das Geschworeneiiinstitut einzulegen. Er verwahrte sich nämlich gegen Vie Deutung, welche der gegenwärtige Beschluß Hervorrufen könnte, als wolle die Kammer das Schösieninstilut begünstigen auf Kosten der Schwurgerichte. Er erinnere an den kürzlich gefaßten Beschluß und ermahne den Justizminister, sich bei der Beurthcilung dieser Frage von denselben Grundsätzen leiten zu lassen, wie sein College in Wien. Mittnocht gab keine Antwort.
München, 23. Febr. An das k. Kricgsmini sterium gelangte heute Vormittag die telegraphische Mittheilung von dem in vergangener Nacht zu Würz bürg erfolgte Ableben deö Commandanten des II. Armeecorps, Jakob Frhr. v. Hartmann, General der Infanterie, Oberstinhaber des 14. Infanterie Regiments u. s. w. Der in so vielfacher Beziehung hochverdiente tapfere General hatte im Laufe dieses Monats das 78. Lebensjahr zurückgelegt, erfreute sich aber trotz dieses Alters bisher noch einer rüstigen Gesundheit, bis vor einigen Tagen eine Lungenentzündung eintrat, die alsbald auch einen sehr bedrohlichen Charakter angenommen hatte. Die Todesnachricht wird sicher allenthalben die innigste Theilnahme erregen. Das Generalkommando Würzburg hat in interimistischer Weise der Commandcur der 3. Armee - Division, Generallicutenant o. Walther in Nürnberg zu übernehmen. Mehrere bayerische Blätter brachten dieser Tage eine recht gräßlich ausgeschmückte Erzählung von den Leiden und dem dieser Tage erfolgten Tode des bayerischen Soldaten Staudinger aus Niederbayern, der am 26. September 1870, als er mit zwei Kameraden in Toul spazieren ging, und vom Fenster herab mit einer scharf ätzenden Flüssigkeit übergossen worden sein soll — wobei es die Berichte an Vorwürfen über ungenügende Verpflegung des Unglücklichen, über armselige Pension rc. nicht fehlen ließe»; nun ergibt sich aber aus actenmäßiger Darstellung, daß die Behaup tungen bezüglich deö Vorfalles in Toul vollständig unwahr sind. Staudinger wurde nämlich wegen aus gebreiteter auf scrophulöser Grundlage beruhender und mittelbar durch die Strapazen deö Feldzuges zur Entwickelung gelangter Geschwürsbildung am Kopfe und Drüsenanschwellungen pensionirt, nachdem er wiederholt sowohl bei der Sanitätscommission als bei seiner protokollarischen Vernehmung am 31. Januar v. I. über die Entstehung seines Leidens, ohne mit einer Sylbe des angeblichen Vorfalls in Toul zu erwähnen, die näheren Angaben gemacht hatte. Man sollte denn doch mit der Mittheilung solcher gräßlichen Vorfälle etwas vorsichtiger fein und sich doch vorerst über die Wahrheit derselben näher erkundigen.
Metz, 21. Febr. Gestern und heute fand hier das Kreisersatzgeschäft statt, wozu sich eine größere Anzahl junger Leute versammelte. Das Geschäft ver
Hermine schüttelte bedenklich das Köpfchen.
„Wir wollen nun in Gottes Namen mit gefälltem Gewehr die Batterie erstürmen," fuhr der Major entschlossen fort, „das lange Zaudern, Parlamentiren kann ja nichts nützen. Ich lade die beiden Herren ein; in ihrer und unserer Gegenwart gibst Du ihnen Deine Antwort. Dann mag die Mutter thun, was sie thun will, sie wird nachher wohl zur Einsicht kommen. Ter Baron muß als Mann von Ehre zurücktreten, ich veröffentliche Deine Verlobung mit Warndorff und lasse den Dingen ihren Lauf.
„Mutter hat gedroht, mit unS allen zu brechen", warf Hermine besorgt ein.
„Das muß man nicht so ernst nehmen, wie es lautet", erwieverte der Major ruhig, „sie ist etwas eitel und herrschsüchtig, nun ja, jeder Mensch hat seine Fehler; aber so herzlos ist sie doch nicht, daß sie diese Drohung aussühren wird. Wenn sie eine Reise nach Paris mache» will, gebe ich ihr gern die Mittel dazu, eine kleine Ausfpannung kann ihr nicht schaden und ich weiß, daß sie in der Fremde ihr eigenes Haus schmerzlich entbehren wird. Alto Muth, mein Kind, wenn die Mutter Dich mit ihren Bitten und Vorwürfen bestürmt, so höre sie ruhig an und erwiedere ihr, Du würdest Deine Wahl treffen."
Nachdem der Major in dieser Weise die Angelegenheit einstweilen vortrefflich geordnet, Klarheit hinein- gebracht und ihr einen feste» Haltpunkt geboten hatte, fühlte er seine Seele von der drückenden Last erleichtert, er konnte wieder einmal frei ausathmen und mit ruhiger Fassung den kommenden Dingen cntgcgcnsehen. Brach dann später der Sturm los, nun in Gottes Namen, die Thatsachen standen dann fest, an ihnen konnten alle nicht mehr rütteln.
In freudiger, gehobener Stimmung verließ er kurz vor neun Uhr sein Haus, um im russischen Hofe seine Wappensammlnng in Empfang zu nehme».
Ter Oberkellner führte ihn in einen kleinen Saal, der Baron eilte ihm entgegen und äußerte seine Freude über die musterhafte Pünktlichkeit des alten Herrn.
lief in vollständiger Ruhe und Ordnung. — Am 12. fand hier die Prüfung derjenigen jungen Leute statt, welche sich zum Einjährigeu-Epamen gemeldet haben. Von 14 Angemeldeten wurden 9 zum Einjährigen dienst angenommen.
Ausland.
Bern, 25. Febr. Die liberalen Katholiken des CantonS Luzern haben der Baseler Diözesan-Conferenz eine Zustimmungs-Adresse und diejenigen deS CantonS Baselstadt der dortigen Regierung eine Petition überreicht , welche deren Betheiligung an den Vethond lungen über die Gründung des projectirten schweizerischen Nationalbisthums verlangt.
Paris, 24 Febr. Der Umstand, daß die Anerkennung der spanischen Republik von Seiten der verschiedenen europäischen Mächte so lange auf sich warten läßt, hat in hiesigen Blättern die Version auf tauchen lasten, als ob die sämmtlichen Staaten Europas ein vorheriges Einverständniß über die zu thuenden Schritte wollten. Diese Angabe ist unbegründet. Die Schweiz zum Beispiel würde auf die Notifikation deö Geschehenen ohne Weiteres mit der Anerkennung antworten. Der spanische Gesandte in Genf, Royalist, hat aber, als er daS Rundschreiben Castelar'S vom 12. Februar erhielt, sofort feine Entlastung eingereicht und sich dann von der Verpflichtung, dasselbe rnitzu- lheilen, dispensirt; ein Verfahren, welches man weder in Bern noch in Madrid korrekt finden wird. So liegt die osficielle Anzeige von der Errichtung der Republik seit acht Tagen unbenutzt in Genf. Man erwartet aber die baldige Beendigung dieses Verhältnisses. Hier hat Olozaga vor drei Tagen die Anerkennung nachgesucht; Thiers aber hat mit dem Hinweise darauf, daß die hiesige Regierung die jüngste der in Europa bestehenden sei, erklärt, er wünsche das Vorgehen der Uebrigen abzuwarten. In der Thai hat er kein Interesse daran, die Gefühle der Rechten gerade jetzt durch ostensibles Zuvorkommen gegen die junge Republik zu verwunden. Die anderen Mächte aber werden ihr Anerkennungsrecht nach eigenem Gut dünken gebrauchen, und wenn sie die betreffende Mit- lheilung erhalten haben, ist kaum ein Grund zu besonderer Zurückhaltung für sie vorhanden. — Der heutige 25. Jahrestag der Proklamation der Republik von 1848 ist bis jetzt ohne alle Kundgebung vorübergegangen. Nur die republikanischen Blätter widmen demselben einige, jedoch unbedeutende Worte Obgleich Carneval ist, jo hat Paris übrigens ein äußerst ruhiges Aussehen. Die „fetten Ochsen" fehlen dieses Jahr und der Carneval beschränkt sich auf die Maskenbälle. — ThierS, der von seinem Unwohlsein hergestellt ist, kam heute itach Paris. Laut „Avenir Nauonal" sind die finanziellen Lürgschaste» für die Bezahlung der fünften Milliarde von Preußen ange
nommen worden. Die Räumung wird ihm zufolge gleich nach der vollständigen Bezahlung der vierten! Milliarde, also späNstens Juni, statifinden. Diese Nachricht, wie alles, was in dieser Hinsicht von bcL* französischen Presse gebracht wird, ist mit höchstes Vorsicht aufzunehmen. — Der Widerstand, auf welZ chen daS Pooject der Dreißiger-Commissio!' stößt, haÄ die Regierung bestimmt, sich am Donnerstag an bti Diskussion zu betheiligen. „Bien Public", welches gestern das Gegentheil behauptete, kündigt dieses heute' an. — Die Orleanisten geben vom 27. Februar an unter dem Titel „Soleil" ein Morgen-Journal heraus. Dasselbe hat die nämliche Direktion, wie ihr Abend-Blatt „Journal de Paris." — Don Carlos
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befindet sich wirklich in Spanien. Die Organisation der Carlistenbanden wird mit großem Eifer betrieben; dieselben erhalten Zuzug aus Frankreich; 300 ehemalige päpstliche Zuaven sollen von Belgien abgegangen sein, um zu Don Carlos zu stoßen. — Aus Portugal laute» die Nachrichten beunruhigend. Man befürchtet einen Aufstand der Republikaner. Der hiesige portugiefisete Gesandte, Graf Seisal, hatte heule diescrhalb eine lange Unterredung mit dem französischen Minister des Aeußern. Die Kriegsschiffe „San«" und „Infernal" sind von Toulon nach Valencia und Cadiz abgegangen, um, falls Unruhen ausbrechen, die französische» LandeS- aitgehörigen zu beschützen.
Rom, 23. Febr. Italienische Blätter bringen jetzt den Wortlaut deö Antwortschreibens, welches Köniz Victor Emanuel an seinen Sohn Amadeo auf die telegraphische Nachricht desselben, daß er die Är»»t Spaniens niederlegen wolle, gerichtet hat. Dai Schreiben lautet: Sire! Mein geliebter Sohn! Die
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Erfüllung einer freiwillig übernommenen Pflicht kam Niemanden den Zwang auferlegen, auf einem unmöglich gewordenen Opfer zu beharren. Ein Tele-
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gramm Ew. Majestät benachrichtigt mich, daß Jh« Stellung unerträglich geworden fei. Wir können daher das Projekt der Thronentsagung, welches Sie schon seit längerer Zeit gefaßt haben, nicht mißbilligen. ist besser, sich durch einen freiwilligen Rückirilt bei dauerhaften und dankbaren edlen spanischen Nation zu versichern, als auf der beweglichen Arena der Parteileidenschaften allen ungewissen Wechselfällen de« Glückes ausgesetzt zu bleiben. Es ist besser, bescheiden in das Privatleben zurückzulreten, als Gefahr zw laufen, die Heiligkeit des Eides zu verletzen.^ Die politische Nothwendigkeit hat Ew. Majestät gezwungen, Ihren eventuellen Rechten zu entsagen, die, Gott sä
jamm’ um (5 der U sprach grübe Arber Aus gl ärbeii bejchli fortzu
8 Kaum Safte!
Dank! der Krone Italiens sehr ferne stehe»; Sie ton ( haben aber jene Rechte, die Sie auf unsere Liebe, und auf wirths
die Liebe aller Italiener besitzen, intaci bewahrt. Nichts kann mehr dazu beitragen, Ew. Majestät- unter den jetzigen peinlichen Verhältnissen wieder aufzurichre»,
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Die Tasel war bereits gedeckt, der Major bemerkte fünf Couverts.
Die übrigen Gäste wurden ihm vorgestellt.
„Herr Gras von Waldheim, Herr Rittergutsbesitzer von Barnekow, Herr Bankier Reichenberg."
Der Major verbeugte sich, er bemerkte in dem Knopfloch des gräflichen Fracks ein Ordensband.
Der Freiherr v. Wittgenstein machte ihn näher mit den Herren bekannt, der Major war entzückt über die Liebenswürdigkeit, mit der sie ihm entgegenkamen.
„Meine Herren, wenn ich bitten darf," sagte der Baron mit einer einladenden Handbewegung.
Die Gäste nahmen Platz, der Baron zog die Glocke.
„Sie haben schott lange den Dienst quittirt?" fragte der Graf, während er mit dem Griff deS Kenners eine Auster löste.
„Seit drei Jahren," erwiederte der Major, „eine Wunde, die ich im badischen Feldzuge erhielt, zwang mich dazu."
„Jrn badischen Feldzuge!" sagte der Rittergutsbesitzer. „Da erinnern «sie mich an die schönsten Jahre meines Lebens."
„Sie haben ihn mitgemacht?" fragte der Baron.
„AIS Lieutenant bei der reitende» Artillerie."
„Merkwürdig," sagte der Banquier, der bereits ein ganzes Dutzend Austern geschlürft hatte, „auch für mich knüpfen sich Erinnerungen an diesen Feldzug."
Der Baron lachte.
„Und zwar sehr angenehme," jagte er, „die ganze Welt weiß es ja, daß Sie damals durch Ihre Sie ferungen für die Armee Ihr Glück gemacht haben."
„Nun, spotten Sie nur zu," fuhr der Banquier fort, „solche Lieferungen sind nicht zu verachten."
„Sie haben Recht," sagte der Graf, „wer sein Schäfchen nicht dabei schcert, ist ein Dummkopf. Aber freilich, es gibt auch Leute, welche dabei verarmen; wir haben'S in der französischen Zeit gesehen; wer einmal zum Silbergroschen geprägt ist —"
„Aus Herrn Reichenberg dürfen Sie daS Gleich-
niß mit dem Silbergroschen nicht anwenden," unter
Legal!
brach der Freiherr ihn, „da ist besser der Louisd'or. Dieses Filet ist ausgezeichnet, Herr Oferstwachtmeister.' Der Major nickte schweigend.
„Welche Erinnerungen knüpfen sich denn für Sie
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der Revolution schwer rompromittirt hatte und ei auch noch mit den Insurgenten hielt, während $ mit einer halben Batterie bei ihm in Quartier lag' „Donner und Doria!" fuhr der Major auf. „Äi
Sie ahnten eS nicht?"
an jenen Feldzug?" fragte er den Rittergutsbesitzer, der ein Glas Wein auf einen Zug herunlergoß.
„Die angenehmsten von der Welt," erroiebet« Bcrze Barnekow, „denn ich lernte meine jetzige Gattin unter' to- 'J sehr interessanten Verhältnissen kennen. Sie war die- Tochter eines Eoelmannes, der sich beim Ausbrtit
des A brr B »ass Angel Sladi ökstiin Hörde klärte »inist balver
garstigen Dilemma. Meine Pflicht gebot mir, d« Spion und Verräther dem Kriegsgericht zu überliefert welche- ihn unfehlbar erschossen haben würde, ofl1 doch konnte ich mich nicht dazu entschließen, weil Ü mir sagen mußte, daß ich dadurch für immer mit M Tochter brechen würde.
„Sehr angenehm", warf der Baron ein,
ßtdici solle,
„Bewahre. Ich hatte schon mit der jungen Dam angeknüpft und war dabei in wirklich auffallender Weise von ihm begünstigt worden, als einer meiner L.ute mich darauf ausmeiksam machte, daß aus mitir-18 Quartier zur Nachtzeit Signale gegeben würden. 3$ verschaffte mir Gewißheit und steckte nun in einen
zogen Sie sich heraus?"
„Vortrefflich. Ich erklärte der jungen Dame Morgen, daß ich in der nächsten Nacht ihren Vater j verhaften würde und entfernte mich. Als ich am Adel«' zurückkehrte, hatte der Verräther eine Reise angetrete®,; von der er erst nach beendigtem Feldzuge zurückkehrle-
Der Major schüttelte den Kopf, er billigte dies" Verfahren nicht.
„Champagner!" befahl der Baron.
„Na, so sehr angenehm kann ich diese Erinnernngr® nicht nennen", sagte der Gras, „ich möchte nicht gf** in solcher Klemme stecken," (Forts, fol-r-i
Gtats Oberl nut t bat Arn Haus 15t t von > tinji