JRarfiurg, Donnerstag, den 20. März.
Ur. 67.
1873.
M Der
e-
'en.
Oterhessische Zeitung.
’n,
Unv
ei 3'
n.
r.-<
$7„>.
>r
in
a|tr- * hlen.
L873 it. »fli
itn Genossen, sich zu erkundigen, in welches Ge tgniß Liebrecht gebracht worden sei.
Dann kehrte er zu seinem Vertrauten zurück.
t.
such! rnög- ■ des
'6aR
[612
Deutsches Reich.
•• Berlin, ,18. März. Es ist bereits früher Wiederholt gemeldet worden, daß die Regierung beab- sichtige, nach Einführung der Kreisordnung mit einer «eiteren Reorganisation und Fortbildung der provinziellen Institutionen vorzugehen. Von Seiten des Ministers des Innern soll, wie man hört, bereits der Entwurf einer Provinzial-Ordnung in Angriff genommen sein. — Von deutscher Seite sind über den Abschluß der Verhandlungen mit Frankreich, be treffend die Abzahlung des letzten Theils der Kriegs- kosten Entschädigung und die Räumung der besetzten Departements, noch keine authentischen Nachrichten veröffentlicht. Der wesentliche Inhalt derselben ist von dem französischen Journal offiziell bereits gebracht worden. Dem Umstände, daß der letzte Theil der Verhandlungen hier in Berlin zwischen dem Fürsten Bismarck und dem französischen Gesandten direct gepflogen sind, ist der schnelle Abschluß, wie auch das befriedigende Ergebniß wohl zu verdanken. — Nach dem Eintreffen Sr. k. k. Hoheit des Kronprinzen hier ist vielfach die Bemerkung gemacht worden, daß sein Aussehen noch die Spuren der überstandeneir schweren Krankheit trage. Wenn sich das auch ver loten hat, so ist demselben doch von Seiten der Aerzte Schonung empfohlen und ein Fernhalten von nicht ganz unumgänglichen RepräsentationSpflichten. Diese Schonung durfte nur rathsam erscheinen, da der Kronprinz beabsichtigt, sich nach Wien zu begeben, um in seiner Eigenschaft als Protector der deutsche» Aussteller den Eröffnungsfeierlichkeiten der Weitaus jteUung beizuwohnen.
— lieber die deutsch-französische Convontion bringt tie „N. A. 3-" noch einige Notizen : Der Vertrag ist am 15. März im hiesigen Auswärtigen Amt Nachmittags 5 Uhr unterzeichnet und besteht aus sechs Artikeln. Nach Artikel I. soll die Kriegsschuld Frank icichs, deren Rest nach der Convention vorn 29. Juni 1872 erst am ersten März 1875 fällig geworden »äre, mit dem 5. September dieses Jahres getilgt sein. Der Artikel III. handelt von der Räumung dcS stanzösischen Gebietes. Dieselbe findet innerhalb vier
jede» icnti agen,
I Die Bauernfänger.
Novelle von Ewald August König.
(Fortsetzung.)
„Wer weiß, was ihn zu dieser That getrieben hat," erwiderte er gleichzeitig. „Hätte er unS verrathen, so würden diesem Verrath Versprechungen vorherge- jangen sein, die ihm den Gedanken an den Selbstmord fern hielten. Die Verhaftung Liebrechts kann man nicht gut erklärm. Der Vater des Mädchens hat von der beabsichtigten Entführung Kenntniß erhalten und die Polizei aufgeboten, um die Entfüh rang zu verhindern; bei dieser Gelegenheit findet die Polizei den Paß des Freiherrn v. Wittgenstein, das iewegt fie weiter nachzuforschen und das Gepäck zu kwidiren. Es ist eine fatale Sache."
dem rger rzer inen und leit, Inet 610
un» «r. tem -lr. [238 und and- heill c.
icm- bis 565
s Der Baron nickte.
„Persönlichen Muth hat er nie bewiesen" erwiderte er.
Kalt und ruhig stand er da, aber dem scharfen ,, Mick NeuhoffS entging es nicht, daß er sich zwang, *•* Me innere Unruhe zu verbergen.
Er gab einige Befehle, welche auf seine Disposi .. Änen für die Nacht Bezug hatten und beauftragte
Sgi. „Und die Feigen find zu sehr geneigt, durch einen fleti, Arralh sich der Gefahr zu entziehen."
M- s „Wenn er — aber nein, ich kann es nicht glauben, t pik ä weiß, welche Strafe den Verräther trifft."
de» Der Baron hatte sich erhoben er trat an den
r „Um so fataler, als ich kein Vertrauen in den Ruth dieses Handlungsreisenden setze."
„Aber Du hast uns ihn empfohlen."
„Freilich, ich glaubte Dir einen Gefallen zu er- volstttgen, Du suchtest ja ein Subjekt, welches besähigt * N, die Rolle eines Edelmanns zu spielen."
, ist eS nur eine gerechte Anerkennung, zu sagen, daß Ludwig II. bei dem baierischen und deutschen Volke 1 sich vielfache Verdienste, die nie vergessen werden । können, erworben hat. Für die unglückliche Rolle, 1 welche Baiern 1866 spielte, wird Niemand den jungen Fürsten verantwortlich machen wollen; daß damals : unter dem blau weißen Großkophta v. d. Pfordten ; die vom Könige Maximilian eifrig, aber doch immer : nur mit halben Mitteln erstrebte baierische Groß- machts- und Triaspolitik zu Grabe getragen wurde, sehen jetzt auch ehemalige Großdeutsche mit Befriedigung ein. Seitdem hat -sich Baiern stetig, wem, auch manchmal langsamer als eö im wohlgemeinten Interesse des Landes selber zu wünschen war, auf den nationalen Bahnen bewegt, und selbst für die Gegenwart, wo mancher Unmuth laut wird, kann man über das Resultat beruhigt sein. Wir haben wirklich manchmal längere Wege, welche das Späterkommen entschuldigen. In der inneren Gesetzgebung so wie dem Verwaltungslcben hat seit dem Regierungsantritt König Ludwig's sich so mancher Fortschritt vollzogen, der früher unerreichbar gewesen wäre, und hätte man in unseliger Verblendung, die als Staatsweisheit galt, nicht versäumt, im Jahre 1870 oder 1871 eine neue Volksvertretung einzuberufen, so könnte jetzt Baiern in Fragen der inneren Politik ein deutsches Musterland sein. Solche Sprünge, wie sie so eben die hessische und sächsische erste Kammer zu machen wagen, hätte man bei einer starken liberalen Mehrheit in der baierischen Abgeordnetenkammer von unseren Reichsräthen nicht zu befürchten, und der König selber würde am wenigsten mit solchen Versuchen sympathisire». Auch auf dem Throne — außer dem päpstlichen — ist man nicht unfehlbar; aber um so lauter darf es gesagt werden, daß während der neunjährigen Regie- rungSzeit Ludwigs II. böse Zungen noch keinen unreinen Hauch auf das Königsbild zu bringen vermochten. Auch das gereicht dem Lande zum Frommen und zur Ehre." — Der König hat die nach preußischem Muster verfaßte Dienstinstruetion für die Feldkassen der beiden baierischen Armeeeorps genehmigt.
Straßburg, 18. März. Morgen findet die nach kurzem Schweigen fort, „ich fürchte selbst, daß er fähig ist, uns zu verrathen, er ist ei» Maulfechter."
„Wenn er eS nicht schon gethan hatl" „Bah — das glaube ich nicht." „Aber Du fürchtest es," erwiderte Reuhoff ernst, „leugne es nicht, mir kannst Du Deine Unruhe nicht verbergen."
Der Baron fuhr leicht mit der Hand über seine Auge».
„Nein, diesen Verrath fürchte ich nicht," sagte er, „wenigstens jetzt noch nicht, aber Du hast Recht, ich bin unruhig, ohne daß ich mir die Unruhe zu erktSren weiß. Es wird wohl die Aufregung des heutigen Tages sein, ich habe mit Frau von Barnitz eine ernste Unterredung gehabt und — na, eS wird schon vorübergehen." e _
„Du bist fertig mit ihr?" n3ai ich habe mit ihr abgerechnet." „Und sie?"
„Meine Rache ist vollständig, morgen führe ich dm vernichtenden Schlag. Ich werde den Major zur sofortigen Zahlung ausforbern, er kann sie nicht leisten^ darauf leite ich die gerichtliche Klage ein. —*
„Spielschulden erkennt das Gesetz nicht an." „Ich habe einen Schuldschein, er wird sich darauf beiufen, das es Spielschulden seien."
„Und bann?"
„Dann werde ich ihnen Alles auf offenem Markte versteigern lasse»; sie hat mich elend gemacht, nun soll auch sie elend werden, eine Bettlerin."
Neuhofs erhob sich, man hatte gepocht.
Er ging hinaus und fragte, wer Einlaß begehre, „Einer für Alle!" lautete die Antwort.
Neuhoff öffnete die geheime Thür durch den Druck auf eine Feder, fein Blick fiel auf die Häscher.
Mit dem Ruf „Verrath" wollte er die Thür wieder zuwerfen, es war zu spät.
Wochen, vorn 5. Juli dieses Jahres an gerechnet, von Seiten der deutschen Oceupationsarmee statt Besetzt bleibt die Festung Verdun mit einem-Rayon von 3 Kilometern, und mit freier Militärstraße nach Metz, sowie, als Etappenplätze, die Orte Constans und Etain. Geräumt werden endlich auch diese »ier zehn Tage nach dem 5. September 1873. — Es ist zu beachten, daß die Räumung der Festung Verdun erst 14 Tage nach der letzten Einzahlung geschieht oder doch vollendet wird.
— Eine Uebersicht über die Einnahmen an Zöllen und gemeinschaftlichen VerkaufSsteuern in dem Zollgebiete des deutschen Reiches während des verflossenen JahreS bestätigt die bisher gemachten Angaben über eine Steigerung dieser Einnahmen. Sie haben die bedeutende Summe von 86,41^)13 Thlr. ergeben Es kommen hiervon auf Ein- und AuSgangszoll 40,835,909 Thlr., auf die Rübenzuckersteuer 14,104,355 Thlr., auf die Salzsteuer 11,049,921 Thlr., auf die Tabaks steuer 618,225 Thlr., auf die Branntweinsteuer 15,034,974 Thlr., auf die Uebergangs-Abgabe von Branntwein 15,356 Thlr., auf die Braumalzsteucr 4,524,987 Thlr., auf die Uebergangs-Abgaben von Bier 230,286 Thlr. Die Einnahmen vertheilen sich auf die einzelnen Staaten des deutschen Reiches sol- gendermaßen: Es nahmen ein: Preußen 58,565,571 Thlr, Baiern 3,969,848 Thlr., Sachsen 5,630,405 Thlr , Wnitemberg 1,720,860 Thlr., Baden 2,694,712 Thlr., der Thüringische Verein 1,±06,550 Thlr, Braunschweig 1,889,377 Thlr., Anhalt 2,098,126 Thlr., Elsaß Lothringen 3,668,074 Thlr. re.
Braunschweig, 18. März. Die Landesversammlung hat heute einstimmig den Erlaß einer Adresse an den Herzog wegen Abschluß einer Militärconvention mit Preußen beschlossen.
Darmstadt, 18. März. Das neue Schulgesetz wurde heule den Ständen vorgelegt.
München, 13. März. Zum neunten Jahrestage der Thronbesteigung König Ludwig II. wird der „K. Z." von hier geschrieben: „Der wiederkehrende Todestag König Max II. legt einen Rückblick auf die Regierungsperiode seines Nachfolgers nahe, und da
„Liebrecht ist ins Polizcigewahrsam gebracht worden," sagte Neuhoff, „aber ich hörte, daß er noch heute Abend in unser Gefängniß geführt werden sollte."
„Nun, dann muß unser Schließer, wenn möglich, noch in dieser Nacht den Käfig öffnen," erwiderte der Baron. „Ich überlasse Dir das, Louis, schaffe den Befreiten hierher, morgen werde ich überlegen, auf welchem Wege wir ihn hinüber nach England bringen."
„Wenn der Schließer darauf eingeht —"
„Er muß!"
„Er hat schon vor einigen Tagen mich gebeten, ihn aus unserem Bunde zu entlasten."
„Alle Teufel, ist der Mensch toll? Einen Nebenposten, der ihm so viel einbringt, findet er nie wieder, und wenn er wirklich einmal gefaßt wirb, so ist für seine Familie gesorgt."
„Nichts besto weniger —*
„Ich werde selbst mit ihm reden, wir muffen einen Helfer im Gefängnisse haben. Zum Kukuk, was hat er denn bis jetzt für uns gethan? Nur drei ließ er entspringen und Dank meinen Anordnungen konnte auf ihn nicht der leiseste Verdacht fallen. Liebrecht ist keinesfalls genau untersucht worden, dazu war die Zeit zu kurz; eine eiserne Stange wird sich aus dem Fenster seiner Zelle lösen lassen, an einer anderen Stange wird der Strick befestigt, morgen früh ist der Käfig leer und die Herren zerbreche» sich die Köpfe, wie der Gefangene es ermöglicht hat, zu entwischen, ohne von der Wache bemerkt zu werden. Es muß gehen, ich will es, und wenn der Schließer sich weigert, so drohe ihm mit der Deuuiiciatio». Er kennt unsere Geheimnisse nicht, da er nur mit uns Beiden in seiner Wohnung verkehrt hat, also besitzt er auch keine Waffe gegen uns."
Neuhoff blickte schweigend vor sich hin.
„Wir müssen Liebrecht befreien," fuhr der Baron
Erscheint täglich außer den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal durch die Expedition (Koch'sche Buchdruckerei) bezogen 821 Sgr., durch die Postämter 87 Sgr. (excl. Bestellgebühr und incl. Stempelsteuer), für das Ausland excl. Stempel 28 Sgr. — Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 1 Sgr.
„ Sämmtliche Ännoucen-Büreaus nehmen Inserate an.
M.
Be- ber )ßk 24 572 wird ucht. 567 nben ;egen