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Marburg, Freitag, de» 14. März.
1873.
1 Olmhessische Zeitung.
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Deutsches Reich.
#» Berlin, 11. März. Dem Bundesrathe ist der Bericht der vereinigten Ausschüsse für Landheer- »nd Festungswesen, betreffend die Umgestaltung und Erweiterung der deutschen Festungen, zugcganzen. Nach der ursprünglichen Vorlage sollten zu diesem Zwecke 68 Millionen Thaler aus den nach dem Reichsgesetze vom 8. Juli 1872 6. Abschnitt rescr- virten IV2 Milliarden Francs der Kriegskosteucnt- schädigung ausgeworfen werden. Der Bevollmächtigte für Baiern beantragte jedoch, diese Summe auf 72 Millionen zu erhöhen, um auf diese Weise Ingolstadt zu einem Waffenplatz von ähnlicher Bedeutung für die südlichen Reichslande umzuschaffcn, wie es Spandau für den Norden ist. Die Mehrheit der Ausschüsse empfiehlt diesen Antrag dem Bundesrathe zur An- nähme. Von dieser Summe sollen nun dem Reichskanzler für die Jahre 1874 und 1875 19 (resp. 18) Millionen, für die folgenden zehn Jahre je 5,300,000 (resp. 5 Millionen) Thaler zur Verfügung gestellt »erden. — In einigen Blättern wird neuerdings gemeldet, daß im Staatsministerium Berathungcn wegen Aufhebung dcö Zcitungsstempels und Einführung einer Jnscratcnsteuer slaltfinden. Wie bestimmt versichert werden kann, ist von einem solchen Plan bis jetzt in maßgebenden Kreisen durchaus nicht die Rede gewesen. — Zwischen Baden, Würtemberg und Preußen bezüglich der hohenzollernschen Lande besteht eine Vereinbarung über die Schulpflichtigkeit der in einem dieser Laude sich aushaltenden Kinder von Angehörigen des andern Staates. Es wird beabsichtigt, die diesbezüglichen Bestimmungen zunächst auf ganz Preußen, «daun auf alle Staaten des Reiches auszudehneu und zwar, da das Unterrichtswesen nicht zur Com »etenz gehört, im Wege der Uebereinkunft. Die Minister des Innern und des Cultus haben deshalb die Provinzialbehörden aufgefordert, sich gutachtlich über das Bedürfniß und die Bedingungen einer solchen Einrichtung zu äußern.
— Die neueste „Prov.-Corr." erinnert in einem „Bischöfliche Huldigung und Treue" überschriebenen
Artikel an die von dem Erzbischof Ledochowski dem Könige geleistete Huldigung, reproducirt den Huldigungs eid, in welchem Treue gegen den König und Gehorsam gegen die Gesetze gelobt wird, und bezeichnet das Auftreten des Erzbischofs in der Frage der Unterrichtssprache als eine entschiedene Auflehnung gegen die Regierung. Das Auftreten des Erzbischofs sei eine Aufreizung von Unterthanen und Beamten zum Un gehorsam. Der Vorgang gebe einen neuen Beweis der Unerläßlichkeit von Gesetzen gegen die Abwehr geistlicher Uebcrgriffe; die Staatsregierung werde selbstverständlich ihre Anordnungen betreffs der Unterrichtssprache in der Provinz Posen aufrecht erhalten. Die Religionslchrer würden nicht in Zweifel sein können, daß sie den königlichen Behörden den schuldigen Gehorsam nur unter Gefährdung ihrer Amtsstellung versagen könnten, aber abgesehen von der Durchführung der zunächst in Rede stehenden Maßregeln «erde die Regierung Sorge tragen, daß die Erfüllung gelobter Unterthonenpflicht nicht von einer willkürlichen Deutnng der Bischöfe abhängig sei.
— Der „Krcuzztg." zufolge ist die Disciplinar- untersuchung gegen Wagener von dem Ministerprä sidenten, in Uebereinstimmung mit Wagener, unter der vorläufigen Beurlaubung desselben, veranlaßt worden.
Posen, 12. März. Die „Posener Zeitung" berichtigt die gestrige Mittheilung wegen einer gegen den Erzbischof Ledochowski cingeleiteten gerichtlichen Untersuchung dahin, daß cs sich bis jetzt nur um eine Untersuchung gegen die coufiscirten polnischen Zeitungen wegen Prcßvergeheus handle, wobei die Autorschaft des Rundschreibens festgestellt werden solle. Der Cul tusminister habe das Oberpräsidium zu ausführlicher Berichterstattung aufgefordcrt.
Havelberg, 12. März. Das hiesige Postgebäude ist heute Morgen abgebrannt. Die in demselben befindlich gewesene Tclcgraphenstation für Havelberg, sowie die Telegraphenstation Spandau ist außer Betrieb.
Darmstadt, 12. März. Die „Darmstädter
Zeitung" verkündigt die auf den 25. März festgesetzte Einberufung der Synode zur Berathung der evangelischen Kirchen-Verfassung.
Stuttgart, 12 März. Der König lehnte den Empfang einer «ständischen Beileids-Deputation ab, empfing dagegen heute den Präsidenten beider Kammern. — Gegenüber der von verschiedenen Blättern gebrachten Nachricht, daß am Gründonnerstage das Unfehlbarkeits - Dogma in Würtemberg verkündigt werden solle, ist zu constatiren, daß das Dogma vom Bischof Hefele schon längst verkündet ist. — Die Abgeordnetenkammer hat in ihrer heutigen Sitzung einen von Oesterlen gestellten Antrag, über die Re- tablisskments-Forderungen zur Tagesordnung überzugehen, mit 60 gegen 20 Stimmen verworfen. Außer dem genannten Abgeordneten sprachen noch Hölder und Schmid. — Das Leichenbegängniß der Königin- Mutter findet Freitag um 4 Uhr statt.
Straßburg, 12. März. Von den öffentlichen Kassen werden die österreichischen und ungarischen Zweiguldenstücke nur noch zu 4 Fr. 90, die Guldenstücke zu 2 Fr. 45, halbe und Viertelguldenstücke gar nicht mehr angenommen. Die Kaffen verausgaben solche Stücke nicht mehr an Zahlungsempfänger au6 dem Jnlande. — Das in München erscheinende „Vaterland" ist für Elsaß-Lothringen verboten.
Ausland.
Bern, 12 März. Die Wahlbehörde in Solothurn hat auf Antrag der Kirchengemeinde Olten den Pfarrer Herzog in Crefeld zum Pfarrer von Olten mit 12 gegen 1 Stimme gewählt.
Paris, 11. März. Bien Public bringt einen Artikel über die Räumung, worin cö heißt: „ES ist kein Geheimniß, daß die vierte Milliarde, von der schon die erste Hälfte abgezahlt ist, mindestens binnen zwei Mynaten in den Händen der Deutschen sein wird und daß kaum noch drei Monate erforderlich sein werden, bis definitiv über Zahlung der fünften verhandelt sein wird, zu der bereits der Staatsschatz die Hälfte in Casse hat. Laut den früheren Verträgen werden die beiden Departements der Ardennen und
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Nackt
Die Bauernfänger.
Novelle von Ewald August König.
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(Fortsetzung.)
Sie fanden den Polizei-Director in ungewöhnlicher Erregung. Warndocff theilte ihm mit wenigen Worten mit, daß der Major von Barnitz ihn begleiten »olle, und der Direclor erwiederle, daß dieser unerwartete Beistand ihm sehr willkommen sei.
'H „Es hängt jetzt Alles von einem günstigen Erfolg «i," sagte er, „der Verräther hat sich, Gott weiß aus »eichen Gründen, in seiner Zelle erhängt, trotzdem ch ihm Milderung der Strafe und die Mittel zur Auswanderung zugesichert hatte. Auf seine Aussagen ümn also das Gericht sich nicht mehr stützen, wir wüsten nun selbst Sorge tragen, uns Beweise zu ver- chaffen. Die Bande soll in der Schenke Peter Bau wanns ihren Schlupfwinkel haben und es kommt Alles darauf an, daß wir uns des Wirihcs bemächtigen, che er den Verbrechern das Waruungssignal geben rann. Ich darf weder cinm meiner Beamten, noch «aen meiner Agenten hiuschicken; der Wirth ist ein siebener Bursche, er kennt sie Alle und fast fürchte A, daß aucb Ihr Besuch ihm Verdacht einflößen wird. ®ie werden jedenfalls in unscheinbarer Kleidung hinein bkhen müssen, meine Herren, aber ich rathe Ihnen, "«sehen Sie sich mit einer guten Schußwaffe, ich be- iweifle nicht, daß es zu einem erbitterten Handgemenge '»Mmen wird. Sie hätten also Ihre Aufmerksamkeit allein darauf zu richten, daß Sie den Wirth klötzlich überfallen, ehe er ein Signal,geben kann, zu knebeln und dabei jedes Geräusch jo viel als chigljch vermeiden. Es ist keine leichte Aufgabe, '4 gebe es zu, aber ich hoffe, Sic werden sie löse», be diese Lösung ja auch in Ihrem Interesse liegt."
»Wir werden sie lösen," erwiderte der Major zu- "«fichtlich, „ich habe meinen Plan schon entworfen. —"
, »Sobald cs Ihnen gelungen ist, bitte ich Sie, *'.$ zu benachrichtigen, ich werde vor der HauSthüre w PTmnrtPH u
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»Gut, gut."
„Finden wir den Baron an der Spitze der Bande, so sind Ihre Verbindlichlciten gegen Ihn erloschen, Herr Oberstwachtmeister, hüten Sie sich aber in Zu. kunst vor den Bauernfängern, die es nicht allein auf die Bauern, sondern auf Jeden abgesehen haben, der ihnen gutmüthig genug scheint, in ihre Fallen hinein- zugchcn. Und nun bitte ich Sie, treffen Sie Ihre Vorbereitungen. Punkt acht Uhr werden Sie ucich vor der Thür der L>chenke finden."
Kaum hatten die Beiden sich entfernt, als mehrere Beamte eintraten, denen der Polizei-Director die um- fasfendsten Befehle gab.
Sie soll len sich einzeln aus verschiedenen Richtungen der Schenke nähern und zwar Alle in bürgerlicher Kleidung mit Schußwaffen versehen.
In der Nähe des Hauses, sei es nun in den Nachbarhäusern oder auf der Straße, sollten sie sich verborgen haltcn und ihr Augenmerk auf die Thüre der Schenke richten; sobald ihnen von dort aus ein Zeichen gegeben würde, müßten sie geräuschlos in das Haus eindringeu und sich in der Gaststube versammeln, um hier die weiteren Befehle zu empfangen.
Außerdem hatte der Polizeidirector sich den Beistand einer halben Compagnie Füsiliere gesichert, die auf dem Viehmarkt mit dem Schlage acht bereit stehen sollten.
Die Entfernung von der Schenke bis zu diesem Markte betrug nur wenige L-chritte, die Soldaten konnten also binnen einer Minute zur Stelle sein.
So glaubte der Director seine Maßregeln vor- lresflich getroffen zu haben, aber er verhehlte sich nicht, daß der glückliche Erfolg hauptiächlich davon abhing, ob und in welcher Weise Warndocff und der Major ihre Aufgabe lösten.
Er selbst wollte an der Spitze seiner Leute im entscheidenden Augenblick stehen, Niemand sollte ihm den Ruhm nehmen, daß er eigenhändig das Nest aus- gehoben und die Bande gefangen genommen hatte.
Hauptsächlich aber hatte er es auf den geheimnißvollen Baron abgesehen.
15. Capttel.
auf dem Bahnh 0fe.
Nachdem der Küppermeister seine Vermuthungen dem Polizeidirector mitgetheilt hatte, war es ihm, als ob sein Herz um ein Bedeutendes erleichtert sei.
Aber Hugo beruhigte sich damit nicht, er wollte wissen, ob Liebrecht sich noch in der Stadt befand und er schlug deßhalb seinem Meister vor, zur Schenke zu gehen und sie zu beobachten.
Peter Schiffer erklärte sich damit einverstanden.
Der Weg führte sie am russischen Hof vorbei; Hugo warf, als sie an dem erleuchteten Portale des Gasthofes vorbeischritten, einen Blick hinein, wie es ja Jeder unwillkürlich zu thun pflegt, we»n er in dunkler Nacht an einer geöffneten Thür vorbei- schrcitet, aus der ein Lichtstrahl sich in die Dunkelheit ergießt.
Ueberrascht blieb cr stehen.
„Sehl dort," flüsterte er, auf einen schlanken elegant gekleideten Herrn deutend, der einige Worte mit einem Kellner wechselte.
Auch der Küppermeister stutzte.
„Himmel alle Welt, der Schwindler!" sagte er.
Ehe er sich von seiner Ueberraschung erholt hatte, war der elegante Herr in den Saal eingetreten.
Hugo näherte sich rasch dem Kellner.
„Wer war dieser Herr?" fragte er.
Der Kellner maß den jungen, schlicht gekleideten Mann mit einem Blick der Verachtung vom Scheitel bis zur Fußsohle.
„Was kümmert es Euch!" erwiderte er. „Wenn Ihr eine Forderung an den Herrn Baron habt, so sucht ihn in seiner Wohnung auf.
„Aber ich weiß nicht wo feine Familie ist."
„Ich auch nicht."