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Marburg, Sonnabend, den 1. März.

Mr. 81.

1873.

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Feiertagen. Preis für das Quartal durch die Expedition (Koch'sche Buchdruckerei) bezogen 22j Sgr., durch die -tempelsteuer), für das Ausland excl. Stempel 82 Sgr. Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 1 Sgr.

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Erscheint täglich außer den Werktagen nach Sonn- und Postämter 27 Sgr. (excl. Bestellgebühr und incl.

Deutsches Keich.

Berlin 24. Fcbr. Dem BundeSrathe ist imterm 25. d. M. der Entwurf eines Gesetzes über die Kri'gsleistungen vorgelegt worden. Für die Ver­pflichtung zu KriegSleistungen und die Vergülung der letzteren ist zur Zeit im ganzen Bundesgebiete mit Ausschluß von Bayern und Würtcmberg das preußi sche Gesetz vom 11. Mai 1851 maßgebend. Der vorgelegte Entwurf verfolgt den doppelten Zweck: fit das ganze Bundesgebiet in der gedachten wichtigen Materie Reichseinheit hcrzustellen, sowie die nach den gemachten Erfahrungen sich empfehlenden Abänderungen und Ergänzungen der Bestimmungen des Gesetzes vom 11. Mai 1851 herbeizuführcn. In erster Be ziehung wird es einer näheren Begründung nicht bedürfen, daß eine gleichmäßige Sicherstellung der Leistungen, welche für die bewaffnete Macht im Kriege in Anspruch genommen werden müssen, sowie die Fest flellung gleicher Pflichten und Entschädigungsberechti­gungen für die durch solche Leistungen Betroffenen angestrebt wird. Was dagegen die Abänderungen und Ergänzungen der Bestimmungen des Gesetzes vom 11. Mai 1851 betrifft, so ist dabei im Allge- meinm zu bemerken, daß zunächst bei der seitherigen Anwendung deS Gesetzes nicht nur einzelne Abhülfc bedürfende Härten für die zu Kriegsleistungen Ver­pflichteten hervorgetreten sind, sondern eS haben sich auch manche Unklarheiten geltend gemacht, welche zu Weiterungen und Beschwerden geführt haben. Auch hat sich neben dem Bedürfnisse nach einer besonderen Rücksichtsnahme aus die' Jutereffen der Marine die Rvthwendigkeit ergeben, im Hinblicke auf die theilwcise veränderte Art der Kriegführung und auf die Um Schaltung der wirthschaftlichen und Verkehrsverhält- msje für das Kriegsleistungswesen lheilweise veränderte Einrichtungen zu treffen. Diese Gesichtspunkte haben dazu geführt, daß der vorgelegte Entwurf im Ver­gleich zu dem Gesetze vom 11. Mai 1851 theilwcise Beschränkungen in dem Maße der Leistungen, bezw. eine qualitative und quantitative Erweiterung der Entschädigungs-Ansprüche enthält, daß er ferner ver­schiedene Bestimmungen zwar sachlich unverändert, aber in verifizirter Fassung wiedergiebt, daß er end lich neue Kategorien von Leistungen aufführt, andere dagegen in Wegfall bringt. Abgesehen hiervon beruht

der Entwurf in der Hauptsache auf der Erwägung, daß die Grundlagen des preußischen KriegsleistuugS- gesetzes durch die Erfahrung erprobt sind und daß sie sowohl dem Interesse einer wirksamen Kriegführung entsprechen, als auf die Verhältuiffe der Leistungs. pflichtigen thunlichst Rücksicht nehmen.

Das Generatpostamt hat über den letzten Weihnachtspostverkehr Berichte eingefordert, diese geben Zengniß davon, daß dieser Verkehr, welcher auf die Tage vom 18. bis 25. December bemessen ist, wieder eine bedeutende Zunahme gegen das Vorjahr erhalten hat. Ueber den WeinachtSpostverkehr in Berlin ist be­reits berichtet. In Köln und Deutz wurden mehr an Packeten aufgeliefert 3057, bestellt 706, und zur Be­förderung in Transit behandelt 8473; in Dresden mehr aufgeliefert 6650, bestellt 1190, dagegen abge­nommen die Packet-Beförderung im Transit um 8898 Stück; diese Abnahme hängt mit der Verschmelzung der KartirungSbezirke zusammen. In Königsberg sind mehr aufgeliefert 1390, bestellt 949 und zur Beför­derung im Transit behandelt 4801.

Pose», 26. Febr. In der heutigen Sitzung der Stadtverordnetenversammlung wurde nach lebhafter Debatte der Antrag des Magistrats angenommen, wonach die polnischen Parallelklassen an der hiesigen Realschule aufgehoben und mit den deutschen Klassen vereinigt werden sollen.

Braunschweig, 26. Febr. In der heutigen Landtagsversammlung wurde der von den Abgg. Bode und Koch gestellte Antrag: die Regierung wolle bei dem BundeSrathe auf Erweiterung der Competenzen der Reichsgejetzgebung für daS Civilrecht hinwirken, mit 42 gegen eine Stimme angenommen.

Weimar, 27. Febr. In der heutigen Land- tadssitzung wurde das Eisenbahn Besteuerungs-Gesetz angenommen, dagegen ein Antrag auf Abschaffung der Etsenbahn-Actien-Besteuerung abgelehnl. Bis jetzt hat der Landtag nur Vorlagen von mehr unter geordneter Bedeutung erledigt. Hervorzuhcben ist, daß der Betriebsionds der Landeskreditkasse von 1 Million auf 1,500,000 Thlr. erhöht worden ist, da sich der Geschäftskreis dieser erst seit drei Jahren bestehenden Anstalt bedeutend erweitert.

Heidelberg, 27. Febr. Es bestätigt sich, daß auch Prof. Dr. v. Treitschke einen Ruf nach Berlin

erhalten hat. Die Unterhandlungen schweben noch. Man hofft, die Regierung werde Alles aufbieten, den geistvollen Historiker der hiesigen Universtlät zu erhalten.

Konstanz, 27. Febr. Da das Spital-Pfarr- amt eine verpflichtende Erklärung über die Einhaltung der seitens deS Bezirksamtes festgesetzten Zeiten zur gemeinschaftlichen Benutzung der Spital- (Augustiner) Kirche verweigert, hat das Bezirksamt Besitz von der Kirche ergriffen und wird dieselbe heute Nachmittag den Altkatholiken für so lange zur Alleinbenutzung über­weisen, bis das Spital Pfarramt sich den amtlichen Anordnungen unterwirft. Prof. Michaelis, welcher heute Abend hier eintrifft, wird morgen den ersten altkatholischcn Gottesdienst celebriren.

Stuttgart, 26, Febr. Da die hiesigen Bäcker­meister die von 500 Gesellen vor Kurzem gestellte Forderung einer Lohnerhöbung und einer Herabsetzung der Arbeitszeit nicht bewilligt haben, ist von letzteren in einer heute abgehaltenen Versammlung beschloffen, die Arbeit sofort einzustellen.

Würzburg, 26. Febr. Heute Mittag 12 Uhr fand die feierliche Beerdigung des Generals und Com- mandeurS des 2. baier. AnncecorpS Freiherr v. Hart­mann statt. Da derselbe in seiner Eigenschaft als Ritter des baier. Max-Josef-Ordens mit den Ehren eines Generalfeldmarschalls zur Erde bestattet wurde, so mußte nach dem preußischen Reglement zur Com- pletirung der hiesigen Garnison noch das in Aschaffen­burg liegende Jägcrbataillon, sowie das Ulanen Re- giment von Ansbach beigezogen werden; hierzu kam das hiesige 9. Infanterie Regiment und das 2. Ar­tillerie-Regiment mit 12 Geschützen, welche die Trauer­salven gaben. Der Trauerzug war von vier Regi­mentsmusiken begleitet, der Sarg reich mit Guirlanden und Blumen, sowie den Hauptoroens-Jnsignien des Generals decorirt. Als Vertreter des Kronprinzen von Deutschland war dessen Adjutant erschienen, außerdem nahmen der preußische Militärbevollmächtigte Major v. Stülpnagel, der Prinz Luitpold in seiner Eigen­schaft als Geucralinspector der baierischen Armee, der General der Infanterie, Frhr. v. d. Tann, unfeine weitere größere Anzahl preußischer, baierischer und würlembergischer Commandeurs an der Leichenfeier !heil; ferner hatten alle Regimenter des 2 baier.

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Die Bauernfänger.

Novelle von Ewald August König.

(Fortsetzung.)

Ziehen Sie nicht ein," fuhr der Baron fort, ,bie letzte Dame wird Ihnen auch gewogen sein."

Die Dame fiel, der Bankhalter strich die ganze Summe ein.

Teufel!" murmelte der Major.So gcht's, wenn Aan gar zu verwegen ist."

Ter Banquier nahm ein neues Kartenspiel und uischte.

Ich setze fünftausend Thaler auf die Dame," fügte der Major,halten Sie den Satz?"

Der Bankhalter warf einen Blick in seine Cassctte. e5)en doppelten, wenn Sie es wünschen," erwiederte n gelassen.

Die Summe wanderte in die Caffeite.

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Zwanzigtausend Thaler," murmelte der Major, kfsen glühender Blick stier auf der Caffette ruhte. »Herr Baron, ich stecke schon zu tief in Ihrer Schuld." Es wird mir zur Ehre gereichen, wenn Sie bieie zehntausend annehmen," erwiederte der Baron Mich,mir ahnt, daß Sie Ihren Verlust wieder iinholen werden."

Der Major zögerte, aber dieses Zögern währte l nur einen Augenblick.

I Der Schweiß perlte in großen Tropfen auf seiner - Stirn, seine Hände ballten sich krampfhaft.

|Nun denn, fünftausend auf die Dame, fünftausend -Nus den König," sagte er.

Das ist die richtige Maxime," nickte der Graf, »ich setzte zehntausend auf den König. Herr Ban Mer, mein Ehrenwort bürgt Ihnen für die Summe, tim ich sie verliere."

Der Banquier nickte.

Dame und König verloren; der Major fuhr mit beiden Händen durch fein graues Haar und trocknete mit seinem Taschentuche die Stirn.

Zum Kukuk, Reichenberg hat enormes Glück!" rief der Baron.

Nun das hätten wir voraussehen können," lachte der Rittergutsbesitzer,er hal's ja bei seinen Liefe­rungen für die Armee bewiesen, daß Fortuna ihm gewogen ist."

Er soll sich seines Glückes nicht lange freuen," sagte der Graf,ich setze zehntausend Thaler auf den Buben; wer schließt sieh an?"

Ich," erwiederte der Baron,und zwar für mich und meinen Freund, den Herrn Oberst wacht- mcister."

Der Major schwieg, er fühlte sich nicht mehr fähig, einen klaren und bestimmten Gedanken zu fassen.

Also dreißigtausend?" fragte der Banquier.

Der Baron nickte.

Vierzigtauseiid," sagte der Freiherr,ich schließe mich an." ,

Aber meine Herren!" .

Oho Reichenberg hat Angst," spottete der Rittergutsbesitzer.

Durchaus nicht," erwiederte der Banquier ruhig, wenn Sie den Versuch machen wollen, die Bank zu sprengen, so kann ich ja dagegen nichts einwenden."

Nun denn~va banque!" rief der Graf.

Eine lauttofe Stille trat ein, die Blicke Aller ruhten unverwandt auf den Karten.

Der Major fah kaum noch die Karten, eS ward immer dunkler vor feinen Augen, man hätte seinen Herzschlag hören können, wenn nicht dieser entsetzliche Augenblick so kurz gewesen wäre.

Verloren!" rief der Gras.

Wer hat verloren?" fuhr der Major in fieber­hafter Erregung auf.

Nun wir! ' erwiederte der Baron kühl.Reichen­berg hat ein unverantwortliches Glück"

Bah heute mir morgen Dir!" sagte der Frei­herr gelassen.Ich habe schon größere Summen ver­loren und wieder gewonnen."

Der Major erhob sich, Leichenblässe deckte seine Wangen, sein Blick halte etwas geisterhaftes.

Ich schulde Ihnen vierzigtaufend Thaler, Herr Baron," sagte er mit dumpfer heiserer Stimme,wenn Sie mir morgen die Ehre schenken wollen, mich zu besuchen, so

Ich bitte Sie, beunruhigen Sie sich deshalb nicht im Geringsten," unterbrach der Baron ihn mit seiner glatten Liebenswürdigkeit,mir werden darüber gelegentlich reden."

Der Major nickte und ging schweigend hinaus.

Meine Herren, ich bin zufrieden mit Ihnen," sagte der Baron, während er einen Blick auf die Uhr warf,Neuhofs fei fo gut und zähle die Fünszig- thalerscheine; Bernstein hat da wieder ein schlechtes Fabrikat geliefert, welches wir vernichten muffen."

Der Graf leerte die Caffette, die übrigen Gauner legten ihre Banknoten hinzu.

Vierhundertneunundneunzig," sagte er,ein Schein fehlt"

Sehen Sie genau nach," gebot der Baron,die Sache ist von Wichtigkeit, die Banknoten tragen nicht eins, sondern mehrere Merkmale, an denen der Kenner augenblicklich das Falsificat erkennen kann."

Tie Gauner leerten ihre Börsen und Taschen, suchten in der Caffette und unter dem Tische, die. Banknote wurde nicht gefunden."

So hat sie der Major," sagte der Baron,