil des Rückens im Bette selbst; meine Arme aber waren über der Brust gekreuzt und das hatte mir wahrscheinlich den peinlichen Traum verursacht.
. «Ich erhob mich und sah zuerst nach der Uhr auf dem Schreibtisch, sie stand, — dann sah ich nach meiner Uhr, — auch diese stand. Natürlich! Wer hätte auch gestern Abend daran denken sollen, die Uhr aufzuziehen? Aus der großen Helle aber, die im Gemach herrschte, und aus dem regen Leben auf der Straße konnte ich leicht schließen, daß es nimmer sehr früh an der Zeit fei, und deshalb'wandte ich mich, — jetzt zum ersten Male seit ich erwacht war, — dem schlafenden Mädchen zu. Etwas nach meiner Seite geneigt, das Köpfchen
Eine Rächt gefangen.
Novelle von W. O.
(Schluß.)
„WaS sollte ich thun? Weiter in mein Mädchen bringen, hieß nur ihre Leidenschaftlichkeit erhöhen, Atd so gab ich mich den» mit einem Seufzer zufrieden, anb war ganz glücklich, als nach kurzer Zeit das Weinen nachließ und endlich ihre leisen, regelmäßigen Athemzüge mich belehrten, daß sie eingeschlafen sei. — Unb diese« holde Kind, bas aus dem Lachen in's Weinen kommen konnte, um mit Thränen in den
äugen zu entschlummern, und vielleicht recht unschuldig süß zu träumen, — dieses Kind meine Geliebte? Zch muß gestehen, das kam mir recht sonderbar vor; Mle ich mich doch wahrhaftig ganz als Vater, als ich so dasaß, und sorglich den Athemzügen des jungen WäbchenS lauschte. — Das laute Schnarchen Papa Hvgen's sorgte dafür, daß ich mit diesen Gefühlen nicht zu vertraut wurde, und da meine Rolle als Geliebter derzeit eine ganz stumme und passive sein Nutzte, so dachte ich an die Zukunft, und es war in bst That eine Reihe von lieben entzückenden Bildern, bie an meinem geistigen Auge vorüberzogen. —
„Ich muß wohl endlich eingeschlafen sein, denn ® wachem Zustande hätte ich nimmer einem so peinlichen Traume Macht über mich gewährt, wie er mich plötzlich ängstigte: Mir war, ich sitze in süßem Geplauder bei Ella, und wir sännen eben darüber nach, wohl Papa'S aristokratische Vorurtheile am beste» "öerwunden werden könnten, — mein Mädchen spielte ?nchbenklich mit meiner Hand, und ich blickte ihr Urschend in die dunklen Augen, da plötzlich öffnete sich die Thüre und der Baron stürzte herein, und er mich sah, verzerrte sich sein Gesicht zu einem höhnisch zornigen Lachen, und er streckte die Hand
nach dem Mädchen, das mich ängstlich unv Jammert hielt, um es auS meinen Armen zu reißen; ' ich wollte ihm wehren, doch sein stierer Blick
Thräne an der Wimper — so lag sie vor mir, un endlich liebreizend und doch Achtung gebietend. Und als ich meinen Blick senkte, um ihn über die verhüllte Gestalt gleiten zu lasten, bemerkte ich, daß sich die rothe Decke ein wenig verschoben hatte, und ein rundes, blendend weißes Knie zum Vorschein kommen ließ .... Lange habe ich dieses Knie angeftarrt, als könnte ich auS den wenigen abgebrochenen KreiS-
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schiedenen Seiten hin angreifen. U. A. ficht man die Berechnung desselben an. Die Ziffer sei absichtlich zu hoch angegeben, weil die Regierung auf diese Weise Fonds für andere Verwaltungszwecke erübrigen wolle. Es braucht wohl kaum darauf hingewiesen zu werden, daß alle Berechnungen des Gesetzes auf den aller sorgfältigsten Ermittelungen beruhen; außerdem enthält dasselbe in sich bereits genügende Bürgschaften, welche eine Intention wie man sie der Regierung verleumderischer Weise zuschreibt, unmöglich machen würden, die Reichsregierungen werden auch, so weit es angeht, selbst zu einer Erzeugung derselben bereitwillig die Hand bieten. — Ein Korrespondent der Elberfelder Zeitung erwähnt des auch in französischen Blättern colportirten Gerüchtes, daß die deutsche Regierung sich bei den Verhandlungen mit Frankreich die Niederschlagung des Prozesses Bazaine mit ausbedungen haben; er j will dasselbe von einem particularistischen Reichstagsboten haben. Ein verständiger Mensch sollte sich nicht dazu her geben, derlei Geschichtchen weiter zu tragen, die man einfach als alberne Erfindungen bezeichnen muß.
— Der Bundesraih hielt heute vor Beginn der Plenarsitzung des Reichstags eine Sitzung ab, welche etwa eine Stunde währte. Unter den Präsidialvorlagen befand sich auch der Antrag, betreffend den Abschluß eines Handels- und Schifffahrtsvertrages bannte mich, — ich war wie gelähmt an allen Gliedern, und fühlte, wie des Mädchens Arme von mir abglitten, — ich sah, wie er die Widerstrebende mit sich fortzerrte, es faßte mich wilde Verzweiflung, — ich wollte gellend aufschreien —
Wahlen zum Reichstag und weiland des norddeutschen Bundes jedesmal unter dem Eindrücke der großartigsten Ereignisse erfolgt seien, aber gerade deshalb müsse man, weil doch auch Zeiten kommen könnten, wo das" nationale Gefühl nicht so entflammt sei, nicht die wichtigste Bürgschaft der Berfassttng selber zerstören. Viele Sieberale, so meint der Hamburger Korrespondent, würden auch schwerlich für die Diätenbewilligung gestimmt haben, wenn sie nicht gewußt, daß ihr Votum durchaus harmlos fei, d. h. keinen Effekt haben werde. Während Reichstag und Preste in ihrer Majorität der Grundsätze des Gesetzes über den Jnvalidensonds durchgehends sehr günstig aufge^ nommen haben, finden sich in der letztere» auch einige rabicale Stimmen, welche den Entwurf nach ver
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