Marburg, Donnerstag, den 27. März.
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zu vertheidigen wissen; von Seiten der Regierung ist aber doch zu bemerken, dah sie nur wünschen kann, aus dem Kampfe gegen die Angriffe auf kirchlichem Gebiete ebenso siegreich hervorzugehen, wie sie aus dem damaligen Kampfe siegreich hervorgegangen ist, und daß sie hofft, es werde ihr auch eben solche Anerkennung von Seiten ihrer jetzigen Gegner der Centrumspartei zu Theil werden, wie sie ihr von der liberalen Partei über ihre Haltung in dem Conflict betreffs der Heeres-Organisation zu Theil geworeeu ist.
— Der Bundesrath hielt am Montag iin Reichstagsgebäude eine Plenarsitzung unter Vorsitz des Präsidenten Delbrück. Rach Feststellung des Protokolls der letzten Sitzung wurden folgende Vorlagen des Präsidiums, betreffend: den Entwurf eines Gesetzes über außerordentliche Ausgaben für 1873 und 1874 zur Verbesserung der Lage der Unteroffiziere; den Entwurf eines Gesetzes wegen Erweiterung der Dienstgebäude des Kriegsministeriums u. s. w.; den Abschluß einer Uebereinkunft mit Belgien wegen gegenseitiger Unterstützung hülföbedürftiger Landcsangehöriger — den Ausschüssen überwiesen. Nach Bericht des I. und VII. Ausschusses über den Gesetzentwurf, betreffend die, Kriegsleistungen, wurde der letztere nach den Ausschußanträgen angenommen. Ebenmäßig lautere der Beschluß über den Antrag der Ausschüsse betreffend die Entschädigung der deutschen Eisenbahn-Verwaltungen für Benutzung ihres Betriebsmaterials zu Kriegszwecken. Der mündliche Bericht des Zoll- und Steuerausschuffes, betreffend die Zurückerstattung eines Zollbetrages, und die Vorlegung von Eingaben mach- teil den Schluß. — Eine Anzahl von Mitgliedern des Bundesraths ist übrigens jetzt schon in die Heimath gereist und hat die einstweilige Vertretung durch andere Mitglieder stattgefunden. Hierzu gehört unter Andern der Hamburgische Vertreter Senator Dr. Kirchenpa u e r. Die Vertretung aller drei Hansastädte fällt jetzt dem hanseatischen Ministerresidenten Dr. Krüger anheim. Dagegen haben die Hansastädte in der Reichssteuercommission jetzt wieder einen Vertreter erhalten.
— Die in Berlin anwesende japanestsche Gesandtschaft empfing am 19. d. eine Deputation des deut- scheu Zweiges der Evangelischen Allianz, bestehend aus: Graf v. Egloffstein, Oberhofprediger Dr. Hoffmann, Geh. Justizrath Drogand, Prediger Erxleben
Eine Rächt gefangen.
Novelle von W. O- (Fortsetzung.)
Nachdem ich Ihnen hiermit die zum Verständniß des Folgenden nölhige Localkenntniß verschafft zu haben hoffe, gehe ich sogleich zu meinem eigentlichen Gegenstände über. Es war an einem herrlichen Nachmittage des Monats August 1868, als eine offene, biersitzige Droschke auf der Fahrstraße in unmittelbarer Nähe der Bavaria hielt. Aus derselben stieg ein alter Herr, hoch und hager, von äußerst schlotterigem Gliederzusammenhange und etwas gebeugtem Süden; seinem faltigen Gesichte, aus dem sich rie Nervosität in Permanenz erklärt zu haben schien, bermochte nicht einmal der martialische grau-blonde Echnurrbart eine kräftigere Schattirung zu verleihen. Doch war daö Gesicht im ganzen nicht unangenehm, und fand der geübte Beobachter darin selbst einen Zug von Gutmüthigkeit, wenn auch nicht hochgradiger Natur. Dem alten Herrn folgte ein reizendes Mädchen, das man feiner körperlichen Entwickelung nach bereits für siebzehn ober achtzehn Jahre alt halten tonnte, das unschuldige, blühende Gesichtchen aber ließ kaum auf fünfzehn Jahre fchließen. Eine nicht besonders hohe Stirne, mit welcher das gerade feine Näschen ein reines beinahe griechisches Profil zu bilden strebte, ein frischer rother Mund, auf dem sehr häufig ein füßes, schelmisches Lächeln auftauchte, daran anschließend ein ungewöhnlich festes Kinn: — fügen Tie zu alledem feurige braune Augen und ein braunes einfach gescheiteltes Haar, und Sie haben ein Gild von dem Kopfe des Mädchens. Gestatten Sie ntii nur noch einige Worte über die Gestalt unserer Heldin.
aus — dieser Schluß . . , Besonders der Busen des jungen Mädchens, noch keiner „stays“ bedürftig, wie die Engländer sehr bezeichnend das Mieder nennen, zeigte eine Wellenlinie, die werth gewesen wäre, von dem Meisel eines Praxiteles in Marmor festgehalten zu werden. — Doch ich sehe, ich muß es meinen Zuhörern überlassen, die begonnene Zeichnung im Geiste zu vollenden, denn meine Frau wird ganz bedenklich unruhig. — Nachdem die beiden eben be- schriebenen Personen ihre im Wagen etwas verdrückte Toilette zurecht gerichtet hatten, eilte das Mädchen voran einen Hügel hinab zur Havana: der Herr folgte, auf seinen Stock gestützt. Lola besah sich das weibliche Ungethüm mit dem Löwen zur Seite, dasselbe umgehend, während ihr Vater — denn in diesem unwahrscheinlichen Verhältnisse stand der alte Herr zu ihr — ein über das andere Mal in echt nervöser Weise gäh ite. „Nun, meine Tochter, wie gefällt Dir das Ding?" fragte er endlich, da seine Tochter sich ihm wieder näherte. Es erfolgte keine Antwort, denn ein Greis kam daher geschwankt, mit einem großen Schlüssel in der Hand, und dieser nahm die Aufmerksamkeit Lola's in Anspruch. Er nahm höflichst die Mütze ab und fragte, „ob's die Herrschaft nit vielleicht g'fälli' war', in die Bafaria 'raufzusteige?" „Ja, Papa! Ja, Papa!" jubelte das Mädchen, doch der Papa schien nicht sehr einverstanden mit diesem
neue; ich werde die Sperren mit Cigarren versorgen." Während dies geschah, wurde übet das bereits Erzählte gescherzt und gelacht und Alles lauschte gespannt, als die Hausfrau, sich in Positur setzend, mit vibri- renber Stimme zu erzählen begann:
„Mein Mann hat Ihnen den Retter in der Noch bereits angemeldet, gestatten Sie, daß ich auf denselben etwas näher eingehe. Als ich also traurig
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Deutsches Reich.
## Berlin, 25. März. Aus einem Montags blatte sind in die Berliner Presse Mittheilungen Über das Befinden Sr. kaiserl. und königl. Hoheit des Kronprinzen, sowie über die Reise desselben nach Petersburg übergegangen. Diese Mittheilungen, so weit sie sich auf fortschreitende Genesung und zunehmende Srästigung der Gesundheit des Prinzen beziehen, sind
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vollkommen richtig, nicht aber in Bezug auf die Reise. Es sind über die Modalitäten der Reise Sr. Maj. des Kaisers, sowie über die eventuelle Begleitung des Kronprinzen noch keine festen Bestimmungen getroffen. — Es sind in jüngster Zeit, von der katholischen Bevölkerung des Landes ausgehend, mehrfach Adressen an den Kaiser gelangt, welche sich in höchst loyaler Weise aussprechen, so unter Anderen auch aus Leobschütz (Schlesien). Eine große Anzahl von Bewohnern der Stadt, aus allen Ständen, spricht in derselben ihre Ueberzeugung aus, daß sie die neuen kirchen-politischen Gesetze zur Wiederherstellung des gestörten confessio- nellen Friedens für geboten erachte. — Am 18. d. standen vor dem Landgerichte zu Trier die 48 Geistlichen der Diöcese Trier, welche eine Erklärung zu Gunsten der Jesuiten und Redemptoristen unterschrieben hatten, sie sind wegen Beleidigung der dortigen Regierung zu einer Geldstrafe von je 15 Thlr. ver- urtheilt worden. Dies Erkenntniß ist für die dortigen Verhältnisse von großer Bedeutung, da die Geistlichkeit in den Augen der katholischen Bevölkerung jener Gegend für unfehlbar galt. Um so schwerer wiegt die Verurtheilung durch katholische Richter. Unterzeichnet hatten die Erklärung: sämmtliche Pfarrgeistliche und Kapläne der Stadt Trier, die Mitglieder des Dom- eapitels, mit Ausnahme des Dompropstes und eines Mitgliedes des Kapitels, ferner die Vorsitzenden des Seminars und die Religionslehrer. Nicht unterschrieben haben: der Bischof, der Weihbischof und der bischöfliche Generalvicar. — Die „Germania" druckt eine Rede des Abg. Prof. Gneist aus dem Jahre 1863 ab, wohl in der Absicht, um den großen Gegensatz zwischen dem Herrn Gneist, welcher in nachdrücklichster Weise für die Unantastbarkeit der Verfassung eintrat, hervorzuheben, und dem Herrn Gneist vom Jahre 1873, welcher mit so großer Schärfe die Nothwen- digkeit betonte, gewisse Verfassungs-Paragraphen zu ändern, um ihnen eine solche Fassung zu geben, daß der weltlichen Macht dadurch die Mittel in die Hand gegeben würden, sich gegen die Uebergriffe des Clxrus zu sichern. Außerdem scheint dieser Reminiscenz der „Germania" der Gedanke zu Grunde gelegen zu haben, dadurch zu beweisen, wie die Staatsregierung von Seiten der liberalen Partei eben so scharfe An griffe erfahren habe, wie sie jetzt vom Centrum gegen dieselben gerichtet wurden. Der Herr Gneist wird sich
„Ach Gott!" seufzte Frau Ella in komischer Verzweiflung.
„Der Gegenstand meiner Beschreibung, dem ich 1 den Namen Lola geben will, war hoch und schlank
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. Bestellungen auf das Weite Amrtal 1873 der Oberhefsischen Zeitung ersuchen wir baldigst bei der nächsten Postanstalt machen zu wollen. Ohne vorherige Bestellung wird von der Post die Fortsetzung nicht geliefert.
Auf dem Lande nehmen die Landpostboten Bestellungen entgegen.
Neu zugehende Abonnenten in hiesiger Stadt erhalten das Blatt vom Tage der Bestellung bis zum 1. April gr-atis.
Der „Reichs- und Staatsanzeiger" publicirt fol-i genden Allerhöchsten Erlaß:
Aus Anlaß Meines diesjährigen Geburtstages haben wiederum zahlreiche Gemeinden, Korporationen, Vereine, Festversammlungen und einzelne Personen, innerhalb wie außerhalb des Deutschen Reiches wetteifernd sich beeilt, Mir schriftlich und telegraphisch, zum Theil selbst in poetischer Form, ihre Glückwünsche auSzusprechen. Von diesen vielen sinnigen Zeichen liebevoller treuer Anhänglichkeit aus's Neue freudig überrascht, wünsche Ich allen Denjenigen, welche Meiner an jenem Tage mit so warmer Sympathie gedacht haben, zu erkennen zu geben, wie von Herzen dankbar Ich den Werth ihrer Aufmerksamkeit empfinde. In diesem Sinne beauftrage Ich Sie, Vorstehendes zur öffentlichen Kenntniß zu bringen.
Berlin, 24. März 1873.
Wilhelm
An den Reichskanzler.
Ja. Er meinte, er könne sie doch nicht allein gehen lassen, und seinen Füßen könne sie eine solche Kletterei wohl nicht zumuthen, — von dem Pförtner ganz zu |ebroeigen. Diese Gründe waren allerdings einleuchtend _ „ genug, doch Lola verzichtete noch nicht. „Warum soll
gestattete dem Blicke einen Wahrscheinlichkeitsschuß zu ich aber nicht allein gehen?" fragte sie schmollend; rieben nut hi? ttnrmon »nb or «of <»kr botrnbi.^nh bin schon oft allein über die Stiege gegangen, und eö ist mir nichts geschehen; hier wird es ja auch nicht so gefährlich sein." „G'fährli' iS freili nit," belehrte der Pförtner, „aber finschter is.„ „Ah was!" rief tapfer das Mädchen, „ich fürchte mich nicht vor Gespenstern. Laß mich, Papa!" Doch Papa blieb bei seinem Nein und schon wollte Lola traurig verzichten, da erschien der Retter in der Noth."
„Jetzt laß mich erzählen!" bat hellauflachend Frau Ella, zur großen Ueberraschung der Gesellschaft, die diesen plötzlichen Stimmungswechsel, welcher in ber Dame des Hauses offenbar in Folge einer lebhaften Erinnerung eingetreten war, nicht verstehen konnte. Nur R. war nicht überrascht. Mit bedenklicher Miene sprach er: „Eigentlich, liebe Frau, ist das nicht im Contracte enthalten und habe ich verschiedene Gründe, zu protestiren; doch da, wie es scheint, Deine Bitte Unterstützung findet bei unfern lieben Säften, so mag es drum fein. Bevor Du aber zu erzählen beginnst, fei fo gut und fülle die Gläser aus's