einkommen derselben für jede Finanzperiode festgestellt werden soll. Hierauf ist der Schluß des Landtags erfolgt.
München, 6. März. Unter den eventuellen Nachfolgern des verstorbenen Generals Frh. v. Hartmann als Befehlshaber des 2. baierischen Armeecorps wird gerüchtweise auch der Prinz Luitpold genannt. DaS Gerücht wird wohl mit Vorsicht auszunehmen fein. — Zur deutlichen Documentirung der zwischen allen deutschen HeereStheilen bestehenden Einheit werden den für die Monate Juli und August bei Grau- denz angeordneten BelagerungS und Pontonierübungen auch baierische Ingenieur- und Pionierofficiere beiwohnen und dafür preußische Officiere bei den Haupt sächlichsten Uebungen der baierischen Artillerie auf dem Lechfelde zugegen sein. — Die Beschwerde des Jesuitenpaters Frh. v. Pelkowen gegen seine Ausweisung auS Landshut ist von dem Ministerium abschlägig be- schieden worden. — Das bekannte Hotel „Zu den vier Jahreszeiten" ist um den Preis von 1,500,000 st. aus den Händen seines bisherigen Besitzers Herrn Obermaier in diejenigen einer Actiengesellschaft übergegangen. Herr Obermaier wird den Betrieb des Hotels indeß weiter führen.
TtraHburg, 7. März. Die allgemeine Schulpflicht hat überall in Elsaß - Lothringen angefangen ihre naturgemäßen Vortheile zu entwickeln — je nach Lage der Verhältnisse hier in höherem, dort in geringerem Grade. Allenthalben im Volke jedoch, man kann dieses getrost behaupten, ist das Verständniß für die Lichtseiten des Schulzwanges erwacht. Eine Schwierigkeit bietet an manchen Orten noch das Widerstreben der Bürgermeister, die auf die Schulversäumnisse gesetzten Strafen gewissenhaft zur Ausführung zu bringen. Wenn es gelingen wird , auch in dieser Hinsicht durch eine entsprechende Einrichtung nachzuhelfen, so wird binnen kurzer Zeit die Regelmäßigkeit des Schulbesuchs in Elsaß Lothringen jeden Vergleich auch mit den in günstigster Lunge befindlichen deutschen LandeStheilen jenseits des Rheins bestehen können. Die Pflicht deS pünktlichen Schulbesuches hat aber, wie überall so auch hier den weiteren großen Vortheil im Gefolge gehabt, daß der Gehorsam gegen den Lehrer, die Ordnungsliebe und der Fleiß der Schüler, daß die Diöciplin in der Schule sehr entjchieoene Fortschritte machen. Dadurch, daß Schulversäumnisie von ernster Ahndung frei blieben, daß die Kinder nach beliebiger mehrtägiger Unterbrechung mit Unlust wieder zur Schule kamen und darin so zu sagen mehr oder minder Fremdlinge blieben, ward natürlich auch die beste Kraft des gewisien- haften Lehrers gelähmt; eS war unmöglich, nach einem festen Lehrplan zu verfahren: dieselben Aufgaben mußten wieder und wieder begonnen werden, um den Nachzüglern im Schulbesuche wenigstens die Möglichkeit annähernden Schritthaltens zu verschaffen; Zügellosigkeiten mancher Art griffen Platz; — lauter schwerwiegende Mißstände, unter denen selbstverständlich der Zweck und die letzten Ziele deS Schulunterrichts häufig
ich diese Stunde," wich der Baron aus, „eS freut mich, daß ich mich in dieser Hoffnung nicht getäuscht habe."
„Ah, — eine vertrauliche Unterredung?"
„Wenn Sie wollen, — jal"
„Und das Thema?"
„Errathen Sie es nicht?"
„Hermine!"
„Ganz recht."
Ueber die Stirn der stolzm Dame glitt ein düsterer Schatten.
„Wenn Hermine meinem Rath folgt, so werden Ihre Hoffnungen erfüllt werden," sagte er.
„Und wenn sie es nicht thut?"
„Dann — aber nein, sie muß ja wiffen, daß eS ein unheilbarer Bruch wäre!"
Der Baron zuckte die Achseln.
„Der Herr Major steht auf ihrer Seite," er- wiederte er, „er begünstigt meinen Nebenbuhler, an ihm findet Fräulein Hermine eine Stütze."
„Und ich glaube, Herr Baron, daß diese Stütze zusammenbricht, wenn ich die Axt daran lege," entgegnete die Baronin lächelnd. „Vertrauen Sie mir, mein Gemahl begünstigt allerdings den Herrn Linste nant von Warndorff, aber ich stehe auf Ihrer Seite und mein Wille entscheidet, wenn eS sein muß."
Ein Zug deS Hohnes und der Verachtung glitt flüchtig über das Gesicht deS Barons, Frau von Barnitz bemerkte ihn nicht.
„Lasten Sie, um unnöthigen Unannehmlichkeiten vorzubeugen, meiner Tochter noch eine kurze Frist," fuhr die Baronin fort, „ich werde Ihr Interesse vertreten. Du lieber Gott, wie kann man nur glauben, daß Hermine bei dieser Wahl schwanken werde?"
Der Baron schwieg, sein Blick streifte verstohlen daS Gesicht der gnädigm Frau, in welchem daS Gefühl eines stolzen Selbstbewußtseins sich spiegelte.
vollständig vereitelt wurden. Demnach erweist sich der Schulzwang, von seinen sonstigen Vorzügen abgesehen, auch hier als der mächtigste Hebel der Dis- ciplin und der Gesittung und die Gewohnheit des regelmäßigen Schulbesuches hat begonnen, sich in der Heranwachsenden Jugend zu dem Bewußtsein einer Pflichterfüllung zu steigern. (E. C.)
Ausland.
Wie«, 8. März. Im Abgeordnetenhause, wo die Polen abwesend, die Ruthenen und der Tyroler Bertagnoli anwesend sind, legte die Regierung eine mit Bayern abgeschlostene Additionalconvention zum Staatsvertrage von 1820 vor.
Prag, 8. März. Im Proteste SkreyschovSky wurden beide Angeklagte freigesprochen.
Bern, 9. März. Die „Tagespost" vernimmt aus angeblich zuverlässiger Quelle, daß Mermillod vom Papste zum Cardinal ernannt und der Obsorge über den Canton Genf enthoben worden ist.
Zürich, 8. März. Die „Züricher Zeitung enthält ein Telegramm aus Bellinzona, welchem zufolge von der am 6. d. M. in Bellinzona stattgehabten Volksversammlung Zustimmungsadressen an die Regierungen von Genf und Solothurn gerichtet wurden.
Pari-, 8. März. Unter 10 von den 15 Com- misstonSmitgliedern, die zur Prüfung des Handelsvertrages mit England gewählt worden, sind sieben als dem Handelsverträge feindlich, drei als freundlich bekannt. — Thiers empfing heute den Grafen Arnim. — Die Nachricht, daß die Carlisten Pamplona belagerten, ist falsch. — Die Republique Francaise, kanntlich GambettaS Organ, ist unbescheiden genug den Kriegsminister zu fragen, was er seit zwei Jahren zur Verbesserung deS Generalstabes gethan habe. An äußerem Firlefanz habe es im letzten Kriege diesen von Stickereien überladenen Leuten nicht gefehlt, desto mehr an Kopf, um des Feindes Plan zu durchkreuzen; der preußische Generalstab habe gewirkt als das Gehirn der Armee, während der französische in Einzelheiten sich abgearbeitet, aber nur zu oft den Hauptfunktionen deS HeereSkörpers fremd geblieben sei. Die französischen Offiziere schienen jeder einzeln genommen, die besten Eigenschaften zu einer vortrefflichen Dienstfähigkeit zu besitzen, aber im Corps verflüchtigten sich sofort diese Vorzüge, weil die Organisation eine fehlerhafte sei. Schon Oberst Stoffel habe auf diesen Punkt aufmerksam gemacht; die Ereignisse von 1870—1871 hätten diese Verblendung selbst den Eingebildesten zum Bewußtsein gebracht; aber General Cisscy, obwohl selbst aus dem Generalstabe hcrvorge- gaugen, habe sich alsbald als Kleinmeifter gezeigt, sich mit allen Leuten, durch die Frankreich zu Grunde gerichtet worden, umgeben und dann den Generalstab gefragt, wie weiland Guizot die Kammer: „Vous sentez-vons corrompus ?“ Die Antwort der Generalstäbler habe nicht auf sich warten lassen: die Herren fanden, es sei kein Fehl an ihnen und in ihrer Einrichtung sei Alles vortrefflich. So stehe jetzt die Sache: solle man sich diesen Wahrspruch gefallen
„Madame, bei solcher Wahl hat auch das Herz eine Stimme," sagte er im warnenden Tone, „wollen Sie ihm keine Rechte einräumen?"
„Nein," erwiederte Frau von Barnitz kalt.
„Ah — so halten Sie nur die Ehe für eine glückliche, die der Verstand geschlossen hat?"
„Unter Umständen — ja!"
In den Augen des Barons blitzte es jäh auf, aber gleich darauf umspielte seine Lippen wieder ein kaltes Lächeln.
„Reden wir offen mit einander," sagte er, „Sie glauben nicht, daß Fräulein Hermine aus freier Wahl meine Werbung annehmen werde?"
„Weßhalb sollte sie es nicht?" entgegnete Frau von Barnitz rasch, „Müsten ihr die Vortheile nicht einleuchten?"
„Weichen Sie mir nicht aus, wenn ich bitten darf."
„Nun denn, offen gestanden, fürchte ich, daß die Parteinahme meines Gatten ein nicht gering zu schätzendes Gewicht für Warndorff in die Wagschaale werfen wird."
„DaS fürchte ich nicht."
Frau von Barnitz bllckte überrascht auf.
Hatte ihr Gatte nachgegeben und dem Baron be reits Zugeständnisse gemacht?
Sie konnte es nicht glauben und doch sagte der Baron dies so ruhig und sicher, daß sie annehmen durste, er müsse seiner Sache gewiß sein.
Ein tückischer boshafter Zug umzuckte die Mundwinkel des BaronS.
„Der Herr Major von Barnitz wird sich unfern Wünschen fügen müssen, wenn ich es verlange," fügte er hinzu.
DaS Erstaunen der gnädigm Frau wuchs. „DaS verstehe ich nicht," erwiderte sie.
lasten? DaS Organ Gambetta'S verspricht auf diesig Frage zurückzukommen. Die übrige französische Press! beschäftigt sich nur beiläufig und meistens sehr diln- tantisch und optimistisch mit der Armee Organisation; die National-Versammlung hat wiederholt bewieset!, daß sie von diesen Dingen wenig versteht, und, was noch schlimmer, Militärfragen immer als Partei- und Personenfragen behandelt; Thiers aber hält auf Cisfeh, weil dieser sein militärisches Steckenpferd striegel, und schniegelt und ihm zu Willen ist, die Arm« durch das Lungern und Frieren in den Baracke, „abzuhärten."
Versailles, 8. März. Die Nationalversauiw lung setzte in ihrer heutigen Sitzung die Berathun; des Dreißigerentwurfs fort. Justizminister Dufaun bekämpfte Namens der Regierung daS Amendenieii Lucien Brun, welches mit 499 gegen 163 Stimm« verworfen wurde. Der darauf zur Abstimmung gebrachte Artikel 3, welcher durch die Annahme bet Belcastel'schen Zusatzartikels Artikel 4 geworden if wurde mit 458 gegm 131 Stimmen angenommen.
Rom, 8. März. „Voce della veritä“ sa öffentlicht den Wortlaut der vom Fürstm Liechtenstein dem Papste überreichten Adreste und den der Antwei des Papstes. Die Adresse protestirt gegen die A« Hebung der religösen Körperschaften, eine Versöhn»» oder die Annahme eines modus vivendi sei unnch lich; Gott werde die Feinde der Kirche züchtig« Der Papst drückt seine Freude über die Kundgebm aus, er sei voller Zuversicht auf die Zukunft. D Erfahrung aus der Vergangenheit verleche ihm ’Diutf man müsse kämpfen und wachsam sein, um endlin den Sieg davonzutragen. •.<
Madrid, 8. März. Der Bericht der Commissi« welche damit betraut wurde die Frage der Auflösm der Nationalversammlung zu prüfen, empfiehlt di Verwerfung der darauf abzielenden Vorlage. Ni das Commissionsmitglied Rivero beantragt Annah« mit einigen Modifikationen. Bezüglich der Haltm der Regierung verlautet, daß ste, da ihr vornehmst! Bestreben auf Erhaltung der Ruhe gerichtet sei, sis der Entscheidung der Nationalversammlung füg« wolle, jedoch für den Fall, daß der Entwurf in {eine wesentlichsten Grundlagen gemißbilligt würde, ent schlossen sei, ihre Vollmachten an die Versammlm zurückzubegeben. — Die spanischen Regenten schein« gegenüber dm Ansprüchen der radikalm Partei g«l Miene zum bösen Spiel gemacht zu haben. Abgeseh« von der Aufnahme von vier radikalen ParteihäuptK in das Ministerium, durch welche dasselbe zum britlt Male in den wenigen Wochen seit der Thronentsagu« Don Amadeo's feinen Bestand wechselt, scheinen ü regierenden Republikaner dm Meinungen ihrer radikal« Bundesgenossen auch principielle Concessionen germst zu haben. Nach den letzten telegraphischen Nachricht« beabsichtigt die Regierung, die jetzige Nationalva sammlung bis zur Klärung der inneren «« äußeren Sachlage bestehen zu lasten, damit sic cd« tuell eine Permanenzcommission ernennen kann. D
„Hat Ihr Herr Gemahl Jhnm noch nicht gesag daß wir gestern Abend gespielt haben?" J
„Allerdings."
„Wie hoch schätzt er seinen Verlust?"
„Er nannte ihn unbedeutmd."
„Nun dann ist das Vermögen Ihres Herrn G mahlö bebeutenber als ich glaubte," bemerkte v Baron sarkastisch.
Bange Ahnungen tauchten in der Seele der stolz! Dame auf. Es waren weniger die Worte, als dt1 Ton, der beißende, fast teuflisch boshafte Ton, ' welchem der Baron ste sprach, was diese Ahnung weckte.
„Ist denn sein Verlust wirklich so sehr bedeutend« fragte sie, mit fieberhafter Spannung der Antw« harrend.
„Er betrug gestern Abend vierzigtausmd Thaltt Frau von Barnitz wollte entsetzt von ihrem S emporfahren, der Baron legte leicht seine Hand # ihren Arm und blickte ihr ernst sin's flammt Auge.
„Der Herr Major spielt hoch," fuhr er fort, ,< wollte es so — und ein Jeder muß ja selbst wO wie weit seine Kräfte und Mittel reichm. $ würde dieser Verlust eine Bagatelle sein, es Sache Ihres Herren Gemahls, die Folgen fe# hohen Spiels zu bedenken. Heute Morgen wollte d Herr Major Revanche haben, ich konnte sie ihm ni1 verweigern, meine Schuld ist es nicht, daß die Suw> seines Verlustes dadurch verdoppelt wurde. * schuldet mir achtzigtausend Thaler; nicht zufrie^ damit mir sein Ehrenwort als Bürgschaft verpfänd zu haben, gab er mir eine Schuldverschreibung * diesen Betrag lautend."
Das war ein Schlag der vernichtend traf.
(Fortsetzung folgt.)
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