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Mr. 66.

Marburg, Mittwoch, den 19. März.

1873.

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OteMsische Zeitung.

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Deutsches «eich.

*• Berlin, 17. März. In den letzten Tagen ist auf dem Gebiete der katholischen Angelegenheiten eine Wichtige thatsächliche Entscheidung erfolgt. Se. Maj. der König hat eine Verordnung vollzogen, durch welche die katholische Feldpropstei aufgehoben und die Ordnung der katholischen Militärseelsorge in der früheren Weise hergestellt wird. — Uebcr den durch den vom Erzbischof von Posen hervorgerufenen Con- siict ist das Staatsministerium wiederholt in Bera- thung getreten, das Ergebniß derselben ist bis jetzt noch nicht bekannt geworden, jedoch ist mit Bestimme heil onzunchmen, daß die Regierung ein strafrecht­liches Vorgehen gegen den Grafen Ledochowski nicht für angemessen erachtet, sondern daß sie das Recht deS Staates auf dem Wege der Disciplin und der Verwaltung zu wahren gedenkt. — Als die auS der königl. Initiative hcrvorgegangene Special-CoMmission zur Untersuchung der Mißstände im Eisenbahn-Con- cessionSwesen ins Leben trat, sprach man officiöserseits die Erwartung aus, daß über die Verhandlungen der­selben von Seiten der Commission nicht laufende Be­richte in die Oeffentlichkeit kommen würden, sondern daß das Publikum nur von dem sestgestellten Er- gebniß in Kcnntniß erhalten werden würden. Diese Ansicht fand lebhaften Widerspruch, man behauptete, daß vorzugsweise bif Commissarien der parlamen­tarischen Körperschaften und namentlich Lasker über den Gang der Verhandlungen fortlaufende Berichte erstatten müßten. Dieser Behauptung wurden alsdann don der officiösen Presse Zweifel entgegengestellt und an der Meinung festgehalten, daß auch Herr Lasker ht gleicher Weise den Anspruch des Publikums auf Kennlniß von den Verhandlungen der Commission deuten und behandeln würde. Durch die Thatsachen sind die Erwartungen nach dieser Richtung hin vollauf bestätigt, wie eS auch nach der Natur der vorliegenden Verhältnisse nicht wohl anders sein konnte. Bis jetzt sind authentische Mittheilungen über den Verlauf der Verhandlungen nicht in die Oeffentlichkeit gelangt und « läßt daraus sich der Schluß ziehen, daß Ergeb- aiffe noch nicht vorhanden sind; es ist deshalb ge­boten, allen Berichten, welche sonst in die Oeffent­lichkeit dringen, mit äußerster Vorsicht zu begegnen.

— Schon seit längerer Zeit waren Seitens des Ministers des Innern in den Beziehungen des lite­rarischen Bureaus des Staatsministeriums zu der Presse Aenderungen vorbereitet, die jetzt ihrer Ver­wirklichung entgegen geführt »erden. Zunächst werden, wie verlautet, die gemeinsamen Mittheilungen, welche täglich im literarischen Bureau für officiöse Cor- respondenzen gemacht wurde«, vom 1. April auf- hören, was jedoch nicht ausschließt, daß einzelnen Corresponventen auf specielle Anfrage Gelegenheit ge­boten werden soll, über wichtige Tagesfragen und über die Stellung der Regierung zu denselben nach zuverlässigen Augaben Information erhalten zu können. — Nachdem die Reorganisation der preußischen Han­delskammern vollendet ist, erweist sich, daß im preu­ßischen Staate 79 solche Körperschaften bestehen, wo­von allein auf die Rheinprovinz 20 kommen.

Von der für das Heer nach seiner Friedens- präsenzstärke mit 401,659 Mann festgestellten Summe mit 90,373,275 Thlr. gehen, wie die „C. S." dem Etat der Verwaltung des Reichsheeres pro 1874 ent­nimmt, die an Baier» nach dessen Armeestärke von 48,244 Mann zu überweisenden 10,854,900 Thlr. 63,860 Thlr. an Nachlässen, welche einzelnen Bundes­staaten an den Militärbeiträgen vertragsmäßig zu ge­währen find, ab, so daß für 353,415 Mann (excl. Baiern), 79,454,515 Thlr zur Verfügung stehen. Dagegen treten 337,699 Thlr. zur Gehaltsvcrbesse- rungen für Beamte hinzu; die Militärverwaltung hat also, außer 79,793 Thlr. eigener Einnahmen, "Eiche in die Reichskasse fließen,.eine Einnahme von 90,693,213 Thlrn. oder 127,719 Thlr. mehr als pro 1873. Die fortdauernden Ausgaben sind ans 70,493,378 Thlr. für Preußen, 5,099'225 Thlr. für iDachsen und 3,764,551 Thlr. für Würtemberg ver­anschlagt. Hier stehen 1,195,988 Thlr. Mehraus­gaben 483,269 Thlr. Minderausgaben gegenüber, so daß die Mehrausgabe sich auf 712,719 Thlr. ermäßigt, »on welcher noch eine weitere MinderauSgabe von 585,000 Thlr. bei den einmaligen Ausgaben abzu rechnen ist. Die hauptsächlichste Mehrausgabe mit 838,622 Thlr. ist bei der Naturalverpflegung und1 mit 213,435 Thlr. bei der Bekleidung angesetzt. Dem Hauptetat ist eine Denkschrift über die Veränderungen

in den Formationen und Stärken der Truppen beige- sügt. Die Umgestaltung der Artillerie ist bekannt, beim Train ist eine dritte Compagnie zur Ausführung gebracht. Die Friedenspräsenzstärke bei der Infanterie und bet den Jägern ist um 8 Mann pr. Bataillon verringert u. s. w. Bemerkt sei, daß die Mehraus­gabe bei der Naturalverpflegung daher rührt, daß pro 1873 noch 1,154,700 Thlr. für die von Frankreich verpflegten Occupationstruppen als erspart angesetzt sind, während pro 1874 dieser Betrag auf 250 000 Thlr. sich ermäßigt Die EtatSstärke des Heeres pro 1874 beträgt: 17,033 Offiziere, 48,073 Unteroffiziere, 12,305 Spielleute, 328,785 Gefreite und Gemeine, 3127 Lazarelhgehilfen, 9369 Orkonomiehandwerker, 1679 Aerzte, 681 Zahlmeister, 604 Roßärzte, 587 Büchsenmacher, 93 Sattler, 96,152 Pferde.

PotS-am, 17. März. Der Feldmarschall Wrangel ist von einem Krankheilsanfalle betreffen, doch ist sein Befinden noch nicht zu äußersten Besorg­nissen Anlaß gebend; die linke Seite ist zwar voll­ständig gelähmt, aber das Bewußtsein ist noch un­getrübt.

, Leipzig, 9. März. In öffentlicher Sitzung des Reichs-OderhandelSgerichts wurde ein Rechtsstreit ver­handelt, welcher den französischen Regietabak betraf, den die badischen Truppen im August 1870 zu Ben- seld erbeutet haben und der an ein Consortium von Kaufleuten verkauft wurde. AuS den Verhandlungen erfuhr man, daß es ein Quantum von 48,000 Cent- nern verarbeiteter Tabak gewesen ist, welches um 120,000 Thlr. (zahlbar in einer Stunde) abgelaffen wurde. Demnach kostete der Gentner nur 7 fl 521/2 fr., "ährend der rohe Tabak damals gegen 20 fl. kostete. Daraus erklärt sich wohl, wenn der Anwalt des Klä- gerS, welcher Theil an dem G.winne begehrte, davon sprach, es, sei bei dem ganz ungewöhnlichen Preise*' von den Käufern ein großer Gewinn gemacht worden. Dies bestritt freilich der Beklagte mit der Behaup­tung, daß die Transportkosten und sonstigen Spesen 116,000 fl. betragen hätten.

Braunschweig, 14. März. Als wichtigster Punkt stand auf der Tagesordnung der heutigen Land­tagssitzung der mündliche Bericht der Commission über den Antrag wegen Abschließung einer Militärcon-

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Aber ihre Erinnerung an die Zusammenkünfte mit W in der Diebesherberge mußte dieser Hoffnung den Todesstoß geben, und das Gefühl der Liebe, welches niemals so tief und innig mit ihrem Denken Fühlen verschmolzen gewesen war, wich schon jetzt Ämählig der Verachtung.

Die Bauernfänger.

Novelle von Ewald August König. (Fortsetzung.)

Schweigend folgte Helene den Eltern, sie konnte nicht fassen, nicht begreifen, sie meinte noch immer der Hoffnung festhalten zu müssen, daß Liebrecht «»schuldig sei.

Weder der Küppermeister noch Frau Therese -rächten die Rede auf die beabsichtigte Flucht Helencn'S, sie übergingen dies beide mit Schweigen und Helene au-, tet ihnen dankbar für dieses Zartgefühl, welches ihr sirre neue Beschämung ersparte.

। 1«. Capitel.

। In der Höhle deS Löwen.

, Peter Baumann hatte sich wieder in seine Rauch- ! Mttn eingehüllt.

> . Während er behaglich an seinem Bierglase nippte, > sistechnete er die Einnahme des jüngst vergangenen Monats, und er fand, daß er mit Der Ergebniß der "«hnung zufrieden sein dürfe.

Die Gesellschaft, welche in seinem Hause ihren , hatte, eonsumirte ein namhaftes Quantum seiner . «elränke, sie gab ihm ehrlich und redlich seinen An ■ yil am Gewinn, und dieser Antheil war im ver- ' offenen Monat bedeutend gewesen.

Er gedachte auch der Bemühungen der Polizei ein Lächeln triumphirenden Hohnes glitt über »«e Lippen.

So lange et der Wächter in diesem Hause war,

dursten leine Gäste sich beruhigen, ihn überlistete die Polizei nicht.

Der Eintritt zweier schlicht, säst ärmlich geklei­deter Männer unterbrach seinen Gedankengang.

Er kannte sie nicht und ihre äußere Erscheinung flößte ihm kein Mißtrauen ein.

.Sie forderten Bier und ließen sich in der Nähe des SchenktischeS nieder.

„Woher des Weges?" fragte der Wirth, als er vaS Verlangte brachte.

„Vom Lande," lautete die Antwort, „die Geschäfte gehen dort schlecht."

Der Wirth zuckte die Achseln, in ein längeres Gespräch mochte er sich mit ihnen nicht einlassen.

Die Beiden waren der Major und Warndorff; der alte Herr zitterte vor Ungeduld, Warndorff war ruhig.

. Der Premier-Lieutenant sah ein, daß er einen günstigen Augenblick zur Ausführung seines Vorha bens abwarten mußte, wenn er Geräusch vermeiden wollte; zudem fehlte auch noch eine Viertelstunde bis 8 Uhr und der Polizeidirektor wollte erst mit dem Schlage eintreffen.

Der Wirth schenkte diesen Gästen keine Beach­tung , er hüllte sich wieder in seine Rauchwolken ein und hing seinen Gedanken nach.

Warndorff warf verstohlen einen Blick auf seine Uhr, eS fehlten noch fünf Minuten an der festae- setzten Zeit.

Ein zweiter Blick streifte den Wirth.

Der Lieutenant gab feinem Begleiter einen Wink und erhob sich.

Auf dem Schenklisch stand eine brennende Kerze. Warndorff näherte sich ihr, indem er sich den An­schein gab, als ob er seine Cigarre anzünden wolle.

Arglos sah der Wirth ihn an, da machte Warn­

dorff plötzlich eine rasche Wendung, in der nächsten Secunde umklammerten seine Hände den feisten Hals des überraschten Manne«.

Peter Baumann wollte sich von seinem Sitz er­heben, mit Riesenkraft hielt Warndorff ihn nieder.

Vergebens versuchte er den Angreifer abzuschütteln, er fühlte, daß man sich seiner Hände bemächtigte, daß man ihn fesselte.

Während Warndorff ihm die Kehle zuschnürte, fesselte der Major ihm Hände und Füße, dann band er ihm ein Tuch fest über den Mund.

Es war ein schweres Stück Arbeit gewesen, denn Peter Baumann, wohl wissend, daß für ihn und seine Gäste Alles verloren war, wenn er die letzteren nicht rechtzeitig vor dem Ueberfall warnen konnte, bot seine ganze Kraft auf, um sich aus den Händen der Beiden zu befreien.

„Gott fei Dank," sagte Warndorff tief aufathmend" „das wäre geschehen!"

„Und ich denke, der Director wird zufrieden mit uns fein, erwiderte der Major, „es ist ohne Geräusch abgegangen."

Wilder Haß flammte in den Augen des Gefeffel- ten; auch jetzt noch versuchte er, sich von den ihn umklammernDen Stricken zu befreien, welche ihm tief in« fleisch einschnitien, es war vergebliche Mühe, der Major hatte seine Maßregeln zu gut getroffen, und Warndorff war so vorsichtig gewesen, die Stricke noch fester anzuziehen.

„Bewahren Sie ihn, Herr Oberstwachtmeister," sagte der letztere, „ich werde hinausgehen und Rap­port erstatten."

Gleich daraus trat der Director, begleitet von mehreren Beamten, ein.

Er äußerte seine Zufriedenheit und befahl einem Sergeanten, den Gefesselten scharf zu bewachen, dann