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Marburg, Sonntag, den 2. März.

1873.

i Oderhessische Zeitung.

1 Erscheint täglich außer den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal durch die Expedition (Koch'sche Buchdruckerei) bezogen 22 i Agr., durch die Postämter 27 Sgr. (excl. Bestellgebühr und incl. Stempelsteuer), für das Ausland cxcl. Stempel 22 Sgr. — Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 1 Sgr.

—. Sämmtliche Annoncen-Bürcaus nehmen Inserate an.

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Im Bbgeordnetenhause wurde in der ablaufenden Woche in vollständigster Uebereinstimmung mit der Regierung der CultuSetat seiner Erledigung entgegen Mhtt. Auch das VerfassungsänderungSgesetz bezüg­lich der Art. 15 und 18 hat bei der zweiten Lesung, die nach 21 Tagen nach der ersten Beschlußfassung eorzunehmen war, die Zustimmung des Hauses mit ansehnlicher Majorität erhalten. Di« in Folge der La-ker'schen Anregung von der Krone niedergesetzte Special - UntersuchungS - Commission ist bereit« zur ßrnfiituirung zusammengetreten. ES werden jedoch ihre Arbeiten einigen Aufschub erhalten, da eine Er­krankung LaSkerS gemeldet wird.

Durch kaiserliche« Handschreiben vom 25. Febr. sind die Delegationen der habsburgischen Mo narchie auf den 2. April nach Wien einberufen wor- ta. Die CommissionSberathungen des Abgeordneten- hauft« über die Wahlreform rücken sehr langsam wen, denn die Redseligkeit ist in der Kaiserstadt an der Donau nicht minder zu Hause, wie in Pest. Die Verhandlungen der Polen sind, wie zu erwarten stand und nur Andrasiy und Auersperg nicht sehen wollten, gescheitert. — Erfreulicher waren am 21, Febr. die Berathungen im ungarischen Unterhause, wo der neue Handelsminister Graf Zichy sein Programm mittheilte und entwickelte, wie Ungarn in Folge mangelhafter Pflege der Industrie und deS Haupthebels derselben, in Mittelklassen, zurückgeblieben sei; der Gewerbeun-

>en- ferin zap cklich tudjt

In der Schweiz steigern sich die kirchlichen Wirren in der Diärese Basel und zumal in dem Canton kolothurn, wo die Regierung schon dazu hat schreiten Ässen, Truppen aufs Piquet zu stellen. In Genf iß die Stellung der Regierung günstiger, indem sie dei der Ausweisung Mermillod's nur in voller Ueber-

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des Auslandes anschließe.

terricht und die Facherziehung müsse gehoben und ein H Jndustriemuseum gegründet werden; da« Lcbensprincip des Handels aber sei die Freiheit; der sicherste Schutz atur «Set dieser Interessen bestehe in einem Handelsgesetze, »elcheS sich so viel wie möglich an . die Gesetzgebung

>eil- aber un- üerke nneti und neue, eilen

«ftimmung mit dem Bundesrathe gehandelt hat.

Der silberne Jahrestag der Pariser Februar- iiwolution von 1848 fiel just auf Fastnachts Montag «id wurde bei dem schlechten meteorologischen und

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Die Baurrnsänger.

Novelle von Ewald August König.

(Fortsetzung.)

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, [ Der Küppermeister entfaltete hastig das Billet, l a» Nfyg feine Frau ihm überreichte.

. „Ich bitte Sie, Fräulein Helene zu benachrichtigen, ich heute Abend um 6 Uhr nach Stettin zurück- eisen werde," la« er, „ich sende Ihnen und ihr meine Wichsten Grüße mit dem Wunsche aus ein baldiges Adiges Wiedersehen. Stets der Ihrige, Conrad

: »Wenn'S wahr ist," sagte Franz zweifelnd, „dieser Tausch ist mit allen Hunden gehetzt, es kommt ihm ine Lüge mehr oder weniger nicht an."

Frau Therese warf ihrem Sohne einen zürnenden zu. Peter Schiffer nickte gedankenschwer

Der Küppermeister trat in diesem Augenblick «bi, mit bekümmerter Miene nahm er an dem Bette lisch« Platz

Mir gehtö Dir, mein Junge?" fragte er, wäh- Frei- tab er seine breite Hand auf die Stim deS Kranken _a;-» hlte und ihm besorgt in die fieberglänzcnden Augen 229 Haute.

77- Ein Lächeln glitt über da« bleiche Gesicht, es üßer We den Bater trösten und ermuthigen.

„Na, e« wird vorübergehen und dann wollen wir chen, ob wir Dich nicht vom Militärdienst befreien," ’ t, i?^ fccr alte Mann fort, „der Herr Oberstabsarzt qn 61 mir einen Wink gegeben, den ich benutzen werde. s4o. ^mme( aQe Welt, wenn ich bedenke, daß der Schwind- H allein an dieser Krankheit Schuld trägt, — zer- ücbe. la,men könnte ich ihn!"

etzei- «Sr ist abgereift," sagte Frau Therese, die unbe [446 eingetreten war.

,8ie« diesen Brief, er wird Dich überzeugen."

politischen Horizont unter der Republik des Herrn ThierS nur in Privatkreisen gefeiert und in Trink sprächen zwischen Freunden verherrlicht. Im Allge­meinen ist das französische Volk nicht in festlicher Stimmung, und die Regierung eben so wenig. Die Komödie der Irrungen, die in dem Dreißiger-Aus schusse gespielt wurde und schließlich leidlich zum Vor­theile dessen ausschlug, den man abnutzen wollte, hat in den Parteien alte Schmerzen wieder wachgerufen. — Wie es in den nächsten Sitzungen hergehen und bei wem Thiers seine Stütze gesucht und gefunden, hat der Telegraph noch zu melden. Thiers sucht vor Allem die Hcffnungen auf überraschend schnelle Räu­mung des Gebiete« zu bestärken, obwohl die Unter­handlungen an den maßgebenden Stellen noch nicht so weit gediehen sind, wie gewisie französische Zei tungen meldeten.

Das Königreich Italien hatte die letzte Woche keine Zeit für ernste politische Ereignisse. In carne- valistischen Feierlichkeiten sind die Italiener da« erste Volk der Welt, und so haben sie auch in diesem Jahre das alte Volksfest in fröhlicher Weise gefeiert und die ernsten Angelegenheiten bei Seite gelassen. Nur verschiedene Commissionen, wie die für das Kloftergesetz und die für den höheren Unterricht, haben ihre Arbeiten fortgesetzt.

Die junge Republik Spanien hat bereits eine Ministerkrisis erlebt; die vier Mitglieder, welche sie aus dem letzten Cabinete Don Amadeo's übernommen hatte und die den alten Republikanern wohl nicht zuverlässig genug erschienen, sinv gewichen, und unter den neuen Ministern findet fich die radikale Partei jetzt nur durch zwei Mitglieder vertreten. In Madrid fürchtete man Ruhestörungen; wenigsten« ist es nolh- wendig erschienen, die öffentlichen Gebäude mit starker militärischer Besatzung zu versehen. In Barcelona wurden die Besorgnisse vor einem alfonsistischen Pro- nunciamiento durch die gutrepublikanische Haltung der Truppen beschwichtigt. Die Regierung ist eifrig be­schäftigt, die Volksbewaffnung durchzusühren, ohne vaß sie jedoch so weit in die Zukunft schauen kann, gegen wen ein Theil der verabfolgten Waffen einst gebraucht »erden wird. Ein neues Wehrgesetz schafft die Aushebung ab. Die aktive Armee soll hinfort aus freiwillig Angeworbenen bestehen; dagegen werden

„Welche Gründe sollte er für diese Lüge haben?" fragte sie unwirsch.

„Welche Gründe hat er, seine Abreise Dir anzu­zeigen?" erwiderte der Küppermeister.

„Nun, vielleicht that er e«, um Euch die Fort­setzung der Spionage zu ersparen," spottete die Mutter.

Der Blick de« Küppermeister« ruhte mit durch­dringender Kraft auf ihr.

„Darüber kannst Du noch spotten?" grollte er. — „Einen Menschen der kaltblütig einen Mord­versuch ausführen kann, wagst Du in Schutz zu nehmen?"

Frau Therese gab durch eine Geberde ihre Ent­rüstung über diesen Vorwurf zu erkennen.

„Zum Ersten weiß Niemand ob er es war, der Deinen Gesellen niederjchlug," erwiderte sie, „und wenn er es gcthan hat, so wahr es ein Akt der Nothwrhr. Ich möchte sehen, was Du thun würdest, wenn ein Unbekannter in finsterer Nacht auf der Straße Dich überfiele! Man muß Niemanden ver- urtheilen, so lange keine Beweise für die Schuld vor­liegen, aber Ihr verfolgt mit Eurem unbegründeten unv unversöhnlichen Haffe diesen Mann, der uns noch niemals ein Leid zugefügt hat." Damit ging sie hinaus, ohne eine Antwort abzuwarten.

„Wenn er wirklich abgereist ist, so will ich er­leichtert ausalhmen," sagte der Küppermeister, während er feinem Gesellen eine Prise anbot, „aber glauben kann ich es so rasch nicht."

„Ich «erde mir Gewißheit verschaffen," erwiderte Hugo.

(Fortsetzung folgt.)

alle kriegstüchtigen Männer auf drei Jahre in die Reserve eingeschrieben. Die Carlisten verdoppeln ihre Anstrengungen; wenn die Regierung auch von Siegen berichtet, so tauchen doch im Norden viele neue Banden auf; hin und wieder zeigen sich auch carlistische Schaaren in den südlichen und westlichen Provinzen. Ob Don Carlos wirklich auf spanischem Boden steht, ist noch immer nicht ganz fcstgestellt.

Der König Amadcu«, oder der Herzog von Aosta, wie er sich jetzt lieber nennen hort, ist noch der Gast der portugiesischen Königsfamilie. Die italie­nische Fregatte Roma liegt schon im Hafen von Liffabon vor Anker; doch ist die Gemahlin des Herzogs von ihrer Entbindung noch nicht so weit hergestellt, um die Reise antreten zu können. Die portugiesische Cortes haben das Gesetz wegen Einberufung von 9000 Mann Reserven angenommen. Sie trauen dem Frieden an der Ostgrenze nicht.

Dem e n g lisch en Parlament sind im Laufe der Woche die Voranschläge für Armee und Flotte zuge­gangen. Gegen das vorige Jahr wird an der ersteren noch etwa« mehr erspart als der letzteren zugesetzt wird. Die Bewilligung ist selbstverständlich außer Frage. In den von großartigen StrikeS heimgesuchten Kohlen- und Eisenbezirken des südlichen Wales tauchte mehrmals die Hoffnung auf einen baldigen Vergleich auf; leider aber bestätigte sie sich nicht. Der Zu­stand deS erkrankten deutschen Botschafters Grafen Bernstorff in London erregt Besorgniß.

Dem dänischen Reichstage sind von der Re­gierung verschiedene Gesetzvorlagen gemacht worden, welche eine nicht unbedeutende Erweiterung des Eisen­bahnnetzes bezwecken.

DaS schwedisch-norwegische Königspaar ist am 21. d. von Christiania nach Stockholm zurückge­kehrt. Der Ausschuß der zweiten Kammer des schwe­dischen Reichstages hat die ihm vorgelegte Frage, ob der König gebeten werden solle, sich in Schweden be­sonders noch pomphaft krönen zu lassen, dahin be­antwortet, daß eö bester sei, in dieser Sach? keine Schritte zu thun, da das Staatsgrundgesetz darüber nichts bestimme und die Krönung eine Cermonie sei, welche man dem König nicht aufdrängen dürfe.

In Rußland macht eö viel von sich reden, daß ein von Charkow nach Moskau versetzter Civil-Gouver-

Cin Haremsfest in Kairo.

Die dritte Woche deS Januar d. I. war hier eine äußerst bewegte. Ein Festtag folgte dem anderen. Alles zu Ehren der stattfindenden Vermählungen in der Familie des Khedive. Während vor dem Palast« mancherlei Belustigungen dem Volke geboten wurden, fanden im Innern desselben, und zwar in den geheim- nißvollen Appartements deS Harems, andere Feste statt, die, sich dem Auge jedes männlichen Beschauers ent­ziehend, nur Frauen zugänglich waren, und auch diesen natürlich nur gegen Einladungen. Der besonderen Freundlichkeit einer Dame, die so glücklich war, sich am 22. AbendS unter den Geladenen zu befinden, verdankt der Schreiber dieses einige Mittheilungen hierüber, die nicht ohne Jntereste sind.

Vor Allem ist zu bemerken, daß die Einladungen in zwei Serien ausgegeben waren, und zwar wurden die Frauen der Paschas, der Generalkonsuln und der übrigen vornehmeren Honorationen zum Diner für 7 Uhr, die übrigen Damen zur Sonöe für 9 Uhr geladen. Nachstehender Bericht bezieht sich vorzugsweise auf die erste Serie. Nachdem die Damen zwei große Höfe pajstrt hatten, wurden sie im dritten von ungefähr 50 Schwarzen empfangen, deren jeder eine Dame durch eine lange, prachtvoll erleuchtete Halle in den Vorsaal geleitete, in welchem 2—300 reich gekleidete Sklavinnen die Ankommenden erwarteten.

Hier machte Madame Barrot Bey, die Frau de« ersten Sekretärs de« Khedive, die HonncurS und führte die Damen in den anstoßenden Saal, um sie den dort anwesenden Prinzessinnen, und zwar der Witwe Kiamil Paschas, der zweiten und dritten Frau des Khedive, der Prinzessin Mansur Pascha und einer zweiten unverheiratheten Tochter des Khedive vorzustellen. Die europäischen Damen verbeugten fich einfach vor dm