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JUarfiurg, Donnerstag, den 6. März.
1873.
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Feiertagen. Preis für das Quartal durch die Expedition (Koch'sche Buchdruckerei) bezogen 22 ä Sgr., durch die Stempelsteuer), für das Ausland excl. Stempel 22 Sgr. — Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 1 Sgr.
Sämmtliche Annoncen-Büreaus nehmen Inserate an.
— Die „Norddeutsche Allgemeine Zeitung" sagt mit Bezug auf die Mittheilung deö Journals de Beifort: „Verhandlungen über die Räumung französischen Gebietes mögen bevorstehen; unter keinen Umständen aber wird vor Ausbezahlung der letzten Milliarde Belfort geräumt werden." — Die Drosch- kenbesitzer beschlossen. in einer heutigen Generalver sammlung, ihre Permanenz-Commission zu ermächtige», im Namen der Gesammtheit in Unterhandlungen mit der Polizeibehörde zu trete»';' Verhandlungen, welche die Polizei mit Einzelnen anzuknüpfeii suchte, sollen abgelehnt und nur Abmachungen der Permanenz Com Mission genehmigt werden. — Den fortstrikenden Droschken-Fuhrherrn ging die endgültige Aufforderung
20 Thlr. hinzu. Unter gleichen Umständen kommen nach Gutachten des Oberschulkollegiums für die Hauptlehrer 60 bis 100 Thlr. hinzu. Bei Schulstellen welche außer freier Wohnung und Garten nicht mit soviel Land dotirt sind, daß dessen Reinertrag in den Catastern nicht mit wenigstens 8 Thalern eingetragen ist, kann daö Oberschulkollegium für den Hauptlehrer eine Zulage von 30—40 Thaler eintreten lassen. Lehrer deren Leistungen dem Schulvorstand und Oberschulkollegium befriedigend erscheinen, erhalten bei einer Dienstzeit von 5, 10, 15 und 20 Jahren seit ihrer definitive» Attstellung eine jedesmalige Zulage von 25 Thlr. Die Einkünfte für Versetzung des Küsterund Organistendiensteö werden nur bann bei den
des Polizeipräsidiums zu, ihre Fahrzeuge bei Meidung sofortiger CoiicesstonS-Entziehung sofort in Dienst zu stellen. Dem Vernehmen nach schweben Unterhandlungen wegen Ertheilung einer Concession zum Betriebe von 4000 Droschken an einen Unternehmer. Die Verhandlungen sollen sich bereits dem Abschlüsse nähern.
Wiesbaden, 3. März. Die Abreise des Kron Prinzen ist nunmehr definitiv auf den 10. l. M. festgesetzt.
Jever, 2. März. Von dem zur Zeit noch tagenden Oldenburger Landtag sind die Lehrergehalte an den Volksschulen wie folgt festgestellt: Der Mindestbetrag für den Hanptiehrer einer Volksschule ist nor mirt auf 225 bis 250 Thlr., wenn in der Schulacht 50 und mehr selbstständige Familien angesessen sind; 200—225 Thlr. wenn 25 Familien angesessen sind, 175—200 Thlr. wenn weniger als 25 Familien vorhanden sind, für Nebenlehrer II. Cl. 140 bei provisorischer und 150 Thlr. b-ch definitiver Anstellung^ für Nebenlehrer I. Stoffe 250 Thlr. für Hülfslehrer 105 Thlr. In größeren Ortschaften und in den der Marsch und den Städten benachbarten Schulachten kommen für die Nebenlehrer II. Elaste und für die Hülfslehrer nach Bestimmung des OberschukcollegiumS
-Diensteinkommen der Lehrerftellen mit in Anrechnung gebracht, wenn sie in Pfarrorten mehr als 100 Thlr. und in anderen Orten mehr als 50 Thaler betragen. (Fr. Pr.)
Weimar, 4. März. Der Landtag des Groß- chrrzogthums hat heute zu den über den Bau einer Eisenbahn von Hof nach Erfurt nebst dazu gehörigen Zweigbahnen abgeschlossenen Verträgen seine Zustimmung ertheilt.
Stuttgart, 4. März. Tie Specialkommission der Abgeordnetenkammer für das Retablistementsgesetz beantragt^Ablehnung der RetablissementSkosteii im weiteren Sinne, soweit sie die neuen Gewehre und Geschütze betreffen, um nicht den Beschlüssen des künftigen Landtags und der Reichsregierung vorzugreifen, welche noch unentschlossen erscheine, ob nicht das Retablissement im weiteren Sinne auf das Reich zu übernehmen fei. Bezüglich des Retablissements im engeren Sinne, Wiederherstellung des durch den
-a-gegEgenew^Mawrials :c., Wer hält stch die Commission im Wesentlichen zustimmend.
Straßburg, 4. März. Eine Verordnung des Bezirks-Präsidenten verbietet die in der Gemeinde Gereuth im Weilthale anläßlich der dortigen Wundererscheinungen stattfindenden religiösen Versammlungen
Erscheint täglich außer den Werktagen nach Sonn- und Postämter 27 Sgr. (excl. Bestellgebühr und incl.
Deutsches Reich.
•• Berlin, 4. März. Das Staatsministerium hat sich in jüngster Zeit mit der Abschaffung des Zeitungsstempels beschäftigt; eS ist anzunehmen, daß die Staatsregierung bei der morgen stattfindenden Beratung der Vorlage Gelegenheit nehmen wird, sich über ihre Stellung zu derselben auszusprechen.— Auch heute findet eine Berathung des Staatsmini steriums statt. — Wie man erfährt, ist das durch Geh. Ober-Finanzrath Schumann gegen den Geh. Rath Wagener eingeleitete Scrutinialversahren gestern bttndigt worden. — lieber den Grad der Oeffent- lichkeit, welcher den Verhandlungen der Special-Un- tersuchungscommission zu Theil werden wird, stellt die „Nalional-Zlg." dieselben Gesichtspunkte auf, welche auch von hieraus bereits vor einigen Tagen aufgestellt worden sind. Wir sagten, daß bei beut Ge- wichte der Verhandlungen und ihrem Zwecke wohl nur eine Meinung über die Noihwendigkeit einer möglichsten Oeffentlichkeit derselben herrschen könne. Das fei aber nicht so zu verstehen, als wenn von der Commission selbst fortlaufende Berichte über den Fortgang der Verhandlungen veröffentlicht werden sollten. Je nach der Erledigung einzelner Punkte der llnterfuchung wird auch das Publikum deren Kenntniß erhalten. — Es ist von Seiten des Kriegsministeriums an alle diejenigen, ivelche in Folge ihrer Thäügkeit »ährend des letzten Krieges Anspruch auf Decorirung zu haben glauben, die Aufforderung ergangen, sich zu melden. Es ist aber zu bemerken, daß es sich dabei nicht um Verleihung eigentlicher Orden handelt, sondern der KriegSdenkmünze für Solche, welche die feindliche Grenze in militärisch aetivem Dienste, in sanitätttcher oder administrativer Funckton überschritten haben. — Der BundesrathS-Ausschuß für Eisen bahnen, Posten und Telegraphen hat dem Bundes- rathe über den Gesetzentwurf, betreffend das Posttax- »esen, Bericht erstattet und die Annahme der Vorlage befürwortet.
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Die Bauernfänger.
Novell« von Ewald August König.
(Fortsetzung.)
Der Direetvr erhob sich; das Bewußtsein, nun mdlich sein lang ersehntes Ziel erreicht zu haben, »eckte in seiner Seele ein stolzes Gefühl.
„Wenn ich Eure Angaben wahr finde und wenn « mir gelingt, durch sie mich der Bande zu demäch Ligen, so werde ich mein Euch gegebenes Wort ein- lisen", sagte er, „auch verspreche ich Euch strenge Verschwiegenheit."
Der VerrLther nickte befriedigt.
„Noch einen Rath möchte ich Ihnen geben", er» »iebertc er, „gehen Sie heute nicht hin."
„Weshalb nicht?" fragte der Direktor mißtrauisch, «frische Fische, gute Fische!'
„Freilich, aber Sie werden heute nur wenige dort finden, morgen ist der Tag der Generalversammlung, Mann finden Sie auch das Haupt, den Baron dort."
„Ist das die Wahrheit?"
„Weshalb sollte ich lügen, nachdem ich so viel Mathen habe?"
Die Richtigkeit dieser Frage leuchtele dem Director *», er zog die Glocke.
„Führt diesen Mann in seine Zelle zurück," be f<chl er, „man soll ihn streng bewachen und ihm leinen Wunsch gewähren, bis er ein Geständniß ab» belegt hat."
Ein Zug triumphirender Freude glitt über das Gesicht des Direktors, als er sich allein befand.
Er faltete das Blatt, auf welchem seine Notizen H befanden, legte es sorgfältig in’« Portefeuille »ad verließ dttttn mit Stolz erhobenem Haupt das Robinet.
13. Kapitel.
Die Schlinge wirb zugezogen.
Als ber Major am Morgen nach jener verhäng- uißvollen Nacht erwachte, fühlte er einen brennend stechenden Schmerz im Kopfe und die Erinnerung un die Ereignisse dieser Nacht waren wahrscheinlich uicht geeignet, den Schmerz zu lindern.
Er erschrak, als er im Spiegel fein entstelltes Gesicht erblickte, er hatte in diefer Nacht nm Jahre gealtert.-
Wie war es denn mögliche daß er binnen wenigen Stunden fast fein ganzes Vermögen verloren hatte?
Er konnte es nicht faffen, nicht begreifen und dennoch ließ die Thatsache sich nicht ableugnen.
Vierzigtausend Thaler!
Er erschrak vor dem Augenblick, in welchem bet Baron ihn an bie Schuld mahneii würde; die Er (lärmig dcs letzteren, daß er sich nicht beunruhigen möge, er werde gelegentlich mit ihm darüber reden, konnte seine Angst und seine Besorgnisse nicht verscheuchen. ' *
Der Baron war freilich ein Ehrenmann, aber daß er auf die Forderung verzichten werde, ließ sich nicht voraussehen und der Major durfte ja eine solche Verzichtleistung nach seinen Ansichten über die Ehre nicht einmal annehmen.
Er mußte ihm das Geld zahlen, und dann?
Nu», es blieben ihm allerdings noch zwanzigtaufend Thaler, aber die Zinsen dieser Summe reichten zur Bestreitung seiner Haushaltung nicht aus und Dann mußte auch Hermine auf ihre Hoffnungen verzichten. Er konnte von diesem Rest die Cantion uicht zahlen, welche Warnoorff hinterlegeii mußte.
Der Major hielt in seiner Wanderung inne, fein stierer Blick belebt^ sich.
Wenn nun Hermine den Baron heirathet?
Dann war die ganze Sache ausgeglichen, der Baron verzichtet auf feine Forverung, Deren Hälfte er als Morgengabe seiner Braut empfing.
Der Major dachte lange darüber nach, bann aber schüttelte er entschieden ben Kopf.
Er bürste und wollte von seinen einzigen Kinbc bieseS Opfer nicht iordern, er würde fein Gewissen dadurch mit einer noch viel größeren Schuld belastet haben.
Mil Warndorff wollte er offen darüber reden, der Premier-Lieutenant mußte sich gedulden, bis er
das Hauptmannspatent erhielt, dann war der Sold höher und die Kaution kleiner.
Seine Frau sollte fein Vergehen nicht erfahren, wenigstens jetzt nicht, sie erfuhr cs ja später immer noch früh genug, er fürchtete zu sehr ihre gerechten Vorwürfe, die er jetzt in feiner ohnehin gereizten Stimmung nicht hören mochte.
Aber wenn nun Hermine dem Baron erklärte, daß sie seine Werbung nicht annehmen könne, weil Warndorff bereits ihr Herz besitze und diese Erklärung ließ sich ja vorauSsehcn, mußte dieß nicht den Groll des Barons wecke» und ihn zu gehässigcn Schritten gegen seinen Schuldner verleiten?
Der Major kannte in dieser Beziehung den Charakter und das Temparemcm feines Gläubigers noch nicht, er mußte sich aus das Schlimmste gefaßt Machen. Aber gleichviel, zahlen mußte er die Ehren- fchulv, er wollte diese Verpflichtung einlösen, ehe der Baron zu gehässigen Schritten Zeit fand.
Auö seinem Grübeln schreckte ihn der Eintritt Johanns auf.
Er nahm keine Notiz von ihm, und als der Bursche ihm die Pfeife und den brennenden Span überreichte, wies er sie durch eine Bewegung zurück.
Johann blickte betroffen seinen Herrn an, das war ihm doch nicht vorgekommen.
„Ich habe Kopfweh," jagte ber Major als Antwort auf biefen Blick.
Johann nickte verständnißreich.
„Der Herr Oberstwachtmeister sind die Nachtwachen nicht mehik gewohnt," erwiderte er, und der theilnehmende, treuherzige Ton that dem Major wohl.
„Du magst Recht haben," sagte er, „vielleicht war auch der Wein gefälscht, ich kann nur reine Weine vertragen. Stelle die Pfeife nur wieder hin."
Johann kam dem Befehl nach, er warf einen besorgten Blick auf feinen £errn, bann näherte er sich langsam, zögernd der Thür.
„Wenn der Herr Oberstwachtmeister erlauben —"
„Was?" fuhr der Major aus feinen Brüten empor. -