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iliatßurg, Freitag, den 21. Februar.
1873
H Oberhessische Zeitung.
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$u überweisen, den Antrag aus Abänderung der Versüssung aber durch Plenar-Lor- und Schlutzberalhung zu erledigen. Nur die Altconservativen haben dagegen
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von liberaler Seile ist gelegentlich gerstgt worden, daß die »National Ztg." neuerdings wie eine alternde Frau sich mit Vorliebe den Klatschereien zuwendet; wenn irgend ein sensationssüchtiger Korrespondent erfundene Neuigkeiten auSkramt, so ist die „National-Zlg" immer die erste, welche auf den Leim geht und weise Betrachtungen darüber anstellt. Zu dieser Schwäche gesellt sich aber alS „Fluch der bösen That" auch noch eine ganz eigenthümliche Taktik, sich aus der Verle genheit zu ziehen, nachdem eine von ihr mit wichtiger Miene besprochene SensationS-Klatscherei als solche erkannt worden ist. Dann tadelt nämlich die „Nat- Ztg." nicht etwa den böswilligen Erfinder, oder sich selbst wegen ihrer unvorsichtigen Leichtgläubigkeit, sondern sie gießt die ganze Schale ihre« Zornes über diejenigen aus, welche die Berichtigung gebracht haben, und gibt moralischen Betrachtungen Raum über die Schädlichkeit der besser informirten dem Publikum die Wahrheit meldenden „officiösen Presse." Dieß naive Manoeuvre hat die „Nat.-Ztg." schon nach der berüchtigten Ente der „Köln. Ztg." zur Ministerkrists auS- geführt und offenbar probat gefunden, denn sie wiederholt e» jetzt, nachdem sie die unwahre Historie über Fürst Bismarcks Opposition gegen LaSkerS Antrag mit großem Aplomb referirt und commentirt hatte Nachdem von unserer Seite und durch eigenes Ge- siindniß des betreffenden Correspondenten die Leichtfertigkeit der Erfindung klargestellt, hält die „Rat. Ztg." es für gerechtfertigt, nicht zu beienne«, daß sie »ieoer leichtgläubig gewesen, sondern zu tadeln, daß die Berichtigung «rsulgr sei, welch« ihre Leichtgläubigkeit verrathen hat. Weil sie selbst Unwahres berichtet hat, soll Niemand die Wahrheit erfahren und die o|fi nist Presse schweigen I! — In Bezug auf die bevorstehende Ernennung der Oberpräsidenten wiederholen wir unsere frühere Erklärung, daß diese Ernennungen nicht einzeln, sondern zusamnren Sr. Majestät zur Bestätigung vorgelegt werden sollen, einzelne Meldungen darüber sind demnach unglaubwürdig. — Das Herrenhaus hat auf Vorschlag seines Präsidenten be- [354 schlossen, die vier kirchenpolitischen Gesetzvorlagen einer
Commission von 20 Mitgliedern zur Vorbereitung
opponirt, aber erfolglos und man darf hieraus schon den weiteren günstigen Verlauf prognosticiren. — Heber die muthmaßliche Dauer des Landtags und den Termin der Einberufung des Reichstags sind die Voraussagungen widersprechend; wir glauben behaupten zu können, was wir schon früher angedeutet, daß die Entscheidung der Frage wesentlich von dem rascheren ober langsameren Verlauf abhängig wird, welchen die wichtigsten Vorlagen im Landtag nehmen werden. Vor Erledigung der wichtigsten Gesetzentwürfe im Abgeordnetenhaus wird die Einberufung des Reichs tags nicht erfolgen und man glaubt nicht, daß dies schon vor Ostern möglich sein werde. Entscheidung ist noch nicht getroffen. — Die heutige „Prov.-Corr/ beschäftigt sich wesentlich wieder mit der Tagesfrage der Untersuchungs-Commission und bestätigt wiederholt, daß die Regierung Werth darauf gelegt, die Einsetzung der Commission ihrerseits durchgeführt zu haben; nicht aus doctrinär äußerlichen und formellen Rücksichten dem Landtag gegenüber betone sie, die Initiative ergriffen zu haben, sondern als eine ihr zunächst obliegende Pflicht zur Wahrung der sittlichen Würde des Beamtenstaii deS. — Die Vorlage zur Entschädigung der Ostsee- Beschädigten wird, da sie höchsten Orts schon vorliegt, voraussichtlich in den nächsten Tagen dem Landtag zugehen. Von den geforderten 2>/z Millionen soll auch die Reparatur aller beschädigten Staatsanlagen mit bestritten werden. — Die Meldung von Berufung des Legalionsraths Gestner als Vortragender Rath inS Staatsministerium bestätigt sich nicht und übersieht man, daß diese Vakanz durch die schon gemeldete Berufung des Reg -Rath v. Meyeren aus Posen bereits ausge füttt wird. — Durch Allerh. Ordre ist auf Vortrag des Ministers deS Innern die Städteordnung vom 30. Mai 1853 für die östlichen Provinzen dahin er gänzt und abgeändert worden, daß künftig den Gemeinde-Versammlungen die Ernennung von Stadt rälhen in Städten von mehr als 10,000 Einw., von RalhSherren in Städten von mehr als 5000 und von Rathsmännern in kleineren Städten gestattet sein soll nach bestimmten. Grundsätzen, welche in einer Ver ordnung des Ministers des Innern zur Nachachtung mitgetheilt worden sind.
— Die Eventualität, daß eine Verständigung der Regierungen über die Erhöhung der Einnahmen an Tabak nicht zu Stande komme, scheint bei der Aufstellung des preußischen Entwurfs einer Börsensteuer
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Die v»»er»fa«ger.
Novelle von Ewald August König.
(Fortsetzung.)
„Du kannst mir das nicht verargen," fuhr Helene tfiegi fort, „Du selbst darfst nicht zugeben, daß ich leichtfertig meinen guten Ruf gefährde. Und er wird gefährdet durch meine Besuche in diesem Hause."
„Gut, so will ich darüber nachdenke», welchen andern Ort ich wählen kann."
„Die Wohnung meiner Eltern."
„Um mich den Grobheiten und Mißhandlungen Deines Vater- auSzusetzen?"
„Du siehst zu schwarz."
„Er haßt mich - "
„Wir werden seinen Haß tilgen. Du mußt Dich nklären, damit er entsteht, daß Du ernste und redliche Absichten hegst."
* „Zch kann eS nicht."
„ku mußt es und zwar jetzt, — morgen schon, «mer seiner Gesellen hat um meine Hand geworben, soll ihm daS Jawort geben."
„So »eit ist eS schon gekommen?" spottete Lieb recht.
»Sv weit schon," seufzte Helene, „nun mußt Hu ®[ftrrttn und Deine altern Rechte geltend machen, fürchte den Sturm nicht, ich trotze ihm ja auch, beweise meinem Vater, daß Dein Einkommen für uns ®«ibe hinretchl und daß jene Verläumdungen gründ
find, das Andere können wir dann ruhig der Zeit ober affen."
Liedrecht stand mit verschränkten Armen vor dem Mädchen, sein Blick ruhte durchdringend auf ihr.
„Da- sind schöne Illusionen," sagte er kalt, „wir
werden auf diesem Wege nichts erreichen. Der Haß, den Dein Vater gegen mich hegt, wurzelt tiefer, et kann niemals getilgt werden. Durch seine Gesellen wird er mich hinauswcrfen lassen, wenn ich es wage, vor ihn zu treten, und solche Behandlung, wenn ich sie humehme, muß mir Deine Achtung rauben. Er ist ein harter, fester Mann, wenn er „nein" gesagt hat, dann nimmt er nie daS Wort zurück und uns bleibt nichts übrig, alS von einander zu scheiden."
„Das ertrüge ich nicht."
„Und wa,S ich thun würde, weiß ich. Wenn das Leben jeden Reiz verloren hat, «trb'S eine unerträg liche Last, die man am beften abwirst"
Erschreckt blickte Helene auf, in den Zügen des jungen ManneS spiegelte sich eine düstere Entschlossenheit.
„Das darf nicht geschehen," jagte sie bestürzt.
„Und doch wird eS so kommen, ich had'ü bei Anderen erfahren, daß dieser AuSgang in der Regel erfolgt. Dein Vater wird Dich zwingen wollen, den Gesellen zu heiraihen; kannst Du Dich nicht dazu entschließen, io —“
„Niemals !"
„Ah, sprich daS'Wort nicht so oberflächlich, eS ist eines jener Worte, mit denen man jo verschwelt Derisch um sich wirft, ohne ihre Bedeutung zu bedenken. Wenn Du von den Vorwürfen und Bitten Deines VaterS, von seinen Drohungen an Leib und Seele gebrochen, endlich Dich mit dem Myrthenkranz schmücken läßt, dann denke an diese Stunde, — ich glaube und hoffe, daß dann meine Gebeine — — aber Deine Schuld ist eS ja nicht, Du hast eS so nicht gewollt, Du warst nur zu schwach, nicht muthig genug, den Verhältnissen zu trotzen."
in der That in Betracht gezogen zu sein, von sachkundiger Seite wird nämlich im „Hamb. Corr." behauptet, daß der Gesetzentwurf, so wie derselbe jetzt der Reichssteuercommission vorliegt, eine Einnahme von ca. 15—20 Mill. Thlrn. ergeben würde. Wenn diese Schätzung auch übertrieben ist, so muffe man doch annehmen, daß dieses Steuergesetz für sich allein hinreichen würde, den durch Beseitigung der Salzsteuer entstehenden Einnahmeausfall zu decken. — Die „Spen. Ztg." meldet über den Gesetzentwurf ter Tabakssteuer, daß derselbe in der betreffenden Commission so weit gefördert sei, um ihn demnächst nebst Motiven dem BundeSrathe zugehen zu laffen. Eine Einigung zwischen den Vertretern des Nordens und des Südens ist indeß in der Commission nicht erreicht. Von preußischer Seite wird für ausländischen Tabak eine Steuer von 14 Thaler, für (unfermentirten) inländischen eine Steuer von 8 Thlr. vorgeschlagen, während der Süden zwar die 14 Thaler Zoll acceptirt, aber für den inländischen Tabak nur auf 6 Thaler gehen will. — Das Resultat der Staatseinnahmen in dem Jahre 1872 übertrifft alle Erwartungen. Es ergiebt sich ein Ueberschuß von etwa 20 Millionen Lhaler. Dabei ist alle Aussicht vorhanden, daß bad eben begonnene Jahr noch günstigere Ergebnisse liefern wird, denn der Abschluß des Monat Januar 1873 soll schon wieder etwas besser sein, als der des De- cember 1872.
Königsberg i Pr, 18. Febr. Eine von etwa dreihundert Personen besuchte, von dem Superintendenten Funck geleitete kirchliche Conserenz sprach sich gegen Dr. Sydow aus, indem sie sich streng auf den Standpunkt der Bekenntnißfchriften stellte.
Wiesbaden, 17. Febr. Wie dem „Schw. M." mitgetheilt wird, wird der Kronprinz noch diS über die Mitte nächsten Monats hier verweilen, da seine Gesundheit immer noch der Schonung bedarf, und erst zur Geburtstagsfeier deS Kaisers nach Berlin zurückkehren.
Dresden, 18. Febr. Im Anschluß an die vor Kurzem in der zweiten Kammer seitens des Abg. Biedermann gestellte Interpellation hat der Abg. Schaffrath einen Antrag auf Beibehaltung des Ges . worenen- institutS in der neuen deutschen Strafproceßordnung und der Abg. Biedermann einen Antrag auf Ausbildung des Reichs Oberhaitdelsgerichls zu einer allgemeineren Rechtsiuftitution nach Maßgabe der fort-
Der starre Blick Helenens ruhte auf dem Fußboden; welche Bilder mochten an ihrer Seele vorüberziehen?
„So weit wird es nicht kommen," sagte sie, „die Liebe zu feinem Kinde wird den Vater bewegen
„Bah — flicht nicht seine Liebe zu Dir in Deine Illusionen hinein. Seine Liebe ist selbstsüchtig. Es gibt nur einen Weg, ich zeige ihn Dir; kannst Du Dich entschließen, ihn mit mir zu wandern, bann werden bald die finsteren Wolken schwinden, die uns jetzt bedrohen, und der Sonttenschein der Liebe und des Glücks vergoldet unseren Lebenspfad."
Helene barg das Antlitz in die Hände. „Meine atmen Eltern!" schluchzte sie.
„Weshalb betauerft Du sie?" fuhr Liebrecht mit schneioeuder Kälte fort. „Dein Vater zwingt Dich zu otefem Schritt und Deine Mutter wird innerhalb der ersten Tage die Gewißheit erhalten, daß Du glücklich bist. Wir reifen geraden Weges »ach England, lassen uns dort trauen und erwarten geduldig die Verzeihung Deines Vaters Er muß und wird sie geben, wenn er das Geschehene nicht mehr ändern kann. Und thut et eS nicht, nun, so haben wir wenigstens unser Ziel erreicht, und er kann uns unser Glück nicht mehr rauben "
Helene schüttelte noch immer ablehnend das Köpfchen, aber" die Worte drangen tief in ihre Seele ein und blieben dort haften.
„Wir können das mit einer Geschäftsreise verbinden, die ich für mein Haus unternehmen soll," nahm Liebrecht nach einer Weile wieder das Wort, „wir werden drüben keine Schwierigkeiten finoen; binnen acht Tagen nach unserer Ankunft sind wir in