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Mr. 38

Marburg, Freitag, den 14. Februar.

1873

OderhesWe geitiug.

Srf&eint tLalick außer d«n Werktagen nach Sonn- und Feiertagen- Preis für daS Quartal durch die Expedition (Kock'sche Buchdruckerei» bezogen 6er., durch die * 1 Wnftämter 17 6er. (erd. BesteTachtchr und ind- Stempelsteuer», für das Ausland excl- Stempel 81 6gr. — JnsertionSgebühr für die gespaltene Zeile 1 6gr.

Sämmtliche Annoncen-BüreauS nehmen Inserate an.

Deutsches Keich.

•• Berlin, 12 iti'br. Im Vordergründe des politischen JntereffeS steht roch immer die LaSker Wagenel'sche Angelegenheit. Au» die heutige„Prov.- Cerresp." beict öuti-t sich »ast ausschließlich mit der, selben. Nachd.m sie e,st rin durchaus sachliche« Re- sumc der ganzen Vor. äuge gegeben und die Erwibe rung d.S Mi'i'st.'P'Sfi .ulen wiig.theilt, führt sie au«, daß die B-deutuug der Lasker'sthen Rede weniger in der Perjouenirage, al« im Hinweis aus die Schäden Mich Versuchungen unirre» VerkehrSledenS bestehe. Sie erflärt, daß ee >me Ehrensache für die Regierung sei, durch vollständige Darlegung aller ihrer Schritte (— bezüglich der Eijenbahuverwaltung —) die Le denken in Betreff der Vergangenheit möglichst zu ent hitttn und gleichzeitig dein Lande volle Beruhigung über die fernere feste und kiarbewußle Fühlung des wichtigen Verwallungszwkige« zu gewähren. Ter ernste, patriotische Geist, in welchem die Frage bisher be handelt worden ist, dürste als Bürgschaft gelten, daß auch über da« weitere Vorgehen eine verlrauenSvoUe Verständigung znischen der Regierung und b,r Lanoc«, Vertretung erreicht werde. — Das halbosficielle Blau hält e« ferner für sehr zweifelhaft, daß die Berachnng de« gefammten Etat« schon bis zu dem für die Be, rufung de« deutschen Reichstages in Aussicht genom menen Zeitpunkt erledigt werden könne. — Die „D. R 6", der häufig die unverdiente Ehre wieeerfährl, für ein osficiiie« Blatt gehalten zu werken, meldet, daß der Geh. Rath Goltz au« dem hiesigen Polzci-Prä fidium zum vorrragmben Rath im Siaatsministerium designirt fei. Tiefe Nachricht, ist unrichtig; allerdings nat einmal davon die Rede, doch ist jetzt eine andere Persönlichkeit in Aussicht genommen. — Dem Bun deSrathe war bekanntlich Seiten« de« ReichskanzlerS ein Gesetzt ntwurf, betreffend da« Eigrnlhum an den von den Verwaltungen des Reiches befeffenen Grund­stücken der einzelnen BunkeSstaaleu, zugegangen. Die Ausschüsse für Justiz- und Rechnungswesen haben

nun beim BundeSrathe beantragt, dem im Einzelnen mehrfach modlficirten Gesetzentwürfe feine Zustimmung zu geben.

— Die Vorgänge im Abgeordnetenhause am Freitag — schreibt die .Pro» Corresp." — haben aus allen Seilen einen tiefgehenden Eindruck gemacht und eine lebhaite Erregung hervorgerufen. ES ist hierin zunäa st ein erfreuliches Anzeichen zu erkennen, baß unser Volk in fast olhn Kreisen eifersüchtig ist auf die Bewahrung der sitilichen Grundlagen des SlaatSlebenS, auf welchen die gesegnete Ent>eickelung Preußens von jeher beruhte und ohne deren Erhaltung und Befestigung der glänzendste äußere Aufschwung kein wirklicher und dauernder Gewinn für unser Pate,land wäre. Je m hr die neusten Eisolge Preußen« und die mit denselben gewonnenen Voriheue aus finanziellen und volkswirlhschasttichem Gebiet, zngletch mannigfache Bersua ungen und Gefahren in ctui gesamt» ten Verkehi sieben erzeugt, und die Neigung zu raschem, leichten Gtwinn in weiten Kreisen ver bieilel haben, desto mehr wild eS in d.r Thal ein gemeinsame Pfiichl aller derer, welche zur Arbeil für oaS Wohl des Staates berufen find, der Ausdehnung jener Gefahren durch Llärkung der öffentlichen Moral einen Lamm entgegenzusetzen. Die« vor Allem ist Die* große Bedeutung des Weck, und MahnruiS, welchen der Abgeordnete Laster in so eindringlicher Weise Hal vernehmen lasten, und diese Bedeulung ist zunächst unabhängig von den Person.nfragen, um welche eö sich de, den bezüglichen Vorgängen handelt. Die öffenl.iche Gefahr würde freilich unvergleichlich größer jein, wenn sich das preußische Beamlenthum in jene bedenkliche Enlwickelung de» Perkehrslebens mit hineinziehen unv seinen blSH rigen Ruf amtlich r Reinh.it und Ehrenhastigkeit einem Makel oder Z veifel auSjetz n ließe. Die ruhmvolle Entwickelung des preußischen Staates beruht auf den zwei sicheren Säulen feines Heerwesens und feines B.amlenihums; keine derselben darf in ihrer Festigkeit erschüttert

werden, wenn nicht die Zukunft deS Staate» pieiSge- geden werde» soll. Der Abgeordnete Lasker bat in da kenS- werther Weife wiedeiholl und „mit wahrhaftem Stolze" hervorgehoben, daß alle feine Unteisiichungen ihm ein Anzeichen wirklicher Korruption in den Beamtenkreisen nicht ergeben haben Wenn er scl were Anschuldigungen gegen einen hochgestellten Beamtin erhoben hat, so be­ziehen sich diese nicht auf den Kreis der eigentlichen amt­lichen Wirksamkeit bi fff (ben, sondern auf eine Thäiig« feit, welche et a<S Privatmann geübt haben soll. Allerdings wird durch die Ainchuldigungen die Würde ces Beamten so schwer getroffen, daß eS sich bei der unerläß ichen weiteren Untersuchung Der Angelegenheit in Wahrheit um die Ehre des gefammten preuß schen Be^mtenstandeS handelt Zunächst liegt nur die schwere und scharfe Anklage vor, und der Minister- Präsident mußte darauf Hinweisen, daß es vor jedem weiteren Schrille g.beten s,i, vor Allem auch den ankeren Theil zu hören; — ober mit Recht kurst« Gras von Roon zugleich für die Regierung das Ver­trauen in Anspruch nehmen, daß sie selbst ebenso ernst und tief wie alle Patrioten davon durchdrungen sei, oaß unser Beamlenthum nicht korrumpirt werden ober auch nur konumpirt erscheinen Düne Es ist ferner gegen Die Eisenbahnverwaltung der Vorwurf erhoben roeiDen, daß sie durch Mangel an Umsicht und Kraft dem Einrelßen der erwähnten Schädin Vorschub ge­leistet habe. Auch in diesem Punkte wirb es eine Ehien ache für die Regierung fein, durch vollständige Darlegung aller ihrer Schritte die Bedenken in Be­tr.ff Der Vergangenheit möglichst zu enifräften und gleichzeitig dem Lande volle Beruhi.iung über die fer­nere feste und klarbewußte Führung ceS wichtigen Verwaltungszweiges zu gewähren. Wenn Die Staat«> regierung hoffen Darf, durch ihr eigenes V.rharten in beiDeii erwähnten Richtungen bas Vertrauen Der Lan- desverrrelung neu zu beleven und zu stärken, so wird es gewiß auch gelingen, bei ber weiteren g meimatnen Wahrnehmung der Interessen des Landes Schritte zu

Dir vaucntsiinger.

Novelle von Ewald August König.

(Fortsetzung.)

Außer dem Wirth befand Niemand sich in diesem Zimmer und Peter Baumann sragte sie so ruhig nnv gleichgültig nach ihrem Begehr, als ob er gewohnt sei, selten einen Gast in seinem Hause zu sehen.

„Gebt un» zwei GlaS Bier," erroibertc Hugo.

Der Wirth schritt langsam in einen anstoßenden Raum und öffnete bie Thür so weit, daß die Beiden hineinschauen konnten, ohne deshalb näher treten zu müssen.

„Da haben wir'« ja,* flüsterte Hugo, „da» Ge­sindel versammelt sich in einem Raume, ter un« und sogar der Polizei unzugänglich ist."

„Ich werde ihn finden," knirfchte Franz.

„Du wirst Alle« verderben, jetzt überlaß die ganze Sache mir und geh aus meinen Plan ein."

Ter Wirth kehrte zurück, er stellte die Gläser hin und warf verstohlen einen lauernden Blick auf Hugo, den er sofort wieder erkannt hatte.

„Heute ist'S gemütlicher hier", sagte Hugo, wäh rettb er das GlaS an die Lippen führte, gestern Abend hattet Ihr einen unheimlichen Gast."

Peter Baumann zuckte g«ingschätzend die Achseln

„Der kommt oft", erwieberte er gelassen, „ich bin en ihn gewöhnt unb sehe ihn ab und zu gern."

„Wohl um ihn aufzuziehen?"

„Wüßte nicht, welche Ursache ich bazu hätte!"

„Nun, er kommt boch nur in Der Absicht, sich ba- tflber, waS in diesem Hause vergeht, Gewißheit zu verschaffen?"

„Glaubt Ihr?" fragte ber Wirth ruhrg. „Was foB Denn in biesem Hause vorgehen?"

Jetzt zuckte Hugo die Achseln, aber in dem Blick, den er dabei dem Wirth zuwarf, lag eine Antwort, deren Bedeutung Peter Baumann nicht mißverstehen konnte.

„Ihr scheint auch an die verleumderischen Gerüchte iH glauben, die man über mich auSgkftreut hat", fuhr der Wirth fort, ohne die geringste Erregung zu ver-

raiheti, „nun, nach Belieben, aber ich ralhe Euch in meiner Gegenwart sie nicht zu wiederholen, eS könnte Euch übel bekommen."

Franz wollte zornig auffahren, rin heimlicher Stoß seine« Freundes ei mahnte ihn ruhig zu bleiben.

„WaS liegt mir Daran, wie die Leute über Euch sprechen", erwieberte Hugo gleichmüthig, „wenn ich mich Darum bekümmerte, würbe ich wahrhaftig nicht «eute Abend Euer HauS wieder betreten haben. Ich meine, daraus müßt Ihr entnehmen, was ich beab sichtige."

„WaS Ihr beabsichtigt, weiß ich."

„Nun denn?"

Hugo blickte den Wirth bei diesen Worten an, ol» ob er erwarte, daß Peter Baumann sich sofort erheben und ihn in die Geheimnisse seines Hauses ein weihen werde.

Ein Lächeln de» Hohnes glitt über da« feiste Ge­sicht des WiltheS.

„Nun denn?" wiederholte er spottend, „eS ist Eure Sache, zu versuchen, ob Ihr Eure Absicht er reicht"

„Kann ich eS, wenn Niemand mir den Weg zeigt?"

„Oho, das soll ich wohl besorgen — wie?"

„Natürlich."

AlS bie dichten Rauchwolken, hinter denen der Kopf DeS WirtheS verschwunden war, sich verzogen hatten, sahen die Freunke die kleinen stechenden Fuchs augen mit einem unbeschreiblichen AuSoruck bee Hohnes auf sich gerichtet.

„Also ich soll Euch alle Thüren öffnen, bamh Ihr nach Herzensluit spioniren könnt?" fragte Bau mann sarcaftisch. „Nachdem ich da» sogar meinem viel lieben und theuren Herrn Polizei Eommissär ab­geschlagen habe, könnt Ihr es wahrlich nicht ver.angen."

Hugo war bestü.zt. Diese Antwort hatte er nicht erwartet.

„Wenn Ihr glaubt, bas sei meine Absicht, so irrt Ihr", erwieberte er. „Ich will gern Geld verdienen, viel Geld, unv da glaube ich, daß Ihr am besten mir dazu verhelfen könnt."

„Arbeitet!"

„Das will ich ja, aber ich möchte zuvor gern wiffen, welche Arbeit am lohnendsten ist."

„Da müßt Ihr ankere Leute fragen."

„Weicht mir nicht aus, Ihr versteht mich sehr gut. Sprecht mit Euren Gästen, er er führt mich zu ihnen, bann will ich selbst mit Ihnen reden."

„Teufel, wie fit-lau!' lachie ter Wirth. „Ist da» Alles, waS Ihr auf dem Herzen hobt? Ihr seid boch der Geselle deS KüppermeisterS Schiffer? Na, und Den SolDat kenne ich auch, er ist Der Sohn Eure» Meisters."

„Es ist wahrhaftig keine Ehre, von Euch g kamst zu fein“, fuhr Franz auf, unfähig, länger an sich zu halten.

Der Wirth nickte, fein Helle» Lachen reizte ben heißblütigen Füsilier.

„Oh — unv Eure schöne Schwester ist mir auch nicht unbekannt!" spottete er. „Wie schade, daß Ihr sie nicht mitgebracht habt, ein lustige» Mädel sehe ich gern in meiner Bude."

Das war zuviel, im nächsten Augenblick blitzte bet Säbel in ber Hand de» Füsilier».

Der Wirth ergriff einen Stuhl, er schien auf solche Fälle stet» vorbereitet zu fein

Hugo warf sich zwischen bie Beiden.

„Ihr seid ein Flegel", rief er bem Wirth zu, . wagt Ihr noch einmal ben Ruf eine» tugendhaften Mädchens zu beschimpfen, so —"

„Nur immer zu," fiel Baumann ihm gelassen in» Wort, „ich likhm'S mit Euch Beiden auf."

Franz wollte auf ihn einbringen, Hugo hielt ihn zurück.

„Komm, wir würben ben Kürzeren ziehen," sagte er, „wir sind nicht allein, eS wird siet» wohl später eine Gelegenheit finden, ihm die Gemeinheit heimzu­zahlen." *

Bebend vor Wuih liefe sich Franz hinauSführen; da« Hohnlachen de» WirtheS schallte ben Beiden nach.

„Zur Polizei," sagte Hugo, „sie muß da» Netz