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Nachrichten

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fiict durch die Sommerferien verzögert werden. Entgegen den von mehreren Zeitungen gebrachten tendenziösen Mittheilungen wird Leon Sah Prü­ftet des Seinedepartements zu dem in dieser Woche vorzulegenden Budget für 1874 ausdrücklich bemerken, daß die Regierung weder benöthigt sei, noch beab- stchtige, eine Anleihe aufzunehmen, vielmehr etwaige Mindererträgnisse durch Ueberschüsse der 1870er Li­quidationsfonds zu decken die Absicht habe.

Ilom, 7. März. Die Betheiligung an den Berathungen im Abgeordnetenhause ist so gering, daß seit ihrer Wiederausnachme noch in keiner Sitzung mehr als 75 Deputirte gegenwärtig waren, und doch ließ ein unbefangener Blick auf die Lage das Gegen- theil erwarten. Die Erfahrung, daß es einer ganz außerordentlichen Hebelkraft bedarf, das Fuhrwerk auf Monlecitorio, wenn es einmal stillgestanden, wieder anziehen zu lassen, sollte auch diesmal gemacht werden. Sogar die wieder eingebrachten Debatten über die Neuordnung des Heerwesens üben heute keine größere Anziehungskraft aus, als gleichgültige administrative Fragen.

Madrid, 11. März. Aus den einander wider­sprechenden Nachrichten über die Ereignisse in Gui puzcoa und Navarra läßt sich mit Gewißheit nur schließen, daß es einige Kämpfe zwischen den Carlisten und den Regierungstruppen abgesetzt hat. Beide Theile schreiben sich ihrer Gewohnheit nach den Sieg zu. Da die Carlisten aber ihre Behauptung weniger zu­versichtlich aufstellen, so darf man glauben, daß sie den Kürzern gezogen haben. An eine Versöhnung der chronologischen und geographischen Einzelheiten ist bei den Berichten nicht zu denken, obwohl sie innere Beweise genug enthalten, daß ihnen ursprünglich die­selben Thatsachen zu Grunde liegen. Dorregaray, der mit angeblich 2=3000 Mann am 6. d. in Navarra stand, erwartete wie die carlistischen Mittheilungen jagen in seiner festen Stellung bei Muricta (wahrscheinlich ist Monreal gemeint) den Anmarsch dreier feindlichen Abtheilungen, von denen er wußte, baß sie durch Höhenzüge getrennt waren. Er rückte daher gegen eine vereinzelte Colonne an und drängte sie angeblich nach Arcos zurück, worauf er selbst den Marsch nach Biscaya antrat. Dies ist jedenfalls die Action, welche, von Alarmisten weiter erzählt, in Madrid das Gerücht entstehen ließ, daß General NvuvilaS, der noch kaum in Pamplona angekommcii sein konnte, eine Niederlage erlitten und sich schleu­nigst, um seine Mannschaft zu sammeln, in jene Mung zurückgezogen hätte; und ferner ist es der­selbe Vorfall, welcher jetzt von Negierungsberichten üls der große Sieg bei Monreal geschildert wird, in welchem Dorregaray viele Todte und Gefangene ver- Iwen habe. Ein zweites Treffen hat in Guipuzcoa Statt gefunden und wurde von Carlisten.als die von chnen gewonnene Schlacht bei Jrun auspüsaunt. Der Ort des Scharmützels waren die Berge zwischen Jrun >uid Oyarzun, wo die Bande Sorocta's sich Herum­trieb. Diese wurde nach den amtlichen Berichten ge­schlagen, verlor 23 Todte und viele Verwundete, da- wnter Soroela selbst; und ein Theil der Flüchtigen rettete sich über die französische Grenze. In Catalo- wkn läßt die Haltung der gegen die Carlisten operi- readen Truppen viel zu wünschen übrig. Nach Gerona Arten dieser Tage die Osficiere des Jäger-Bataillons Manila zurück, weil die Leute ihnen den Gehorsam verweigerten und aus einander gingen; ein anderes "ataillou soll erklärt haben, die Stadt besetzt halten wollen; inzwischen sollten die Freiwilligen gegen * Carlisten ausrücken. Von Don Alfonso, Carlo's Bruder, erzählt man, daß er mit seinem Stabe das Kloster Monserrat besucht habe. Wie man aus Bar­aona hört, wo Figucras einen begeisterten Empfang bsNoß, haben die Solvaten sich dort bereit erklärt, sich : ^'Freiwillige anwerben zu lassen. In Malaga I fachen Unruhen aus. Es gab mehrere Todte und , Verwundete. i

Som Landtage.

Berlin, 13. März.

Heute trat das Herrenhaus um 10 Uhr zur Schlußberathung über das Verfassungsänderungsgesetz zusammen. Nur Gegner ergriffen das Wort, Graf Krassow, um die officiöse Presse nicht diePro­vinzial Korrespondenz", wie der Redner ausdrücklich versicherte der Blasphemie zu beschuldigen, Frhr. v. Manteuffel, um sich gegen die Ausführungen des Herrn Reichskanzlers zu erklären und das Motiv für die kirchenpolitischen Gesetze, nämlich die Reden der Centrumsfraction, für nicht zureichend zu bezeichnen. Nach Graf Brüel sprach noch Frhr. v. Lands- berg, der das Lob der Centrumsfraction erklingen ließ. Andere, die sich noch gegen die Vorlage zum Worte gemeldet hatten, mußten wegen Schluß der Generaldiscussion ihre Zuflucht zur Specialdebatte nehmen, so Hr. Kröchcr, der dem Hause prophe- zeihte, der Herr Cultusminister werde nächstens einen Gesetzentwurf über Errichtung einer alle Kirchen um­fassenden Nationalkirche vorlegen. Schließlich wurde das ganze Gesetz in namentlicher Abstimmung mit 93 gegen 63 Stimmen angenommen. Der Fürst- Reichskanzler wohnte auch der heutigen Sitzung wieder bei. Den Schluß der Tagesordnung bildeten kleinere Gesetze und Petitionen. Nächste Sitzung Freitag. Tagesordnung: 1. Vorberalhung über das Gesetz, betreffend die Amts- und Landesordnung in Hohen- zollern. 2, Schlußberathungen über bas Gesetz, betr. die veränderte Abgrenzung des JadegebietS, über das

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oll bestimmte Peopositionen zu formuliren. Gontaut tele- ten s graphirte sogleich nach Versailles und schon am Soun 00 . tag trafen in Berlin genaue Vorschläge von Herrn

' Thiers ein, über welche nunmehr verhandelt wird. DieAssemblee nationale" veröffentlicht einen von Injurien gegen den Fürsten Bismarck strotzenden Ar­tikel. Thiers hatte heute eine neue Unterredung mit dem Grafen Arnim. Die Commission zue Prüfung der Handelsverträge ernannte Pouyer Quer tier zum Vorsitzenden; ihre Haltung den Verträgen gegenüber ist so friedlich, daß gerüchtweise von dem Rücktritt Remusat's verlautet, doch dürfte der Con-

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Gcsetz betr. das Grundbuchwesen in Hannover mit Ausschluß des Jadegebiets und über das Gesetz betr. die Reisekosten und Diäten der Mitglieder des Hauses der Abgeordneten. Zum Schluß Petitionen.

Im Abgeordnetenhause theilte zunächst der Präsident mit, daß anläßlich der glücklichen Genesung Seiner kaiserlichen und königlichen Hoheit des Kron­prinzen das Präsidium des Hauses eine Audienz nach­gesucht habe und daß dieselbe gestern stattgefun- ben. Alsdann erledigte das Haus in dritter Bera- thung 3 Gesetzentwürfe betreffend das Grundbuchwesen in Neuvorpommern und Rügen, Schleswig-Holstein und des Appellationsgerichts zu Kassel. Daran schloß sich die Fortsetzung der zweiten Berathung des Ge­setzentwurfs, betreffend die Anstellung der Geistlichen. Die §§ 16 bis 23 wurden ganz nach den Beschlüffen der Kommission genehmigt. Somit ist der Antrag Holtz gefallen. Präsident v. Forckeubeck schlägt mit Rücksicht auf die Sitzung des Reichstages vor, die Sitzung bis morgen 10 Uhr zu vertagen. Das Haus stimmt diesem Vorschlag zu. Tagesordnung: Rest der heutigen. Der Präsident theilt alsdann noch mit, daß ihm seitens der Herren Minister des Innern und der Finanzen ein Gesetzentwurf zugegangen sei, betreffend die Bewilligung von Geldmitteln für die durch die Sturmfluth der Ostsee Verunglückten und zum Schutz der beschädigten Küsten. Abg. Dr. W i n d t- horst ersucht den Präsidenten, sich mit dem Präsi­denten des Reichstages ht Verbindung zu setzen, damit nicht beide Körperschaften an demselben Tage Sitzung hätten. Präsident v. Forckeubeck bemerkt, daß er schon mit dem Präsidenten Simson Rücksprache ge­nommen habe und daß die gewünschte Regelung zu erwarten fei.

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Telegraphische Cours- und Marktberichte.

Frankfurt a. M., 14. März. «Schluß der Börse). Staatsbahn-Actien 3561, Elisabeth 2631. Galizier 244 Lombarden 2001. Nordwestbahn 2321, Creditactien 363k Silberrente 67£, Papierrente 1860t Loose 971, National­bank 1049, Spanier221, 1882tAmerikaner, Darmstädter Bank, Effectenbank, Oregon.

Berlin, 14 März. (Anfangscourse). Creditactien 2071, Staatsbahn 2031, Lombarden 1141, Amerik. 96$.

Wien, 14 März. (Anfangscourse). Creditactien 338.25, Lombarden 188.00, Napoleons 8.74.

Telegraphische Depeschen der Ober- hessischen Zeitung.

Berlin, 14. März. Das Abgeordnetenhaus nahm heute die übrigen Paragraphen des Gesetzentwurfs über die geistliche Vorbildung in zweiter Lesung un­verändert an und beschloß die Hinzufügung eines von Klotz und Kannegießer beantragten Paragraphen, wel­cher lautet: Das Gesetz tritt erst in Kraft nach der Publication der Abänderung der Verfaffuugsartikel 15 und 18.

Stuttgart, 13. März. Die Abgeordnetenkammer nahm in der heutigen Spezialberathung des Retabliffe- meutsgesetzes die im Wesentlichen zustimmenden Com- missionsanträge mit großer Majorität an und lehnte unter Zustimmung der Regierung das Eingehen auf die Vorlage bezüglich neuer ^Gewehre und Geschütze ab. In der heutigen Abendsitzung findet die Berathung Über die Exigenz für militärische Bauten statt.

Versailles, 13. März. Die Nationalversamm­lung hat in ihrer heutigen Sitzung mit 411 gegen 234 Stimmen den ganzen Entwurf der Dreißiger- Commission angenommen, nachdem alle Amendements verworfen ober zurückgezogen waren. Thiers wohnte der Sitzung an und unterhielt sich mit vielen Per­sonen.

London, 13. März. Im Unterhause zeigte Glad­stone an, daß das Ministerium in Folge der Abstim­mung über die Universitätsbill feine Demission ge­geben habe und dieselbe von der Königin angenommen sei. Das Haus vertagt sich auf einen Antrag Glad- stone's bis Montag.

Brüssel, 13. März. Die Deputirtenkammer hat mit 76 gegen 24 Stimmen den Gesetzentwurf über den Ankauf der Grand-Luxembourg-Eisenbahn an­genommen. 7 Mitglieder enthielten sich der Abstim­mung.

Aus Leipzig vom 9. März berichten dieLeipziger Nachrichten":Laut Anschlag des Diploms am schwarzen Brett des Augusteums im Fache der Juristenfakultät hat die erste Le ipziger Doctorin, Fräulein Johanna v. Evreinow aus Petersburg ihr Examen rigorosum am 21. Februar d. I- mit der Censur cum laude bestanden. Das Thema der von ihr eingereichten schriftlichen Dissertation lautete, wie wir gehörtUeber die Pflichten der Neutralen gegenüber den Knegsparteicn."

London, 13. März. Bon den die Miiüsterkrisis besprechenden Morgenzettungeii sagt dieTimes", die Minister würden heute Vormittag ihren Rücktritt er­klären. Disraeli werde mit der Neubildung des Cabinets beauftragt, die Neuwahlen aber, sei es, daß Disraeli annehme oder ablehne, bis zum Juli aufgeschoben werden. DieTimes" räth Diöcaeli, nicht vor der Berufung an das Land anzunehmen.Morning Post" erklärt dagegen, daß dte Minister noch zwischen Rück­tritt und Auflösung des Hauses schwanken. Die Ab­stimmung fei durch Ueberrumpelung herbeigeführt, ein Vertrauensvotum für die Minister fei einer zahlreichen Unterstützung sicher. Die Conservativen wünschten, daß das jetzige Ministerium noch die Verantwortliche keit für eine etwaige Auflösung übernehme; Gladstone werde heute Abend die Entscheidung des Cabinets mittheilen. Einer Nachricht desEcho" zufolge wurde in dem heute Nachmittag stattgehabten Ministerrath der Rücktritt des Ministeriums beschlossen. Nach der Minister Conserenz hatte Gladstone eine zweite Audienz bei der Königin, in Folge deren es als wahrscheinlich gilt, daß Disraeli sofort in den Palast berufen wird.

Washington, 13. März. Der Schatzsecretär Bouthwell ist zum Senator für Maffachusets gewählt worden; wahrscheinlich wird der bisherige Assistent im S-chatzdepartement, Richardson, an seiner Stelle das Finanzministerium übernehmen.

Marburg, 14. März. Bezüglich der vor einigen Tagen auch von uns gebrachten, derFranks. Pr." entnommenen Mittheilung, daß den Militär­ärzten die Ausübung der Civtlpraxis untersagt sei, wird derPost" mitgetheilt, daß man in den be­treffenden Kreisen von einer derartigen Verfügung nichts weiß. Daß übrigens ein solches Verbot, welches den Aerzten in manchen Garnisonen jede Gelegenheit zur Ausbildung in ihrem Beruf benimmt, überhaupt hevorsiehen sollte, ist an sich wenig wahrscheinlich, da der Zudrang zu der militärärztlichen Stellencarriere in steter Abnahme begriffen ist. Es sind gegenwärtig schon in der preußischen Armee etwa 400 Assistenz­arztstellen wegen Mangel an geeigneten Aspiranten unbesetzt. Ueberdieö würde jenes Verbot im strikten Widerspruch mit der erst 1868 erfolgten Reorgani­sation des Sanitätscorps stehen, da der §. 29 der bezüglichen allerhöchsten Verordnung den Militärärzten ausdrücklich das Tragen von Civiikleidung gestattet, um in der Ausübung ihres Berufes weniger behindert zu sein.

Sem Reichstage.

Berlin, 13. März.

In der heutigen Plenarsitzung ergab die Aus­zählung die Beschlußfähigkeit des Hauses. 209 Depu­tirte sind anwesend. Auf Antrag des Grafen Münster werden der seitherige Präsident Dr: Simson und die Vicepräsidenten Fürst Hohenlohe und v. Bennigsen durch Acclamation widergewählt, ebenso die seitherigen Schriftführer. Nächste Sitzung Montag.