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Zllarkurg, Sonntag, den 16. März.
1873
Oberhefsifche Zeitung
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Küppermeffter zu berichten, der weder Ueberraschung
Er forderte von ihr den Brief, in welchem Lieb-
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Sie wußte, daß ihr Kind aus eigenem Antriebe sich niemals zu diesem Schritte entschlossen haben würde, daß Helene zu demselben überredet, ja ge- nöthigt worden war, und ihr ganzer Groll richtete sich gegen Licbrecht, der zu solchen Mitteln seine Zuflucht nahm und des Grams nicht achtete, den er dadurch einer bisher glücklichen Familie bereitete.
Er hatte jetzt ihre Gunst verscherzt, in ihren Augen durfte er nicht mehr auf seine Ehre und seinen Cha. ratter pochen.
Jetzt gewannen auch die Behauptungen ihres Mannes, ihres Sohnes und Hugo's, die fie bisher für böswillige Verläumdungen gehalten hatte, einen ganz anderen Anstrich; Frau Therese würde in diesem Augenblicke keine Zweifel geäußert haben, wenn ihr! Jemand gesagt hätte, Liebrecht sei ein gemeiner 93er brecher, dem Zuchthause längst verfallen. Und diese Aenderung ihrer Gesinnung gegen ihn war jetzt so tief begründet, wie dies vorher ihre Gunst gew.sen war; hatte vorher seine Liebenswürdigkeit sie bestochen, so sah sie jetzt in ihr nur die Maske eines nichtswürdigen Heuchlers, eines „Schwindlers^ wie Peter Schiffer sich auszudrücken beliebte, wenn er in der gelindesten Weise über ihn sprach.
Es flel ihr schwer, nach dieser Entdeckung ihre Ruhe und ihren Gieichmuth äußerlich zu bewahren und doch mußte sie es, um dem Mädchen keinen Anlaß zum Argwohn zu geben.
hält, so sieht es traurig aus um die Mannszucht im spanischen Heere. In Malaga haben die Freiwilligen daS Commando in die Hand genommen und öffentliche Gebäude besetzt; wie überhaupt in Andalusien und Catalonien sich der föderalistische Geist mächtig regt
In Portugal ist das Gesetz, welches die Reserven einberuft durch die amtliche Zeitung veröffent- licht worden.
Die Abstimmung über die irische UniversitStS-Bill, bei der die Regierungsvorlage abgelehnt wurde, hat in England einen Eabinetswcchsel hervorgerufen. Von dem Schwanken der Minister zwischen Rücktritt und Auflösung des Hauses, von einem noch in Aussicht stehenden Vertrauensvotum für Gladstone — Dinge, die die „Morning Post" noch als möglich bezeichnete — ist nicht mehr die Rede. Das Ministerium Granville Gladstone ist definitiv zurückgetreten, die Königin hat die Demission der bisherigen Minister angenommen, und ein Toryeabinet unter der Führung Disraeli's taucht bereits am politischen Horizonte auf. Die bei Cabinetskrisen gebräuchliche Vertagung deS Hauses ändert an diesem Stande der Dinge nichts, auch der Sieg, den das Cabinet im Oberhause bei dem Gesetzentwurf über die Organisation deS höheren Gerichtswesens davongetragen, hat an der Sachlage nichts geändert.
Die niederländische Regierung hat der zweiten Kammer der Generalstaaten einen Gesetzentwurf vor- gslegt, nach welchem die Stellvertretung bei der Armee abgeschafft und ein dem preußischen ähnliches System eingeführt werden soll.
Die belgische Repräsentantenkammer hat sich während der ganzen Woche mit der Berathung über den Rückkauf der Eisenbahn des Grand Luxembourg Seitens der Regierung und der damit zusammenhängenden neuen Bahnprojeete beschäftigt und auch erledigt.
DaS dänische Staatsbudget ist vom Ausschuß des Folkethings dergestalt hergerichtet worden, daß bei einer Einnahme von 31,163,549 Rdlr. und einer Ausgabe von 30,395,009 Rvlr. in nächsten Finanzjahr 768,540 Rdlr. erspart werden sollen.
Der russische Feldzug gegen Khiwa geht vor ■ ssch. Großsürf^Rikolaus, der Reffe des Kaisers, hat
Auch sie hielt es nun für nothweudig, erst im letzten Augenblick einzuschreiten und den gewissenlosen Verführer vor den Augen Helenen's zu entlarven.
Sie selbst brachte das Frühstück in die Werkstätte
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Nun, die Reifen und Dauben sprangen nicht ent aber einige Gesellen blickten doch betroffen von chrer Arbeit auf und schüttelten bedenklich den Kopf über diese Art und Weise, die Reifen anzutreibe».
Hugo allein wußte, wem diese Wuth galt, er Oschle nicht fragen; er durfte ja erwarten, daß der "■«fier ihm Mittheilungen machen werde, sobald er W Beistandes bedurfte.
Die französische Nationalversammlung hat die Beschlüsse der Dreißiger-Commission nunmehr auch zu den ihrigen gemacht, und zwar mit einem Stimmen verhältniß von 411 gegen 234, nachdem alle gestellten Amendements entweder abgelehnt oder zurückgezogen waren. Judeß liegt der Schwerpunkt der Lage jetzt weniger in dem Ausgange des Verfassungskampfes als in der Beschleunigung der Räumung des Gebietes, da Thiers durch diese freiere Hand und eine neue Nationalversammlung zu erlangen Aussichten hat. Deßhalb werden die Abzahlungen der Kriegsentschädigung an Deutschland nach Möglichkeit betrieben, und Graf Arnim ist offieiöS in Kenntniß gesetzt, daß Frankreich im April 250 Millionen abzahlen wirb. Zu Anfang März wurden 150 Millionen abgeführt, ihnen werden im April 250 Mill, und in zwei Raten die Reste der vierten Milliarde folgen; mit der fünfte» Milliarde soll bann burch Zahlung mit Tratten vor gegangen werben, so daß spätestens Ende September die- Räumung der noch besetzten Gebielstheile eine Thatsache sein kann. Also binnen einem halben Jahre tritt vielleicht schon der wichtige Moment ein, wo Frankreich wieder vollständig „Herr seiner Geschicke" ist und es bann zur definitiven Conftituirung seiner Regierungsform schreiten kann.
In Rom wird die demnächstige Budget Berathung bas parlamentarische Leben wieber in Fluß bringen. Eine republikanische Epistel Garibalbi's unb eine mit dem Königreich Italien höchst grausam umspringenbe Anrede des Fürsten Liechtenstein sind ohne Schaben für das Land vorübergegangen. Nur daß die erstere bewiesen hat, daß die republicanische Partei nichts mehr in Italien bedeutet, während die zweite zeigt, daß der Papst in seinem Asyl in der Thal thun unb lassen kann was er will, unb daß das Gerede von seiner Gefangenschaft unb Unfreiheit eitelcS Gewäsche ist
Der spanische Minister-Präsident Figueras ist selbst nach Valeneia und Barcelona gereift, um die aufgeregten Gemüther feiner Republikaner zu beruhigen. Für die militärische Disciplin ist der republi- canische Geist sehr schädlich gewesen, die Soldaten glauben, Zwang vertrage sich nicht mit der republikanischen Freiheit, unb wenn bie nach officiellen Mittheilungen eingetretene bessere Wenbung nicht Stich
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Politische Wocheu-llebersicht.
Mit dem Beginn der abgelaufenen Woche ist nach längerer Abwesenheit und nach vollständiger Genesung der Kronprinz des deutschen Reiches von Wiesbaden in die Reichshauptstadt zurückgekehrt. Wie auf der Reise nach dort, so würben ihm auch in Berlin vielfache Ovationen zu Theil. Zur letzten Session der ersten Legislaturperiode wurde am 12. der Reichstag durch den Kaiser persönlich eröffnet. Die baldige Räumung des französischen Gebiets und eine Anzahl wichtiger, besonders militärischer und finanzieller Vorlagen wurden durch die Thronrede angekündigt. Im Herrenhause fand das Verfassungsänderungsgesetz mit erheblicher Majorität Annahme. Im Abgeordnetenhause wurde das erste der kirchen-politischen Gesetze in zweiter Lesung ebenwohl nach den Commissions- Vorschlägen angenommen. — In Stuttgart hat die Kammer das Retablissementsgesetz erledigt. Die Königin-Mutter Pauline von Würtemberg ist am Montag Nachmittag burch den Tod von schweren Krankheitsleiden erlöst worben.
In Oesterreich bezeichnet die erste Märzwoche einen wichtigen Fortschritt im Verfassungsleben Cis- leithaniens, die Montags Revue nennt sie die „wichtigste Thatsache der bisherigen parlamentarischen Geschichte Oesterreichs." Nachdem die Wahlreform am 6. März in einer einzigen Sitzung des Abgeordnetenhauses angenommen, erfolgte am 10. März auch ohne weitere Diskussion die Annahme der ReichS- rathS-Wahlordnung. Der neue ungarische Minister deS Innern, Szapary, trat unmittelbar nach feiner Ernennung von allen Stellungen, die er bisher bei Finanz-Instituten eingenommen, zurück. Der Lonyay sche Skandal hat diese Praxis zur Nothwcnbigkeit gemacht.
In der Schweiz stehen die kirchlichen Wirren «och obenan und fast ausschließlich auf der Tagesordnung deS öffentlichen Lebens. Es scheint die Bildung altkatholischer Gemeinden an mehreren Orten Aussicht zu gewinnen, indeß läßt sich ein Urtheil über das nächste bleibende Ergebniß der jetzigen Bewegung »och nicht mit Zuversicht fällen. Der Diöcese Basel gegenüber hat der Bnnbesrath bisher noch keine Stellung genommen. —
Die Bauernfänger.'
Novelle von Ewald August König. (Fortsetzung.)
Der Küppermeister legte die Zeitung hin und ging ® die Werkstätte, unb so rüstig wie an diesem Morgen hatte er seit Wochen nicht mehr gearbeitet.
Aber eS lag etwas Auffallenbes unb Befremdendes
' recht seine Abreise angezeigt hatte und verließ daraus, wie er ging und stand, ohne nur das Schurzfell ab- : zu legen, das Haus.
Eine Viertelstunde später befand er sich im Bureau des Polizei-CommissarS.
Der Beamte hörte ihn ruhig an, nur bann und wann glitt ein Zug des Verständnisses über sein Gesicht > cr durchsuchte die Sachlage rascher und klarer als der Küppermeister, der so klug gewesen war, sich an denselben Commissär zu wenden, welcher schon längst sein Augenmerk auf den ehemaligen HandlungS-, reisenden gerichtet hatte.
„Der Fall ist klar," sagte er, als Peter Schiffer schwieg, „Ihre Tochter ist minorenn, auf Ihren Antrag muß die Behörde Ihnen beistehen, die Entführung zu verhindern. Was außerdem gegen diesen Burschen Vorließt, wird sich bann später finden."
„Unb ich versichere Sie, baß ich ihn gestern Abend im Russischen Hofe erkannt habe," erwieberte der Küppermeister in der Absicht, beu Diensteifer beS Beamten noch mehr anzuspornen, „mich täuscht weber daS glatt rasirte Kinn noch der hochadelige Name."
Der Commissär griff lächelnd in die Dose, welche der alte Mann ihm hinhielt, bann las er noch einmal aufmerksam die Zeilen, mit denen Liebrecht seine Abreise angezeigt hatte.
„Wenn diesem Brief nicht die Absicht der Täu- schung zu Grunde läge, so würde er anders lauten,“ sagte er; „wollte er durch denselben bezwecken, um bon seiner Geliebten Abschied zu nehmm, so hätte er es gewiß nicht in dieser förmlichen, geschäftsmäßigen Weise gethan."
„Hm, das habe ich direkt gesagt —*
„Unb mir scheint, daS dieser Brief noch einen anderen Zweck hatte, den, Ihrer Tochter die Stunde der Abreise mitzutheilen. — Heute Abend sechs Uhr,
® dieser Arbeit, es hatte fast den Anschein, als ob Äse unsagbare Wuth in den Schlägel gefahren fei.
Peter Schiffer so kräftig und energisch handhabte, «1« ob er die ganze Kraft seines nervigen Armes an «m Fuderfasse versuchen wolle.
Frau Therese hatte ihren Plan entworfen.
Sie beschäftigte Helene in der Küche und ging 7®auf, um in dem Schlasgemach ihrer Tochter Nach- ^rschungen zu halten.
, Sie fand das Schmuckkästchen Helenens leer unb !® Kleiberschranke unten auf bem Boben ein kleines ®ünbel, welches außer ben Schmucksachen etwas Leib Wäsche enthielt.
. Diese Entbeckung beseitigte ben letzten Zweifel; 5® namenloses Weh durchzuckte die Seele der biederen ptt, als sie sich in ihrem Vertrauen auf die Liebe WS Kindes so bitter getäuscht sah. , ... . , U._7I._W
. Aber wenn dieses Vertrauen auch erschüttert war, und benutzte diese Gelegenheit, ihre Entbeckung bem r 8'ng es doch nicht Derloren. u_: ‘z .'.t; ‘ u
.Frau Therese hielt zu große Stücke auf ihre noch Bestürzung zeigte.
Achter, als daß sie Helene sofort verdammt hätte Er forderte von ihr den Brief, in welchem Lieb-