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Marburg, Donnerstag, den 27. Febrrmr.
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33 ' nach Mandern und Wege, dann nach Oder-
Dampfer „Princeß Dagmar" liegt nahe am Ufer unter Wasser und ist total verloren. Die Ladung wird an der schwedischen Küste geborgen. — Dagegen ist die Meldung von dem Untergange der Pillauer Brigg „CereS" unrichtig. Nach einem heute hier eingegangenen Telegramme ist das Schiff am Sonnabend den 22. Februar wohlbehalten in Queenötown angekommen.
Köln, 22. Februar. Die Stadtverordnetenversammlung hat den Zuschuß von 140 Thlr. zu den Kosten der Frohnleichnams - Prozession mit 16 gegen 7 Stimmen für immer vom Budget gestrichen. — In seinem Fasten-Hirtenbriefe theilt der hiesige Erzbischof mit, der Ertrag des PeterspfennigS habe sich im Jahre 1872 auf 43,800 Thlr. belaufen, die bereits nach Rom gesandt seien. Im Jahre 1871 waren 60,000 Thlr. eingekommen. Der Ertrag hat demnach bedeutend abgenommmen.
Siegburg, 22. Februar. Gestern wurde dem früheren Stadtverordneten Hrn. Samuel Isaak Bürger eine Qisini-Bombe in'S Haus geschleudert, die jedoch glücklicherweise nicht explodirte.
Stuttgart, 22. Febr. Die Abgeordnetenkammer berieth gestern einen Gesetzentwurf betreffend nachträgliche Bestimmungen zu dem Gesetz über die Gerichtsorganisation. Der Entwurf hatte zwei Artikel, von welchen der eine dem Justizminister die Möglichkeit geben soll, die beiden Kreisstrafgerichte zu Calw und Eßlingen wieder aufzuheben und mit den KreiS- gerichtshöfen Tübingen und Stuttgart zu verschmelzen. Der andere Artikel besagt, daß die Bestimmungen, welche die vorzugsweise Bciziehung von Schöffen zu den Strafkammern der KreiSgerichlshöfe betreffen, bis auf Weiteres in Kraft bleiben sollen. Das ganze Gesetz wurde einstimmig genehmigt. Bekanntlich hatte Miitnacht schon int Laufe der Justizdebatte sich dahin geäußert, daß der mit den Schöffengerichten gemachte Bersuch sehr befriedigend ausgefallen sei. Oesterlen ergriff die^Gelegcnheit, um wieder eine Lanze für
Heffen angethan. Von persönlichen Mißhandlungen steht zwar nicht viel geschrieben. Nur wenige Bauern wissen davon zu erzählen, was das Benehmen der Offiziere anlangt, so wurde bloS Johannes Kraft in Wege von einem Lieutenant „bei den Haaren etwas gezäuselt", aber die Rechnung für genoffene Speisen und Getränke ist beträchtlich. Mandern beziffert sie auf 231 Thlr., Anraf auf 289 Thlr., Giflitz auf 209 Thaler, die anderen Orte nicht viel niederer. Die Grenadiere muffen auch ziemlich heikel gewesen sein, und eS ist insbesondere aufbewahrt, daß ihnen das Wilvunger Bier sehr wenig behagt habe. Einem Bauer wurden, weil er solches vorsetzte, zwei Löcher in den Kopf geschlagen, und dieses war die schwerste Verletzung, die im ganzen Feldzug vorkam.
AUmälig scheint überhaupt die Anfangs gute Dis ciplin lockerer geworden zu sein; vielfach erscheinen in den letzte» Tagen der Occupaiion Frauen als Begleitung der Grenadiere, und die Bauern mußten auch diesen Quartier geben. Wohl hiermit im Zu sammenhang schwillt auch das Berzeichniß mitgenommener Würste und Speckseiten stattlich an.
Alle diese Maßregeln glitten an dem passiven Widerstand der Waldecker ab; fie sendeten Proteste an den kaiserlichen Hof, ließen aber sonst über sich ergehen, was sie nicht ändern konnten. Ja sie schickten sogar einen Otfizier, den sie, während er der Jagd oblag, gefangen hatten, an die Kasseler zukück. Unter diesen Umständen zogen die Dränger doch vor, am 30. Decemder 1716 das Waldecktsche G-bict zu ver- laffen und nach Hause zurückzukehren. Sie hinterließen außer ausgegeffenen Dörfern eine gründlich gelichtete Witdbahn, und der Graf von Waldeck beklagte neben dem anderen Schaven nicht am wenigsten seine von den hessischen Offizieren geschossenen Hafen. Der Rath Schuhmacher war noch im Januar 1717 Gefangener ZU Kassel.
Wenzigerode hielten die Heffen übrigens besetzt, und es gehört noch gegenwärtig zu Heffen.*)
*) Einige der im vorstehenden Aufsatz erwähnten That- sachen verdanken wir einer noch ungedruckten, im Frhr. v. Dalwigk'schen Archive zu Camps aufbewahrten Urkunde.
„Warndorff hat sich nun auch erklärt — «
„Er selbst?«
„Nein, der Hauptmann von Eberbach führte Wort für ihn."
Die Bauernfänger.
Novelle von Ewald August König.
(Fortsetzung.)
Dieser Dienst des Barons mußte nach ihrer Ansicht den Begünstigungen WarnvorffS den Todesstoß geben.
Der Major schien die Gedanken seiner Gattin zu errathen, er kehrte, nachdem er dem Baron daS Geleite gegeben halte, wohl deshalb in'S Wohnzimmer zurück, weil er ihren Worten ausweichen wollte.
Hetmine eilte in die Arme des eintretenden Vater-, er war in diesen schweren Tagen ihre einzige Stütze, aus ihn baute sie ihre letzte Hoffnung.
Daß sie von der Mutter keine Theilnahme, kein liebevolles Nachgeben zu erwarten halte, wußte sie seil der letzten Unterredung mit ihr, deren Schluß eine Drohung gewesen war.
„Armes Kind,« sagte der Major leise, während er sie auf die Stirn küßte, „ich wollte die Tage wären vorüber. Muth, Hermine, dem Sturm folgt auch wieder Sonnenschein."
Der Blick Herminen'S ruhte mit dem Ausdruck ängstlicher Erwartung auf dem sorgenvollen Gesicht des alten Herrn.
„Und die Mutter?" fragte sie.
Der Major zuckle die Achseln.
„Sie halte ihn abgewiesen, schroff, verletzend —" „Rein, liebes Kind, sie hat ihm nur zu verstehen gegeben, daß Warndorff keine Hoffnungen hegen dürfe. Ich aber habe beiden Herren erklärt, die Entscheidung liege allein in Deiner Hand.
„Guter Vater I"
„Und sie haben sich beide bamit einverstanden und zufrieden erklärt."
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„So teilte ich auch," erwiderte Hermine und ein Lächeln des Glücks breitete sich flüchtig über ihr schönes Gesicht„ „und dieser Gedanke macht mulhig."
Bestimmteste zurückzuweisen und sich auf das Unzweideutigste darüber auszusprechen, daß er von der Noth- wendigkeit, die evangelische Kirche auf den vorhandenen Grundlagen aufzubauen, vollkommen durchdrungen sei. Daö schließlich erfolgte Votum für Bewilligung der Position für den Oberkirchenrath hatte nur die Fortschrittspartei gegen sich. - In der Presse ist vielfach von einer Theilung der Provinz Preußen in zwei Theile die Rede; es ist darüber aber bisher noch an keiner amtlichen Stelle verhandelt worden, nnd sind die Gerüchte entschieden voreilig und unrichtig. — Gerüchte, welche in einzelnen Preßorganen anfgetaucht sind, daß in Veranlassung der LaSker'schen Reden von konservativer Seite beabsichtigt werde, Maßregeln gegen die Ausschreitungen parlamentarischer Redefreiheit zu beantragen, find dahin gedeutet worden, als ob die Regierung damit im Zusammenhänge stehe und bereit sei, solche Maßregeln zu unterstützen. Es muß aber aus daö Bestimmteste betont werden, daß die Regierung nicht im Entferntesten daran denkt, dazu die Hand zu bieten. — Die Truppen sind bet Beförderung auf Eisenbahnen bei Fahrten von langer Dauer großen Beschwerden unterworfen, welche sich besonders steigern, wenn dazu geschlossene Güterwagen benutzt werden, in denen es an Licht und Luft mangelt. Auf Anregung deS Kriegsministers ist daher von Seiten des Reichskanzleramtes der Handelsminister ersucht worden, die preußischen Lahnverwaltungen dahin anzuweisen, daß bei Beförderuttg der Truppen im Frieden vermittelst Extrazügen vorzugsweise Wagen 3. Klasse zur Verwendung kommen, und Güterwagen soviel als möglich ausgeschlossen bleiben. Der Han- delsminister hat diesem Ersuchen durch eine neuerdings erlassene Verfügung an die Eisenbahnoerwallungen und Eiseitbahttcommtssatiate entsprochen.
Königsberg, 25. Febr. Der, wie schon be- । richtet, aus der Fahrt von Hüll nach Pillau an der : schwedischen Küste südlich Kullen gestrandete dänische i
i nuiy iviuiivcTii Utto icixgc, vuiiii nau) vvrio *tyn und Braunau, endlich nach Anraf, Giflitz und ^hlen, um in jedem mehrere Tage zu verweilen.
Geschichte hat unS die lange Liste der Leistungen 7s Geld und Naturalien, welche den Lauern oblag, ** die sonstigen Drangsale überliefert, die ihnen die
. Aber man konnte es nicht Über sich gewinnen, Aon heimzukehrcn. Noch war von Seiten Waldecks , s ^ne nachgiebige Erklärung erfolgt, war das Ulti- • wegen der Deserteure unerfüllt. Der Plan ^lftaitd, Waldeck durch Occupatio» eines Theiles MS Gebiet» mürbe zu machen. Die hessischen
ti» KriegSzug Hon Hessen-Sassel gegen Waldeck int achtzehnten Jahrhundert.
(Schluß.)
ES sollte nicht soweit kommen. Lehndorff, der toan verzweifelte, die Waldecker aus ihrer passiven Haltung herauSzubringm, und sie zur gutwilligen iluSlieserung der gefangenen Bauern zu nöthigen, sie ticht einmal zu einem Widerstand zu reizen vermochte, toffen Bewältigung ihm Ehre bringen konnte, beschloß tödlich, die Befreiung selbst in das Werk zu setzen. Unter dem Schlosse, in feinem Machtbereich, lag das desängntß; er ließ die Frau deS Gefangenwärters ' fkrbeiführen, die Thüre öffnen und die Gefangenen t p sich in die Stadt bringen. Die vom Schloß aus | ^schauenden Waldeckischen verhöhnte der comman- j totnbe Major mit drohenden Worten, eine drastische | «eene, deren grotesker Eindruck noch durch das G-- lchrei der furiösen Frauen der Gefangenen vermehrt totrbe, die die Hessen mitgebracht hatten.
•' Während der folgenden Nacht blieben die Heffen stoch n Wildungen. Lehnvorff mochte wohl über den! wlben Ausgang und den Trotz der Waldecker er- Wrt sein, benn er ließ am 17. in der Frühe das! MS de» Gräfllicheu Kanzleiraths Schumacher über« «en und ben alten Mann gefangen nehmen. Nach M't Gewalthat zog er mit feinen Truppen ab, den Nahgenen Beamten und die befreiten Bauern mit R führend.
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1 Oterhessifche Zeitung
Deutsches Reich.
•• Berlin, 25. Febr. Die gestrigen Berhand- dmgen des Abgeordnetenhauses übet den CultuSetat haben eine sehr interessante Wendung genommen; der Herr CultuSminister sah sich veranlaßt, sich aus der Sitzung deS Staatsministeriums in das Haus zu begeben, um daselbst das Wort zu ergreifen gegen die e«t der Fortschrittspartei beantragte Streichung der Position für den Oderkirchenrath. Der Herr Minister sprach sich auf das Bestimmteste gegen die dahin zielenden Anträge au». Die Annahme derselben, welche die Beseitigung de» Oberkirchenrathes bezweckten, »erbe nicht dazu dienen, die kirchlichen Zustände zu beseitigen, sondern sie zu verwirren. Man könne nicht »ünschen, daß die schwierigen Verhältnisse unserer evangelischen Kirche durch ein solches Votum noch «ehr erschwert würden. Diese Steuerungen werben een Allen, denen die organische Gestaltung und Be-I fkftigung der evangelischen Kirche am Herzen liegt, mit großer Befriedigung vernommen werben. In den sieden, in welchen voa Seiten der Fortschrittspartei der Antrag auf Streichung des Etats für den Ober Üirchenralh befürwortet wurde, ift viel von dem Vertrauen die Rede, welches die Partei auf die Person des CultuSministerS und des Präsidenten des Dber- LnchenraiheS setze, und mit Recht weift daher der Referent Miquel darauf hin, daß ein solches Vertrauen, wenn sie den genannten Herren durch Streichung der geferberten Summe für ben Oberkirchen- 1 MH die Mittel zur Wirksamkeit entzögen, ein ganz unfruchtbare« sei. Der CultuSminister nahm Gelegen- ' hnt, bie Ausführungen ber Fortschrittspartei auf bas s
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