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fr. 69* Nlarkurg, Sonnabend, den 22. März. 1673.

Oberhessische Zeitung.

Erscheint tLglich außer den Werktagen nach Som- und Feiertagen Preis für das Quartal durch die Expedition (Koch'sche Buchdruckerei! bezogen 221 Sgr., durch die Postämter 27 Sgr. (excl. Bestellgebühr und incl. Stempelsteuer), für das Ausland excl. Stempel 22 Sgr. — Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 1 Sgr.

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---------- fc BefteLungen itif das Weite tluurtul 1873 der Oberhefsischen Zeitung ersuchen wir baldigst bei der nächsten Post- gnstalt machen zu wollen. Ohne vorherige Bestellung wird von der Post die Fortsetzung nicht geliefert. ~ •

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Deutsches Reich.

•# Berlin, 20. März. Unterm 10. d. M. hat der Minihrr de» Innern definitive Instruktionen zur Ausführung der die Kreistage betreffenden Vor­schriften der neuen Kreisordnung an die Provinzial- ökhörden erlassen. — Die Nachrichten über den Landeshauptmann von Seydewitz, die gestern an dieser Stelle gegeben worden, werden heute in schlesischen Plättern bestätigt; wenn es in letzteren heißt, baß Herr v. Seydewitz die Stelle eines Oberpräsideuten für Schlesien nicht anzunehmen geneigt sei, weil die don ihm gestellten Bedingungen nicht acccptirt worden »ären, so wird dies nur dahin zu verstehen sein, daß Herr v.jSeydewitz seine Stelle als Landeshaupimann der Oberlausitz neben dem Amte als Oberpräsident beibehalten wollte, was natürlich nicht als thunlich erachtet wurde. — In einer durch die Blätter lausen den Nachricht auS Metz wird behauptet, daß der jetzige neue Beziiks-Präsident von Metz der fünfte Beamte in dieser Stillung sei, und daß diese Unflätig feit nicht zum Vorth ile für die dortigen Verhältnisse diene. — Diese Auffassung ist jedoch dahin zu be­richtigen, daß Gras Arnim nur dann der fünfte Be­amte sein würde, «hin bei der Zählung auch die provisorischen Verwaltungs-Vorstände während des Krieges gerechnet werden dürsten. Seit der definitiven

Organisation der neuen Reichslande ist Graf Eulen­burg der erste BezirkSpräsioent von Metz gewesen und erst von dieser Zeit aa konnte von einer regel­mäßigen Verwaltung die Rede sein. — Dem Bunves- rath ist ein Nachtrag zum Etat für das auswärtige Amt pro 1874 mit eingehenden Erläuterungen vor­gelegt. Namentlich findet der Ansatz des GehaiteS des Staatssekretärs auf 12,000 Thlr. weitere Moti- tit'irung in dem Umstande, daß die Gehälter des Präsiieilden des Reichskanzleramtes und des Chefs der kaiferl. Admiralität — mit welchen der Staats­sekretär in gleicher Kategorie stehe — mtf dieselbe summe netmirt worden fei. — Bei Besprechung der jüngsten Reichstagsverhandlungen wird in einigen Blättern Befremden darüber geäußert, daß von Seiten der Reichs Regierung keine ^Erklärung über die ange­regte Preßlegislative erfolgt sei. Es ist hierbei daran zu erinnern, daß die Reichs Regierung in ähnlichen Fällen dieselbe Zurückhaltung beobachtet hat und es ist das auch erklärlich, so lange der BundeSrath nicht Gelegenheit gehabt hat, die zur Verhandlung stehen den Fragen in Erwägung ziehen zu können.

— Die Hauptverwaltung der Staatsschulden kündigt zum 1. October diejenigen Beträge der preu ßifche» Anleihen von den Jahren 1848, 1854, 1855, 1857 und 1859, welche nicht convertirt oder couso licirt worden Der einzulösende Betrag macht etwa 22 Millionen Thaler aus; die geküiidiglen Schuld­verschreibungen können auch schon jetzt ungelöst werben.

— Die liberalen Fraktionen werden den Lasker'- schen Antrag über Beauffichligung der gesammten Rechlsgesetzgebung durch das Reich im Reichstage wieder einbringen.

— Die „Nordd. Allg. Zig." hat die Zumuthung des Herrn v. Mühler, auf Grund deö PreßgesitzeS eine Zeitungspolemik aufzunehmen, zurückgcwiefen und theilt eine Probe der von Hrn. v. Mühler miet kannten Pflichttreue der katholischen Abtheitung mit: Die bei dem Schriftsteller Kuhn, einem naturaliftrten Franzosen, ultramontanen Correspondenten und Agenten des Königs Georg, im Jahre 1867 vorge­nommene Haussuchung habe Beweise seines vertrauten Verhältnisses mit dem Geh. Rath Krätzig ergeben Unmittelbar nach der Haussuchung hätten Geh. Rath

Krätzig und Fürst Radziwill die bei Kuhn saisirten amtlichen Aktenstücke aus der katholischen Abtheilung verlangt und dieselben auch erhalten. *

Meiningen, 18. März. Am heutigen Tage hat in Liebenstein die Vermählung Seiner Hoheit deS Herzogs von Sachsen-Meiningen mit der gewesenen herzoglichen Hofschauspielerin Fräulein E. Franz statt- gesunden, welche in Zukunft den Titel Freifrau von Heldburg führen wird.

Bonn, 17. März. Die drei Barone, welche die bekannte Depesche an den Papst erlassen hatten, des­halb angeklagt und vom Zuchtpolizeigerichte freige- sprochen worben waren, müssen am 7. April d. I. nochmals an GerichtSstelle erscheinen, da die Staats- ainvallschaft gegen daö freisprechende Unheil Berufung eingelegt hatte.

Heidelberg, 18. März. Dem „Mannh. Jour­nal" wirb geschrieben: Ein Mitglied der von Berlin zurückgekehrten Deputation sprach als Resultat der baseldst cinpfangeneu Eindiücke auS, daß die starken Einläufe von Protesten unv Einwänden gegen die projeciirte Erhöhung der Tabakssteuer nicht ohne Ein­fluß gewesen sind. Es könnte leicht der Fall fein, baß die Salzsteuer nun vorderhand nicht aufg hoben wirb, bis man über den dadurch zu erwartenden Aus­fall anderweite Deckung weiß.

München, 19. März. Dem auf den kommen­den Herbst eiuzuberufenden Lanotag wird die SiaalS- regierung eine ziemliche Reihe von Gesetzentwürfen über verschiedene Materien vorlegen, so daß, so meinen Die „N. N.," obwohl die Kammern durch ihre Haupt­aufgabe, die Berathung und Festsetzung des Budgets für die nächste Finanzperiode, kaum in ausgedehnter IBtife in Anspruch genommen werden dürfte, diesem Landtag dennoch eine Dauer von ungefähr 5 Mona­ten in Aussicht gestellt wird.

Kaiserslautern, 19. März. Das Zentral« comite der pfälzischen Altkatholiken Gemeinden hat an das Cültusminiftetium eine Eingabe um Dotirung Der altkatholifchen Geistlichen aus Staatsfonds gerich­tet; ferner richtete das Centralcomite an das hiesige k. Bezirksamt das Gesuch, den hiesigen altkatholifchen Geistlichen aus Grund des Gesetzes vom August 1817 in die Ortsschulcommission zu berufen.

Die Bauernfänger.

Novelle von Ewald August König.

(Fortsetzung.)

„Sprich nicht von ihm," unterbrach der Küpper- «eister sie, und jähe Röche übergoß feine Wangen, „er hat ihn gemordet."

„Auch er hat feinen Lohn, er hat sich selbst ge­richtet."

„Sei ein Mann, Peter," wiederholte Frau The- rtfe, „die Zeit heilt jede Wunde, sie wirb auch diese heilen. In der Arbeit findest Du Zerstreuung, und »enn Du auch den Verlust niemals vergessen kannst —"

„Niemals!" erwiderte der alte Mann dumpf. «Niemals! Wie war es doch im vorigen Jahre an tiefem Abend so ganz anders hier! Da stand der Teihnachtsbaum auf dem Tische und um ihn herum sich ich nur heitere, lachende Mienen — und heute! 8ber hast Recht, Alte: Klagen und Jammern bringt uns das Verlorene nicht zurück, und weibisches Jam­mern ziemt dem Manne nicht. Wo ist Helene?"

„In ihrem Zimmer."

„Da» Kind macht mir Sorgen. Sie ist seid

•üiigen Tagen so still und ruhig. —"

„Sind wir es nicht auch?"

,.Ja, ja, aber es ist eine andere Trauer, ich glaube, St macht sich Vorwürfe."

„Sie hat es gethan, Franz hat fie beruhigt. Vor feinem Tode hat er lange mit ihr geredet, ich mußte hinausgehen, er wollte allein mit ihr sprechen."

Der Küppermeister griff gedankenvoll in feine Dose, t» war daS erste Mal seit der Beerdigung, daß er fit hervorholte und Frau Therese durste daS als ein Hutes Zeichen betrachten.

„Was er ihr gesagt hat, daS weiß ich nicht," fuhr sie fort, „und wenn sie mir nichts sagt, so frage uh auch nicht darum, aber es muß eine ernste Unter­

redung gewesen fein, denn seit diesem Augenblick ist Helene so still und nachdenklich."

„Nun, er wird ihr ihren Leichtsinn vorgehalten und ihr vergeben haben. — Hugo will uns auch verlassen und ich kann's ihm nicht verdenken, cs knüpfen sich für ihn zu viele uikangenehme Erinnerungen an unser Hans."

„Keine Hoffnungen?" fragte Frau Therese über­rascht.

Peter Schiffer schüttelte den Kops.

„Kannst Du sie hegen?" erwiderte er. „Wenn Helene uns in Hugo einen neuen Sohn gäbe, nun, dann würde ich wenigstens einen Ersatz finoen, der — aber daran ist ja nicht zu denken und eS wäre thöricht, wollten wir uns mit Hoffnungen trösten, von denen wir voraussehen können, daß sie sich niemals verwirklichen werben. Ehe jener Bursche in unser Haus kam, waren diese Hoffnungen begründet, Helene sah den schmucken Burschen gern, und es sind schon damals Worte zwischen ihnen gefallen, die —"

Er brach ab, Helene trat in diesem Augenblick inS Zimmer. ,

Eie reichte den Eltern beide Hände, und der Strahl der Freude, der aus ihren Augen leuchtete, das Lächeln, welches ihre Lippen umspielte und die glühende Röche, welche ihre Wangen übergoß, ver­scheuchten im Nu die düsteren Wolken von der Stirn des allen Mannes.

„Armes Kind," sagte er, „wie weh thut eS mir, daß ich Dir heute keine Freude bereiten kann! Aber die Mutter hat eben für nichts gesorgt und na — ich hab' wahrhaftig anch nicht an den Christabend gedacht."

„Vater, wie wäre es auch anders möglich gewesen?" erwiderte Helene leise.

„3a, ja," fuhr der Küppermeister nickend fort,

„aber wir wollen eS nachholen, sollst ein schönes seidenes Kleid haben, und was sonst noch Dein Herz begehrt."

„Ich wünsche nur ein«."

„Nenne es."

„Eure volle Verzeihung. Ich habe gefehlt, ich habe gesündigt an Euch."

„Liedes Herz, das ist ja längst vergeben und ver­gessen," unterbrach der Küppermeister sic. „Du hättest eS nimmer gethan, wenn nicht dieser Schurke — doch lassen wir das ruhen, mein Kind, wir haben Dir deshalb nie einen Vorwurf gemacht, und es wäre ungerecht, wenn wir Dir ihn überhaupt machen wolltcn."

Er schloß Helene in seine Arme und auch die Mutter umarmte ihr weinenoeS Kind.

„Aber wie ist mir denn," fuhr Peter Schiffer fort, „Tu warst so heiter und vergnügt, als Du ein« tratest, und nun weinst Du?"

„Es sind Thränen der Rührung und der Freude über Eure Liebe, Vater," erwiderte Helene, noch immer schluchzend, „es sind süße Thränen, die ich Euch nimmer vergessen werde."

„Und Deine Heiterkeit vorhin?"

„Ach ja, ich wollte Euch bitten, daS Geschenk anzunehmen, welches ich für Euch bestimmt habe, vielleicht bereitet es Euch Freude, ich wäre glücklich, wenn ich Euch einen freudigen Festabend durch das­selbe verschaffen könnte. Dars ich Euch bitten, mir ZU folgen?"

„Gewiß, mein Kind," sagte der Küppermeister, „Du denkst doch an Alles und wie sehr beschämst Du uns, daß wir gar nichts für Dich haben."

Helene erwiderte daraus nichts, sie eilte hinaus und blieb vor der Thür der Besuchstube stehen.

Und als fie nun die Thüre öffnete, da stand