Einzelbild herunterladen
 

Vereidigung der Advocat-Anwälte, Notare, Friedens^ richter und Gerichtsvollzieher stall.

Ausland.

Wien, 15. März. Während die ursprüngliche Erklärung der Polen dahin ging, bloß an den Ver Handlungen über Wahlreform keinen Antheil zu neh­men, sind sie faktisch auS dem Reichsrathe ausgeschie- den, und es scheint daß sie auch den Beschluß gefaßl haben, aus die Thätigkeit in den Delegationen zu verzichten. Letzteres hätte unter Umständen unerfreu­liche Consequenzen für die Regierung nach sich ziehen können, da die Polen in der Delegation stets und unter den verschiedenartigsten Verhältnissen ihre Stim­men zu Gunsten der höheren Budgetansätze, namentlich was die Forderungen des Kriegsministers anbelangt, abgegeben haben. Der diesjährigen Session gegenüber erscheint es indeß insofern unbedenklicher, als der Voranschlag gewichtigere Mehrsorderungen der Regie tung überhaupt nicht enthält, letztere also auch der polnischen Unterstützung leicht entrathen kann. Was den letzten Beschluß der Polen anbelangt, so sind die Berathungen des föderalistischen Congresses, der hier in den jüngsten Tagen zusammengetreten ist, darauf sicher nicht ohne Einwirkung geblieben.

Prag, 16. März. Professor Dr. Ritter von Schulte hielt gestern seine letzte Vorlesung und nahm in einer längeren Rede Abschied von seinen Hörern und von der Stätte, wo er mehr als 18 Jahre ge­wirkt hatte. Die Worte, welche Schulte gesprochen, haben in mehr als einer Beziehung auch für weitere Kreise Jntercsie. Unter den Gründen, die ihn ver­anlaßten, seine Lehrthätigkeit an hiesiger Universität aufzugeben, führte der Redner neben persönlichen und Familienrücksichten auch das an, daß nach seiner Ueberzeugung sich bei unö die Universttätsverhältnisse nicht so entwickelt haben, wie sie sich entwickeln sollten; eS sei in dieser Richtnng auf dem Gebiete der Gesetz gcbung zu viel geschehen, was er für die Universitäten nicht für zuträglich halten könne. Schulte läßt es auch nicht undeutlich in seiner Abschiedsrede durch­blicken, daß die Stellung, welche er gegen das Unfehl- barkeitSdogma eingenommen, mit ein Beweggrund für fein Weggehen fei. Er spricht von Gründen, „die auf einem Kampfe beruhen, der zu bekannt ist," er sagt, daß in diesem.. Kampfe, „ven so Wenige bestan­den haben,"- es sich darum handelte, zu zeigen, „ob man Muth und Character habe, seiner Ueberzeugung treu zu bleiben, möchte man auch mit allem Existiren- den in Conflict gerathen." Es bedarf wohl nicht erst der Versicherung, daß man hier und im weiteren Sinne in ganz Oesterreich den Professor v. Schulte nur mit großem Bedauern scheiden sieht, hat er sich doch nicht blos als ein wackerer Streiter gegen Rom, sondern auch als ein treuer Anhänger der deutschen Sache gezeigt.

Bern, 18. März. Die Solothurner Regierung

Da warf er muthig sich den Eindringenden ent­gegen, aber was vermochte er gegen die Uebermacht.

Er wurde überwältigt und gefesselt.

Der Baron hatte den Ruf vernommen eine erd­fahle Bläffe überzog feine Wangen.

„Wir sind verrathenl" sagte er, „vertheidigen wir unser Leben!"

Die Verbrecher zogen sich in das anstoßende Zimmer zurück, dort sanden sie Waffen und Mu­nition.

Der Polizei-Direktor drang, gefolgt von seinen Leuten, in das Gemach ein.

„Ergebt Euch!" rief et befehlend. „Ihr seht, daß Ihr uns nicht entrinnen könnt."

„Er ist's," sagte der Major, einen Blick aus den Baron werfend, der, in der Hand einen Revolver aus der Schwelle des Zimmers stand.

„Wir nehmen den Kampf mit Ihnen auf, Herr Director," spottete der Baron, „von einer feigen Er­gebung wollen wir insgesammt nichts wiffen."

„So fällt auf Sie die Verantwortung für das Blut, welches hier vergoffen wird," entgegnete der Director, „und dennoch wird dieses Blut Sie nicht retten."

Warndorff stürzte sich auf den Baron, er trat zurück, sechs Büchsenläufe waren auf die Brust des Lieutenants gerichtet.

„Vorwärts I" befahl der Director. Die Beamten warfen sich den Gaunern entgegen.

Mehrere Schüsse fielen, der Pulverrauch hüllte die Kämpfenden ein, die Lichter erloschen, durch den Lärm hindurch hörte man das Stöhnen der Ver­wundeten.

Das war ein erbitterter, aber kurzer Kampf; Tank der Energie, mit der die Beamten angegriffen hatten, war cö den Gaunern nicht möglich gewesen, von den Schußwaffen ausgedehnten Gebrauch zu machen.

hat unter Zustimmung der Regierungen von Bern, Aargau, Thurgau und Bafelland gegen den früheren Bischoi Lachat wegen Kündigung und Einziehung von Geldern, die dem bischöflichen Stuhle vermacht sind, einstweilen den Civilprozeß eingeleitet. — Eine große Finanzgesellschaft ist Willens, das Eschenthal mit der Walliser Linie über den Simpion zu ver­binden. Bundesrath Boret ist in dieser Angelegenheit nach Turin gereift.

Paris, 17. März. Das Geheimniß, die- Räu- mungSverhandlungen betreffend, war außergewöhnlich gut gewahrt worden, und die Nachricht von der Unter zeichnung des Vertrages kam durchweg überraschend. Die heutigen Journale zeigen in seltener Uebereinftim- mung die gleiche Physiognomie: erst Jubel über die Befreiung des Territoriums, und dann folgt, auf den vorliegenden Fall angewendet, die Theorie, „vom in­neren Düppel", die natürlich je nach dem Parteistand- puncte zu sehr verschiedenen Resultaten führt. Die Conservativen wollen, daß das Land nach dem.Abzüge des Feindes vom RadicalismuS und RepublicaniSmus erlöst werde; die Rcpublicaner möchten mit den Deutschen zugleich die National - Versammlung los werden. ThierS neigt sich deutlich zu den letzteren. Bien Public erinnert leise daran, daß Frankreich jetzt nach drei­jähriger guter Aufführung wohl eine legale und fried­liche Consultation, d. h. Neuwahlen, erwarten dürfe; der Soir ist offenherzig bis zur Grobheit, indem er rund heraus erklärt, das letzte Hinderniß für die Ge­nesung des Landes fei nur noch die gegenwärtige National-Versammlung^ Die Blätter der Rechten und des rechten Centrums sehen sich in Folge dessen ver anlaßt, sich ihrer Haut durch energische Angriffe gegen die Linke zu wehren; ^kurz, der Streit ist, am Tage nach dem großen Ereigniß, in vollem Gange, und Dufaure mag doch wohl unter den Geschäfsleuten manchen stillen Anhänger zählen, der in diesem Do- miniren der Parteileideiischaft einen Beweis dafür sieht, daß nach der wirklichen Räumung ein möglicher Weise unangenehmes „fremissement patriotique“ zu er­warten sei. Die Börse hat sich, vielleicht solchen Er­wägungen folgend, nicht sonderlich für das Geschehene begeistert. Die äußerste Rechte vergibt ihrem Hasse gegen ThierS auch jetzt nichts; sie freut sich auf die Interpellationen und Discusionen, welche für Mittwoch, Donnerstag und Freitag angesetzt sind, und hofft immer noch, dem Gegner eine Schlappe beibringen zu können — eine Hoffnung die denn doch jetzt ziemlich fraglich geworden ist. Der Interpellation über die Blätter wird die Regierung vermuthlich dadurch ent­gehen, daß sie die getroffenen Maßregeln zurücknimmt; was die „Asscmblöe Nationale" betrifft, so erklärt man mit dankenswerther Offenheit, da jetzt die Ver­handlungen mit Deutschland abgeschlossen seien, könne das Blatt durch sein Schimpfen keinen Schaden für die hiesige Regierung mehr herbeisühren, also soll es (vom 1. April ab) wieder erscheinen.

Allmälig verstummte der Lärm, einige Sergeanten hatten die Kerzen wieder angezündet, der Director entdeckte, daß er der Sieger geblieben war.

Einer seiner Leute war tobt, mehrere verwundet, auch die Verbrecher zählten einige Verwundete.

Warndorff und der Major dachten zuerst an den Baron, sie suchten ihn jedoch vergeblich, er hatte die Flucht ergriffen.

Der Director schüttelte den Kopf, er konnte und wollte es nicht glauben; die Flucht war ja ein Ding der Unmöglichkeit, denn nicht allein, daß der Flücht­ling sich durch die Beamten hätte durchschlagen müssen, stand auch draußen eine Wache, der er jedenfalls in die Hände gefallen wäre. Dennoch fand sich nirgends eine Spur von dem verwegenen Führer der Bande.

Alle übrigen Mitglieder waren gefangen, der Baron allein war verschwunden.

Der Director ließ alle Räume durchsuchen, er fragte die Gefangenen, ob irgendwo ein geheimer AuSgang sich befinde — Alles vergeblich, er vermochte das Räthsel nicht zu lösen.

Draußen vor dem Schrank lag der Posten auf dem Boden, ein Schlag mit einem stumpfen harten Instrument hatte ihm den Schädel zerschmettert.

Es war zweifellos, daß der Baron diesen Mord begangen hatte; der Posten vor der Hausthüre er­klärte, daß Niemand das HauS verlassen habe.

Der Polizeidirector ließ das ganze Haus durch­suchen, ohne das gewünschte Resultat zu erreichen, der Baron war und blieb verschwunden.

Sofort wurden die nöthigen Maßregeln getroffen, ihn zu verfolgen.

Mit dem genauen Signalement des Entflohenen versehen, eilten die Beamten nach allen Richtungen hinaus, um in den Gasthöfen und Schenken, an den Thoren der Stadt und in den Straßen nachzuforschen, während die Soldaten, welche auf dem Viehmarkte bereit standen, die Gefangenen ins Gesängniß führten.

Rom, 17. März. In der Deputirtenkammer legte der Finanzminister eine Uebersicht des Staats­schatzes pro 1872, das definitive Budget pro 1873 und das vorläufige Budget pro 1874 vor. Der Minister erklärte, daß das Deficit von 1871 um 25 Millionen niedriger sei, als es vcranschlagt gewesen. Das Caffen-Deficit habe sich 1871 auf 79 Mill., 1872 nur auf 68 Mill, belaufen. Das Jahr 1872 ergebe gegenüber dem Jahre 1871 einen Mehrertrag von 32 Mill, birecter und 33 Mill, inbirecter Steuern. Das Bubget von 1873 schließe dem Voranschläge gegenüber mit einem Plus von 32 Mill. ab. Für 1873 erreiche das Deficit 131 Mill., welches er unter Zuhülfenahme der von der Kammer bei dem ersten Voranschläge genehmigten Ausgabe von 40 Mill. Papiergeld, sowie durch die aus der Verbesserung der Budgets von 1871 und 1872 herrührenden 57 Mill, zu decken hoffe. Das vorläufige Budget von 1874 weist ein Deficit von 107 Mill. nach. Ferner erflärt der Minister, daß er keine Credit-Operationen vor­nehmen wolle.

Madrid, 15. März. Dem Minister-Präsiden­ten Figueras fehlt eS in Barcelona an Beschäftigung nicht; Deputationen aus allen Ständen und Städten der Provinz machen ihm ihre Aufwartung und brin­gen ihm ihre Anliegen vor. Auch die Proviucialräthe von Lerida und Gerona haben Deputationen hinge­sandt, welche ihm und der Regierung die unbedingte Unterstützung ihrer Provinzen darboten und sich ver- urtheilend über die Entlassung der Soldaten aussprachen, wie sie in Barcelona beliebt worden ist.

— Aus amtlicher Quelle kommen jetzt beruhigendere Nachrichten aus Malaga. Die in der Stadt ausge­stellten Wachen sind mit Ausnahme einiger Posten an der Bank, am Schatzamte u. a. eingezogen worden und die Einwohner fangen an, zu ihren gewohnten Beschäftigungen zurückzukehren. Die Behörden schei­nen sich jedoch nach der Zurückhaltung, welche die Regierung in Sachen der Staatsform noch bewahrt, nicht zu richten; so veröffentlicht der Gouverneur neuerdings einen Aufruf an die dortigen Truppen oder vielmehr den Rest, der zurückgeblieben, und schließt mit den Worten: „Gruß und föderative Republik." Bezeichnend für die Disciplin der Sol- baten ist auch der Satz: „Die Freiwilligen der Re­publik werden ersucht, diesen Bürger-Soldaten ihre Pflicht ins Gedächtniß zurückzurufen, damit sie die Republik vertheidigen." Weiter berichtet man, daß die Freiwilligen und die Soldaten farternisirt haben und bereit find, die auch in dortiger Gegend erschie­nenen Carlistenbanden zu bekämpfen.

London, 18. März. 11,000 Arbeiter nahmen gestern im Kohlenwerke Dowlais die Arbeit wieder auf. Sie erklärten sich mit der Reduktion des Lohne» für die erste Woche einverstanden. Für die zweite Woche erhalten sie den alten Lohn. Alsdann ist eine allwöchentliche Lohnerhöhung nach gemeinsamer Ber-

Wachen blieben in dem Hause zurück mit dem strengen Befehl, Jeden zu verhaften, der sich in dem­selben blicken liefe. Die Vorräthe von Silberbarren, Werthpapiereir und andern geraubten Gegenständen wollte der Direktor bei Tagesanbruch abholen lassen.

Der Baron hatte sofort eingesehen, daß eS ein nutzloser Kampf war, bafe die Uebermacht der Gegner ihn und seine Genossen erdrücken mufete.

Dennoch nahm er den Kampf auf, in der Hoff­nung, sich retten zu können.

Er feuerte die ersten Schüsse ab, und wenn feine Kugeln den Director und den Major, denen sie galten, verfehlten, so war das feine Schuld nicht.

Er löschte die Lichter und benutzte die Finsternis, um sich hinauszuschleichen.

Anfang» hegte er die Absicht, die Fallthüren zu öffnen, um einige der Gegner verschwinden zu.taffen, aber er fand keine Zeit, diese Absicht auszuführen, die ihn zudem nicht retten konnte, da der Gegner z« viele waren.

Es gelang ihm, den Ausgang zu erreichen, der überraschte Wachtposten sank, zum Tode getroffen, nieder, ehe er einen Laut ausstoßen konnte.

Die Treppe hinunterzueilen, wagte der Bar»« nicht, er mufete fürchten, sie beseht zu finden.

Er benutzte den geheimen Gang und flüchtete durch das Wohnzimmer des WirtheS auf den Hof; es war sein Glück, dafe der Director nicht daran ge­dacht hatte, auch diesen AuSgang bewachen zu lassen-

Der Hof war von einer niedrigen Mauer u®! schlossen, der Baron stieg hinüber, eilte durch den Garten eines angrenzenden Hauses, überstieg eint zweite Mauer und schlich sich durch ein ziemlich ent­fernt liegendes HauS auf die Straße.

Er war frei — gerettet.

(Fortsetzung folgt.)