Marburg, Donnerstag, den 13. Februar.
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Erscheint täglich außer den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal durch die Expedition (Kock'sche Buchdruckerei» bezogen 22s Sgr., durch die Postämter 27 Cgr. lexcl. Bestellgebühr und incl. Stempelsteuer», für das Ausland excl. Stempel 22 Sgr. - Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 1 Sgr. Sämmtliche Annoncen-Büreaus nehmen Inserate an.
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»Jetzt spottest Du, ^ohl um mich zu reizen.
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»Nun, rS war ja vorauSzusehen, ich hätte nicht chöricht sein sollen."
»Hugo, sag' mir Alles."
»Wa« ist da viel zu sagen?"
«Sie hängt noch an dem Windbeutel?"
»Ja."
»Toll ihn das Gewitter —"
»Ereifere Dich nicht, unser Herrgott hat'S einmal
thurns! Ein „Mojunke" bringt Alles fertig, auch die Stellung zwischen den Haussiers der Berliner Börse und den Gesetzen über wissenichaftliche Ausbildung der Theologen. Was sollen aber die Leser der „Germania" angesichts solcher Deduktionen über deS Papstes Lieb ling, den Erzschwindler Langranv Dumonceau und die ultramontanen Dachauer Schwindeibanken in Baiern sagen? Hal die „Germania" in ihrem Eifer, auS der jetzigen parlamentarische»» Affaire „für sich Kapital zu »chlagen", den päpstlichen Liebling und Urgründer Langrand ganz vergessen? — Die „Spenersche Zlg." meldet, daß, wenn auch nicht definitiv ernannt, doch in Aussicht genommen sei als Oberpräsident für Han nover Gras Eulenburg, d. z. Bezirkopräsident in Metz, für BreSlau Landesvirector v. Seydewitz, für Sachsen Minister a. D. v. Patow, und für Posen, wie wir gestern schon meldeten, Oberpräsident v. Horn. Dies» »st, wie wir hören, begründet. Nur über die Nach folger der für Posen und Hannover designirten, dürste die Meldung nicht berechtigt sein, wenigstens nur als Möglichkeit mit Vorsicht aufzunehmen fein. — Die Blätter, welche wieder einmal Herrn Meding als Uirterhändler über den WelfenfondS für bei» Exkönig Georg austreten lassen, sind schlecht genug unterrichiet denn es »st bekannt, daß Meding'« Verbindung mit König Georg gänzlich abgebrochen ist schon seil langer Zeit.
— Der BungeSrath hat in der Sitzung am 10 b. M. dem Anträge des Präsidiums enllprechend beschlossen, daß der Entwurf einer Strasproz.ßorenung einer auS deutschen Juristen bestehendeir Eommission überwiesen werde und den Ausschuß für Justizwesen beauftragt, Vorschläge wegen Zuiammenjctzung dieser Commission zu machen.
Dresden, 10. Febr. Die Zweite Kammer hat in ihrer heutigen Sitzung die Gesetzentwürfe über Oe ganijalion Her Behörden nnd Bezirksverlrerungen. die ireue Lairdgemeindeordnung und das Gesetz, betreffend vas Venahren in VernallungMeafsachen in der von der gemeinsamen Deputation der Ersten und der Zweiten Kammer vereinbarten Fassung angenommen, so daß die,e Gesetze nunmehr perfect stiid.
Weimar, 9. Febr. Seilens des Departements des Eutins in unserem Mininerium sind dre Gründ züge eines Ges.tzentwurfs über das Volkaschulwesen im Großherzoglyum aufgeslelll worden. Dieselben
„Dann heiralhe meine Schwester."
„Mach' keine faulen Witz', bei Gott ich — aber Mensch ist ja in Stettin I"
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„Nein Franz," erwiderte Hugo ernst, „da sei Gott vor, daß ich Dich zu einem Verbrechen verleiten sollte."
„Aber fort muß der Kerl, ich leide nicht, daß er Helene heirathet, nur Tu darfst mein Schwager werden —"
Deutsches Reich.
•• Berlin, 11. Febr. Das Abgeordnetenhaus hat heute die Erledigung seiner Tagesordnung ohne Zwischenfälle von betonterem Interesse sich angelegen sein lasten; die nächste Sitzung wird Donnerstag stall finden und soll der Etat der Eisenbahnverwaltung auf der Tagesordnung jein. — Heute hat in den Räumen de- Abgeordnetenhauses eine Sitzung deS Staatsmini fteriums ttattgefunden, welcher auch Fürst Bismarck beigewohnt hat. De» wesentlichsten Gegenstand der Berachung soll die Frage gebildet haben über die Stillung und Maßnahme der Slaatsregierung gegenüber dem Lasker'schcn Antrag auf Einsetzung einer parlamentarischen UntersuchungS Commission über die Lerleihung der qu. Concessioiien zu Eisenbahn-Unter nchmungen. Was jpeciell die Angelegenheit deS Geh. Reg. Rath Wagener betrifft, dürfte den verschieden- artigen verfrühten und unbegründeten Meldungen über den Stand der Sache eine wiederholte Hinweifung auf unsere gestrige bezügliche Mittheilung berechtig, sein. Nach dem schon im Abgeordnetenhaus vom Herrn Ministerpräsidentm Grafen Roon aufgestelllen Grund jatz: „audiatur et altera pars“, ist selbstverständlich dem Geh. Rath Wagemr zunächst die Aufforderung zu einer detaillirten Auslastung über die erhobenen Beschuldigungen zugegangen und erst nach Eingang der Antwort wird das Ministerium über weitere Maß nahmen sich schluffig zu machen haben. — Der Abg. Lasker dürfte jetzt wohl auch zu dem Stoßs.usz.r: „Golt bewahre mim vor meinen Freunden!" sich veranlaßt fühlen, wenn »hm die Bestrebungen eines Theile« der liberalen Presse vor Augen kommen, welche auf eine Vermischung des LaSker'scheu • Vergehens gegen Auswüchse »es socialen und GeschästSledenS mit poiili chen Tencenzen gerichtet sind. LaSker selbst hat anerkentienSwerther Weife sich entschieden gegen Ber- mschung fremdartiger Bezi> Hungen in die von ihm vertretene Angelegenheit verwohn. Dieß sollten doch auch seine Parteigenossen und Anhänger in der Presse sich zur Nachachtung dienen lassen. Eine allgemein belustigende Wirkung hat dagegen 6er heutige Leilar trkel der ullramoutanen s. g. „Germania" hervorge bracht; mit ganz ernster Miene versucht die „Germania" ihren Lesern vorzudemoirstriren, die Exciste unsere« Gründerthums seien die Folgen unserer gejetz lieben Maßregeln gegen die Uedergriffe deS Papit-
gewollt, wir können nichts dagegen machen."
»Ich schlage den Kerl tobt!" brauste Franz auf.
»Und was gewinnst Du dadurch? Sei kein s*a*T, wenn'- darauf ankommt, thust Du e« ja doch Nicht."
flei- ich-, tim ßer kein ohl- ttel, hcn
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„Franz, kannst Du schweigm ?" fragte Hugo nach einer geraumen Weile.
„Wenn es sein muß."
„Ja, eS muß fein."
„Tann kann ich eS auch."
„Und willst Du mir beistehen, dm Handlungsreisendm zu entlarven, Deiner Schwester die Augen über ihn zu öffnen?"
„Gewiß will ich daS."
„Gut, dann höre."
Hugo theilte nun seinem Frmnde die Unterredung mit dem Polizeibeamten mit und sprach'seine Ansichten und Veimulhungen unverhohlen aus.
„Wir müssen ihn beobachten," schloß er, /wir müssen uns Gewißheit verschaffen, ob Deine Schwester in jener Spelunke mit ihm zuiammenkommt, und dann — sieh, eö widerstrebt mcimm Ehrgefühl, einen Mm schen durch Verrath der Polizei zu übe, liefern, ober hier mache ich eine Ausnahme, das Glück Helenen'S hängt davon ab "
Bestürzt hatte Franz zugehört, eine namenlose Wuth bemächtigte sich seiner.
„Und Du sprichst noch von Ruhe?" fuhr er auf. „Mit meinen Händen möchte ich ihn erwürgen; es unterliegt ja keinem Zweifel, daß er meine Schwester
Die vilttentf-Ntzer.
Novelle von Ewald August König.
tFortietzung.)
„Also darf man gratuliren?"
„Wozu?"
„Zu Deiner Verlobung —"
„Franz, ich bitte Dich, treibe feinen Spott mit «ir, ich bin, weiß Gott, nicht dazu aufgelegt."
„Spott?" erwiederte Franz, betreffen über den Mistm Ton, den fein Freund anschlug „Du wirst doch nicht im Ernste glauben, daß ich da« beabsichtige?"
„Nein, aber e« klang wie Spott, da« kränkle mich."
„Hast Du denn mit meiner Schwester nicht ge- ttbft? Ich gab Dir doch die schönste Gelegenheit büp."
„Ich that e«." . ■
„Nun?"
„Der Korb war schon gepochten , ich nahm ihn ** trug ihn heim."
»Himmeltausend —*
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sollen nicht — wie eS in den Vorbemerkungen zu den begleitenden Motiven heißt — ein schon fertiger Gesetzentwurf, sondern eben nur Grundzüge zu linem solchen fein, d. h. nur die Hauptgedanken enthalte»), welche dem neuen Gesetze die Richtung geben sollen und vor Allem der Festhaltung bedürfen, ehe zur Ausarbeitung des Gesetzes im Einzelnen geschritten werden mag. Bei dieser Ausarbeitung selbst wird darauf Bedacht zu nehmen sein, in daS Gesetz selbst nur Dasjenige aufzunehmen, was der gesetzlichen Regelung nolhwendig bedaif, Alles aber, was mehr oder minder Sache der Ausführung ist, in eine umfaffmde AuS. sührungsverordnung zu verweisen. Die Grundzüge sind mit den Motiven, ähnlich wie dies gelegentlich Der Synodalverfassung geschehen, an diejenigen Behörden, welche durch die Schulgesetzgebung zunächst berührt werden, sowie an einige Sachveiständige ge. »endet worden zum Zweck einer gutachtlichen Aenßerung über dieselben, damit noch, bevor das Gesetz selbst au'gestllll werde, die Ansichten und Wunsche der be- thetligteii Kreise gehört und thunlichst beiücksichligt werben können. Die Grundzüge erstiecken sich auf die einsache Volksschule und die FoitbildnngSschule.
Konstanz, 11. Februar. Bei der gestrigen Abstimmung vourten 653 Personen gegen das Uniehlbar- keitsdvgma und zwar fallen hiervon auf die Spital- psarrei 168, auf die Slephanspiarrei 195, auf die Münsteipiarrei 290 Perfonen. Für das Dogma wurden 2 Stimmen abgegeben, wovon eine sich als ungültig eiwieS. Die Regierung soll um Ueberwrisung zweier Kirchen angegangen werden.
Stuttgart, 11. Febr. Die erste Kammer hat vas Retadlifsemenlsgesetz an die Finanz Eommission verwiesen. — Das heutige Bulletiii über das Befinden der Königin-Muiler besagt: Die Nachtruhe wurde oured wiederholte Hustenanfälle gestört, sonst ist daS Befinden unverändeet.
München, 10. Febr. Je näher der Zeitpunkt herankommt, wo sich die Telegirteu der druischen Staaten in Berlin versainmeln, um die Frage ter Reichseinheit zu fördern, desto lebendiger erwacht das Interesse an dieser großen nationalen Pflicht. Obwohl em abermaliger Wechsel der Ges tzgedung vielleicht in keinem Lande so mühevoll empfunden wirb, als gerade in Baiern, so darf man dock behaupten, daß die givße Majorität willig das Opfer biingt, daß eine in die Spelunke gelockt hat. Mag Gott wiffen, was zwischen den Beiden vorgefalleu ist."
„Hal, nicht weiter!" fiel Hugo ihm ins Wort. Helene ist ein braves Mädchen."
„Den soll ter Teufel hoien, der daran zweifelt. Aber in der Gewalt eines solchen Burschen —"
„Auch in der Gewalt dieses Menschen wird sie rein bleiben, Franz, ich vertraue auf ihr frommes, lugendhastes Gemüth."
„Nundaun könntest Du sie ja ruhig ihrem Schicksale überlassen," spottete Franz, „was mich betrifft, so —"
„Wirst Du keinen übereilten unüberlegten Schritt »Hut». Wir muffen diesen Manu entlarven, wir können es nur, wenn wir behutsam zu Werke gehen. Ueber- zeugen wir uns vor allen Dingen, ob er hier ist, ob er sine Spelunke besucht."
„Und dann?"
„Nun bann reden wir mit dem Polizeicommifsär." Gs war inzwischen dunkel geworden, ein feiner Negen rieselte auf die Beiden nieder, welche jetzt die Diebesherberge erreicht hatten
Es standen an dieser Gaffe mehrere alterthümliche Häuier mit hohen Fenstern, massiven Mauern und überwölbten Thorwegeii und ein solcher Thorweg. der Dem Lauscher ein vortreffliches Versteck bot, lag der Schenke Peter Baumanu's gegenüber.
Die Beiden traten hinein Hugo bat den Freund, Der seinen Groll und Haß nicht bemeistern konnte, sich ruhig zu verhalten.
Der schneidende Wind und die naffe Kälte machten den Aufenthalt au diesem zugigen Orte sehr unangenehm, aber was kümmerte es die Beiden, deren Gedanken sich so ausschließlich mit dem Gegenstände
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