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Marburg, Dienstag, den 25. März.
1873.
Oterhessische Zeitung.
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Nickel- und Kupfermünzen im Betrage von mehr als einer halben Mark in Zahlung zu nehmen. Um Borsorge zu treffen, daß diese Münzen nicht in größeren Beträgen in den Verkehr treten, als sie zur Ausgleichung von Zahlungen im kleinen Verkehr erforderlich sind, bestimmt Art. 3. 4, daß der Gesammtbetrag der Silbermünzen bis auf Weiteres 10 Mark, der der Nickel- und Kupfermünzen 21/2 Mark für den Kopf der Bevölkerung nicht übersteigen soll. Die Motive zu dem Gesetz theilen u. A. mit, daß die Ausprägung von Reichsgoldmünzen bis Ende April voraussichllich den Betrag von 600 Millionen Mark in Zehn- und Zwanzigmarkstücken erreicht haben wird, von welchem nach Abzug der für den Reichskriegsschatz erforder- ichen 120 Millionen Mark die für den Verkehr be timmte Menge darstellen. Hiermit sei zwar keineswegs die Summe erreicht, welche nach Durchführung der reinen Goldwährung für den Verkehr erforderlich ein wird, wohl aber die Möglichkeit gegeben, schon jetzt den zweiten Schritt der Gesetzgebung zu thun, welcher in. der definitiven Ordnung der neuen gemein»
Thalern aus den Verwaltungs-Ueberschüssen des Iah res 1872, zur Tilgung der 4l/2procentigen Staatsanleihen von 1848, 1854, 1855, 1857 1859, und der nassauischen Staatsanleihe von 1861. Der Finanz- Minister wird den Zeitpunkt der Aufkündigung bestimmen.
— Der Entwurf des Münzgesetzes liegt jetzt den Mitgliedern des Reichstags im Druck vor. Das Wesentlichere aus demselben ist bereits aus früheren Mittheilungen bekannt. Der Entwurf setzt an Stelle der in Deutschland gegenwärtig geltenden Wahrungen die Reichsgoldwährung, deren Rechnungseinheit die Mark bildet. Außer den Reichsgoldmünzen sollen als Silbermünzen; Fünfmarkstücke, Einmarkstücke, Einhalb Markstücke und Einfünftelmarkstücke; als Nickelmünzen: Zehnpfennig und Fünfpfennigstücke, endlich als Kupfermünzen: Zweipfennig- und Einpfennigstücke geprägt werden. — Da das System des Entwurfs nur dann ins Leben treten kann, wenn die für den kleinen Ver- kehr erforderlichen neuen Münzen in ausreichendem Umfange ausgeprägt werden, so wird bestimmt, daß durch kaiserl. Verordnung, welche an die Zustimmung des Bundesraths gebunden ist, der Zeitpunkt festgestellt werden soll, zu welchem die Markrechnung an die Stelle der Landeswährungen zu treten hat. Eine Konsequenz der reinen Goldwährung ist die, daß die Pflicht zur Annahme von Silbermünzen bei Zahlungen auf einen bestimmten Maximalbetrag beschränkt wird. Dieser Forderung entspricht der Artikel der Vorlage, welcher bestimmt, daß Niemand verpflichtet ist, Reichs silbermünzen im Betrage von mehr als 20 Mark, und
— Der „ReichSanzeiger",veröffentlicht das Gesetz ----,..... ...
vvm 13. März betr. die Verwendung von 12,774,000« samen Münzverfassung zu bestehen hat.
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Deutsches Reich.
Berlin, 22. März. Der Kaiser empfing im Laufe des Vormittags die Glückwünsche zu seinem heutigen Geburtstage der königlichen Familie, der anwesenden deutschen Fürsten und anderer fürstlichen Personen, der Minister, der Generale, der Hofstaaten, der Präsidien des Reichs- und des Landtags, sowie der Commandeure der Leibregimenter. Die Stadt ist überall festlich geflaggt. Vor dem Palais des Kaisers ist eine sehr zahlreiche Menschenmasse versammelt, welche den Kaiser enthusiastisch begrüßt, wenn er sich zeigt. Abends war im königlichen Palais eine dramatisch - musikalische Abendunterhaltung, zu welcher etwa 540 Einladungen ergangen waren. Unter den geladenen Gästen befanden sich die königlichen Prinzen und Prinzessinnen, die zur Gratulation hier eingetroffenen Gäste nebst Gefolge und die übrigen hier anwesenden Fürstlichkeiten nebst Gemahlinnen, die Botschafter Englands, Oesterreichs und Rußlands «ebst Gemahlinnen, der französische Botschafter Vicomte Gontaut-Biron, der Reichskanzler Fürst Bismarck und Gemahlin, die active« Staatsminister, die noch hier anwesenden Botschafter des Kaisers von Japan, Mitglieder des BundeSrathes u»d höhere Militärs rc. — Die drei parlamentarischen Körperschaften deS Reichs und Preußens feierten den Geburtstag des Kaisers in Arnims Hotel durch ein Festdiner. In der Versammlung überwogen die Mitglieder des Reichstags, die des Landtags waren unmittelbar nach der Freitagssitzung größtentheils in die Hcimath geeilt. Der Präsident Dr. Simson brachte den ersten und einzigen Toast au«, den Toast auf den deutschen Kaiser.
— Die Ratificationsurkunden deS französisch-deutschen Räumungsvertrages vom 15. März wurden heute Nachmittag hier ausgewechselt.
— Der Bundesrath hat sich bis jetzt über die Frage der Erhöhung der Tabaksfteuer noch nicht schlüssig gemacht. Die Hauptschwierigkeit — wie der ,,M> Z " geschrieben wird — liegt offenbar in der Nothwendigkeit, mit Erhöhung der Importzölle auch die Bodensteuer zu erhöhen, während man eS sich nicht verhehlen kann, daß diese Bodensteuer die rationellste aller Steuerformen ist, ein anderer Be- steuerungSmodus des inländischen Tabaks aber noch keinen Anklang gefunden hat. Ebenso kann die Unbilligkeit nicht verkannt werden, welche in der gleichen Besteuerung des Tabaks liegt, ohne Rücksicht auf dessen Werth und Consumeutenkreis; eine Besteuerung ad valorem begegnet aber wiederum ihrerseits einem ähnlichen Widerstande in den Seestädten, wie ihn die Erhöhung der Bodensteuer in den tabakbauenden Distrikten findet. Die Interessenten der Tabaksbranche legen auch keineswegs die Hände in den Schooß. Unsere Reichsboten finden regelmäßig unter ihren Drucksachen eine neue Anzahl von Eingaben und Broschüren bezüglich der Tabaksbesteuerung. Auch eine Deputation aus dem Elsaß ist in dieser Angelegenheit in Berlin angelangt, an deren Spitze der verdiente Präsident der Straßburger Handelskammer, Herr Julius Seegewalt, steht. Vermuthlich wird die große Unpopularität, welcher eine Erhöhung der Boden, steuer namentlich im Elsaß begegnen würde, bei der schließlichen Regulirung dieser Steuerfrage nicht ohne allen Einfluß bleiben. Man weiß, daß der Tabakbau im Elsaß sehr verbreitet ist und besten Blüthe mit dem französischen Tabaksmonopole sehr wohl verträglich war. Es verlautet, daß der Präsident des Reichs- kanzleramteS, Delbrück, der elsässischen Deputation die Versicherung ertheilt habe, daß, wie auch der Beschluß über dieSteuererhöhung fallen möge, der diesjährige Anbau nur nach dem bestehenden Gesetz besteuert werde. Im Weiteren soll sich Hr. Delbrück über bie, Chancen der Steuerreform sehr reservirt ausgedrückt und auf allgemeine Andeutungen über die Rücksichten, die man dem Tabaksbau und der Tabaksindustrie widmen werde, beschränkt haben. Was man über die Stimmung in Abgeordnetenkreism erfährt, geht dahin, daß auch hier noch die Ansichten sehr im Schwanken begriffen sind. Ueberwiegend begegnet man der Meinung, daß der gegen die Salzsteuer unternommene Feldzug jedenfalls zu einem positiven Resultate führen müsse, und um den Preis einer Abschaffung dieser Steuer auch eine an und für sich zweifelhafte Art der Erhöhung der Tabakerträgnisse in den Kauf genommen werden muffe. Eine Klärung
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Novelle von Ewald August König.
(Schluß.)
„Es ist wahr," erwiderte der Director, „mich bestach seine Liebenswürdigkeit; zudem konnte ich ja keinen Argwohn gegen ihn hegen, er halte in allen Kreisen Zutritt und er war überall ein gern gesehener Tast."
„Dennoch begreife ich nicht, daß er so lange — * . „Man begreift daS rasch, wenn man weiß, welche Hülfsmittel er besaß," unterbrach der Director den Hauptmann.
„Die Organisation der Bande war vortrefflich. Zeder nahm Antheil an dem Gewinne Aller, Verrach *ar mit dem Tode bedroht, eine Verhaftung hatte Am Mitglied zu befürchten, denn nicht allein, daß die ®änbe ihre besoldeten Spione im Bureau der Polizei h-ye, waren auch in allen Gefängnissen Schließer schivchen; dadurch erklärt sich, weshalb unsere Nach- svtschungen so lange vergeblich blieben und wie die befangenen eS ermöglichten, trotz Kette» und Wachen ju entweichen."
Der Hauptmann schüttelte den Kopf, er begriff es ^ch immer nicht.
Ein Herr hatte sich inzwischen dem Tische genä= .tat, er wechselte mit dem Polizeidirector einen bedeuten Blick, dann Überreichte er ihm eine Depesche. |
Hastig öffnete der Director das Couvert, ein Zug triumphirender Genugthuung glitt über sein Gesicht, als er den Inhalt der Depesche gelesen hatte.
„Kommen Sie, meine Herren," sagte er, sich rasch erhebend, „ich hoffe, seine Rolle ist z« Ende."
Schweigend folgten die Officiere ihm, die übrigen Herren schlossen sich ihnen an.
Vor dem königlichen Hose standen zwei Nachtwächter, Niemand konnte vermuthen, daß sie den Auftrag hatten, den Gasthof zu bewachen.
Der Polizeibirector wechselte leise einige Worte mit ihnen, dann ging er in das Hans hinein.
Ein Beamter blieb an der Hauslhür' zurück, die beiden andern besetzten die Treppe.
Ohne die Bestürzung der Kellner zu beachten, trat der Director in den Saal.
Zwei Herren saßen hier bei einer Flasche Champagner, nach ihrer Kleidung zu urtheilen waren sie reiche Gutsbesitzer.
„Er ist vor einer halben Stunde hinausgegangen," sagte der Eine, als der Tirector neben ihnen stand, „Nummer neunzehn."
„Liegt das Zimmer an der vorderen Front?"
„Nein."
„So gehen Sie auf den Hof und halten Sie Wache. Versucht er zu fliehen, so kennen Sie die Ordre — tobt ober lebend, ich hoffe, Sie werden
ihm eine gefährliche Wunde beibringen können, die ihn gleichwohl au der Flucht verhindert."
Gefolgt von den Offizieren, stieg der Direktor die Treppe hinauf.
Vor der Thür, welche die Nummer neunzehn trug, blieb er stehen — sie war verschlossen.
Der Director pochte an, drinnen blieb es still, der Lichtschimmer, der durch einen Riß im Getäfel der Thür fiel, vcrrieth daß der Gast noch wachte.
Der Director pochte zum zweitenmale.
Eine Stimme, deren Klang sofort den Harrenden bewies, daß hier kein Jrrthum obwalten konnte, fragte in englischer Sprache, wer Einlaß begehre.
„Eine Depesche," erwiderte der Director kurz.
Die Thür wurde geöffnet, erschreckt trat der Baron zurück, als sein Blick auf die ihm wohlbekannten Herren fiel. Ader seine Ueberraschung währte nur einen kurzen Augenblick.
„Was wünschen Sie?" fragte er barsch. „Sie sehen, daß sie sich geirrt haben, hier ist Nummer neunzehn."
„Haben Sie Ihre Muttersprache vergeffen oder glauben Sie noch immer, mich täuschen zu können?" spottete der Director. „Ihre Rolle ist zu Ende, sie endet im Zuchthause ober auf dem Schaffst."
„Was will dieser Herr?" wandte der Baron,