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JRaröurg, Dienstag, den 25. Februar.
1873
OberheUche Zeit««-.
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Deutsches Reich.
•» Berlin, 22. Febr. Der Entwurf des Gesetzes, betreffend die Münzverfaffung nebst Motiven ist dem BundeSrath vorgelegt worden. Außer den Rcichsgold- münzen sollen als Reichsmünzen in Silber a) Fünf Markstücke, b) Ein-, c) V^-Markstücke, als Nickelmünzstücke 10- und 5-Pfennigmünzen, als Kupfermünzen 2 und 1 Pfennigstücke ausgeprägt werden.— Die Astsprägung gemeinsamer Goldmünzen wnrde durch das Gesetz vom 4. December 1871 ange- vrdnet und konnte schon in den letzten Tagen desselben MonatS begonnen werden, sie wird voraussichtlich bis Ende April den Betrag von 600 Millionen Mark in 10- und 20-Markstücken erreichen. — Beide Häuser des Landtages haben heute Sitzung gehabt. Das Herrenhaus hat die Commission für die kirchenpolitischen Vorlagen gewählt und zwar als Vorsitzenden den Grafen Münster, als ersten Stellvertreter den Unterstaatssecretär Sultzer. Man sieht, das bei dieser Wahl wieder die rcformfreundliche Partei den Ausschlag gegeben hat, welche demnach voraussichtlich auch bei der definitiven Entscheidung daS Uebergewicht für die Annahme in die Wagschale legen wird. — Im Abgeordnetenhaus ist in 3. Lesung der Gesetzentwurf über die Dotation der Provinzialverbände mit erheblicher Majorität nach den Vereinbarungen mit der Regierung angenommen worden. — Es läßt sich überhaupt nicht verkennen, daß das Abgeordnetenhaus in dieser Session mit großem Eifer das ihm vorliegend: starke Pensum zu bewältigen bemüht ist, und daß es in dieser prompten Gcschäftserledignung durch die Vorarbeiten der Commissionen erfolgreich unterstützt wird. — Heute hat im Conferenzzimmer des Abgeordnetenhauses wieder eine Sitzung des Staats- Ministeriums stattgefunden. Es soll jedoch kein Gegenstand von politischer Wichtigkeit vorgelegen haben. — Die Nachricht der „Elberf. Ztg", daß die „Post" Organ der Regierung geworden sei, ist jedenfalls nur eine Schlußfolgerung aus der Betheiligung, welche Herr Braß dabei übernommen hat. Dieser soll von der Gesellschaft zum „Experten" der Zeitung ernannt Verden sein. Jede Verbindung der Negierung mit dem
Koni,
„Experten" sowohl wie sonst mit der Zeitung kann jedoch auf's Bestimmteste abgcleugnet werden.
— Das „Deutsche Wochenblatt" vernimmt, daß die Einberufung des Reichstages für die Zeit vom 8. bis 15. März definitiv in Aussicht genommen sei; von der Einbringung bqS PreßgesetzeS in der be- vorstehenden Session sei Aststand genommen. Die Vorlage desselben werde erst nach dem Ergebniß der Verhandlungen über die Gerichtsorganisation beabsichtigt, um vor der Aushebung der jetzt der Polizei cingcräumteit' Rechte die gerichtliche Verantwortlichkeit der Presse festzustellen und in Berücksichtigung des von süddeutscher Seite ausgesprochenen Wunsches, die Preßprozesse den gelehrten Richtern zu entziehen, die schwebende Frage über Geschworenen- oder Schöffengericht zu erledigen. Die Berufung der Commission für Berathung der Gerichtsorganisation und die Ernennung ihrer Mitglieder sei allernächst bevorstehend.
der französischen Contributionsgelder zur Tilgung der öprozentigen Anleihe von 1870. Der Berichterstatter der Steuergesetzkommisston kündigt an, daß über das Steuergesetz nunmehr zwischen den beiden Kammern eine Uebereinstimmung erzielt sei. Der Präsident ermahnt die Commission zur Beschleunigung ihrer Arbeiten. Der Vorsitzende der Commission für das Retablissementsgesetz kündigt an, daß der Bericht darüber demnächst festgestellt sein wird, so daß das HauS möglicherweise am Freitag künftiger Woche in die Plenarsitzung eintreten könnte. — 500 Stutt
garter. Bäckergesellen verlangen so eben durch Plakatanschläge 25 pCt. Lohnerhöhung, eine Arbeitszeit von Mitternachts 12 bis Mittag 1 Uhr (statt von 8 Uhr Abends an), Sonntag« nur Kaffeebrodherstellung, an den höchsten Feiertagen ganze Arbeitsfreiheit, Anreden mit „Sie" u. s. w. Wenn die Forderungen inner» halb drei Tagen nicht zugestanden werden, so erfolgt allgemeine Arbeitseinstellung.
Würzburg, 23. Febr. General Hartmann, Com- mandeur des 2. baierischen Armeekorps, ist heute Nacht halb 2 Uhr gestorben.
Metz, 20. Febr. Bezüglich der Grenzregulirung mit Frankreich — schreibt die „Ztg. für Lothr." — sind verschiedene mehr oder weniger irrige Nachrichten verbreitet worden. So wurde die gänzlich unwahre Kunde verbreitet, es sei einmal auf die ausführenden Beamten geschossen worden. Die in Metz tagende Commission ist im letzten JaM mit der Absteckung der Grenze fertig geworden und begann sodann die Setzung der Grenzsteine, die aber beim Beginn des Winters eingestellt werden mußte, weil cs in den Vo« gesm nicht mehr möglich war, die Steine an Ort und Stelle zu schaffen, wofür besseres Wetter und trockener Boden erforderlich ist. Als Grundlage bei dem Geschäfte dienten die Flurkarten im Maßstabe von 1 : 1250, die jedoch einer speciellen Prüfung an Ort und Stelle bedurften. Die Absteckungsarbeit auf der 506 Kilometer (68 Meilen) langen und 217 Gemarkungen (103' deutsche und 114 französische) berührenden Grenzlinie war am 1. October beendigt und bedurfte es dann der Menge von 4200 Haupt- und 1300 Zwischensteinen, wovon das Stück etwa auf 25 Franken zu stehen kommt. Vorläufig hat die geographisch-statistische Abtheilung des großen Generalstabs in Berlin eme Specialkarte der Grenze im Maßstab der großen uranzöfischen Karte (1:80,000) erscheinen wch man in jeder Karte die neue ©reine
igsberg, 22. Febr. Der dänische Dampfer „Prinzeß Dagmar" strandete auf seiner Reise von Hüll nach Pillau an der schwedischen Küste. Die Brigg „Ceres" von hier ist unterwegs mit Mann und Maus gesunken.
Dresden, 22. Februar. In der Abgeordnetenkammer kam heute der Biedermann'sche Antrag, betreffs des Reichsgerichts zur Verhandlung. Der Justizminister erklärte, daß die Regierung der Tendenz des Antrages nicht opponire, vielmehr die Nothwen- digkeit einer gemeinsamen Rechtshandlung für gemeinsame Rechtsgebiete anerkenne. Der Plan eines bloßen Präjudizien-Gerichtshofes sei so gut wie aufgegebcn. Die Lokalfrage sei ohne Einfluß auf die Haltung der Rcgicrur'g iu der Reichsgerichtsfrage, obschon er die Erhaltung des Reichsoberhandelsgerichts als eine Ehrensache Sachsens betrachte. Der Antragsteller erwiedertc, daß er nach der so eben abgegebenen Erklärung seinen Antrag zurückziehen würde, wenn nicht die Verstärkung der Regierungsstimme durch ein Votum der Kammer wünscheuswerth erschiene. Einsiedel schlägt vor, den Antrag Biedermanns zur Zeit auf sich beruhen zu lassen, findet aber bei der Abstimmung nur 7 Stimmen, die sich hiefür aussprechen. Bei der darauf erfolgenden Abstimmung über den Antrag Biedermann wird derselbe im Namensaufruf mit 48 gegen 2 Stimmen angenommen.
Stuttgart, 22. Febr. Die Abgeordnetenkammer ....... .....................
genehmigte den Gesetzentwurf über die Verwendung f lassen, wonüch man in jeder Karte die neue Grenze
Zwischen Waldeck und Hessen-Kassel lag das Dorf Wenzinzerode, fast ganz von Waldccker Gebiet umschlossen. Es war ein alter Zankapfel zwischen beiden Ländern. Waldeck war im Besitz, wurde aber darin von Kassel, das seinerseits die Hoheitsrechte beanspruchte, fortdauernd gestört und endlich genöthigt, Klage beim kaiserlichen Reichshofrath in Wien zu erheben. • Es ergingen vom Jahre 1705 an Befehle gegen den Friedensbrecher, der letzte im Oktober 1716, aber immer ohne Resultat. Kassel wußte einen Theil der Wenzingeröder Bauern aus seine Seite zu ziehen, eine lebhafte Agitation, von drei Rädelsführern Paul Kraft, Johann Süß und Simon Pauli geleitet, erhob sich zu seinen Gunsten. Pauli muß der feinste Kopf von dm dreien gewesen sein, denn er konnte wagen, den Schulmeisterstuhl auf eigene Faust zu' occupiren; ein landesherrlicher Erlaß, der von dem „sich zum Schulmeister aufgeworfenen" Simon Pauli spricht, macht ihm daraus einen besonder« Vorwurf. Dm Grafen von Waldeck erbitterte die Untreue seiner Unlerthanen, er fchickte eine Truppenabtheilung nach Wenzingerode, um die Rädelsführer zu verhaften. Die Bauern rotteten sich zusammen und leisteten Widerstand. Einer von ihnen fiel im Handgemenge, die drei schlimmsten Rebellen wurden aber ergriffen und nach Alt Wildungen, der Residmz der Grafen, gebracht, wo sic in einen finsteren Kerker geworfen wurden.
Als Landgraf Karl von Heffm die Mißhandlung seiner Anhänger erfuhr, brauste er gewaltig auf vor
In der Geschichte der deutschen Territorien während vorigen Jahrhunderts begegnen uns vielfach gar iklffame Bilder, wie denn überhaupt das Zeitalter des Zopfes vielleicht das an Contraften reichste im ganzen verlaufe der deutschen Entwicklung gewesen ist. Die territoriale Selbständigkeit war damals auf den höchsten drad gestiegen, der Einfluß des Reichs ein mehr Hevrctischcr, als praktisch eingreifender, die Regierung
Innern unumschränkt. Man war auch an kleineren Höfen der festen Ueberzeugung, einen ®taat zu repräsentier« von gleichem Charakter mit demjenigen der größeren Mächte, man betrachtete sein dtthältniß zu dem Nachbar wie dasjenige von Machi
Macht, sobald man aber nun demgemäß handelte, ^iftanb ein Widerspruch zwischen solchen Anschauungen den Thaten die alsdann zum Vorschein kamen, Welcher dem ganzen Verhältniß den Typus des Wunderlichen aufdrückt. Man setzte wohl seine Gruppen gegen ein benachbartes Land in Bewegung, erschien mit allem Apparat des Krieg-, aber der streit verlief, wenn auch nicht ohne Bedrückung Ein- i"ner, boch beinahe gemüthlich, Blut warb nicht leicht ^Soffen. Die Dimensionen waren eben zu klein, ^ld der Sinn der Zeit doch schon zahmer, als in
Jahrhunderten des Mittelalters, wo in den be wänkiesten Kreisen die wildesten Fehden tobten. Ein •Wütiger Feldzug war auch derjenige, den der Land- F®f von Hessen-Kassel im.Jahre 1716 gegen die Graf- 'W Waldeck unternahm und der so interessante Ein-
tm achtzehnten Jahrhundert. Pon Ernst Wörncr.
Via KrirgSM ton Hessen-Kassel gegen Waldeck iyd blicke in jene Zeit gewährt, daß wir etwa« dabei ver- m achtzehnten Jahrhundert. »eiten dürfen.
Zorn und Entrüstung. Sofort erließ er Befehl an seine Truppen, zu marschiren, und ertheilte dem Oberst Graf von Lehndorff daS Oberkommando mit dem Auftrag, in Waldeck einzurücken und die Freilassung der gefangenen Wenzingeröder zu bewirken. Am Morgen des 15. Dezember 1716 stand ein Regiment kassclischcr Grenadiere und eine Schwadron Dragoner vor Alt-Wildungen und dem gräflichen Schlöffe Friedrichsstein, welches sich in unmittelbarer Nähe der Stadt erhebt. Die Waldecker waren überrascht; sie waren natürlich den Gegnern an Truppenzahl nicht gewachsen und kaiserliche Hülfe war weit. Für das räthlichste hielten sie noch, feindseligen Hand-- langen keine gewaffnete Gegenwehr, sondern nur den passiven Widerstand des Duldens entgegenzusetzen, jedoch um keinen Preis ein positives Zugeständniß zu machen.
Zunächst traten sie mit großer Sanftmuth auf. Gras Friedrich Anton Ulrich von Waldeck schickte dem heranrückenden Oberst von Lehndorff feinen Hofmar- schall von Vasvld entgegen, welcher blos die sehr bescheidene Frage stellte, warum Hessen-Kassel ohne einige schriftliche Requisition in Waldeck eingerückt sei. Die Antwort lautete, man wolle sich die drei inhastirten diesseitigen Untertanen holen. Solches vermeldete Vasold seinem Herrn, der ihn zurückreiten und die Auslieferung verweigern hieß. Vasold vollzog seinen Auftrag, vorsichtig fügte er bei, wenn Kassel Gewalt brauchen würde, so müßten sie es geschehen lassen, ba sie so viele Regimenter, wie Kaffel, nicht besäßen, sie protestirten aber hiergegen und bezögen sich auf kaiserliche Assistenz. Auf die weitere Frage Vasolds, waö