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3, Mr. 33. JKarÖurg, Dienstag, den 4. März. 1873.

n Oberhessische Zeitung.

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Sämmtliche Annoncen-Büreaus nehmen Inserate an.

Deutsches Reich.

•• Berlin, 1. März. Wir hatten bereits vor einiger Zeit gemeldet, daß die Einleitung eines Dis- ciplinar-VerfahrenS gegen den Geh. Rath Wagener keineswegs, wie von leiten des deutschen Wochen­blattes angedeutet worden ist, bis zu dem Zeitpunkt ausgeschoben werden würde, an welchem die Speeial- Untersuchungs-Commission zu einem Ergebnisse gelangt sein würde. In der Thal ist der Geh. Ober-Finanz- Rath Schuhmann beauftragt worden, ein ©crutiniob Verfahren gegen den Geh. Rath Wagener einzuleiten, anb benselben über einige Punkte der von ihm einge­reichten Vertheidigungsschrift, welche keiner weiteren Aufklärung bedürftig erachtet sind, zu vernehmen. Dieses Verfahren ist vor etwa 8 Tagen beschlossen, anb es ist daher begreiflich, daß bei dem großen Interesse, welche» dieser Angelegenheit allseitig zuge- wenbet wirb, man begierig war zu erfahren, ob der Anordnung der StaatS-Regierung bereits Folge ge­geben sei. Zur Aufklärung dürfte die von kompeten­ter Seite ausgehende Mittheilung sein, daß anfänglich ein anderer CommifsariuS in Aussicht genommen »ar; erst nach dem dieser den Auftrag abgelehnt hatte, ist der Geh. Ober-Finanzrath Schuhmann am letzten Dienstage mit der Mission betraut worden Derselbe bedurfte aber einiger Tage um sich aus den Akten des Handelsministeriums und des Stadt­gerichtes vollständig zu informiren. Wie eö heißt findet die erste Vernehmung des Geh. Rath Wagener am heutigen Tage statt. — Von den 3500 Preuß. Ausstellern auf der Wiener Weltausstellung »erben etwa 15 bis 20,000 Collis zur Versendung kommen, aus dem ganzen deutschen Reiche etwa das Doppelte, te ist daher rvmrschenswerth, damit daS AuSpacken und Aufstellen ordnungsmäßig erfolgt, daß die Trans­porte möglichst schnell auf einander folgen; in ganzen Zügen ober auch in ganzen Waggonlabungen aufge­geben und bereits im Jnlande unter zollamtlichen Verschluß gelegt werden. Indem der Handelsminister die Eisenbahn-Direktionen von vorstehender Mitthei lang der Königlichen Landes-Kommission für die Kiener Weltausstellung in Kenntniß setzt, macht er fie aufmerksam, daß ihrerseits Anordnungen getroffen »erden, um die mit Ausstellungsgütern beladenen

Züge ober einzelne Waggons ohne Aufenthalt nach Wien expedier» zu können. — Die Nachrichten über den Handels- und Geschäftsverkehr in den Ostsee- Provinzen nnd namentlich den Ostseehäfen während des verflossenen Jahres, entrollen ein sehr'erfreuliches Bild. Namentlich günstig stellte sich der Handel mit Getreide und anderen Boden Erzeugnissen heraus. Auch der Holzhandel wird als ein sehr lebhafter be­zeichnet. Schiffs- und Bauholz, sowie Unterlagen für Eisenbahnschienen wurden stark nach England geführt. Die Schifffahrt erfreut sich einer günstigen Aussicht. Schon in der Mitte des Monats Februar wurden Befrachtungen abgeschloffen, da man hoffte, daß die Schifffahrt bald eröffnet werden würde. Es verzögerte sich jedoch das Beladen der Fahrzeuge, weil noch einmal Frost eintrat. Jedoch jetzt, wo eine weitere Störung durch den Frost nicht zu befürchten ist, werden die Fahrzeuge, welche ihre Fracht einge­nommen haben, sofort absegeln. Ein Theil der Ost seehäfen war den ganzen Winter über eisfrei ge­blieben.

— 1. März. Prinz Friedrich Karl tritt morgen früh eine längere Jnspieirungsreise nach den neuen Provinzen an; derselbe begibt sich zunächst nach Metz. — Der allgemeine Droschken-Strike hat in Folge des neuen Reglements heute begonnen. Nur ganz verein­zelte Droschken sind auf den Halteplätzen sichtbar. Das Polizeipräsidium ordnete wegen dieses Strikes die Beförderung der Reisenden und ihres Gepäckes von den Bahnhöfen nach dem Schloßplatze durch Omnibusse sowie die Aufstellung einer großen Anzahl von Dienstmännern auf den Bahnhöfen und dem Schießplätze zur Gepäckbeförderung an; ferner forderte dasselbe die Besitzer voll öffenHchen Fuhrwerken mit Ausnahme der Droschkenbesitzer zur Ausstellung von Wagen auf. — Durch den heute Nachmittag verkün­deten Urtheilsspruch in der Angelegenheit des Excesseö in der Blumenstraße wurden von sämmtlichen Ange­klagten nur 4 freigesprocheu, 33 wegen Landsriedens- bruches, Aufruhr und Beleidigung zu Zuchihaus- und Gefängnißstrasen von 4Vi Jahren in Maximo bis herab zu zwei Monaten Gefängniß verurtheilt. Die Geschworenen, welche 11 Tage in der Sache thätig gewesen waren, beschlossen ein Begnadigungsgesuch

wegen Umwandlung der Zuchthausstrafen in Gefängniß einzureichen.

Weimar, 1. März. In Abgeordnetenkreisen wird mitgetheilt, der Eisenhahn-Ausschuß werde dem Landtag mit allen gegen zwei Stimmen empfehle», auf die von der Staatsregierung nachgesuchte Ermächtigung, mit der für die Eisenbahnstrecke Fulda-Meiningen ver- willigten Geldsumme bas Projeet Hersfelb-Salzungen zu unterstützen, nicht einzugehen, ba die Vorlage noch nicht reif sei. Ferner wirb der Eisenbahn - Ausschuß die Genehmigung des Staatsvertrages wegen deS Bahnbaues Ersurt-Saalseld-Schleiz-Weischlitz nebst den Zweigbahnen von Heitstäbt-Stadtilm unb Schwarza- Königsee , sowie bie Genehmigung bes Vertrags mit der Commaiiditgesellschast Pleßner u. Comp. wegen des Bahnbaues Königsee-Ilmenau dem Landtag ein­stimmig empfehlen.

Gotha, 1. März. ^Die Landtags-Commission hat die Regierungsvorlage über eine Reduction der Behörden, weil nicht weit genug gehend, abgelehnt.

Stuttgart, 28. Febr. In der Abgeordneten­kammer machte gestern Mohl den mißglückten Versuch, Lasker zu spielen. Es standen Petitionen um Con- eessionirung von Privatbahnen, um Erbauung von Nebenlinien, Abkürzungslinien re. auf der Tagesord­nung. Mohl, ein fanatischer Anhänger des absolut ausschließlichen Staatsbaues und geschworener Gegner der Coneurrenz bezüglich bereits bestehender Liniett, entfaltete die ganze ihm eigenthümliche Wildheit in der Vertheidigung seiner Lieblingsanstchten. Mit aller Ruhe erwieberte ihm ber Berichterstatter, Abgeordneter Elben, Mohl sei nicht berechtigt, bie Vorgänge im preußischen Abgeordnetenhause für seine Ansichten an­zuführen; Lasker würde sich dafür bedanken, seine Mei­nung mit den volkswirthschaftlichen Anschauungen Mohl's zusammengeworfen zu sehen. Dort handelte es sich um Korruption, hier um Fälle, in denen von gewinnsüchtiger Speeulatio» gar nicht die Rede sein könne. Mohl's Anträge auf Tagesordnung blieben denn auch in der Minderheit.

Straßburg, 1. März. Gegenüber der verbrei­teten Meinung, als ob den katholischen Theologen eine besondere Begünstigung bei ber Ableistung der Militärpflicht zustänbe, erklärt bie „Straßburger

Die Bauernfänger.

Novell« von Ewald August König.

(Fortsetzung.)

„Wirst Du sie erhalten?" fragte Franz. „Die­ser Schwindler ist schlau wie Du, er wirb bie ktzelunke nicht mehr besuchen. Und weshalb willst D« noch einmal Dich der Lebensgefahr aussetzen?"

„Bah — so schlimm ist es nicht."

„Es wird genügen, wenn Ihr Helene beobachtet." „Nein, mein Junge," unterbrach der Küpper- Bister seinen Sohn entschlossen, „das genügt nicht. Sir können das Mädchen nicht hüten, es ist bester, tffln man der Geschichte rasch ein Ende macht. Die Polizei verfolgt diesen Menschen, er hat sich auf $en Fall vorgesehen, unb es kommt ihm auf einen Nord nicht an, wenn er durch denselben dem Arm ^r Gerechtigkeit entrinnen kann, das beweist hin ^glich, daß er für den Galgen reif ist —"

„Gewiß aber

„Und ba meine ich auch, es sei unsere Pflicht, Polizei zu unterstützen. Ich werde Euch be- Men, Hugo; wenn wir ihn erwischen, dann — na

meine Faust hinfällt, da wächst auch kein Gras

*chr."

„Und daß er auch jetztfnoch die Spelunke besucht, ^teeifte ich nicht," fügte Hugo hinzu, sie bietet ihm ^en sicheren Schlupfwinkel. Der Commistär folgte M auf dem Fuße unb konnte gleichwohl keine Spur

ihm entdecken."

. „Dann auch gefällt mir Helene nicht, seitdem sie A heiter und sorgenlos geworden ist," fuhr der küppermeister, bedenklich das runde Haupt wiegend, M „Es ist eine erzwungene Heiterkeit, hinter der Ä^nd ein Entschluß sich verbirgt. Oft, wenn sie H unbeachtet glaubt, versinkt sie in Brüten, und man sie bann anredet, fährt sie erschreckt zu­

sammen. Sie hat kein gutes Gewisten, daö liegt auf der Hand."

Peter Schiffer hatte sich erhoben.

„Setzt Euch wenigstens nicht leichtsinnig der Ge­fahr aus," bat ber Kranke.

„Wir werben im entscheidenden Augenblicke han­deln, wie es entschlossenen Männern geziemt," ent gegnete Hugo ruhig; „kommt, Meister wenn Ihr mich begleiten wollt, es ist die höchste Zeit."

Schweigend durchwanderten die Beiden einige Straßen, enlich btieb ber Küppermeister stehen."

„Ich habe ba einen Gedanken," sagte er, „und ich glaube, daß er gut ist."

«Nun so laßt hören."

„Der Polizeieommistarius ist seiner Aufgabe nicht gewachsen; so lange er allein, die Verfolgung leitet, wird dieser Schwindler in der Spelunke sicher sein. Wir wollen zum Polizeidirektor gehen."

„Unb was wollt Ihr bei ihm?" fragte Hugo. „Wollt Ihr von ihm bie Verfolgung beö Schwindlers for­dern, während Ihr nicht einmal wißt, ob die Ver­folgung gerechtfertigt ist?"

Peter Schiffer nahm sich eine Prise unb klappte energisch bie Dose zu.

„Das wird sich finden," erwiderte er, „ich habe meine besonderen Gedanken über die Sache. Und ich glaube, daß es dem Herrn Direelor nicht unangenehm sein wirb, diese Gedanken zu erfahren."

„Nun wie Ihr wollt! Jndeß fragt es sich, ob wir ihn noch heute Abend in seinem iöüreau an- treffen."

„Er arbeitet bis acht Uhr und es hat kaum sieben geschlagen."

„Nun denn, so kommt."

Die Beiden befanden sich schon in der Nähe

des Gebäudes, in welchem die Polizeidireetion ihren Sitz hatte.

Ein Sergeant meldete sie an. „Der Herr Diree- tor ist beschäftigt." lautete die Antwort.

„Aber es ist eine Sache von Wichtigkeit," sagte der Küppermeister, der sich nicht so leicht abweisen ließ unb der Sergeant, der ihn kannte, gab den Bitten nach und ging noch einmal in das Cabinet, in welches er gleich darauf die Beiden eintreten ließ.

Der scharfe durchdringende Blick des Direetors ruhte forschend auf dem ehrlichen, biederen Gesicht des alten Mannes.

die Angelegenheit wirklich so dringend, daß sie nicht bis morgen verschoben werden kann?" fragte er.

»Peter Schiffer verlor im ersten Augenblick die Faffung, aber er sand sie bald wieder.

Er theilte ihm Alles mit, was fein Herz bedrückte; das Verhältniß seiner Tochter zu Conrad Liebrecht, die geheime Zusammenkunft der Beiden in der Spe­lunke, bie Resultate, welche Franz und Hugo erzielt unb den Mordversuch auf den Letzteren.

Der Polizeidireetor hatte ihn mit sichtbaren Zei­chen der Ungeduld angehört.

„Und was soll ich darin thun?" fragte er. „Ihr werbet doch nicht verlangen, daß ich Eure Tochter hüten soll?^

„Nein, Herr Direetor, daS kann ich am Ende selbst," erwiderte der Küppermeister, „ich möchte mir nur erlauben, Ihnen meine Vermuthungen über die Sache mitzutheilen."

„lieber das Verhältniß" —

„Nein, nein, über die Spelunke und die Gauner die —"

„Nun, so redet."

„Sehen Sie, ich habe das alte Haus lange ge-