Mr« LK Nkarkurg, Sonnabend, den 22. Febmar. 1873.
i Oberhrssisthe Jeittwz.
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sei. Demgegenüber ist zu constatiren, daß alle offi- ciösen Stimmen den fraglichen Artikel sofort für ein Phantasiegebilde erklärt haben. Auch kann aus com petcnter Quelle versichert werden, daß das literarische Bureau deS Staatsministeriums, wenn jene Andeutungen etwa auf dieses gemünzt sein sollten, diesen falschen Mittheilungen durchaus fern steht und mit dem Verfasser derselben keinerlei Verbindungen un terhält.
— Das neueste Verzeichniß der Mitglieder deS BundesratheS weist 70 Namen auf, darunter Preußen mit 18 Namen, an der Spitze der Reichskanzler und die 6 Staatsminister Graf Roon, Leonhardt, Camp- Hausen, Delbrück, v. Stosch, Kamecke. Dann Königreich Baiern mit 8 Namen und den 3 Staatsministern v. Pfretzschner, Dr. v. Fäustle, Berr. Königreich Sachsen mit 7 Bevollmächtigten, darunter die Staatsminister v. Friesen und Abeken. Königreich Würtem- berg mit 5 Vertretern, an der Spitze Justizminister v. Miltnacht. Baden mit 6 Vertretern und dem Präsidenten des Staatsministeriums, Dr. Jolly. Groß- herzogthum Hessen mit 3 Vertretern, an der Spitze der Ministerpräsident Hofmann. Die beiden Mecklen bürg mit 2 Vertretern, ebenso Sachsen-Weimar, Oldenburg, Braunschweig, Meiningen, Altenburg, Coburg- Gotha, Anhalt, die beiden Schwarzburg, Waldeck, beide Reuß, beide Lippe, sowie die freien Städte Lübeck, Bremen, Hamburg mit je einem Vertreter. — In der Zusammensetzung der Ausschüsse hat sich wenig geändert. Mecklenburg Schwerin ist in Stelle von Reuß älterer Linie in den Handelsausschuß gewählt worden und Baden in Stelle von Mecklenburg in den Justizausschuß. Die Ausschüsse haben am Mittwoch ihre Thätigkeit begonnen. Der Ausschuß für die Verfassung hat sich mit dem Anträge des Reichstages wegen Abänderung des Artikel 28 der Reichs- verfasiung zu beschäftigen. Es handelt sich um Beseitigung der lästigen Bestimmung des zweiten Absatzes jenes Artikels, welcher dahin geht: „Bei der Beschluß fassung über eine Angelegenheit, welche nach den Bestimmungen der Verfassung nicht dem ganzen Reiche
gemeinschaftlich ist', werden die Stimmen nur derjenigen Mitglieder gezählt, die in Bundesstaaten gewählt sind, welchen diese Angelegenheit gemeinschaftlich ist. Man wird sich erinnern, daß die sogenannte Itio in partes bei Gelegenheit des Brausteuergesetzes allgemein einen sehr peinlichen Eindruck machte und Veranlassung zu jenem Antrag wurde, dessen Annahme der Versassungsausschuß bei dem Plenum deS BundeSraths befürworten wird. — Der Justizausschuß hat sich mit der mehrfach erwähnten Eingabe des Herzogs v. Aremberg um Schutz seiner Privilegien beschäftigt. Es wird hierbei auf die Beantwortung der Frage ankommen, ob und in wieweit noch Verbindlichkeiten auS der alten deutschen BundeSverfasiung zu respectiren seien. Endlich beriechen die Ausschüsse noch das Reichsbeamtengesetz, einen Gegenstand, den die Reichsregierung durch die bevorstehende Session des Reichstages in erster Linie zu erledigen wünjcht. — Die Arbeiten für daS Münzgesetz sind soweit gefördert, daß, wie man hört, bereits der Entwurf Sr. Majestät dem Kaiser unterbreitet werden konnte. Dagegen wird das Bankgesetz schwerlich in her nächsten Session an den Reichstag gelangen.
Thor«, 20. Frbr. Die gestrige CopernicuS- Feier wurde deS Morgens durch einen Choral vom Rathhausthurm eingeleitet. Der eigentliche Fest-Act, welcher mit einem Chorgesang eröffnet wurde, fand im Rathhaus-Saale statt, woselbst mehrere Reden gehalten wurden. Hierauf folgte das Festdiner im ArtuS- hofe, woran 300 Personen theilnahmen. Abends fand eine Illumination der ganzen Stadt, sowie ein Feft- ball im RathhauS-Saale statt. Als Deputirte waren anwesend Occiono aus Rom, Professor Pellizziono aus Bologna; ferner die Profesforen CaSpary auS Königsberg, Galle und Caro aus Breslau, BruhnS aus Leipzig, Casack und Bail aus Danzig und Knoblauch aus Halle. — In der hiesigen katholischen St. Johanniskirchc ist eine in Rom gefertigte Marmorstatue von Copernicus aufgestellt worden.
München, 20. Febr. An Stelle des Herrn v. Neymayr ist Ministerialrath Riedel zum BundeSrathS-
DeutfcheS Reich.
#• Berlin, 20. Febr. Die Mittheilungen, welche d« Finanzminister dem Landtage über den blühenden Etand unserer Finanzen hat machen können, sind wohl geeignet, den günstigsten Eindruck hervorzurufen. 20 Millionen Ucberschuß für das Jahr 1872 bei solidester Aufstellung deS Etats und reichlicher Befriedi- «mg aller Staatsbedürfnisse ist, wie ein hiesiges Blatt mit Recht sagt, in der StaatS-Finanzverwaltung \ wohl niemals vorgekommen. Von dem Ueberschuffe sollen 12 Millionen zur Tilgung der Staatsschulden «noendet werden. — Im StaatSministerium ist nun mehr der Gesetzentwurf, betreffend die Erhöhung der Diäten der Abgeordneten festgestellt und soll derselbe «ch Eingang der Allerhöchsten Ermächtigung sofort ban Abgeordnetenhause zugehen. — Die Bevölkerung den Kreis und Stadt Essen hat eine so rapide Zu »ahme erfahren, daß die Stadt Essen von dem Landkreise getrennt und sofort einen eigenen Kreis bilden soll. Der bezügliche Gesetzentwurf soll dem Landtage noch in dieser Session vorgrlegt werden. — In der Presse wird vielfach angedeutet, daß der Beschluß Über etwaige DiSciplinarschritte gegen den Geh. Rath Wagener so lange auSgesetzt sei, bis die Spezial-Un- trrsuchung« Commission zu irgend welchen positiven Ermittelungen gelangt wäre. Wir man hört, soll in- dessen die von Herrn Wagener eingereichte Verthei- digungSschrist bereit« Gegenstand weiterer Erörterungen im Staatsministerium sein und von der Beur- s theilung diese« Schriftstückes wird es, vorbehaltlich de« ErgebniffeS der UntersuchungS-Commifsion, ab- hängen, ob die Regierung weiter vorgeht. — Die Polemik über die falschen Mittheilungen deS „Börsen- Courier«" und einiger anderen Blätter über die an i gcbliche Stellung des Fürsten Bismarck zum LaSker- t jchen Anträge hat immer größere Dimensionen angenommen. Einige Blätter bemühen sich, den Ursprung dieser Dichtung zu ergründen, als welchen der Verfasser selbst do« Büffet deS Abgeordnetenhauses bezeichnet hat, und kommen dabei zu dem Resultate, daß dieser rin Angestellter des osficiösen PreßbüreauS
Die »tittxfäiger.
Novelle von Ewald August König.
(Fortsetzung.)
„Wir sind allein", wandte, er fich zu Liebrrcht, tottn er einen Blick auf seine Uhr warf. „Was * wünschen Sie?"
„Ich glaube Ihnen schon vor einigen Tagen mit- getheilt zu haben, daß ich bald auS dem Bunde au« zutreten gedenke."
i „Allerdings, Sie wollen heirathen."
„So ist e« — und zwar eine Heirath mit Hin» | drrnifsen."
„In wie fern?"
„Der Vater de« Mädchens verweigert seine Zu- , fiimmuntz."
„Ach so — ich erinnere mich. Sie wollen das i Fräulein entführen?"
1 »Ja."
t „Und Sie wünschen meine« Rach darüber zu
I hören ?"
„Nein, denn ich bin entschloflen, mit ihr nach England zu entstiehen und dort —"
„Die Trauung wirklich vollziehen zu laflen?" «Ja-"
„Nun, wie Sie wollen."
„Der Vater besitzt ein Vermögen von beinahe dreißigtausendThalrrn, wie ich aus sicherer Quelle weiß."
„Ah — das ist der Magnet?" „Jawohl"
Der Baron legte die Hände auf den Rucken und wanderte auf und nieder.
„Sie werden vo« diesem Gelde keinen Heller be scheu, wenn der Küppermristrr nicht nachträglich seine Zustimmung gibt", sagte er. „Zudem hat der Mann, soviel ich weiß, zwei Kinder, und die Mutter lebt iwch, rS ist also eine schlechte Spekulation."
„Kann man nicht nachhelfen?" fragte Liebrecht lauernd. „Der alte Mann kann plötzlich sterben, noch che er Zeit gefunden Hot, sein Testament zu machen;
der Bruder soll, wie ich heute erfahren, bedenklich erkrankt sein."
Der Baron blieb stehen, sein Blick ruhte durchdringend auf dem Fragenden.
„DaS kann man allerdings", sagte er, „nun, wenn Sie schon so weit gekommen sind, gratulire ich."
„Wozu?"
„Zu Ihrer ferneren Laufbahn."
„Sie mißverstehen mich, Herr Baron."
„Ich glaube nicht."
„Ich denke mir daS anders. So weit ich in die Geheimnisse unseres Bundes eingedrungen bin, besitzt derselbe einige Mitglieder, die ein solches Geschäft mit ihrem Gewissen sehr gut vereinbaren können, und einen Menschen spurlos verschwinden zu laffen, ist, wie die Erfahrung lehrt, kein besonderes Kunststück mehr. Die Mutter ist ganz auf meiner Seite, sie würde mir sofort die Hälfte ihres Vermögen« auszah len, vielleicht daS Ganze, wenn ich ihr in meinem Hause ein Asyl anböte. Den Bruder fürchte ich nicht; überwindet er die Krankheit, so giebt es tausend Mittel, ihn um das Erbe zu bringen."
„Sie sind erfahrener, als ich glaubte," spottete der Baron, „aber wie können Sie verlangen, daß wir Ihnen die gebratenen Castanien au« dem Feuer holen (eilen?' »
„Ich würde ein Acquivalent hieten."
„Welches?"
„Eine Agentur deS Bundes in London."
„An deren Spitze Sie treten wollen?"
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Der Baron setzte sich und zündete eine Cigarre an.
„Diese Idee ist nicht neu," sagte er, „ich habe schon darüber nachgedacht."
„Bedenken Sie die Vortheile, welche diese Agentur Ihnen bietet. Sie können durch einen Vertrauensmann Ihre Pretiosen, Silberbarren und Werthpapiere hinübersenden, ich übernehme das Geschäft und der Bote kehrt mit dem baaren Gelde zurück "
„Hm — die englische Polizei —" '
„Ist freilich sehr gewandt, aber rotr übel! ist en sie dennoch. Außerdem gibt es drüben auch Geschäfte, wenn ich in der ersten Zeit unterstützt würde, so daß ich meine Rolle fortsetzen könnte —
„Und Ihre junge Frau?" , tir.
„Bah, sie wohnt in einer Vorstadt und wfiß nicht besser, als daß ich für mein HauS in Stettin arbeite."
'„Sie würden also, dort sich in die Kreise der Aristokratie Eingang verschaffen."
„Gewiß."
„Versprechen Sie nicht zu viel, dem Ausländer gegenüber find die Kinder Albions sehr exclusiv."
„Ich spreche fertig englisch."
„Gut, da« ist schon etwas. Nun, wir «ollen sehen, ich lchne diesen Vorschlag nicht ab, im Gegen- theil, er sagt mir zu, aber ich muß zuvor überlegen und einen bestimmten Plan entwerfen. Wir sprechen später darüber. Sie können ohnehin jetzt noch nicht reifen."
Liebrecht blickte befremdet den Baron an, der den Rauchwölkchen sinnend nachschaute.
„Sie werden gehört haben, was zwischen mir und dem Major von Barnitz vorgefallen ist," fuhr der Baron fort, ohne ein Zeichen der Erregung zu Der» rächen. „Ich habe um die Hand deS Fräulein- geworben, Frau von Barnitz hat mir ihre Zusage gegeben. Gestern ließ weder der Major noch Fräulein Hermine sich blicken, die gnädige Frau bat, ich möge mich gedulden, Hermine sei unpäßlich und der Major hätte noch keine definitive Antwort gegeben.
„Nun? Und heute?" fragte Liebrecht gespannt.
„Ich bin nicht hingegangen, ich weiß ja ohnevieS, wie die Antwort lauten wird."
Es lag ein beißender Hohn in dem Tone, in welchem der Baron die letzten Worte sprach.
„Im Uebrigen habe ich ja auch durch meine Werbung nichts weiter beabsichttgt," nahm der Baron wieder daS Wort, während er die Asche von seiner