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Xr. s» : Jliarßurg, Sonnabend, den 15. Februar. 1873.

Mterhesfische Zeitung.

tägli^ aug« den Wrrttagen nach Sonn» und Feiertagen. Preis für daS Quartal durch die Sxpedition (Koch'sche Buchdruckerei, bezogen 22t Sgr., durch die Postämter 27 ««r. (excl. Bestellgebühr und mcl. Stempelsteuer», für das Ausland excl. Stempel 22 Sgr. - Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 1 Sar

Sämmtliche Annoncen-Büreau» nehmen Inserate an.

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„Haben Sie noch keine Spur gefunden?* fragte Baron.

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Der Baron reichte dankend der stolzen Dame die Hand, er hatte erreicht, was er beabfichle.

„Pique König!* sagte der Major ärgerlich, indem er die Karlen hintegte. „Wie können Sic den König aufsptelen, da Sie doch wissen müssen, daß in meiner Hand nur noch das Aß ist. Warnvorff Sie spielen miserabel heute Abend."

Der Premier Lieutenant biß sich auf die Lippen, die vielen ungerechten Borwürs« erbitterten ihn.

„Pique Lehn und der Bube find auch noch zurück," entschuldigte er sich, „ich kann nicht wissen, in welcher Hand sie sich besinden.*

„Der Strohmann hat sie nicht," eiferte der Major weiter, „Sic spielen überhaupt heule schlecht."

„Seien Sie gerecht,* begütigte Warnderff, „seit dem Diebstahl ist Ihre Stimmung gereizt.*

* „Darin mögen Sie Recht haben, aber ich denke, unsere Whistpartie kann das nicht alteriren. Wenn

Karten ruhen, morgen gibe ich Ihnen Revanche, Herr Baron."

„Nein. Auf wen soll ich ihn werfen?"

„Nun der Dieb muß genaue OrtSkenntniffe ge­habt haben."

Der Major seufzte.

„Wenn sie nicht inzwischen vernichtet ist!" sagte er.

„Aber ein solcher Barbar wird der Dieb doch nicht sein."

Die Herren hatten ihr Hüte genommen, um sich zu verabschieden; eS war schon ziemlich spät.

An demselben Abend halte Christine den Feldwebel Kniffler eingrlavrn, und da sie den gestrengen Herr«

„Gewiß, Herr Baron," nickte Frau v. Barnitz

>h>n zu, „nicht Hermine allein, anch wir müssen uns

ob fle dem Landtag darüber eine Mittheilung ju machen gedenke.

Gotha, 13. gebt. Bon der neuerdings wieder gemeldeten Verlobung des Herzogs von Edinbutg mit der russischen Großfürsten Marie ist denjenigen hiesigen Kreisen, welche davon unterrichtet sein müßten, nichts bekannt.

Darm^aht, 13. Februar. Die Ständekammer wird Mittwoch den 19. d., behufs Berathnug der landständischen Geschäftsordnung, wieder zusammen treten.

Straßburg, 12. gebt. Der Telegraph meldet bereits die Entdeckung einer Zweigniederlassung eines Pariser Vereins, der eS sich zur Aufgabe stellt, el- säistschen Deutlern ihre Kindern abzulccken, um sie in Frankreich erziehen zu lasten. Als Vorstand dieses Vereins wurde schon früher der Marquis de Gouvello bezeichnet, doch hielt man das Gerede von der Existenz eines solchen Vereins überhaupt für ein Märchen, das nur in der Einbildungskraft Irgend eines phan­tastischen Gaüomancn existire, und wollte nicht an die Wirklichkeit dieses Modernen p.>triotischen Menschen­handels glauben. Ein Zufall aber hat dies Unglaub­liche als Thalsache festgestellt. Eine Mutter nämlich empfand Reue über Die Weggabe ihres Kindes und wendete sich mit ihrer Klage an die hiesige Polizei. Aus den Reden der grau erhellte, daß nicht nur daS Pariser Comite des Marquis de Gouvello existire, sondern daß ihm sogar in hiesiger Stadt ein Zweig- comite zu dem edlen Zwecke, den er verfolgt, Hand­langerdienste leiste. Sofort wurden Haussuchungen vorgenommen, welche die erstaunlichsten Ergebnisse liefet« len. Die birecte und mdirerte Thcilnahme an diesem gemeinnütz gen Unternehmen erst, eckt sich laut der bis jetzt autgefunvenen P.ipicre zwar nur auf Einzelne; aber es sind sehr bekannte Namen darunter.

AuSlanr.

Wien, 12 gebt. Der entscheidende Minister- rath über die Wahlreform hat endlich, wie die „N. fr. Pr." erfährt, unter Vorsitz des Kaisers in der vofdurg stattgefunden. Der Kaiser ist mit Form und Inhalt des minffterieüen Elaborats einverstanden, und die definitive formelle Erledigung beffelben aus der Eabinetskanzlei ist in kürzester Zeit bevorstehend. Die Diovifikationen des ursprünglichen RegierungselaboralS lino unwesentlich; rat Ganzen find sechs Abgeordnete-

Der Freiherr v. Wittgenstein verbeugte sich zu­stimmend.

Deutsch»- Reich.

•# Berlin, 13. gebr. DaS neue Reglement für die Rapporte über die Thätigkeit der Militär-Laza reibe und den Gesundheitszustand der Armee, welche dem Kriegsministerium zu erstatten fikid, wird den localen Einstüffen auf den Gesundheitszustand be= sonders Rechnung tragen. Es soll aus den hiernach abzufaffenden Rapporten leicht erkennbar sein, ob die besonderen Verhältniffe eines Garnisonorts einen nach theiligen Einfluß auf die Gesundheit des Militärs atieübcii. — Die Aeußerungen der „Prob. Corresp " über die Verhandlungen und Vorgänge im Abgeord- nctenhau|e sind von dem größere» Theil der Preffe richtig dahin verstanden worden, daß die Regierung selbst Schritte zu thun gedenkt, um dem allgemeinen Verlangen «lach Abhülfe und Bürgschaft gegen Wie Verholung der zur Kenntniß gekommenen Mtßftände volle Genüge zu keiften. Die meisten Organe der Preffe haben auch, wie man anerkennen muß, ohne durch voreiliges Drängen und Krinstren der Regie nmg die Erfüllung ihrer Pflichten zu erschweren, im Ganzen in angemessener Weise die ganze Angelegenheit behandelt, und die Presse hat dadurch sich selbst ge­kehrt, daß sie j.der Veisuchung, die Thatsachen auf das persönliche Gebiet zu ziehen oder zum Scandal herabzuziehen, würdig widerstanden hat. Wenn von einigen Seiten. wieder gegen die officiöse Presse der Vorwurf ausgesprochen worden ist, daß diese eS un ter taffen habe, durch klare Hervorhebung der In tentivn« und Auffassung Der Regierung die öffentliche Meinung möglichst zu beruhigen, so muß man daran erinnern, daß in so visficiler Angelegenheit die strenge Beschränkung auf die thatiächliche Grundlage besonders geboten ist. Ohnehin wird leider, wie auch früher Rfchehen, oft der ofsiciöien Presst aufgebürdet, was andere Eorresponventtn geschrieben, die entweder gar nicht aus osficiellen Quellen ihre Information erhalten oder doch wenigstens nicht in der Lage find, den Auf faffutigeu und Absichten der Gesamml Regierung einen zutreffenden Ausdruck zu geben. Wenn die „Nat.-Ztg." läugnet, daß einige wenige Blätter versucht hätten (ine politische Färbung der Angelegenheit zu geben, die ganz besonders von solcher Beimischung fern ge­halten werden sollte, so hätte sie nicht läugnen, son­dern relativ von sich sagen sollen, daß sie solche Ver-- l suche nicht bemerkt habe. Im Allgemeinen ist ja von

„Und Warndorff?"

„Ah er wird Ihnen nicht iw Wege stehen.

„Ter Herr Diajot begünstigt ihn."

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Die Bauernfänger.

Novelle von Ewald August König. " ' '

M ;a (Fortsetzung.)

Frau von Barnitz schüttelte daS Haupt, ein trium Hkenvea Lächeln umspülte ihre Lippen. ,

„Ganz recht, eben deshalb weide ich irre. Mein Bursche ist zu dumm, und aus Bosheit wird er mir einen solchen Streich auch nicht spielen."

„Und doch war es nichts weiter, als ein boshafter Streich/' warf Frau v. Barnitz ein. „Ein gewöhn­licher Dieb würde das Silbergeschirr den Stegelab- : drücken vorgezogen haben."

„Sie haben eine Belohnung ausgesetzt?" fragte Der Baron.

„Hundert Thaler, ich werde die Summe verdoppeln, sobald ich glauben darf, dadurch meinen Zweck zu er­reichen."

allm der Regierung nahestehenden Organen auch die ' würdige Haltung der Preffe anerkannt worden

Wir können Übrigens in bestimmte Aussicht stellen, ' daß die Regierung direkt dem Landtag schon in den nächsten Tagen volle unumwundene Erklärung machen wird, die geeignet sein dürste, alle Zweifel über den ernsten Willen zu nachdrücklicher Abhülfe zu beseitigen. Möglicher Weise wird dies in etwas anderer Form verfolgt werden, aber in der Sache gewiß mit durch­schlagender Wirksamkeit, wie man <s zu erwarten be rechtigt ist. —- Ueber die Entschädigung, welche der Staat den beschädigten Bewohnern der Ostseeküste be­willigen wird, ist in nächster Zeit schon eine Vorlage zu' erwarten. Der Gesammtschaden ist amtlich in Höhe von 2^2 Millionen Thaler ermittelt worden Eine halbe Million, rechnet man, würden die Be wohnet der Küsten aus eigenen Mitteln aufzubringen im Stande fein, ferner kommt der Ertrag der 6 ff ent lichen Sammlungen daran in Abzug, für den Rest würde der Staat einzutreten haben. — Die Vereini­gung brr höchsten Gerichtshöfe, des könizl. Obertri bunalS und des Oberappellaticnsgerichts, ist nicht, wie Manche fürchteten, aus unbeftimm.e Zeit verscho­ben, sondern die Vorlage zur Ausführung wird bereits ausgearbeitet.

— Die „Volkszeitung" meldet in ihrer Post Aus gäbe, daß die vereinigten Vorstände ter Berliner Landtags-Wahlbezirke nach Berathung mit den D.le- girten der Fortschrittspartei im Landtage beschlossen haben, von enter Feier oeS 18. März Abstand zu nehmen.

©Ibtttlmrg, 10. gebt. Der feit dem 31. De cemder v. I. venagt gewefene Landtag trat in Folge einer Präitdialeinlavung heute Vormittag 10 Uhr wieder zusammen. An wichtigen Vorlagen find in Aussicht gestellt: die mit Preußen abgeschlossenen Ver­träge , betreffend die Eisenbahn Osnabrück und die Weiterführung der Lahn Olvenburg-Lecr nach Holland, io wir eine Gesetzvorlage, betreffend die Theilung der Marken.

Brauuschwcig, 12. gebr. In der heutigen Sitzung des Landtages wurde von den Abgeordneten Koch und ©erraffen eine Interpellation an das Staats­ministerium gerichtet, ob und welche Maßregeln die Regierung gegen den deS AmtSmißbrauchS angefchul digten Kammerdirector v. LShneifen ergriffen habe und

„Herr Baron, könuen Sie in allem Ernste glou Ku, daß ich über die Hoffnungen lachen würde? ' fragte sie „Ich kannte sie, ehe Sie durch verstohlene Aeußerungen sie verriethen und ich habe mit inniger Breube den Augenblick erwartet, in welchem Sie ihnen Worte leihen würden."

Der Baron fchiew freudig überrascht, fein düsteres defichl erheiterte sich. .

„Darf ich Ihnen glauben ?" fragte er. „Darf ><b wirklich noch immer die Hoffnu^ hegen, daß mein fettster Traum sich verwirklichen werbe?"

Der Major schüttelte den Kops.

„Seit drei Tagen setze ich alle Hebel in Bewe­gung, aber eS will mir nicht gelingen, das Räthsel lju lösen," erwiderte er.

.Merkwürdig in der Thai bemerkte der Freiherr.

„Glauben Sie das nicht, mein Gemahl achtet und uebt de» Lieutenant, ober seiner Freundschaft zu Warn Mf wird et das Glück seines KindeS nicht opfern, und dann, Herr Baron, wenn ich meine Einwilligung Men habe, so —'

»Fräulein Hermine —"

^„Jst meine Tochter und ein seht verständiges „wrerrwurvig in o« «.ym i veme

Ich rede noch heute mit meinem Gemahl und „Haben Sie denn keinen Verdacht?" M die Ueberzeugung, schon morgen die Ehre zu *^en, Sie al« den Berlodten Herminmö begrüßen

können."

„Es ist ein dunkles Räthsel", sagte Warndorff, „ich hege noch immer die feste Ueberzeugung, daß eine ganze voitreffuch organiftrte Bande hier ihr Unwesm treibt. Dem Wirken dieser Bande schreibe ich den größeren Theil aller in den jüngsten Wochen verübten . . . „ Verb rachen zu. Möge es der Polizei bald gelingen,

eS ^jhnen recht ist, meine Herren, lassen wir die diese Bande anfzuheben!"

Karten ruhen mnraen a.h, irfi ^hn,n »«nA. r», „Darin stimme ich Ihnen bei", erwiederte der Baron, „ich versichere Sie, daß ich, sobald ich meine Thätigkeit im Ministerium begonnen habe, meine ganze Ausmerkiarnkeit dieser Angelegenheit widmen werde. Vielleicht gelingt es mir alsdann, Ihnen die Wappen­sammlung zurück zu verschaffen, Herr Oberstwacht­meister."

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