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Marburg, Dienstag, den 18. Februas.

1873.

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Oberhkssijche Zeitung.

Erscheint täglich außer den Werktagen nach Sona- und Feiertagen. Preis für das Quartal durch die Expedition (Koch'sche Buchdruckerei) bezogen 22j Sgr., durch die Postämter 87 ®er. (excl. Bestellgebühr und incl. Stempelsteuer), für das Ausland excl. Stempel 22 Sgr. — Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 1 Sgr.

Hämmtliche Annoncen-Büreaus nehmen Inserate an.

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wird, für einzelne. Numern aber jedesmal im Betrage von drei Pf. von dem Empfänger entrichte! werden muß. Der General - Postdirector hat den Uebelstand schon früher zur Sprache gebracht, doch schien eine Abhilfe unthunlich. Jetzt hat der Finanzminister in Anerkennung des schweren HindernisieS des Verkehrs und der großen Belästigung der Postverwaltung, so wie des geringen Ertrages der Steuer auf einzelne Nummern, seine Bereitwilligkeit erklärt, die Erhebung der Steuer für solche fallen zu lassen, und sie wird deshalb, wie das „D. Wchbl." hört, schon vom 1. April an fortfallen.

Braunschweig, lö. Febr Der Landtag hat in seiner heutigen Sitzung daS Gesetz, bie Dissidenten betreffend, nach dem Anträge der Commission mit großer Majorität in der nachfolgenden Fassung ange­nommen: die bürgerliche Beglaubigung non Geburten, Verehelichungen und Sterbefällen solcher Personen, welche weder der evangelisch-lutherischen Landeskirche, noch der reformirten, noch der katholischen Kirche oder der jüdischen Religionsgenoffenschaft angehören (Dissidenten) und die« nöthigen falls durch Auszüge aus dem Dissidentrnregister oder sonst wie bescheinigen, erfolgt wie bisher durch Eintragung in das Kirchen­buch, welches für dasjenige evangelisch-lutherische Kirchenspiel geführt wird, in welchem der Fall sich ereignet. Der Antrag der Regierung hatte Eintragung in ein Stadt- oder Amtsgerichts Register vorgeschlagen.

Müuche», 15. Febr. Behufs Ausführung der vom letzten Landtag angeregten Verwaltungsreformen ist der RegieruugSrath Frhr. v. Castell beauftragt worden, die einschlägigen Verhältnisse von Preußen, Würtemberg, Baden und Hessen zu studiren, derselbe ist bereits nach Stuttgart abgereift. — Das deutsche Reichsmünzgesetz hat den Würzburger Magistrat um die Ausübung eines seit langer Zeit geübten Loyali tätSbeweises gebracht. Derselbe sendet, seitdem Würz bürg baierisch ist, alljährlich zum Jahreswechsel ein Ehrengeschenk von 100 Würzburger Goldgulden an den König. Die Gabe ist diesmal noch acceptirt, zu­gleich aber auch von dem Finaazminister Berr einge­schärft worden, daß laut §. 10 deS Reichsmünzgcsctzes diese Würzburger Goldgulden nicht mehr geprägt werden dürfen und daS Ehrengeschenk daher zu unter­bleiben hat. — DaS KricgSministerium hat den Haupt­mann Alt vom kaiserlich deutschen Seebataillon in Kiel auf sein Aujuchen gestattet, zur Vollendung einer von ihm begonnenen Stammliste des gesammten deutschen Reichsheeres sich mit den baierischen Truppen- theilen unmittelbar in das Vernehmen zu setzen.

Ausland.

Wien, 15. Febr. In heutiger Sitzung des Ab­

geordnetenhauses ergreift nach Einbringung mehrerer Eifenbahnvorlagen der Ministerpräsident Fürst Auers­perg das Wort und erklärt unter Berufung auf die in der Thronrede des Kaisers gemachte Zusage, daß daS Ministerium heute in der Lage sei, diese Zusage der Thronrede mit der Vorlage der Wahlreformgesetze zu erfüllen. Dieselben sind, bemerkt der Ministerprä­sident weiter, auf da« Eingehendste berathen und auf das Gewissenhafteste geprüft worden, damit sie zum Segen für die ruhige und sichere Entwickelung unseres VerfaffungSlebens werden. Der Ministerpräsident legt hierauf die Gesetzentwürfe über die Einführung der direkten Reichsrathswahlen und über die Vermehrung der Zahl der Abgeordneten auf den Tisch des HauseS behufs ihrer verfaffungSmäßigen Behandlung nieder. (Die Ansprache deS Ministerpräsidenten wurde mehr­mals von lebhaftem Beifall unterbrochen.) Hierauf werden die Vorlagen vom Präsidenten deS Abgeord­netenhauses dem Verfaffungsausschuffe zugewiesen. — Dem Gesetzentwürfe über die Wahlreform zufolge be­trägt in Zukunft bi? Zahl der Abgeordneten 351; davon treffen auf: Böhmen 91, Dalmatien 9, Gali­zien 63, Niederösterreich 36, Oberösterreich 17, Salz­burg 5, Steiermark 23, Kärnthen 9, Kram 10, Buko­wina 9, Mähren 36, Schlesien 10, Tyrol 18, Vorarl­berg 3, Istrien 4, Görz 4, Triest 4 Abgeordnete. Die bisherigen 4 Wählerklaffen werden beibehalten. Die Abgcordnetenwahl geschieht in den Landgemeinden durch Wahlmänner, in den übrigen Wählerklassen unmittelbar. In der Regel ist die Abstimmung eine geheime und schriftliche; ausnahmsweise ist in Land­gemeinden auch die mündliche zulässig. Wahlberechtigt sind alle, 24 Jahre zählenden, selbstständigen, den sonstigen Erfordernissen der Reichsrathswahlordnung genügenden Staatsbürger. Wählbar sind in jedem Lande jene Staatsbürger, welche das österreichische Staatsbürgerrecht mindestens seit einem Jahre besitzen, ein Alter von 30 Jahren und in einem Lande des österreichischen Staates das active oder passive Wahl­recht haben. Die Dauer de« Mandate« ist eine 6jährige. Die auf jedes Land entfallende Abgeord­netenzahl für die Reichsrathsdelegation wird durch die aus dem beireffenden Lande unmittelbar entsendeten ReichtagSabgeordneten gewählt. — Uebereinstimmend melden inspirirle Correspondenten die Anerkennung der spanischen Republik durch das Wiener Cabinct als zweifellos.

Bafel, 16. Febr. Nach Meldung der heutigen Nummer der „Basler Nachrichten" soll der Pfarrer Mermillod gestern Morgen das schweizerische Gebiet verlassen haben. — Die gestrigen „BaSler Nachrich­ten" melden: Da das Domkapitel die Wahl eine«

Deutsches Resch.

•• Berlin, 15. Febr. Die königliche Botschaft hat, wie constaürt werden kann, überall die größte Hcsriedigung hervorgerufen. Nationalliberale Blätter, »ie „N. Z." und „Spen. Ztg.", welche mit der größten Entschiedenheit auf eine möglichst umfassende Untersuchung drangen, begrüßen dieselbe mit Genug­tuung. Auch der Abg. LaSker erklärte heute im Ab «ordnetenhause, daß die Maßregel der Regierung zur Erreichung der von ihm verfolgten Absichten voll­kommen genüge. Die einzige Diflonanz liefert wie ge »öhnlich die „Germania", indem st« ihr Mißfallen darüber zu erkennen gibt, daß die Regierung den König so in den Vordergrund stelle und den Namen desselben al« Schild gebrauche. Solcher Ausführung stehl iudeffen ihr tendenciöser Ursprung so offen an der Stirne geschrieben, daß es umiöthige Mühe wäre, näher daraus einzugehen. DaS persönliche Eintreten bet Monarchen iw dieser Angelegenheit hat übrigen« Niemanden erstaunt. Einmal ließ e« seine hergebrachte Pfiichtentreue und Gewissenhaftigkeit nicht anders er­warten, bann aber hat Se. Majestät seine Abneigung gegen die Auswüchse unseres Verkehrslebens zu wie­derholten Malm aufs Energischste kundgegeben. So hört man, daß der König erst jüngst gegen Mitglieder de« Heeres, welche bei industriellen Gründungen be- theiligt sind, sehr entschiedene Schritte gethan hat. — In der heutigen Sitzung deS Landtages ergriff auch der Ministerpräsident daS Wort und dürsten seine Worte geeignet sein, noch weiter alle etwaigen Be- detiken zu zerstreum. Von liberaler Seite wird näm­lich darauf hingewiesen, daß bei der Zusammensetzung der Commission die Mitglieder deS Landtages stets in bet Minorität sein würden. Graf Roon führte darauf aiU, daß dieser Umstand zu leinen Besorgnissen An laß gebe. Die Regierung werde durch ihre Wahl und durch die von ihr zu ertheilende Instruction beweisen, wie sehr ihr eine gründliche und unparteiische Unter­suchung am Herzen liege. Man darf wohl sagen, daß das Auftreten de« Grafen Roon in dieser Angelegen­heit die allgemeinste Anerkennung findet. — lieber bie Besetzung der vacamen Oberpräfibien ist noch immer keine befinitive Entscheibnng getroffen. Doch wird bemnächst bem Könige die 8ifk der gesammten Neubesetzungen unterbreitet werden, über welche Se. Majestät, wie er gewünscht hat, im Zusammenhänge bestimmen werden. Herr v. Horn wird, wir mau hört, für's Erste nach Königsberg zurückkehren.

— Die Stempelsteuer ausländischer Zeitungen ist für da« Publikum und auch für die Postverwaltung höchst lästig, da sie nur bei regelmäßig unter Kreuz band tinlaufenben Sendungen im Abonemmt bezahlt

Dir vauerusänger.

Novelle von Ewald August König.

(Fortsetzung.)

„Der Feldwebel nahm sich etwa« viel heraus," entgegnete er, ,.da« brachte mich zu dem Entschluß, bet Sach« ein Ende zu machen."

„ES war ein sonderbare« Ende."

„Da« beste von der Welt. Du hättest nur den verblüfften Blick deS Feldwebels sehen sollen, al« er dem Herrn Lieutenant so plötzlich gegenüberstand."

Christine lachte hell und lustig, vorher hatte sie trüber geweint.

Johann benutzte diesen unverkennbaren Umschlag m ihrer Stimmung, er näherte sich bem Mäbchcn und wagte es, seinen Arm um ihre Taille zu legen.

Aber so rasch war der Frieden nicht geschlossen, Kristine stieß den unegstümen Werber zurück.

„So weit sind wir noch nicht," sagte sie.

„Na, wir werden aber so west kommen," erwiderte Johann treuherzig.

„Ich habe nicht vor, noch lange hier zu bleiben." „3d) auch nicht."

»Spatesten« im April muß Hochzeit sein."

f .Gut."

»Wenn Du da« Gut pachtest, will ich dabei sein." «Meinetwegen."

».Ich will Hühner, «änft und Enten haben."

; „Zugestanden."

„Das übrige Vieh —"

„Findet sich, wenn wir da sind."

„Schweine und Kühe —"

„Schafe und Ziegen."

„Und was ich will, bas geschieht."

Der Ton, in welchem Christine diese letzte Be­dingung stellte, duldete keinen Widerspruch.

Johann fügte sich, er dachte, daß nach der Hoch­zeit auch noch Tage kommen würden.

„So ist die Sache abgemacht", sagte Christine gravitätisch, „ich erlaube Dir, mich al« Deine Braut zu umarmen."

„Und der Feldwebel?" fragte Johann, indem er von der erhaltenen Erlaubniß Gebrauch machte und sich dabei so linkisch und scheu beuahyl, daß Christine trötz der Feierlichkeit des Augenblicks lachen mußte.

„Er soll der Erste fein, der uns Glück wünscht." „So ist es recht!" —

Während dieser stürmischen Scene in der Küche, bie mit bem VersöhnungSkuffe enbete, fiel eine ähnliche Scene zwischen dem Major unb seiner Gattin vor, nur mit bem Unterschiede, daß sie nicht versöhnend schloß.

Als der Major in das Wohnzimmer zurückkehrte, fand er seine Gattin in einer Aufregung, die ihn be­fremdete, weil er sie nicht gewohnt war.

Er ahnte nicht, daß e« eine künstliche Aufregung war, daß Frau von Barnitz Comödie spielen wollte,

in der Hoffnung, den Widerstand ihres Gasten dadurch leichter zu besiegen.

„Jetzt können wir nicht mehr zurücktreten, Lebe­recht", sagte sie, „der Baron von Menkstern hat um die Hand Herrninen's geworben."

Der Major verlor seine Fassung nicht, wenngleich auch diese unerwartete Mittheilung ihn überraschen mußte.

„So, so", erwiederte er kalt.

„Denke nur, der Baron von Menkstern, der schon im Laufe de« nächsten JahreS den Tstel „Excellenz" haben wird I" fuhr Frau von Barnitz fort. „Ich habe ihm natürlich meine Zusage gegeben."

„Das war sehr voreilig."

Frau von Barnitz blickte ihren Gatten an, als ob sie ihn fragen wolle, ob er wirklich diese Antwort ihr gegeben habe.

„Gewiß, sehr voreilig, Louise", wiederholte der Major. „Der Herr Lieutenant von Warndorff hat gewissermaßen, meine Zusage."

„Gewissermaßen!" entgegnete Frau von Barnitz achselzuckend. „Der Herr Baron hingegen —"

„Wird wissen, daß Hermine allein da« entschei­dende Wort zu sprechen hat."

„Hermine ist noch ein Kind!"

„Entschuldige, mit zwanzig Jahren ist man am Ende kein Kind mehr."

„Aber ich begreife nicht, Leberecht, daß Du hier noch zögem kannst, eine Wahl zu treffen."