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|j Mr« 61. Marburg, Donnerstag, bett 13. März. 1873.

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■ Oberhessischc Zeitung.

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Deutsches Reich.

Berlin, 11. März. Die Budgetcommission er­ledigte heute die dritte Lesung über daö Beamten- servisgesetz. Der frühere Beschluß in Betreff der Gymnasiallehrer wurde aufgehoben; die an den Staatsanstalten angestellten Lehrer werden also den WohnMgSgeldzuschuß erhalten. In Betreff der Diä- larien gab der Regierungö-Commiffarius die Erklärung ab, daß die Staatsregierung nach nochmaliger reiflicher Erwägung sich entschieden gegen den Beschluß erklären müffe, nach welchem auch den Diätarien der Wohnungs­geldzuschuß gewährt werden solle. Die Aufnahme dieser Bestimmung mache das Gesetz für die Regie­rung unannehmbar, da sie die practischen Schwierig­keiten, welche sich der Ausführung des Beschlusses cntgegenstellen würden, zu lösen außer Stande sei Dagegen sei die Staatsregierung bereit, die bestimmte Zusicherung zu geben, daß sie Fine Gehalts-Auf­besserung für Diätarien im nächsten Jahre durch eine Erhöhung der Diäten eintreten lassen werde. Die Commission strich mit Rücksicht auf diese Erklärung den die Diätarien betreffenden Zusatz. - Ebenfalls gestrichen wurde der in zweiter Lesung beschlossene Zusatz, nach welchem den Beamten, welche Local- Zulagen oder mit Rücksicht auf ihren Wohnsitz höhere Gehälter erhalten, nur der Wohnungsgeldzuschuß der letzten Serviskasse gewährt werden soll. — Mit der zu § 6 bei der zweiten Lesung beschlossenen Aenderung, daß bei Bemessung der Pension der Wohnungsgeld- Zuschuß (und zwar der Durchschnittssatz für die Scrviskassen I bis V) in Anrechnung kommen soll, erklärte sich der Regierungscommiffar im Namen der kgl. Staatsregierung einverstanden.

— 11. März. Der Kronprinz und die Frau Kronprinzessin sind heute Nachmittags 4 Uhr hier kingetroffen. Am Bahnhose hatten sich eingefunden: der Kaiser und die Kaiserin, die hier anwesenden Prinzen, die Feldmarschälle Wrangel und Roon, fast sämmtliche Staatsminister, der Stadtcommandant, der Polizeipräsident, Vertreter der evangelischen Geistlich­keit, der Oberbürgermeister und der Stadtverordneten- Lorsteher. Der Kaiser und die Kaiserin, Beide sicht­lich bewegt, begrüßten den Kronprinzen auf's herzlichste.

Ein zahlreiches Publikum empfing den Kronprinzen, dessen Aussehen durchaus gesund ist, mit donnernden Hochs. Nach längerem Verweilen in dem Wartesalon, woselbst der Kronprinz mehrere ihm näher stehende Personen freundlichst begrüßte, erfolgte die Fahrt nach dem Palais. Ueberall wurde daö Kronprinzen-Pdar von gedrängten Menschenmassen mit lebhaftestem Enthu­siasmus begrüßt. Zahlreiche Häuser in der Stadt haben geflaggt. — Der „Nord. Allgem. Zig." zufolge ist die Zeitungs - Nachricht von dem im Unterrichtsmi­nisterium abgeschlossenen Reorganisationsplane der Realgymnasien, welcher den lateinischen Unterricht aus­schließe, unbegründet. (Siche hierüber auch unsere gestrige Berliner ** - Corresp.)

— Die Bundesrathsausschüsse haben gestern den Gesetzentwurf über die Münzverfassung definitiv fest- gestellt. — Der am Sonnabend zur Vertheilung ge­langte Bericht der Commission zur Aufhebung der Salzsteuer, welcher nicht weniger als 75 Druckseiten in groß Octav umfaßt, erörtert zunächst eingehend die Diskussionen innerhalb der Commission, welche sich lediglich auf die Erhöhung der Einnahmen von Tabak bezogen haben. Die Unmöglichkeit einer nur Halbwegs dem Bedürfuiß entsprechenden Erhöhung der Steuer von inländischem Tabak in der bisherigen Be­steuerungsreform führte zu dem Vorschläge, die Flächrnraumsteuer mit der Gewichtssteuer zu vertauschen, nachdem der sächsische Vorschlag einer Werthsteuer von inländischem oder wenigstens von ausländischem Tabak von der Mehrheit der Commission als unaus- sührbar zurückgewiesen und auch der Vorschlag der Delegirten der landwirthschaftlichen Vereine, eine Fabrikatsteuer nach amerikanischem System einzuführen, abgclehnt worden war. Die Berathungen innerhalb der Commission drehten sich in der Folge nur um das Verhältniß zwischen der Steuer von inländischem und dem Zoll von ausländischem Tabak. Eine Ver­ständigung oder auch nur eine vorläufige Entscheidung durch Stimmenmehrheit ist bekanntlich in dieser Hin­sicht so wenig wie in einigen andern untergeordneten Punkten erzielt worden, so daß die Commission sich genöthigt gesehen hat, dem Bundesrath die weitere Entschließung anheimzugeben. Die Commission stellt

schließlich baldige Berichterstattung über die weiteren Steuerprojecte in Aussicht, welche innerhalb derselben theils von würtembergischer, theils von preußischer Seite in Vorschlag gebracht worden sind; nämlich die Erhöhung des Kaffeezolles von 5 % Thlr. auf 7 Thlr. und die Einführung der Börsenstempelsteuer.

Stuttgart, 11. März. Königin Pauline von Würtemberg, Mutter des jetzt regierenden König« Karl und seit 25. Juni 1864 Witwe des König- Wilhelm von Würtemberg, ist gestern Abend kurz vor 5 Uhr verschieden. Die Verewigte war am 4. Sept. 1800 zu Riga geboren, wo ihr Vater, Herzog Ludwig von Würtemberg, damals russischer General und Gouverneur von Riga, seinen Sitz hatte. Königin Pauline genoß als Wohlthäterin der Armen die höchste Verehrung im Lande; Tausende von menschen­freundlichen Stiftungen verdanken ihre Entstehung und ihr Gedeihen der stets offenen Hand und dem milden Sinne der Königin. Anläßlich des Ablebens der Königin Witwe ist eine Hoftrauer von 24 Tagen und eine Landestrauer von 6 Wochen angeordnet worden. — In der Kammer der Abgeordneten bezeichnete der Präsident eine Beileids-Deputation, im Falle der König eine solche empfangen wolle. Die heutige Tagesordnung wurde auf morgen vertagt. — Der Vorsitzende des Kreises Schwaben vom deutschen Buchdruckerverein veröffentlicht, daß am letzten Samstag in Stuttgart und dem übrigen Würtemberg sämmt- lichcn Gehülfen in den Vereins-Osficinen, welche dem Verbände angehören, gekündigt worden ist, und bittet um die Nachsicht des Publikums bei etwaiger Ver­zögerung von Druckarbeiten.

/ Straßburg 11. März. Der kaiserliche Rath zur Wahrnehmung der Verrichtungen des StaatS- rathS gemäß § 8 des Verwaltungs-Einrichtungsge­setzes vom Jahre 1871 tritt seine Wirksamkeit den 14. d. M. an. — Eine Bekanntmachung des Ober- Präsidenten weist der Gemeindeverwaltung einen Theil der Polizeiverwaltung zu.

Uusland.

Wie», 8. März. ES würde nicht richtig sein zu sagen, daß man die Polen gleichmüthig hätte ziehen sehen: dazu ist die Situation nicht angethan, und

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Die Bauernfänger.

Novelle von Ewald August König. > Fortsetzung.)

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Auf ihr allein ruhte die ganze schwere Last der ^dchuld, die Welt konnte sie bemitleiden, aber nicht ^dämmen, wenn sie muthig die Last trug.

Gewiß, eS war eine furchtbare, niederdrückende'

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Stier ruhte der Blick der gnädigen Frau auf der Thür, hinter welcher der Baron verschwunden war.

Das also war das Ende ihrer stolzen Träume?

Die Bilder der Vergangenheit zogen an ihrer Seele vorbei; sie hatte damals schwer gesündigt an diesem Manne, von dessen inniger und tiefer Liebe sie überzeugt gewesen war.

Sic durchschaute jetzt alle seine Machinationen, sie durfte von ihm keine Schonung, kein Erbarmen hoffen.

Ihr Stolz war gebrochen, sie war schon jetzt tief Aedemüthigt. Diesem Menschen hatte sie die Hand ihrer Tochter angrboten, förmlich aufgcdrungen, und nun? .

Konnte sie ihrem Gatten noch zürnen, da sie selbst fyt in das Netz hinein getrieben hatte?

Alles wollte er ihnen nehmen, nichts sollte sie er­drücken.

Die Schande der Armuth?

Ja in den Augen der Frau von Barnitz war die ?lrmuth eine Schande, dir zu ertragen sie keine Kraft kühlte.

Sie wollte fliehen, bei ihrer Schwester in Paris

Obdach suchen; — aber folgte ihr diese Schande nicht auch dorthin?

Und ihr Gatte, ihr Kind, durfte sie diese ver- iüffen, nachdem die Folgen ihrer Schuld sie ins Elend stürzt hatten?

Andere versöhnende Gefühle tauchten in der Seele "er gedemüthigten Frau auf.

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Last, aber den Triumph sollte der Baron nicht haben, daß er sie unter dieser Last niederstürzen sah.

Frau von Barnitz raffte sich aus ihrem Brüten cmpor, sie gedachte ihres Gatten, welcher der Er mulhigung nicht minder bedürftig war, wie sie selbst

Der Major erwartete mit fieberhafter Ungeduld die Rückkehr Warndorff's; von dem Erfolg der Schritte, welche der Lieutenant zu thun gedachte, hing ja Alles ab.

Er erschrak, als er das verstörte Antlitz seiner Gattin erblickte; er hatte gehofft, ihr Alles verheim­lichen zu können, jetzt konnte er nicht mehr bezweifeln, daß sie bereits unterrichtet war.

„Ich weiß Alles," sagte Frau von Barnitz düster, „der Baron ist ein Schurke."

»Wer hat es Dir gesagt?" fragte der Major hastig.

„Er selbst."

„Ah — dann ist er in der Thal —"

- „Leberecht, ich komme nicht, um Dir einen Vor­wurf zu machen, ich weiß, daß Du verleitet und be­trogen worden bist, denn ich kenne die Djotive, welche diesen Menschen geleitet haben.

„Du kennst sie?"

„Ja, dieser Baron ist derselbe Mensch, der damals die Augen zu mir erhob."

„Und von Dir zurückgewiesen wurde?"

„Ja, nachdem ich zuvor den Fehler begangen hatte, seine Hoffnungen zu nähren. Das hat er nicht vergessen und nun Rache dafür genommen."

Der Major war überrascht; jetzt ward auch ihm Manches klar, was er bisher vergeblich sich zu et- klären gesucht hatte.

„Das war meine Schuld, und nun sollen wir Alle dafür büßen," fuhr Frau von Barnitz fort. „Wenn ich es geahnt hätte, al- dieser Mann zum ersten Male unser HauS betrat I Lebrecht, ich habe

Viel verschuldet, ich sehe eS ein, ich war stolz und selbstsüchtig, und mein Stolz verleitete mich —"

„Lassen wir daS jetzt," unterbrach der Major sie, der nachdenklich auf- und abwanderte, „wozu können Vorwürfe jetzt noch nützen! Ich habe eine bessere Meinung von dem Charakter dieses Mannes gehegt, und hätte Warndorff nicht zwischen ihm und unserm Kinde gestanden, so würde auch ich meine Einwilligung nicht versagt haben."

Frau von Barnitz nickte; sie war ja selbst von der Liebenswürdigkeit dieses ManneS bestochen worden.

„Er hat seine Absicht erreicht, jetzt bleibt unS nur noch Eins," sagte sie. „Ertragen wir unser Schicksal mit Muth^ lassen wir —*

»Halt, so weit sind wir noch nicht," rief der Major erregt. „Der Baron hat sich falscher Bank­noten und gefälschter Karten bedient, die Beweise sind in unfern Händen, Warndorff ist bereits zur Polizei gegangen, um den Betrüger zu entlarven. Wenn ihm dies gelingt, so sind wir gerettet, und für den Baron öffnet sich das Zuchthaus. Ich gehe noch weiter und behaupte, daß dieser Mensch mir auch die Wappen gestohlen hat, um seinen Zweck rascher und sicherer erreichen zu können, ja, ich möchte nun fast annehmen, daß auch fein Name und Titel falsch sind. — Gott sei Dank, da kommt Warndorff."

Der Premier-Lieutenant war hastig eingetreten, er stutzte, als er Frau von Barnitz bemerkte, ein düsterer Schatten breitete sich über seine Stirn.

Der Major eilte ihm ungeduldig entgegen.

„Wie stehl's?" fragte er. „Was haben Sie au«- gerichtct?"

Warndorff warf einen verstohlenen Blick auf die gnädige Frau; die erwartungsvolle Spannung in hren Zügen mußte ihm beweisen, daß sie unterrich- war.

„Meine Frau weiß Alles," fuhr der Major fort,