pfr. Aät Marburg, Sonntag, den 9. Februar. 1873.
*|! Oterhessische Zeitnllg.
roe.ß sehr wohl, weshalb Hugo diese Änlworl erhallen Hal, ja, ja, ich weiß mehr, wie Ihr ahnt, aber wenn's mir überläuft, dann läuft es gründlich über! Kommt mir nur nicht mit dem Windbeutel, mit dem Herrn von Habenichts, der schon im schwarzen Huch stehl und demnächst wohl mit dem Zuchthause Bekanntschaft machen wird!"
Entrüstet blickte Helene zu dem grollenden Vater auf, Zornesgluth färbte ihre Wangen.
„In Stettin soll et sein ?" fuhr der Küppeimeister, sich mehr und mehr ereifernd, fort. „Pecstt die Maht- zeit, hier vagabundirt er umher, der s ub-re Patron, aber ich will ihm das Handwerk legen, sobald er mit begegnet."
„Ta schwätzest Du wieder einmal tn'8 Blaue hinein," erwiderte Frau Therese achselzuckend, „wer hat Dir diese Albernheiten ausgebunoen? Herr Liedrecht ist in Stettin unv efl geht ihm vortrefflich —"
Der Küppeimeister lachte hell auf, eS war ein erzwungenes, heiseres Lachen.
„Vortrefflich!" spottete er. „Ihr habt wohl Briese von ihm erhalten — he?"
Frau Therese biß sich aus die Lippe.
„Na, Zhr könnt eS nur dreist sagen, ich weiß ja doch, daß es Euch nicht darauf ankommt, hinter meinem Rücken Ränke zu schmieden unv mich zu be- trügene Man kann auch von hier einen Brief nach Stenin schicken und ihn dort zur Post geben. Himmel alle Welt, daß ich das erleben muß! Hätte ich boa> den Schwindelmeier hinousgeworfen, daß ihm die Rippen zerbrochen wären! Mein Kind, die Geliebte eines Vagabunden —"
„Vater!"
„Schweig', sich' auf meine grauen Haare, sie sind
in Ehren grau geworden, wer weiß, wie bald der Ku. mer sie gebleicht haben wiro."
„Man hat Dich belogen — *
„Der Polizeicommiffär lügt nicht. Er hat den sauberen Patron in eimr Spelunke angetrofst», die fein ehrlicher Mann betritt. Ich weiß, daß ich da» Alles in den Wmo hineinrede, Zhr müßi durch Schaden klug werden, ab.r Goll gebe, daß tchs nicht erlebe. Uno wenn ich die Schande erlebe, dann will ich hingehen und mir ein Grab bestellen, beim lange werde ich es dann nicht mehr machen."
„Schäme Dich, Peter, solche Worte zu reden", warf Frau Therese entrüstet ein. „Herr Liebrecht ist kein Vagabund, kein Betrüger, sondern ein ehrlicher, rechtschaffener Mann, der Helene glücklich machen wird. Dir ist er leider Gottes verhaßt, weil — nun ja, weil er an Bildung über Dir steht und dieser unversöhnliche Haß macht Dich taub und blind."
Peter Schiffer hielt gewaltsam an sich, er hätte Alles entzweischlagen mögen in seiner Wuth und Erbitterung.
„Da haben wir'S ja!" sagte er. „Mit ernsten Worten richtet man bei Euch nichts aus! Himmel alle Welt, wenn — na, wir werden ja sehen, ich halte die Augen offen und Gnade Gott dem Schlingel, wenn er mir in den Weg läuft."
Helene hatte nicht 6tn Muth, dem erbitterten Vater entgegen zu treten, und Frau Therese glaubte, mit einem Achselzucken der Geringschätzung über seinen Grimm hinweggehen zu dürfen.
«Sie gab ihrer Tochter einen Wink, bald darauf sah der Küppermeister sich allein in der Wohnstube, er konnte nun, wenn eS ihm Vergnügen bereitete, in einem^Stlbstgespräche seinem Groll Luft machen.
(Fortsetzung folgt.)
nate ihrer Strafe nachgelaffen. Große Theilnahme hat im englischen Volke das Schicksal des deutschen Predigers Dr. Hessel erregt, welcher, auf der Durchreise nach Brasilien in London sich aufhaltend, in Folge einer unglückseligen Verwechslung deS Mordes der Tänzerin Buswell angekiagt und mehr als eine Woche, in Haft gehalten wurde, ehe die Pedanterie oder Saumseligkeit der Polizei ihm gestattete, seine Entiastungs- zeugen veriiehmen zu lassen. Seine vom Anfang an nie bezweifelte Unschuld stellte sich glänzend heraus, und der Premierminister Gladstone ließ ihm das Bebauern über das Mißgeschick aussprechen so wie die Bertheidigungskosten und die Fahrt nach Brasilien für ihn und seine Gattin bezahlen.
Das dänische Folkething hat den Regierungs- Antrag auf Bewilligung von 17 Mill. Rvlr. zu Ver- theidigungszwecken nach der ersten Lesung dem Finanzausschuß überwiesen.
Der König von Schweden und Norwegen hat sich mit der Königin am 31. Januar von Stockholm nach Christiania begeben und dort am 3. Febr. die Session des norwegischen Storthings eröffnet In der Thronrede wurden folgende Gesetzvorlagen ange- kündigt: die nordische Münzconvention, neue Befesti gungen, Ausbau der Eisenbahn Christiania Dront- heim, Neugestaltung der Volksschulen, Aufhebung der Schulehaft re.
Die Laurionfrage in Griechenland ist ihrer Lösung nicht näher gerückt. Sicher ist nur das Eine, daß der Gesandie Oesterreichs, Baron v. Pottenburg, in der Sache mehrere Besprechungen mit dem Premierminister des Königs Georg gehabt hat.
In Kairo hat am 16. v M. die Hochzeit deS Prinzen Tewfik Pascha begonnen; die Festlichkeiten dauern drei Wochen. Auf der Insel Sarnos hat ein Erdbeben große Zerstörungen angerichtet. Das Telegraphenkabel, das zwischen Chios und Syra bereits gelegt ist, wird dis Smyrna oerlängett, so daß Konstantinopel mit dem griechischen Telegraphennetz in direkte Verbindung kommt.
Die rumänische Regierung hat die Vorlage, welche einige Bestimmungen des Strafgesetzbuches abändern sollte, wieoer zurückgezogen, nachdem die De- puiirienkammer sich für die Unzulässigkeit der Prä- ventivhaft in Preßangelegenheiten erklärt hatte.
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Politische Wochen-Uehersicht.
Im preußischen Abgeordnetenhause waren in Itr abgelaufenen Woche die kirchenpolitischen Regie- ntngs-Vorlagen an der Spitze der politischen Tages oronuug, und in ganz Deutschland eben so wie in Preußen wurden die betreffende» Verhandlungen der Commission eben so wohl wie die deS Plenums mit der gespanntesten Aufrnersamkeit verfolgt. DaS Plenum mhandelte die von der Commission für nöthig befun dcnc vorgängige Abänderung der Artikel 15 und 18 hr Verfafsungsurkunde in drei Sitzungen und erledigte m denselben unter großem Andrange von Zuhörern die geschäftsordnungsmäßigen drei Lesungen, und schloß mit der unveränderten Annahme der Commis- ßonSfaflung mit der Mehrheit von 245 Stimmen gegen 110. — Für den nahenden Reichstag werden bereits sehr wichtige Vorlagen in den Bundesraths- Susfchüssen vorbereitet, so namentlich bezüglich des Eingehens einiger kleiner Festungen und mächtiger Enreiterungen mehrerer größeren, für welche reiche Geldmittel bestimmt »erben sollen, so wie ferner be füglich einer zu beginnenden Reform der Reichs Eteuergesetzgebung mittels Ersetzung der Salzsteuer durch eine Erhöhung der Tabaksbesteuerung und Ein- sührung einer Börsensteuer.
Cis leithanien steht noch immer voll Er war hmg dessen, was die Wahlreform bringen soll. Mi uister Lasser hat täglich darüber Unterredungen mit dm Kaiser, auch fehlt ei nicht an Ministerraths jungen, aber „die Entschließung" will immer noch nicht aus dem kaiserlichen Cabinet „herabgelangen", Md man fängt an, sich darob zu langweilen und zu greifen, daß die cletical feudalen Einflüsse bei Hofe Wenn doch nicht bloße Chimäre sind. Arn Zustande- icmaien der Reform zweifelt jedoch die VerfaffungS firtei nicht.
Der schweizerische Bundesrath hatbescblösten, m Folge deS neuen Eisenbahngesetzes der Bundesver snmmlung in ihrer nächsten Session eine entsprechende »tue Organisation des Departements des BundeSraths «orzuschlagen. Der Streit mit der päpstlichen Curie ttnmt immer größere Dimensionen an
In der Schaebpaetie, weiche zwischen dem Präsi toten der Republik Frankreich und dem Dreißiger- ÜlSjchusse nun schon feit Wochen um die Herrschaft
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gespielt wird, wurde am 3. Februar ein neuer Zug gethan, aber die Entscheidung wiederum nicht erzielt Der Entwurf der Commission, über den Thierö sich auszusprechen hatte, fand der Form nach einen versöhnlichen Beurtheiler, in der Sache aber blieb Thiers auf dem Boden seiner letzten Botschaft. Thier« will die konservative Republik gründen, weil er glaubt, sie allein sei geeignet, dem zernffenen Lande Ruhe zu ver bürgen, die Royalisten wollen dies nicht, weil sie die Republik nur ai8 UebergattgSstand halten. Eine wirkliche Einigung ist daher nicht möglich, und das ganze Spiel dreht sich um die Frage, ob Thiers sich bis zu der Räumung des Gebiets und Denf'üUgenteinen Wahlen ohne einen offenen Riß behauptet, oder ob es bi« dahin den Royalisten gelingt, ihn lahm zu legen und ihre Restauratioiispläne zu verwirklichen
Das italienische Parlament hat die Berathung über daS Budget der öffentlichen Arbeiten zu Ende geführt und dasselbe mit 174 gegen 50 Stimmen genehmigt. Die Subskription für ein in Rom zu errichtendes Monument für Napoleon UL findet nicht die erwartete Theilnahme, obgleich die Regierung sich dem Projekte günstig zeigt.
Tie spanischen Truppen haben den Carlisten wieder einige erhebliche Niederlagen deigebracht; die drei vereinigten Banden von Lissagara, Ollo und Santo Cruz wurden von den Generalen Mvrinos und Primo Rivero bei Aya geschlagen und erlitten empfindliche Verluste. Die königliche Familie ist um einen Knaben, den dritten, vermehrt worden.
In Portugal hat eine große Arbeitseinstellung der Heizer und Lokomotivführer den Eisenbahnverkehr unterbrochen; doch ist der Regierung gelungen, theils durch Hinzuziehung ausländische» Personals, theils durch Vermittlung, den Sinke bald zu Ende zu bringen.
Das englische Parlament ist am 6. Februar mit einer Thronrede eröffnet worden, welche dem Lande zu dem Fortbestehen guter Beziehungen zu allen Völkern der Erde G.ück wünschen kann, indem auch von oen seit drei Zähren geführten Verhandlungen mit Rußland bemerkt wird, daß Graf Schuwalow der Königin den Ausdruck der freundschaftlichsten Gelühle des Czaren übeibrachte. Den wegen verabredeten Con- tractbruches zu einjährigem Gefängniß verurthente» GaSarbeitern hat der Minister deS Znnern acht Mo
Die Bauernfänger.
Novelle von Ewald August König.
(Fortt etzung.)
„Was hast Du wider ihn?" entgegnete er. „Einen M«e Man» kann ich unserer Helene nicht wünschen."
„Aber sie will ihn nicht."
„Himmel alle Welt —"
„Ereifere Dich nicht, Du kannst sie nicht zwingen."
„Hugo ist ein braver Bursch, ein solider Mann, to sein Handwerk versteht und auch nicht mit leeren Händen kommt."
»Da« Alle« gebe gern ich zu, aber eine Ehe ohne tobe —"
n.
58 i 41 M 33 34 211 -49 40 2»
»Helene sprich Du," schnitt der Küppermeister mit tochscnder Erregung seiner Gattin daS Wort ab, „ich W, Du wirst vernünftig sein."
Die Wangen deS Mädchens waren erbleicht, sie ächtete, dem Blick des Vaters zu begegnen, der streng M ihr ruhte.
„Hugo Müller hat mir schon die Hoffnungen, die hegte, mitgetheilt," sagte sie leise, „er kennt meine *>toort. Ich habe ihm gesagt, daß ich ihn achte, daß H stets seine Freundin sein werde, aber ein tieferes *ffühl als Freundschaft dürfe er nicht verlangen." . Frau Therese nickte zustimmend, der Küppermeister ytte sein GlaS und stellte eS so kräftig h>n, daß die "iler klirrten.
»Also so weit sind wir schon?" sagte er. „Wann Dichah das?"
»Gestern Abend."
»Und Müller wird sich mit dieser Antwort be Hägen müssen," erwiderte Frau Therese.
»»Slber ich begnüge mich nicht damit," fuhr Peter Shiffer auf, „Himmel alle Weit! ich werde doch auch * »einem Hause noch etwas zu sage» haben? Zch