ICi, Wr. 33. JRarfiurg, Sonnabend, den 8. Februar. 1873.
t Merhessische Zeitung.
tbaut
an.
I vv« üom ib von t die
r agt oh» enlin' «ip.
Mar- tragt- [260 tor.
Staate« oder solchen, welche von einem Reiche oder Staate garantirt find, oder in deutschen Eisenbahn- PrioritätS - Obligationen, in deutschen Renten - und Pfandbriefen tu» in Schuldverschreibungen deutscher kommunaler Corporation«, (Provinzen, Kreise, Gemeinden), sowie deutscher Meliorarions - und Deich- Genosseuschatten.
— Die Conferenz von MinisterialrSthen der Re- giernngen von Preußen, Bayern, Würtemberg, Sachsen und Baoen, welche sich mit dem Entwurf eines Ge- ietzeS, betreffend die zur Einführung der deutschen Civil- iWib Strasprozeßordnung erforderlichen Einrichtungen und Gerichte im deutschen Reich beschäftigen foll, wird erst zu Anfang ter künftigen Woche zu- fammentreren, da sich die Ankunft des bayeriichen und würtembergischen Commiffars etwas verzögert hat. — <üuf der Conferenz ist Preußen vertreten durch den Geh. Oberjustizrath Dr. Förster, Bayern durch den Ober-AppeUationsgerichlsralh Schnitt, Würtemberg durch den ObenribuimlSraih v. KohthtaS, Sachfm durch den Geh. Zuftizraih Held, Baden endlich durch MiNifteriatrath Gebhardt. Die Conferenzen werden, wie man vermmhet, etwa zwei Wochen in Anspruch nehm-n und ihr Ergebniß Gegeitstand einer weiteren Beraihung der Justizminister der gen mnten S aaten unter wahrscheinlicher Hinzuziehung der Minister au- anoeren Bundesstaaten werben.
Pose», 5 Febr. In Betreff ihrer fiüheren Millheitungen über die Abhaltung des Gottesdienstes am Gymnasium zu Wongrowicz bring, die heurige „Posener Zeitung" von kompetenter Sette nachstehende Berichtigung: An dem neugegrünret.n Gymnasium zu Wongrowez sollte wie an den übrigen katholischen U.itrrichlsanst ilten der Provinz täglich ein AnstaltS- gotl Svienst flattfinden, für deffen Abhaltung die Klosterpfarrkirche bestimmt wurde. Als aus eine Anträge des RligtonSlehrers der Erzbischof demselben die Weisung ertheilte, die Predigt in polnischer Sprache zu halten und die Kirchenlieder polnisch singen zu laffen, widersetzte sich der Gymnasialdirettor dieser Anordnung. DaS Provinzial-Schulkollegium
wegen, welchem er durch diese Mittheilung große Un- ann.hrnlichkeiten bei eitet haben würde.
Er wellte sie beobachten, über sie wachen und im entscheidenden Augenblick für sie eiütrelcn, da» war Alle-», waS er thun konnte.
Ader es kam anders.
Peter Schiffer brachte am nächsten Tage wiederum die Rede auf seine Tochter, er fviderte iyn nochmals aut, sich Gew ßheit zu verschaffen und bot ihm sogar seine Vermittlung m dieser Angilegeiiheit an.
Hugo wi»S dieses Anerbieten mit einer Hast zurück, welche den Küppermeifter b,fremden mußte.
„Eure kigeiisintitge Weigerung btingt mich fast auf die Bermuthung, daß Ihr niemals die ernste Absicht gehabt habt, Helene heimzuführen," sagte er unnillig, „nun ich werte Eiich wahrhaftig nicht dazu zwingen, aber es ist nicht r.cht von Euch —“
„Meister, da seid Ihr »über einmal auf dem Holzwege," unt.rbrach Hugo ihn ruhig. „Gott allein weiß, wie ich an meinen Wünschen und Hoffnungen gihangen habe und wie tief eS mich schmerzt, ,hnen eutfagen zu müsftn."
„Ihr seid ein Narr —*
»Wäre ich cS, würde ich Eurem Rathe folgen und mir den Korb holen."
Der Küppermeifter nahm geräuschvoll eine Prise und kloppte seine Dose so energisch zu, als ob er damit^ andeur-n wolle, baß er fest entschloffen sei, jetzt der Sache tut Fiide zu machen.
„Wer Nicht wagt, gewinnt nichtssagte er, „glaubt Ihr denn, meine Frau sei mir so ohne Weiteres in die Arm« hineingclaufen? Wenn ich mir nicht ein Herz gefaßt und ihr mit deutlichen Worten meine Wünsche zu verstehen gegeben hätte, wären wir nimmer ein Paar geworden."
„Glaubt Ihr denn, m r fehle der Muth? fragte Hugo.
„Ja, da« glaube ich; ich weiß sehr wohk, daß nicht Jeder das Zeug hat, eine LiebeSwerbing aus
tr.
-SS
-41
-54
—33
-34
-21
7-49
-40
Die Bauernfänger.
Novelle von Ewald August König.
tFortfetzung.)
Hermine athmrte erleichteri auf, ste hatte die dro senden Blicke Warndotff'S und das trotzig« heraus irrdernde Lächeln de« Baron« bemerkt und di« ernste hefürchlung gehegt, daß es zu eenem offenen Con litt zwischen den Beiden kommen werde; sie kannte 6« leidenschaftliche Temperament ihre« Verlobten, der B den Augenblicken der Aufwallung seine Worte nicht #if die Goldwaage legte.
Sie zürnte der Mutter, weil eS ihr geschienen sttte, als habe diese sogar beabsichtigt, de« Conflikt ito Ausbruch zu bringen.
Frau v Barnitz wollte dem Baron ein Loblied ftigen, der Major schnitt ihr das Wort ab mit der Bemerkung, daß er nicht in der Stimmung sei, in ihren Gesang einzustjmmen; entrüstet über diesen u« höflichen Einwurf zog die gnädige Frau sich mit ihrem «logneser Hündchen in ihr Gemach zurück.
„WaS nun, Bater?" fragte Hermine rathlcS.
Der Major zuckte die Achseln und goß em Glas < Irin hinunter
„Geduld," erwiderte er, „einen andern Rath habe M nicht."
„Ich habe den ganzen Abend wie auf glühenden Stylen gesessen, in jedem Augenblick einen Wortwechsel Mrchtend, der —"
, „So ist'« mir auch ergangen, liebe- Kind, aber ? He, die Herren werden sich in unserer Gegen- •trt ,u mäßigen wissen. Warndorff sollte de« Baron
so schroff entgegentreten."
„Ich habe ihn auch dringend darum gebeten, aber—* „Na, ja, er ist ein Hitzkopf."
„Er will sich schon jetzt erklären, Dein Macht- Much soll den Widerstand der Mutter beseitigen."
Der Major stand an der Thür, er schüttelte ernst, ^lchnend da- Haupt.
< i „Er muß warten, Geduld haben," sagte er. „Warn-
eilung chreilb t der auter, Gul! aka- ben unter ebeni- unter oncen: lagln [2V1
08- 4 wird
UNgki! rfrtffl i272 l DOS w [195
ver- tzogcn [254
«rscheinttSglich außer den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal durch die Expedition (Koch'sche Buchdruckerei) bezoqen «Sj Sgr., durch die Postämter '87 L«r. (excl. Bestellgebühr und uuL Stempelsteuer», für das Ausland excl. Stempel 82 Sgr. — Jnscrtionsgebühr für di« gespaltene Zeile 1 Sgr. Sämmrliche Änuoucen-Büreaus nehmen Inserate an.
»Doss- Ztg." zu zählen ist. — ES ist richtig, wenn ' einz.lne Correspondenzen sagen, daß auf der Tagesordnung der Ministerberathungen auch die Besetzung 1 der Oberpräsidialposten stehe. Man meint nur, daß die Anwesenheit de« Herrn v. Horn mit dieser Frage in Verbindung steh« (Pofen-?). Dagegen bezweifelt ' man in RegierungSkreisen die Angabe, daß Herr v Leipziger für da« Oberpräsidium in Hannover auS ersehen sei; für möglich wird nur geilten, vaß Herr v. Leipziger interimistisch einige Zeit jenen Posten ver sehen jolle.
— Bon der Gesammtsum ne von 68 Mill. Thlrn., welche die Vorlage de« Reichskanzlers wegen ver Um gestaltung der deutschen Festungen erfordert, fallen 25 Mill, auf die Vollendung der noch unfertigen Befestigungen der Seeplätze und auf Küstenbefestigungen. Die vollständige Sicherung unserer Kifften und großen SlrommündungeN ist, der Vorlage zufolge, ein Er fordoruiß von besonders großer Dringlichkeit. Daraus daß im letzten Kriege kein ernstlicher Angriff von dieser Seite veisucht worden sei, dürte keineswegs etwa gefolgert »erden, daß die einem solchen entgegenstehen dm tiatürttchen Hindernisse vollanf genügten. Es feien für den in Rebe stehenden Zweck überall nur die von den Sachkundigen einstim nig ais unbedingt nothwen big bezeichn ten Anlagen in Antatz gekommen; wen» sich dao Geldbecürsniß trotzdem auf eine ziemlich vohe Summe belaufe, so habe ras seine Uriache in den besonderen örtlichen Schwierigkeiten, welche an vielen Küstenpunkten die Terrainbeschaffenheit ver Ausführung von so standfesten und schweren Bauwerken, wie Küsten befestjgungen der heutigen Schiffsausrüstung gegenüber fein müssen, entgegeuftelle.
— Rach entern dem BundeSrathe zugegangeneu Gesetzentwürfe soll aus der französischen Kriegsent- Ichäbtgung ein Reichs Juvalideitfonds mit einer Ca P talsumme von 187 Mttl. Thater gebildet und von emer Behörde verwaltet weiden, welche in Berlin ihren Sitz hat. Das Geld ist zinsbar anzulegen in Schuldverschreibungen, welche auf d n Jndaber lauten, over in Schuldvertchteidungen ein.S Reiches ober dvifi kann nicht verlangen, baß ich für ihn eintreten soll. Er verliert ja nichts dadurch; wenn ter Baron so kühn ist, um Dich zu werben, werden wir ihm lchon eine Antwort g.ben, die 4hm beweist, daß feine Hoffnungen sich nicht verwirklichen tönnen. Gute Nacht, Kind, schlage Dir die Grillen aus dem Sin« und vertraue auf unser - Herrgott."
Der Major ging in sein Schlafzimmer, er blickte nicht so ruhig in die Zukunft, wie er sich dm An schein gab.
Das leidenschaftliche Temperament Warndoiff's gab ihm gerechte Ur»ach« zu ernsten Belotgniss.it; wenn der Baron, gestützt au| bie Ptotrctivn der Frau von Barnitz, den entscheidenden Schritt that, so liest sich voraus ehe», daß btejer Schritt den Frieden d-r Familie zerstörte, und die Möglichkeit lag nahe, daß Warndorff die Gelegenheit suchte und fand, seinen Nebenbuhler mit dem Degen in der Hand zu beweisen, oaß er em alterte Recht auf Herz und Hand Her- minms besitze.
Aber wie wollte, wie konnte er dem Eintritt dieser Möglichkeit vorbeugen?
Er wollte tuchl der Störenfrüb fein, nicht für die Rechte Warndorff's in die Schranken treten, |o blieb ihm denn nichts andere- übrig, als mit sorgen umwötkter Stirn bi« kommenden Dinge zu erwarten.
8. «apitrl.
Zn der <£ajerne.
Die Unterredung mit dem Polizei-Commiffär hatte Hugo sehr nachdenklich gestimmt.
Wenn der Commissär schon früher dem Hand- lung-reisendm in der Diebes herberge begegnet war, so unterlag eS kaum einem Zweifel, daß Helene in diesem Hause eine Zusammenkunft mit ihm gehabt hatte. - ,
Er ging lange mit sich zu Rathe, ob «r sein. . Vermulhunge» dem Küppermeifter mittheilen solle; er konnte sich nicht dazu entschließe«, be« Mädchen« i
* ’ DettllcheS «rich.
•• Berlin, 6. Febr. Die „Kreuzztg." hat bekanntlich gemeldet, da^das Herrenhaus Dienstag 18 Februar seine ArbeiteiMvieder aufnehmen werde und daß die Wahl einer Commission zur geschäftlichen Be Handlung der kirchlichen Gesetzvorlagen erfolgen solle 8h diese Mittheilungen knüpft die „Germania" einige kritische Bemerkungen und hebt hervor, daß da« Herrenhaus keine Commiision ernennen könne, »eti tzr das Hau» die Vorlagen offteiett noch nicht exi flirten, auch da« Herrenhaus die Beschlüsse be« Abgeordnetenhauses gar nicht kenne, überhaupt seien solche Maßnahmen nicht gerechtfertigt; das kachvlische Blatt fügt hinzu, baß bife Voreiligkeit ei« Stratege« der Frattion Stahl fein solle, könne es nicht glauben Demgegenüber möchte wohl zu bemerken fein, daß di. Millheitungen der „Kreuzztg." nicht auf Grund eine« ilusschreibens der Fraciion Stahl erfolgt sind, sondern daß daS Präsidium des Herrenhauses in diesem Falle, nie schon öfters in ähnlichen Fällen, durch Circular die Mitglieder de« Hauses von den Disposttivnen und Absichten für die Zukunft in Kenntmß gesetzt hat. Zit einer Ereiferung über die Wahl einer Commission für die Kirchenfragen, zu welcher sich tue „Germania" herbeiläßt, war kein Grund vorhanden; e« ist im henenhause eine hergebrachte Praxi», daß die Com ntsfionen im Vorau« ernannt roeroen, damit sie sich, venn auch natürlich nur antecipando, mit den be Affenden Fragen beschäftigen; fv v,stehl z B die tzudgei Commission, bevor der StaatShausha.tSetat an da« Herrenhaus gelangt, damit diese Commiision sich Bit den Beschlüssen de« Abgeotdtietenhaufe« coniorm halte. Die „Germania" macht gewiß auch nur fine tzedenken gellend, weil st« bie Absicht de« Präsidenten d<S Herrenhauses merkt, jedweder Verlchleppung d.r Vorlagen im Herrenhause vorzuoeugen. — Welche Stimmung sich in der öffentlichen Meinung für die kirchlich.» Vorlagen und gegen die »gtta.ion der nitramontaneti kund gibt, b weist die Aufnahme be« letzten Artikel- der „Ptov Corresp." in fast jämmr üche größere Preßorgane, zu denen diesmal auch die
95,,;.